Peter Schwartz, Peter Leyden, Wired.com

The Long Boom

A History of the Future 1980-2020

 

Der lange Aufschwung

Eine Geschichte der Zukunft 1980-2020

Eine von Ferdinand-Wagner-Übersetzung (2006) für detopia

Abschnitt 

01    02     06     11   

1997   Artikel in wired

en.wikipedia  P. Schwartz  *1946

Google Long Boom  

Original 1997 in wired.com   

Webseite des Übersetzers (F.Wagner in Südbayern)

 

detopiaL.htm   Ökobuch  

Mehr Long Boom   Besserwisser

Kommentar 1997 von Florian Rötzer 

Chris.Lauterburg zu Long Boom

2005 erwähnt Tim Flannery in Wettermacher einen Peter Schwartz

 

 

 

Peter Schwartz 2008

 

Vor uns liegen 25 Jahre Wachstum, Freiheit und eine bessere Umwelt für die ganze Welt. Haben Sie ein Problem damit? 

Ein schlechtes "Mem" – eine ansteckende Idee – begann sich in den 1980ern überall in den Vereinigten Staaten zu verbreiten:

Amerika ist im Niedergang, die Welt fährt zur Hölle, und unsere Kinder werden schlechter leben als wir selbst. Die Einzelheiten sind jetzt bekannt: Gute Jobs verschwinden, die arbeitende Bevölkerung versinkt in Armut, die Unterklasse schwillt an, das Verbrechen gerät außer Kontrolle. Die Welt nach dem Kalten Krieg fällt auseinander, und auf dem ganzen Planeten brechen Konflikte aus. Die Umwelt implodiert – durch globale Erwärmung und Abbau der Ozonschicht, wir alle sterben entweder an Krebs oder leben in einer Wasserwelt. Was unsere Kinder betrifft, erzeugt das kollabierende Erziehungssystem entweder bewaffnete Verbrecher oder Burger-wendende Trottel, die nicht lesen können.

In den später 1990ern begann ein anderes „Mem" um sich zu greifen. Da es aus den plötzlich ansteigenden Börsenkursen und einer Wirtschaft hervorging, die nicht zusammenbrechen würde, ist es positiver:

Amerika wird endlich seiner wirtschaftlichen Rolle gerecht, die Welt ist doch kein so gefährlicher Platz, und unsere Kinder könnten vielleicht einfach ein erträgliches Leben führen. Dennoch werden die guten Zeiten nur zu wenigen Privilegierten kommen, nicht mehr als ein glückliches Fünftel unserer Gesellschaft. Die breite Mehrheit in den Vereinigten Staaten und auf der Welt steht vor einer harten Zukunft zunehmend hoffnungsloser Armut. Und die Umwelt? Eine aussichtslose Sache.

Aber es gibt ein neues, ganz anderes "Mem", ein von Grund auf optimistisches "Mem".

Wir beobachten die Anfänge eines globalen wirtschaftlichen Aufschwungs in einem nie zuvor erlebten Umfang. Wir sind in eine Periode anhaltenden Wachstums eingetreten, die schließlich die Weltwirtschaft alle zwölf Jahre verdoppeln und — ziemlich wörtlich — Milliarden von Menschen auf dem Planeten wachsenden Wohlstand bringen könnte. Wir reiten auf den ersten Wellen eines 25 Jahre währenden Laufs einer beträchtlich expandierenden Wirtschaft, die viel dazu beitragen wird, anscheinend widerspenstige Probleme wie Armut zu lösen und überall auf der Welt Spannungen abzubauen. Und wir schaffen das, ohne der Umwelt den Hut vom Kopf zu blasen.

Wenn sich das als wahr erweist, werden Historiker auf unsere Ära als einen außerordentlichen Augenblick zurückschauen. Sie werden die 40-Jahres-Periode von 1980 bis 2020 als die entscheidenden Jahre einer bemerkenswerten Umwandlung aufzeichnen. In den hochentwickelten Ländern des Westens werden neue Technologien zu großen Produktivitätssteigerungen führen – tatsächlich werden anhaltende Technologie-Wellen durch das frühe 21ste Jahrhundert rollen. Und dann wird der unbarmherzige Prozess der Globalisierung, die Öffnung nationaler Wirtschaften und die Integration von Märkten das Wachstum durch einen Großteil der restlichen Welt lenken. 

Eine beispiellose Ausrichtung eines aufsteigenden Asiens, ein wiederbelebtes America und ein neu integriertes größeres Europa – einschließlich eines genesenen Russlands – werden zusammen einen wirtschaftlichen Moloch erschaffen, der die meisten anderen Regionen des Planeten mitzieht. Diese zwei Megatrends – fundamentale technologische Veränderung und ein neues Ethos der Offenheit – werden unsere Welt zu den Anfängen einer globalen Zivilisation umwandeln, eine neue Zivilisation der Zivilisationen, die das kommende Jahrhundert hindurch erblühen wird.

Denken Sie an die Ära zurück, die auf den Zweiten Weltkrieg folgte, die 40-Jahres-Spanne von 1940 bis 1980, die unserer eigenen unmittelbar vorausgeht. Erstens wurde die US-Wirtschaft mit einer Reihe neuer Technologien überflutet, die von den Kriegsanstrengungen aufgehalten worden waren: Großrechner, Atomenergie, Raketen, Verkehrsflugzeuge, Automobile und Fernsehen. Zum Zweiten konstruierte man für die halbe Welt – die sogenannte freie Welt – einen neu integrierten Markt, teilweise durch die Schaffung von Institutionen wie die Weltbank und den Internationalen Geldfond.

Mit der Einrichtung der Technik und des vergrößerten Systems eines internationalen Handels zum Ende der 1940er Jahre brauste die US-Wirtschaft durch die 1950er, und die Weltwirtschaft schloss sich in den 1960ern an, nur um in den 1970ern zu erlöschen – teilweise ein Zeichen von Wachstum, das zu schnell kam. Von 1950 bis 1973 wuchs die Weltwirtschaft um durchschnittlich 4,9 Prozent – eine Rate, die seitdem unerreichbar blieb, nun, bis ungefähr heute. Diese florierende Wirtschaft und der wachsende Wohlstand zogen soziale, kulturelle und politische Auswirkungen nach sich. Es ist kein Zufall, dass die 1960er als revolutionär bezeichnet wurden. Mit dem sich ausbreitenden Überfluss kam von Rassen, denen man die Bürgerrechte genommen hatte, und anderen Interessengruppen großer Druck für soziale Reformen, ja sogar offene politische Revolution.

Auffallend ähnliche — wenn nicht stärkere — Kräfte sind heute in Bewegung. Das Ende des militärischen Bereitschaftszustands in den 1980ern löste wie in den 1940ern eine Vielzahl neuer Technologien aus, von denen das Internet nicht das unbedeutendste ist. Das Ende des Kalten Krieges sah auch den Triumph einer Reihe von Ideen, die lange von den Vereinigten Staaten verfochten wurden: die der freien Marktwirtschaft und bis zu einem gewissen Grad liberale Demokratie. Das machte den Weg für eine wirklich globale Wirtschaft, einen integrierten Gesamtmarkt frei. Nicht die halbe Welt, die freie Welt. Nicht eine große Kolonialmacht. Jeder auf dem Planeten in derselben Wirtschaft. [Kommentar FW: Da freut sich der Wirt aber über den Umsatz!]

Das ist historisch beispiellos, mit beispiellosen Konsequenzen im Gefolge. In den 1990ern erleben die Vereinigten Staaten einen Wirtschaftsboom, der dem in den 1950ern ziemlich gleichkommt. Aber schauen Sie auf das nächste Jahrzehnt voraus, unsere Parallele zu den 1960ern. Vielleicht treten wir in eine Phase schonungslosen wirtschaftlichen Wachstums ein, ein wahrlich globaler wirtschaftlicher Aufschwung, der lange Aufschwung.

Von unserer Position in den späten 1990ern aus ist es uns möglich, zu sehen, wie alle Teilstücke zustandekommen könnten. Es ist möglich, ein Szenario zu konstruieren, das uns 2020 in eine wirklich bessere Welt bringt. Es ist keine Voraussage sondern ein Szenario, ein sowohl positives als auch plausibles. Warum plausibel? Das Grundwissen für fünf große Technologie-Wellen ist jetzt am Platze – Heimcomputer, Telekommunikation, Biotechnologie, Nanotechnologie und alternative Energie – welche die Wirtschaft schnell wachsen lassen könnten, ohne die Umwelt zu zerstören. Dieses Szenario verlässt sich nicht auf einen wissenschaftlichen Durchbruch wie z. B. die kalte Fusion, um unseren Energiebedarf zu befriedigen. Auch sind genügend unanfechtbare Trends im Gange – nennen wir sie vorherbestimmte Faktoren – sodass man ihr Ergebnis plausibel vorhersagen kann. Zum Beispiel ist der Aufstieg Asiens einfach nicht aufzuhalten. Das soll nicht heißen, dass es keine großen Unbekannten gibt, die entscheidenden Ungewissheiten, wie z. B. die Frage, wie die Vereinigten Staaten ihre Schlüsselrolle als Weltführer handhabt.

Warum ein positives Szenario?

Während der globalen Sackgasse des Kalten Krieges hielten die Leute an der ursprünglichen ideologischen Vision eines Kommunismus oder Kapitalismus in Reinform fest. Ein positives Szenario bedeutete allzu oft nicht mehr, als einen Nuklearkrieg zu überleben. Heutzutage kann man ohne die alten Visionen ganz leicht erkennen, wie sich die Welt im Chaos verfranzen könnte. Es lässt sich viel schwieriger erkennen, wie sie alles zu etwas Besserem verweben könnte. 

Aber ohne eine expansive Zukunftsvision neigen die Menschen dazu, kurzsichtig und übellaunig zu werden und sich nur um sich selbst zu kümmern. Ein positives Szenario kann uns in den unvermeidlich traumatischen Zeiten inspirieren, die vor uns liegen.

Also seien Sie zurückhaltend mit Ihrem Zweifel. Öffnen Sie sich den Möglichkeiten. Versuchen Sie wie einer dieser zukünftigen Historiker zu denken, die über die Veränderungen staunen, die in der 40-Jahres-Periode stattfanden, die sich über das neue Millennium erstreckte. 

Setzen Sie sich zurück und lesen Sie sich durch die Zukunftsgeschichte der Welt.

 

   ^^^^  

 www.detopia.de    (Ordner)