Arthur Koestler 

Der Mensch - Irrläufer der
Evolution

Die Kluft zwischen unserem Denken und Handeln.

Eine Anatomie menschlicher Vernunft und Unvernunft

Janus: A Summing Up 

 

1978 by Hutchinson, U.K, hardcover edition

1978 im Scherz-Verlag, Übers. Jürgen Abel

1981 als Goldmann-Taschenbuch

1989-1993 als Fischer-Sachbuch

Arthur Koestler - Der Mensch - Irrläufer der Evolution - 1978 

1978    330+45 Seiten  

DNB.Buch 

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1975-Buch   Ökobuch

Taylor.1970     Löbsack.1974  

Ditfurth.1985    Leakey.1996

 

detopia-2007:  Das Buch ist im Mittelteil spekulativ, hat aber sonst seine Stärken. Mehrere Autoren zollen dem Anerkennung. So hat Ditfurth das Buch 1978 im Spiegel zwar verrissen, aber 1985 in seinem Buch Apfelbäumchen zitiert er es anerkennend am Anfang. - Und man muß auch sagen: Das ist ein großes Thema - da muss man sich heran tasten an das Unfassbare. Heute genügt wohl der fulminante Prolog, den auch Ditfurth würdigt.  Rudolf Bahro schreibt in Logik der Rettung (1987) über Koestler-1978: "meines Erachtens nur halbdurchdacht". 

 

Inhalt  

 

Vorbemerkung  (7)  

 

Für Daphne

 

Anhang  (333) 

1. Ein Wahrnehmungsexperiment (335) 
2. Bemerkungen über das autonome oder vegetative Nervensystem (341)
3. Ufos: ein Festival der Absurdität  (343)

Anmerkungen (351)  

Literaturverzeichnis (366)  

Personen- und Sachregister (373)

 

Prolog: Der neue Kalender  (9) 

 

1. Die Holarchie (35)

2. Jenseits von Eros und Thanatos (71)

3. Die drei Dimensionen der Emotion (85)

4. Ad majorem gloriam (93)  

5. Eine Alternative zur Verzweiflung  (118)

6.  Humor und Witz (131)  

7. Die Kunst der Entdeckung (157)  

8. Die Entdeckungen der Kunst (164)  

9. Wankende Zitadellen (195)

10. Rückgriff auf Lamarck  (226)

11. Strategien und Ziele der Evolution  (239) 

12.  Freier Wille im Rahmen der Hierarchie  (267)

13.  Physik und Metaphysik (282)

14.  Ein Blick durchs Schlüsselloch (317)

  

 

 

 

 

Vorbemerkung des Verfassers  

7-8

Dieses Buch ist eine Zusammenfassung und zugleich eine Fortsetzung von Arbeiten, die ich in den letzten fünfund­zwanzig Jahren veröffentlichte, nachdem ich mich von politischen Romanen und Essays abgewandt hatte, um mich der Wissenschaft vom Leben — das heißt, der Evolution, Kreativität und Pathologie des menschlichen Geistes — zu widmen.

Eine solche Zusammenfassung hat ihre besonderen Schwierigkeiten. Wenn ein Autor eine wissenschaft­liche Abhandlung oder ein Buchkapitel mit einer Zusammenfassung beschließt, kann er davon ausgehen, daß seine vorangegangenen Ausführungen dem Leser noch einigermaßen gegenwärtig sind. Nicht so in diesem Fall, wo ich versucht habe, aus einer Reihe von Büchern, die der Leser - wenn überhaupt - vor einigen Jahren gelesen haben mag, die Essenz heraus­zudestillieren. Deshalb konnte ich nie sicher sein, wieviel ich als bekannt voraussetzen durfte, und hielt es manchmal für angebracht, bereits früher Gesagtes zu wiederholen, auch auf die Gefahr hin, daß dem einen oder anderen Leser die betreffenden Zeilen bekannt vorkommen. 

Was ich zeigen möchte, ist, daß meine Überlegungen von einst und von heute ein umfassendes System bilden, das dem Materialismus eine Absage erteilt und neues Licht auf die Lage des Menschen wirft. Falls das anmaßend klingt, lassen Sie mich aus dem Vorwort meines Buches <Der göttliche Funke> zitieren:

»Ich mache mir keine Illusion über das Schicksal der von mir aufgestellten Theorie: sie wird den Weg der meisten Theorien gehen und im Laufe der Zeit durch neue Erkenntnisse in vielen — vielleicht sogar in den meisten — Punkten überholt werden. Dennoch hoffe ich, daß sie wenigstens einen Schattenriß der Wahrheit enthält.« 


Klappentext:

Einer der originellsten Denker unserer Zeit zieht die Bilanz seiner Erkenntnisse. Gestürzt auf neueste Forsch­ungsergebnisse von Naturwissenschaftlern, Medizinern und Psychologen geht der Kultur­philosoph Koestler einem ewigen Dilemma des Menschen nach. 

Und stellt ihn provokativ in Frage. Brillant formulierend, aus ungewöhnlichen Perspektiven anvisierend und mit einleucht­enden Argumenten belegend, findet und deutet er die Ursache: die Kluft zwischen Denken und Handeln, Wollen und Erreichen, Glauben und Wissen.

«Wir haben gelernt, die Vergänglichkeit der eigenen Existenz zu akzeptieren und zugleich die potentielle Unsterblichkeit der Menschheit als gegeben hinzunehmen. Dieser Glaube hat seine Gültigkeit verloren. Nur eine kleine Minderheit ist sich bewusst, dass die Menschheit, seit sie die nukleare Büchse der Pandora öffnete, von geborgter Zeit lebt. Nie zuvor hat eine Gruppe oder eine Nation über das technische Gerät verfügt, diesen Planeten für Leben untauglich zu machen», schreibt Arthur Koestler in seinem neuen Buch.

Der Mensch, so Koestler, der die Fähigkeit zur Selbstzerstörung besitzt, hat es mit sich selbst schwerer als jedes andere Lebewesen. Die Folgen seines krankhaften Handelns fallen weit stärker ins Gewicht als alle seine kulturellen und technischen Leistungen. Gestützt auf neueste Forschungsergebnisse von Naturwissenschaftlern, Medizinern und Psychologen, stellt der Kulturphilosoph und Zeitanalytiker den Menschen provokativ in Frage - als Irrläufer der Evolution.

Ist der Mensch im Lauf seiner Entwicklung mit drei schlecht koordinierten Gehirnen ausgestattet worden? Muss der ihm eigene Schöpfungstrieb notwendig mit einem ebenso unaufhaltsamen Zerstörungstrieb gekoppelt sein? Sind wir so programmiert, dass uns der Griff nach den Sternen leichter fällt als die Lösung bedrohlicher Probleme auf unserer Erde?

Brillant formulierend, aus ungewöhnlichen Perspektiven anvisierend und mit einleuchtenden Argumenten belegend, geht Koestler dem ewigen Dilemma des Menschen bis in alle Lebensbereiche nach. Er findet und deutet die Ursache: die Kluft zwischen Denken und Handeln, Wollen und Erreichen, Glauben und Wissen. 


 

Klassiker eines kritischen Denkers     2008 Von Jana Schmidt (München) bei Amazon

Dieses Buch ist ein Zeitdokument eines kritischen Denkers der Neuzeit. Oftmals missverstanden und häufig kritisiert. Aber für denjenigen, der sich schon vermehrt mit Evolutionstheorien, Menschwerdung und Naturgeschichte befasst hat, ist dieses Buch eine reiche Fundgrube. Ja, Koestler betrachtet den Mensch und seine Handlungen durchaus kritisch, aber das ist auch nötig. Man muss nur die Tageszeitung aufschlagen, um zu sehen, dass Homo sapiens in seinem Oberstübchen nicht mehr ganz richtig tickt... 

Der Mensch ist - so banal das klingen mag - tatsächlich ein Irrläufer der Evolution, obwohl er sich selbst immer wieder gerne als "Krone der Schöpfung" bezeichnet. Die Tatsachen belegen, dass wir eine Tierart unter vielen sind, aber die einzige sind, die die Möglichkeit zur Selbstausrottung hat. Koestler steht für mich gleichermaßen als großer Denker da, wie z.B. Oscar Kiss Maerth mit seinen häufig missverstandenen Aussagen. Der Mensch will offensichtlich nicht wahrhaben, dass er mit dem heutigen Verhalten das Grab seiner Gattung schaufelt. 

Alles was diese großen Denker forderten, war lediglich, dass wir alle unser Denken bezüglich unserer "Sonderstellung" auf der Erde aufgeben, und zu einer demütigen Haltung gegenüber der Natur und unseren Mitgeschöpfen zurückkehren. Das Buch von Koestler ist tatsächlich nicht einfach zu lesen. Wer aber verstanden hat worum es geht, dem ist dieses Buch eine einzigartige Quelle. 

 

Hoimar von Ditfurth über Arthur Koestler

1985 äußerte sich Hoimar von Ditfurth versöhnlich in seinem Buch Apfelbäumchen, S.368, in der Anmerkung 1   

 

"Arthur Koestler, "Der Mensch. Irrläufer der Evolution"  ---  Koestler entwickelt darin u.a. den Gedanken, daß der Durchgang durch eine thermonukleare Entwicklungsphase eine Art kosmischen Tests auf psychische Gesundheit darstelle, den jede Zivilisation – auch K. rechnet mit einer großen Zahl außerirdischer Zivilisationen – früher oder später zu bestehen habe. -- "Kranke" Zivilisationen würden dabei als ihre eigenen Scharfrichter selektiv wirksam in der Art eines "kosmischen Unkraut­vertilgers". (S. 328) -- Als Belege für eine "Geisteskrankheit" unserer eigenen Spezies führt er auf: die in grauer Vorzeit anzutreffenden Rituale des Menschenopfers, das hartnäckige Austragen intraspezifischer Kriege, die paranoide Spaltung zwischen rationalem Denken und irrationalem, auf Affekten beruhendem Glauben sowie den Gegensatz zwischen der Genialität der Menschheit bei der Unterwerfung der Natur und ihrer Unfähigkeit, mit ihren eigenen Problemen fertig zu werden — symbolisiert durch die neue Grenze auf dem Mond und Minenfelder quer durch Europa." 

 

 

Kuckucksuhr erfunden:

Über das Buch »Der Mensch - Irrläufer der Evolution« von Arthur Koestler 

DER SPIEGEL 1978 - Von Hoimar von Ditfurth 

 

Es hilft kein Drumherumreden: Dies Buch ist nicht einfach nur schlecht, es ist, im ursprüng­lichen Sinn des Wortes, miserabel, nämlich mitleiderregend. Wer es in Erinnerung an frühere Veröffentlichungen seines Autors in die Hand nimmt, muß sich peinlich betroffen fühlen.

Koestler enthüllt eingangs, daß er mit der Verfassung der Menschheit nicht einverstanden ist. Er hält sie für eine mißglückte Spezies, der er aufgrund mangelhaften Zusammenwirkens unter­schied­lich alter Hirnteile »Geisteskrankheit« bescheinigt und ein baldiges selbst­verschuldetes Ende voraussagt.

Nun gut, das haben wir in den letzten Jahren schon von verschiedenen Seiten gehört, und zwar meist besser formuliert und überzeugender begründet. Koestler ist mit seiner temperamentvollen Philippika auch bereits auf Seite 32 fertig, und man fragt sich dann, was eigentlich noch kommen soll. 

Das Geheimnis ist schnell gelüftet: Das nicht ohne Pathos vorgetragene Verdammungsurteil bildet lediglich einen Vorwand zur Selbstdarstellung. Auf den restlichen 300 Seiten breitet der Autor vor dem Leser seine Privatphilosophie aus.

Ich kann mir für einen Rezensenten kaum eine unangenehmere Situation ausmalen als die, in die ich mich durch die Zusage, »den neuen Koestler zu besprechen«, selbst gebracht habe: ein Buch »verreißen« zu müssen, dessen Autor man einst besonders geschätzt hat. 

Die überwältigende Naivität und der überhebliche Anspruch der heutigen Koestlerschen Philosopheme lassen der Beurteilung jedoch nicht das kleinste Schlupfloch.

Da wird auf der Seite 85 - auf einer einzigen Seite! - eine durchaus laienhafte, rührend unbeholfene Beschreibung des psychologischen Phänomens »Gefühl« geliefert, eine Beschreibung, auf die sich der Autor in der Folge dann wiederholt wie selbstverständlich als auf »unsere Theorie« bezieht.

Mehrere Seiten immerhin erscheinen auch Koestler notwendig für eine umständlich-holprige Erklärung der Beziehungen zwischen einem Ganzen und seinen Teilen innerhalb einer hierarchischen Struktur. Umwerfend auch hier wieder die Überzeugung des Autors, das alles erstmals erkannt und beschrieben zu haben - eine Überzeugung, die sich durch terminologischen Eigenbau (»Holon«, »Holarchie«) verrät und an die der »Erfinder« selbst in ununterdrückbarem Stolz immer von neuem erinnert (zum Stichwort »Holon-Theorie« im Anhang nicht weniger als 21 Seitenhinweise!)

Kein Wort dagegen etwa über Nicolai Hartmann, der, wie jedem Philosophiestudenten nach dem ersten Semester geläufig, die Beziehungen zwischen den Schichten einer hierarchischen Struktur vor fast einem halben Jahrhundert in klassischer Weise analysiert hat, oder gar über die moderne Systemtheorie.

Total überflüssig ist aus dem gleichen Grunde auch der Begriff der »Bisoziation«, auf den der Autor sich ebenfalls viel zugute hält (elf Seitenverweise) und den er für eine besondere, in Wahrheit in der Psychologie lange vor ihm genau untersuchte Form des Analogieschlusses einführen zu müssen glaubt.

Koestler geht in seinem Buch jedoch ganz offensichtlich von der - angesichts seines Anspruchs selbstmörderischen - Prämisse aus, daß nicht existiert, wovon er nichts weiß. Damit aber erschließt sich ihm ein weites Feld. Und so erfindet er unbekümmert, von der Psychologie bis zur Evolutionsforschung, die Kuckucksuhr immer wieder aufs neue - mit den eigenwilligen Mängeln, die bei solch individuellem Vorgehen unvermeidlich sind.

Wen kann es da noch wundern, daß er den extremen Behaviorismus Skinners mit der »herrschenden Psychologie« gleichsetzt. Daß alle Naturforscher für ihn »Reduktionisten« sind (und »Materialisten« im vulgärsten Sinne) und daß in diesem Mülleimer ausgerechnet auch Konrad Lorenz landet, von dem die scharfsinnigsten Auseinandersetzungen mit Behaviorismus und Reduktionismus stammen, die es in der modernen biologischen Literatur gibt.

Selbstredend enthält das Buch auch glänzend geschriebene Passagen (die, wie zu befürchten ist, die Funktion von Vehikeln für die in sie verpackten Vorurteile haben werden). Und unbestreitbar ist es auch ein Zeichen von Intelligenz, wenn jemand es fertigbringt, unter Verzicht auf nahezu alle vorliegenden Erfahrungen wenigstens ein krudes Abbild eines mechanischen Zeitgebers zusammenzubasteln. Jedoch kann, wer das tut, in unserer Epoche der Quarz- und Atomuhren nicht mehr auf öffentlichen Beifall rechnen.

Unzulängliche Methoden führen zu unzulänglichen Ergebnissen. Die Binsenwahrheit bestätigt sich auch an diesem Buch, und das auf besonders komische Weise: Nachdem sein Autor 300 Seiten lang gegen Materialismus, Reduktionismus und Naturwissenschaft gewettert hat, empfiehlt er der Menschheit als einzigen Ausweg aus ihrer verfahrenen Situation die Entwicklung eines Medikaments, das in der Lage sein müßte, ein »richtiges« Zusammenwirken der einzelnen Teile des menschlichen Gehirns herbeizuführen. Das ist, wirklich, ganz ernst gemeint. 

 

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