Heide Göttner-Abendroth 
Kurt Derungs

 

Matriarchate 
als herrschaftsfreie
Gesellschaften

Edition Amalia 1997  
ISBN: 3-90558101-9 

1997     293 Seiten

wikipedia.Autorin  *1941

DNB Buch 1997  

goettner-abendroth.de 

Google.Autorin  

detopia: 

G.htm     Utopiebuch  

Doro.Sölle   C.Zacharias   M.Mitscherlich 

Patriarchat    Heydecker.Frau   Utrio 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

 

 

    

 

Utopie in der Neuen Linken und in der Frauenbewegung  

von Heide Göttner-Abendroth

Aus: Ästhetik und Kommunikation Nr. 37 (Oktober) 1979

Web: linksnet.de/artikel.php?id=1381 

 

1. Was ist Utopie?   

Wenn wir von Utopie reden hören, ist meist etwas Negatives gemeint. Ein Gedankengang, eine Idee wird als "Utopie" bezeichnet, wenn jemand ihn als verstiegen, unrealistisch, weltfremd abqualifizieren will. 

In der Politik hat sich gar der Begriff "Traumtänzer" für jemand eingebürgert, der sich mit utopischen Vorstellungen beschäftigt.

Diese abwertende Bedeutung von Utopie ist nicht zufällig, sie hat einen historischen Hintergrund. Die wohl erste Utopie der Menschen ist die Erzählung vom Goldenen Zeitalter, und ihr haftet keinerlei negativer Beigeschmack an, sondern sie ist die mit Trauer getränkte Legende von einem verlorenen Paradies:

Im Goldenen Zeitalter stammten die Menschen von einer Göttin ab, sie lebten ohne Gesetz und Rechtsprechung in Frieden und Zärtlichkeit, sie kannten weder Waffen noch Geld, hatten keine Sorgen und keine Arbeit. Sie lebten von wilden Früchten und Honig, von der Milch der Schafe und Ziegen, sie wurden nicht alt und verbrachten die Zeit mit Tanzen und Lachen. Der Tod war für sie nur ein Schlaf, aus dem sie wieder aufzuwachen glaubten. Ihre Gemeinschaft war eine der Gerechtigkeit und des Glücks.

Im Silbernen Zeitalter gehorchten die Menschen noch immer den Müttern, obwohl sie nun Arbeit hatten. Denn sie nährten sich von Brot und mussten es den Äckern abgewinnen. Dennoch gab es auch in diesem Zeitalter keinen Krieg.

Im Bronzenen Zeitalter wurden die Waffen erfunden, Streit und Krieg kamen auf, die Menschen waren dreist und mitleidslos. Dennoch gab es auch in diesem Zeitalter noch edle Heroen.

Das vierte Zeitalter war das Eiserne, das noch immer andauert: Diese Menschen sind wertlose Nachfahren, entartet, grausam, ungerecht, böswillig, hinterhältig und ohne Achtung. Krieg und Blutvergießen um Macht oder Geld macht ihnen Freude.(1)

Wir haben hier eine rückwärtsgewandte Utopie vor uns. Und wenn wir davon ausgehen, dass die mythisch beschriebenen Zustände einmal Charakteristika realer Gesellschaftsformationen gewesen sind (Altsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit bis zur Antike), dann verstehen wir, was Utopie ursprünglich ist: Sie ist die Erinnerung an eine bessere Gesellschaft, als sie offenbar in jener Zeit, in der sie formuliert wurde, existiert. Sie ist oppositionelles Urzeiten-Gedächtnis, das spätere soziale Zustände ablehnt. Als solches ist sie ein politischer Faktor. Als politischer Protest und Widerstand löst sie die diffamierende Reaktion der jeweils Herrschenden aus: Sie wird schon von Platon zum Märchen erklärt, zur haltlosen Fabuliererei, zum Phantasiegebilde von Ammen und Poeten wie Mythologie insgesamt, weshalb er sie strikt aus seinem vernünftigen Staat ausgeschlossen wünscht. Dies Vorurteil gegen Mythologie blieb bestehen, und die mit ihr verknüpfte Utopie spielte eine ambivalente Rolle seit der Antike bis heute.

*

Im Mittelalter taucht sie in der rückwärtsgewandten und vorwärtsgewandten Form auf, aber vollständig absorbiert vom theologischen System: Einen Rest der Mythe vom Goldenen Zeitalter spiegelt die biblische Paradies-Geschichte. Auch hier leben Menschen und Natur in Harmonie, die Arbeit ist gering, die Nahrung reichlich, Frieden und Zärtlichkeit dominant, Krieg unbekannt; der Schöpfer des Paradieses ist aber diesmal der patriarchale Vatergott. Entsprechend wird die Frau zur Ursache der Vertreibung aus dem Paradies gemacht, und sofort danach setzt die Schilderung von Streit und Mord ein (Genesis). Die vorwärtsgewandte Utopie ist ganz ins Jenseits verlagert, ins Bild einer neuen Welt nach dem Jüngsten Gericht, die Züge des verlorenen Paradieses trägt: sie ist Harmonie und Seligkeit in der Nähe Gottes (Apokalypse). Diese Einbettung von Utopie in übersinnliche Heilsgeschichte hinderte sie nachhaltig daran, eine gesellschaftspolitische Opposition zu entwickeln.

Diese taucht in der Renaissance wieder auf, jedoch vorsichtig verschlüsselt. Philosophen wie Thomas Campanella ("Sonnenstaat") und Thomas Morus ("Utopia") waren die ersten, die es wieder wagten, ihrer Zeit im Bild des idealen Staates einen kritischen Spiegel vorzuhalten. Doch sie distanzierten diese Kritik so sehr, dass sie die utopischen Staaten fern auf glücklichen Inseln oder in fiktiven Welten ansiedelten. Utopie wurde damit zu einem hermetischen Genre, zur abstrakten Utopie, die, als Spekulation von Philosophen abgetan, keinen politischen Einfluss gewinnen konnte. Als Genre existierte sie fort im selben Grad an Abstraktion, wie er noch heute, harmlos integriert, bei den fernen Planetenwelten der Science-Fiction-Romane auftritt.

 

Ernster nehmen mussten die Regierenden den vorwärtsgerichteten utopischen Impetus der Aufklärung, in der streitbare Philosophen wie Voltaire das Bild einer durch Vernunft und Wissenschaft von selbstverschuldeter Dummheit, religiösem Wahn und unnötiger Knechtschaft befreiten Menschheit malten. Dieser Utopismus griff als Kritik direkt die bestehenden Staatsgebilde an und verband mit seinen Zukunftsvorstellungen unmittelbar die politische Forderung. Bloß eine andere Facette derselben Geisteshaltung war Rousseaus Philosophie, die Vernunft statt mit der technischen Zivilisation mit dem einfachen Leben in der Natur verknüpfte: eine vom magischen Obskurantismus gereinigte Naturvorstellung wurde in das utopische Bild einbezogen. Der breite und vielfältige Strom der Aufklärung hinterließ seinen Stempel in der politischen Geschichte in Gestalt der Französischen Revolution.

So deutlich hier die Verbindung von Utopie und politischer Opposition wieder hervortritt, so blieben doch die Visionen der Aufklärer noch immer abstrakt und in eine ferne Zukunft verschoben. Der schematische Charakter dieser Modelle trug ihnen das Etikett "weltfremd" ein, das noch heute als beliebte Abwertung für Utopie umläuft. 

Die Situation änderte sich erneut mit der Entstehung des Marxismus: Hier ging es um die Erforschung der grundlegenden Gesetze sozialer Veränderungen, die im ökonomischen Bereich gefunden wurden. Die Entdeckung der sozialen Veränderungsgesetze erlaubte es, Veränderung von Gesellschaft nicht nur vorauszusehen, sondern auch bewusst zu planen und auf ein bestimmtes utopisches Ziel hin: die klassenlose und damit herrschaftslose Gesellschaft, zu lenken. 

Damit trat der Typ des Utopisten als Prophet und als Berufsrevolutionär auf den Plan. Die Kritik daran ist heftig und anhaltend: Die Existenz solcher Gesetze wird bestritten und damit die Möglichkeit, Utopie wie eine Prognose aufzustellen, die sich mit naturgesetzlicher Zwangsläufigkeit erfüllt. Jeder utopische Determinismus dieser Art führe zu zentralistischen Regierungen und zur Diktatur. Utopie sei dagegen eher eine regulative Idee, ein nicht-wissenschaftlicher, aber vernünftiger Entwurf, der komplexes Handeln anleite. Als vernünftiger Entwurf aber lasse sie Alternativen und die Entscheidungsfreiheit offen (Popper).(2)

 

Trotz dieser positiven Einschätzung von Utopie kommt Popper doch zu der Empfehlung, Utopie als alternativen Gesamtentwurf besser fallen zu lassen und statt dessen die Sozialtechnologie als schrittweisen Umbau, als Reform bestehender Gesellschaft zu akzeptieren. Denn utopische Vollkommenheit sei nicht zu erreichen - nur in diesem Punkt weiß er sich eins mit Marx, der dem Utopismus mehr Realismus wünschte, denn utopische Pläne ließen sich nicht so realisieren, wie sie erdacht würden. Marx' Kritik mündete jedoch nicht in die Trivialität, Utopie als Einzelentwurf der Sozialtechnologie dienstbar zu machen (und sie damit ihres transzendierenden Charakters zu berauben), sondern seine Kritik richtete sich auf die abstrakte Utopie als Glasperlenspiel der Philosophen. Er forderte dazu auf, sie durch Verbindung mit Realismus in eine konkrete Utopie zu überführen.

 

Konkrete Utopie als regulative Idee, als vernünftiger Gesamtentwurf zur Anleitung politisch-oppositionellen Handelns - das ist die Vorstellung, welche die Gesellschaftskritik der Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno, Habermas) und des Philosophen H. Marcuse leitet. Abstrakte Utopie wird dabei als unrealistisch genauso abgelehnt wie die Verkürzung der utopischen Perspektive zu einem Hilfsmittel der Sozialtechnologie. Deren Mangel an Alternativen lasse die Gesellschaft bald zu einer "eindimensionalen" verkommen.(3)

Konkrete Utopie liefert keine Prognosen und lässt daher Alternativen und Entscheidungsfreiheit offen, aber andererseits hat diese Entscheidungsfreiheit keinen beliebigen Spielraum, sondern sie ist verknüpft mit dem Interesse der Unterdrückten an ihrer Befreiung. Ihren Realismus zeigt sie darin, dass sie keine spekulativen Entwürfe von einer örtlich oder zeitlich besseren Gesellschaft entwickelt, sondern die Unterlassung der gegenwärtigen Gesellschaft kritisiert, auf dem Boden der gegebenen ökonomischen und sozialen Ressourcen einen bereits möglichen besseren gesellschaftlichen Zustand herbeizuführen: sie ist damit die Utopie der heute überfälligen, aber bewusst verhinderten besseren Gesellschaft. 

In der Differenz zwischen dem Maß des heute real möglichen sozialen Glücks und dem Maß der Verhinderung dieses Glücks liegt ihre utopische Brisanz. Diese Verhinderung geschieht aus Gründen ungerechter Machtverteilung und egoistischen Missbrauchs der Ressourcen. Das klagt die konkrete Utopie an und fordert unversöhnlich die Realisierung der hier und heute gegebenen Möglichkeiten. Darin ist sie noch immer der alte "Traum", aber sie ist zupackender geworden, klarer, genauer, prägnanter, ein wirklichkeitsnaher Traum. Bekanntlich war es diese Art von utopischer Phantasie, welche die Studentenbewegung und die Neue Linke leitete und den Regierenden nicht geringe Probleme schuf. In dem Schlachtruf "Die Phantasie ergreift die Macht!" klangen alle inhaltlichen Assoziationen mit, welche die konkrete Utopie füllen. Diesen wenden wir uns jetzt zu, um von da aus Vergleiche mit den utopischen Elementen der heutigen Frauenbewegung zu ziehen.

 

2. Utopie in der Neuen Linken: 
Herbert Marcuse und die ästhetische Gesellschaft

 

Es ist hier unmöglich, den Reichtum von Marcuses Ideen auch nur anzudeuten. Die Grundlinie seiner Utopie und seiner Kritik ist aber die folgende:

In "Eros and Civilisation" (4) wendet sich Marcuse scharf gegen die allgemein akzeptierte These Siegmund Freuds, dass Kultur nur durch Triebverzicht, durch Sublimation des Lustprinzips möglich sei. Das Glück müsse nach dieser Auffassung der Disziplin der Arbeit als Volltagsbeschäftigung untergeordnet werden, ebenso der Disziplin der monogamen Fortpflanzung und dem geltenden System von Recht und Ordnung. Diese methodische Aufopferung der Libido, des Lustprinzips, sei die Folge der falschen Gleichsetzung von Kultur und Unterdrückung. Der Konflikt zwischen Lustprinzip (Eros) und Leistungs- oder Realitätsprinzip (Civilisation) sei aber nicht unversöhnlich, sondern die Folge einer spezifischen historischen Organisation der menschlichen Kultur, der patriarchalen. 

Die utopische Vorstellung richtet sich bei Marcuse daher auf eine Kultur ohne Unterdrückung, die auf anderen Daseinserfahrungen, auf einer völlig anderen Beziehung zwischen Mensch und Natur, beruht. Diese Vorstellung ist keine abstrakte utopische Spekulation, sondern sie wird getragen von zwei konkreten und wirklichkeitsnahen Gründen: Einmal widerlegt die Entdeckung des Unbewussten in Freuds Theorie selbst die These von der Unmöglichkeit einer Kultur ohne Unterdrückung; zum anderen liefern die wissenschaftlichen und technologischen Errungenschaften der unterdrückenden Kultur die Vorbedingungen für die Abschaffung der Unterdrückung (z.B. die Erleichterung schwerer körperlicher Arbeit durch Automation, die Verkürzung der Arbeitszeit, der mögliche Sieg über die Armut, die Geburtenkontrolle, die Liberalisierung der sexuellen Moral, die allgemeine Bildung). Die heutige Kultur, besonders die westliche, ist deshalb nach Marcuse dadurch gekennzeichnet, dass sie Unterdrückung vielleicht um so nachdrücklicher übt, je unnötiger diese aufgrund psychoanalytischer und sozialer Erkenntnisse und aufgrund der zur Verfügung stehenden Technologien ist.

Mit den "psychoanalytischen Erkenntnissen" bezieht sich Marcuse auf Freuds Konzeption vom Unbewussten. Er geht dabei von der latent in der Psychoanalyse enthaltenen Kulturtheorie Freuds aus, welche eine primäre Unterdrückung des Lustprinzips durch den Urvater schon in der Urhorde annimmt. Bereits hier setzt nach Freud die traumatische Umformung des Lustprinzips ins Realitätsprinzip ein, welche eine Verschiebung der augenblicklichen Befriedigung der erotischen Lust, der Freude und des Spiels, des Empfangens und Entgegennehmens zur Lustenthaltung ist. Nach Freud muss diese Verschiebung oder Sublimation immer stattfinden, um Kultur zu erzeugen.

Es gibt aber eine Kraft, die dem Sublimations- und Unterdrückungsmechanismus Widerstand leistet: die Phantasie. Sie gehorcht allein dem Lustprinzip und bewahrt gegen seine traumatische Verdrängung von Anfang an seine ursprünglichen Ansprüche und Ziele auf. Das Unbewusste, aus dem die Vorstellungswelt der Phantasie steigt, ist nach Freud das große Reservoir der verdrängten Wünsche des überwundenen Lustprinzips, und zwar nicht nur der individuellen, sondern auch der sozialhistorischen Wünsche.

Nach Marcuse ist es gerade die Wiederkehr dieses Verdrängten in der Menschheitsgeschichte, das die etablierte Kultur beunruhigt und die unterirdische Gegenbewegung gegen sie speist. Denn dieses Verdrängte beinhaltet nach ihm nicht nur Bilder aus einer glücklicheren animalischen Zeit vor der "Urhorde", sondern Bilder einer anderen Kultur vor der patriarchalen "Urhorde". Erst die patriarchale Kultur perpetuierte die Unterdrückung; Freuds Urhorden-Konstruktion aber stellt nur eine weitere Variante dar, den Ewigkeitsanspruch des Patriarchats zu zementieren. Das meint Marcuse, wenn er davon redet, dass die Entdeckung des Unbewussten durch Freud seiner eigenen These von der Kultur durch immerwährende Unterdrückung widerspricht.

Immer stärker tritt nach Marcuse deshalb in der Gegenwart die Phantasie als opponierende Kraft zutage, als Einklagen der Erinnerung ans archaische Paradies, als rückwärtsgewandte Utopie und deren Umformung in eine vorwärtsgerichtete konkrete Utopie. In Urbildern eines Lebens ohne Unterdrückung und Angst, wie sie in Mythos und Märchen, Dichtung und Volksbrauch auftauchen, hat sie ihren Wahrheitsgehalt bewahrt und stellt diese als Möglichkeiten der echten Freiheit in einer reifen Kultur wieder vor Augen.

 

Marcuse nennt zwei Beispiele für solche Urbilder: Orpheus und Narziss. Sie stehen dem Typus des "Kulturheroen" entgegen, der durch rastlose Anstrengung Kulturgüter schafft, aber um den Preis des dauernden Leidens wie z.B. Prometheus. Orpheus und Narziss gehorchen dagegen dem Prinzip der Freude und der Erfüllung, darin dem Dionysos verwandt. Sie verkörpern den Frieden und das Ende der Mühsal der Eroberung. Orpheus z.B. ist die Stimme, die nicht befiehlt, sondern singt. Er vermag Bäume und Tiere zur Antwort zu bewegen und die unbelebte Natur zu beleben. Er befriedet die äußere Natur, wenn der Löwe neben dem Lamm seinem Gesange zuhört. Und er befriedet die innere Natur, denn er vermag durch seinen Eros aus den Stadien des Todes (Unterwelt) wiederzukehren, die naturgesetzlichen Grausamkeiten durch seine Liebe zu überwinden. Ähnlich ist der Eros des Narziss nicht auf eine bestimmte Sexualität begrenzt, sondern er ist verliebt in sich, ohne es zu wissen; er liebt die Quelle, den Wald, die kosmische Natur als Spiegel seines Ichs. Das Spiegel-Motiv deutet die Unendlichkeit seines ozeanischen Gefühls an, Narziss geht so ohne Gewaltsamkeit in die Natur ein, die allein seinem Eros antwortet. Es gibt zwischen ihr und ihm keine schmerzhafte Trennung, sondern nur das totale Aufgehen in ihr, die panhafte Rezeptivität; nichts wird in seinem Eros objektiviert, sondern er ist in allem.

Narziss ist der Urtyp der allumfassenden Libido, sein Leben ist Schönheit, sein Dasein Kontemplation. Orpheus ist der Urtyp des Dichters als Befreier und Schöpfer, seine Sprache ist Gesang, sein Werk ist Spiel. Beide sind verliebt in den Tod, der für sie keiner ist, sondern das Nirvana als das Lebensprinzip aus dem entgrenzten Eros.

Rezeptivität, Sensitivität, Gewaltlosigkeit, Zärtlichkeit, Eros, Lebenstrieb gegen die Destruktion zeichnen nach Marcuse nun nicht nur die mythologischen Subjekte Orpheus und Narziss aus, sondern eine große Zahl realer Subjekte: die Frauen. Weitgehend ausgeschlossen von den Produktionszwängen der patriarchalen Kultur konnten sie diese Eigenschaften bewahren oder besser entfalten. Die Schönheit und das Glück, das sie damit versprechen, haben utopische Züge. Bezeichnend für diese latent utopischen Qualitäten ist, dass in der prometheischen Arbeitswelt patriarchaler Kultur das weibliche Prinzip, verkörpert in Pandora, nur als Störung und Verhängnis, als zersetzender und zerstörenden Fluch verstanden wurde und wird. Marcuse aber betrachtet die dominanten weiblichen Eigenschaften als erstrebenswerte Prinzipien für die ganze Menschheit, was seine beiden Urbilder Orpheus und Narziss verdeutlichen. Die Frauen haben dabei einen Vorsprung, denn sie besitzen diese Eigenschaften bereits, während die Männer, zu lange vom prometheischen Prinzip geprägt, sie offenbar durch Rückbesinnung auf die Urbilder erst wieder erwerben müssen. (5)

Dieser neue Typ des Menschen, orientiert am weiblichen Prinzip, wie Marcuse es versteht, ist in der Lage, eine neue Gesellschaft zu bilden. Diese hat entschieden Bezug zur ästhetischen Dimension, denn das Ästhetische in der weitesten Bedeutung vereint alle diese Züge: Es ist die innere Verbindung zwischen Lust und Sinnlichkeit, Wahrheit und Freiheit, das unbegrenzte Spiel der Möglichkeiten aus der Entbindung der libidinösen Kräfte. Hier wird Ordnung zur Schönheit und Arbeit zum Spiel. Die grundlegende Erfahrungsweise in der ästhetischen Dimension ist Intuition, nicht Begriff.

In der ästhetischen Gesellschaft dominiert entsprechend nicht mehr das Realitätsprinzip, sondern der Eros: erstens als Reaktivierung der prägenitalen polymorphen Sexualität gegen die monogame patriarchale Familie; zweitens als Kulturschöpfung aus freier, reproduzierender Intuition; drittens als Sinnlichkeit als Quelle und Organ der Erkenntnis, denn Erkenntnis ist verbunden mit Lust; viertens als Ersetzung der Arbeit durch den Spieltrieb und der Herstellung der Ordnung nach den Regeln der Schönheit als "Zweckmäßigkeit ohne Zweck". Entsprechend leben die Menschen in dieser Kultur in spielerischer Entfaltung statt in Mangel. Das alles ist aber nur möglich auf dem Boden einer reifen Kultur, deren Ressourcen und Technologien so groß sind, dass Unterdrückung und Not überflüssig werden. Diese Vorbedingungen sieht Marcuse in den westlichen Zivilisationen erfüllt.

 

3. Utopie in der Frauenbewegung: 
der Staat der Mütter und Amazonen  

Utopie findet sich in der neuen Frauenbewegung bis jetzt noch nicht als Formulierung eines Ideengebäudes, einer utopischen Theorie wie bei Marcuse, sondern die utopischen Elemente tauchen eher als bewusster Rückgriff auf verloren gegangene Praxis auf. Diese Praxis wird allerdings begleitet von Reflexion, die sich bislang aber noch nicht als zusammenhängende, positive Konzeption artikuliert hat.

Die Schwierigkeit mag darin liegen, dass es auf dem heutigen Stand der Dinge unmöglich ist, in Abgrenzung von allen bisherigen doktrinär-patriarchalen Wesensdefinitionen des Weiblichen sofort positiv-utopische Bestimmungen einer neuen Weiblichkeit und einer neuen weiblich geprägten Gesellschaft vorzulegen. Wo wären die Begriffe dazu, die heute nicht abgenutzt und deshalb mit fatalen Assoziationen beladen wären?

In Absetzung von den bis dahin üblichen klerikalen, wissenschaftlichen und staatlichen Wesensdefinitionen der Frau, welche die aufgezählten Eigenschaften durchgängig negativ bewerteten, enthielt sich auch die ältere Frauenbewegung von solchen Festschreibungen der Weiblichkeit und entwickelte statt dessen ihre Gleichheits-Utopie. Diese war im allgemeinen aber nur eine Adaption der positiven Eigenschaften, die bis dahin ausschließlich dem Mann zugeschrieben worden waren, nun auch für die Frau. Diese Eigenschaften wurden als fürs ganze Menschengeschlecht gültig deklariert, wobei den Frauen meist entging, dass sie damit noch keine Umwertung der Werte vornahmen. Entsprechend ihren Ideen partizipierten sie dann auch praktisch an allem, ohne damit eine eigene Lebensform zu schaffen. Sie gingen in die Politik, die Wissenschaft, den Sport, in alle Berufe - soweit sie es durften - um ihre Ebenbürtigkeit mit dem Mann zu beweisen. Ihre utopischen Gesellschaftsvorstellungen tendierten deshalb zum Ideal des "zeitlosen Menschen" in einer mann-weiblich ununterschiedenen Welt, wo offenbar die zwei Geschlechter sich geschwisterlich ähnlich werden sollten. Trivialisiert finden sich heute diese Ideen in Vorstellungen von Partnerschaft und Unisex oder in gewissen Slogans von den Frauen, die auch alles können!

Mit der neuen Frauenbewegung und ihrem erklärten Feminismus setzte eine andere Richtung ein: Nach anfänglich radikaler Umwertung der Werte, die nun der Frau alle positiven, dem Mann alle negativen Eigenschaften zuschrieb und sich sogar bis zur Idee der "Vernichtung aller Männer" steigerte (V. Solanas), hat sich nun eher eine experimentelle Einstellung durchgesetzt, die in einem vorsichtigen Tasten nach den genuin weiblichen Qualitäten, frei von patriarchaler Verzerrung, besteht, ohne dies gleich auf den Begriff bringen zu wollen. 

Diese Haltung vermeidet vorzeitige Festlegungen durch Wesensdefinitionen nur mit umgekehrtem Vorzeichen und betrachtet kritisch eine simplifizierende Umwertung der Werte. Denn auch dieses Vorgehen hat Geschichte in der Unterdrückung der Frauen: es diente nur allzu oft als Alibi für Jungfräulichkeits- oder Mutterschaftsideologien, welche die Frauen einschränkten statt sie zu befreien. 

(So sehr Marcuses Utopie hier zu verändern versucht, indem die "weiblichen" Eigenschaften nicht nur als positive, sondern für alle Menschen erstrebenswert deklariert werden, so ist doch durch die voreilige Begrifflichkeit die Gefahr der Wesensdefinition abermals nicht fern: die "zeitlose Menschheit" diesmal auf weiblicher Linie.)

 

Aus: Ästhetik und Kommunikation Nr. 37, Oktober 1979

Ende 

 


  

 

Wolfsfrauen im TÜV

von ARIANE RÜDIGER, 43, lebt als freie Autorin in München 

taz Magazin Nr. 6724 vom 13.4.2002, Seite VII  taz.de/pt/2002/04/13/a0282.nf/text   

Die Suche nach feministischen Modellen führte unter anderem in eine angeblich von Frauen dominierte Frühgeschichte und in esoterische Mystik, wie eine ehemalige Matriarchatsforscherin kritisiert. 

 

Manche Bücher erzeugen wegen ihrer Vorgeschichte und der Querelen um ihre Veröffentlichung nahezu genauso viel Wirbel wie wegen ihres Inhalts - oder sogar mehr. Zu einem Beispiel dafür könnte sich <Die Wolfsfrau im Schafspelz> entwickeln. Das Werk, geschrieben von der Germanistin Martina Schäfer, setzt sich mit einer Lieblingsvorstellung lesbischer und frauenbewegter Frauen auseinander: dem Matriarchat. 

Die Frauenbewegung war Ende der Siebzigerjahre, nachdem sie sich partiell vom Emanzipationsdiskurs der etablierten Politik gelöst hatte, auf der Suche nach neuen Modellen. Fündig wurden die Frauen in der Vergangenheit: Vor allem im Neolithikum, so eine Reihe von AutorInnen, hatte es von Frauen geprägte, wenn nicht beherrschte Gesellschaften gegeben.

Eine rückwärts gewandte Utopie also. Sie ersetzte das männlich dominierte Gottesbild durch Göttinnen der Vorzeit aus allen Weltgegenden, Weihnachten und Ostern durch germanische, keltische und andere Jahreszeitenrituale und die Kirchenliturgie durch selbst entwickelte Rituale. Einfache Volkstänze wurden zu rituellen Kreistänzen umfunktioniert und mit allerlei matriarchisch-mythischen Inhalten unterfüttert. Frau war verständlicherweise froh, endlich ein Wertesystem außerhalb des patriarchalen entdeckt oder entwickelt zu haben, das diesem wirkungsvoll entgegengesetzt werden konnte.

Und so gibt es kaum eine Lesbe, die noch nie an Kreistanzritualen teilgenommen, die noch nie die Sonnenwende oder Lichtmess gefeiert oder an Walpurgis demonstrierend durch die Innenstädte gezogen ist. Manches von alldem, etwa die Walpurgis-Demonstrationen, transportiert gegenwartsbezogene politische Forderungen wie die, sich zu jeder Tages- und Nachtzeit frei auf den Straßen bewegen zu können, sexuelle Gewalt gegen Frauen endlich zu beseitigen et cetera. Vieles versackt aber in esoterischer Selbstbespiegelung statt in politischen Taten. Kritik an diesem Hang zum Übersinnlichen, zum Orakel und Ritual statt zu Analyse und Tat, gab es - zumindest aus den eigenen Reihen - bisher relativ wenig. Konnte man sich doch auf anerkannte Forscherinnen wie Heide Göttner-Abendroth, Marie König und Marija Gimbutas berufen. 

Martina Schäfer gehörte bis weit in die Neunzigerjahre selbst zu den Protagonistinnen, die sie heute scharf kritisiert. Schäfer schrieb Anfang der Achtzigerjahre eine Doktorarbeit über feministische Utopien und kam so in Kontakt zu dem Thema, das sie seitdem beschäftigt. Hierbei lernte sie in München Heide Göttner-Abendroth kennen, deren damals beim Verlag Frauenoffensive veröffentlichte Bücher "Die Göttin und ihr Heros" und "Die tanzende Göttin" zu einer Art Bibel für viele Matriarchatsgläubige wurden.   

Gemeinsam mit Göttner-Abendroth und einigen Mitstreiterinnen gründete Schäfer auf dem niederbayerischen Weghof, der Göttner-Abendroth gehörte, das Projekt Hagia, eine Art matriarchale Privatuniversität, wo Forschung und Lehre zum Thema Matriarchat vorangetrieben werden sollten. Doch bald gab es Zoff im Projekt. 

Woran sich die Streitigkeiten entzündeten, darüber gehen die Aussagen weit auseinander. Fachliche Gründe hätten unter anderem darin bestanden, sagt Martina Schäfer heute, dass Göttner-Abendroth sich weigerte, Belege zu ihren Thesen zu liefern, insbesondere historische Vorgänge zu datieren, deren Stattfinden sie behauptete.

Schäfer selbst hat inzwischen Ur- und Frühgeschichte in Köln studiert und dort gängige naturwissenschaftliche Datierungsmethoden kennen gelernt. So hat das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Kölner Uni ein eigenes C14-Labor, in dem anhand der in einer Probe noch vorhandenen Menge des radioaktiven Kohlenstoffisotops C14 relativ genau auf das Alter einer Probe geschlossen werden kann. Die Dendrochronologie wiederum ermittelt das Alter von Funden, indem sie Baumringe analysiert. 

Außer Marija Gimbutas, so Martina Schäfer, habe keine der Matriarchatskoryphäen jemals ihre Erkenntnisse anhand solcher naturwissenschaftlichen Methoden zu verifizieren versucht. Aber auch Gimbutas' Werk entspricht nicht in allem wissenschaftlichen Standards. So interpretiert sie zum Beispiel bestimmte Zeichen, etwa Zickzacklinien, immer gleich - egal woher und aus welcher Zeit sie stammen - und berücksichtigt meist weder Herstellungsgeschichte noch Zweck bei der Bedeutungszuschreibung. Auch ihre Zeichnungen von Fundorten halten sich nicht an die üblichen Methoden und erschweren daher Vergleiche mit Aufzeichnungen anderer Fundstätten und Rekonstruktionen. 

Vor dem Hintergrund solcher methodischer Mängel relativieren sich die Theorien zum Matriarchat: Sie sind inspiriert von Mythen, deren Wahrheitsgehalt nebulös ist, und stehen in der Tradition von zweifelhaften Vordenkern wie dem Erfinder des modernen Rassismus, Comte de Gobineau oder Joseph Campbell, einem ziemlich reaktionären Mythologen. Die ersten weiblichen Vertreter der Matriarchatstheorie waren unter anderem Sir Galahad (bürgerlich: Bertha Eckstein-Diener), Josefine Schreier und Elizabeth Gould-Davis. Deren Denken, so Schäfer, beruhe weitgehend auf den Vorstellungen der rassistischen Vorväter oder sei selbst - wie bei Josefine Schreier - von Nazismen und Rassismen geprägt. 

Neuere Matriarchatsautorinnen wie Göttner-Abendroth, Christa Mulack und Carola Meier-Seethaler hätten sich nicht wirklich von diesen geistigen Strömungen distanziert, sondern sie allenfalls modifiziert oder für ihre Zwecke ausgeweidet. Am intensivsten geht Schäfer mit Göttner-Abendroth ins Gericht, was nahe liegt, da sie den tiefsten Einblick in ihre Arbeitsweise hat. So wirft sie Göttner-Abendroth unter anderem vor, ihre wichtigste Quelle, Joseph Campbell, nicht zu zitieren. "Ein Buchtitel von Campbell, ,Der Heros in tausend Gestalten', ist bei Göttner-Abendroth eine Gedichtzeile, im Weghof gehörte er selbstverständlich in die Bibliothek, und alle haben ihn sich gegenseitig empfohlen", so Schäfer. "In Göttner-Abendroths Bibliografie aber taucht er nicht auf." Dazu käme eine weitreichende Unkenntnis der Epochengliederung vorgeschichtlicher Zeiträume und viele andere methodologische Fehler. 

Bei ihren eigenen Reisen zu Kultplätzen, die Schäfer mit anderen Frauen im Projekt "nebenan" anbietet, verzichtet sie nun auf die Matriarchatstheorie. "Wir gehen heute nicht mehr an die Fundstellen und fragen: Was sehen wir hier vom Matriarchat? Sondern wir schauen, was ist da eigentlich, überlegen, aus welchen Funden man irgendwelche Schlüsse über das Leben der Menschen und schließlich über das Leben der Frauen ziehen kann. Weil oft sehr wenig gefunden wird, ist das meist nicht sehr viel." 

In ihrem Buch geht Martina Schäfer noch weiter, indem sie die Strukturen der Akademie Hagia anhand sektenkritischer Ansätze interpretiert. Tatsächlich stößt man bei der Recherche auf seltsame Reaktionen. In München will sich kaum eine Frau zitieren lassen, wenn es um den Weghof, Göttner-Abendroth und das Buch von Martina Schäfer geht. Schäfer sei nicht zu trauen, es handele sich um einen persönlichen Racheakt der Buchautorin, das Buch emotionalisiere die Debatte, heißt es - alles anonym freilich. 

Die Diskussion zu versachlichen, hat aber augenscheinlich niemand so recht Interesse: Auf das Angebot des Hugendubel Verlags, eine Podiumsdiskussion zwischen Matriarchatsvertreterinnen und ihren Kritikerinnen zu organisieren, gingen weder Heide Göttner-Abendroth ein noch die Edition Amalia, ihr derzeitiger Verlag. 

Versuche, über die Hagia-Akademie eine Stellungnahme der Matriarchatsforscherin zu Schäfers Buch zu erhalten, versanden im Nichts. Wenn man Göttner-Abendroths Werke kenne, wird einem durch eine Bürokraft beschieden, wisse man ja, was von Schäfers Buch zu halten sei. 

Auch bei ihren Vorträgen gibt sich Göttner-Abendroth wenig aufgeschlossen. "Ich wollte etwas fragen, aber da war sie plötzlich weg, weil sie angeblich zum Zug musste", berichtet etwa die Journalistin Irene Gronegger, die einen Vortrag im Münchner Projekt Kofra besuchte. Dabei kommen zu Göttner-Abendroths Veranstaltungen "wirklich an der Sache interessierte Frauen, die etwas wissen wollen", wie Anita Heiliger betont, eine der Kofra-Vorstandsfrauen. Ansonsten, konstatiert sie, gebe es tatsächlich einen bedauerlichen Drang vieler Frauen, von ihrer Eigenverantwortung für ihr Leben irgendwie entlastet zu werden. 

Von diesem Wunsch profitieren moderne Botschafterinnen magischer Welten in und um uns, wie Luisa Francia, Angelika Aliti oder Clarissa Pinkola Estés, deren Bestseller "Die Wolfsfrau" Schäfers Titel Pate stand. Was Schäfer von derlei hält, belegt ein Zitat aus "Wolfsfrau im Schafspelz": "Nicht ,Magie' verändert die Welt, nicht ein ,wilder Blick', sondern Wissen, klares Durchschauen der Machenschaften anderer, Solidarität und gemeinsames Vorgehen. Doch in all diesen ,Bauchnabelbüchern' findet sich kein Gedanke, der den Frauen heute bei diesen längst nicht abgeschlossenen Kämpfen hilft." 

Eine telefonische Umfrage bei Frauenbuchläden in der ganzen Republik ergab, dass kein einziger Schäfers Buch boykottiert. Manche Betreiberinnen äußerten sich ausgesprochen positiv. So ist man im Tübinger Frauenbuchladen froh über das Erscheinen der Streitschrift: "Es ist gut, dass es das Buch gibt! Es muss gestattet sein, kritisch zu fragen, was an den Entwicklungen der zurückliegenden zwanzig Jahre gut und was schlecht war", meint Hanne Häusler, eine der Betreiberinnen. Beim Nachdenken darüber ist "Die Wolfsfrau im Schafspelz" hilfreich - selbst wenn man nicht mit jeder Argumentation der Autorin übereinstimmt. 

 

Nachtrag

Ariane Rüdigers Artikel "Wolfsfrauen im TÜV" über die Wege der Matriarchatsforschung im taz-Magazin vom 13. April hat Debatten ausgelöst. Kritik kam etwa von Katharina Schorsch und Michael Machleb aus Berlin: "Unseres Erachtens wäre es konstruktiver, sich direkt mit Sachargumenten auseinander zu setzen und darauf zu verzichten, andere unter Faschismusverdacht zu stellen. Bei Diskussionsveranstaltungen und Lernreisen mit der genannten H. Göttner-Abendroth waren wir bisher frei im Lernen und Kritisieren, von Bevormundung oder Indoktrination konnten wir nichts bemerken. Die Buchbesprechung erweckt bei uns die Frage: Wird hier um Anteile in einem engen Markt gekämpft?" 

In den taz-Internetforen äußert sich ein Leser namens Volker: "Martina Schäfer zu rezensieren ist schon mutig, gehört sie doch zu den profunden wie angefeindeten internen Kritikerinnen der Frauenbewegung. Doppelter Mut gehört dazu, einer Ikone wie der Abendroth ans Bein zu pinkeln, die ja in der Tat fast gottähnlichen Charakter in der Matriarchatszene genießt. Wenn die Möglichkeit nach Selbstreflektion erst eingefordert werden muss, kann es bisher nicht gut um sie bestellt gewesen sein. Ich fordere aber Satisfaktion für Frau Meier-Seethaler. Deren wissenschaftliche Reputation steht außer Frage und der Buchtitel 'Jenseits von Gott und Göttin' ist ja wohl Distanzierung genug."

taz Magazin Nr. 6730 vom 20.4.2002, Seite VIII

 

 

 

 ^^^^ 

www.detopia.de   ( Ordner )