Jorgen Randers

2052

Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre

Der neue Bericht an den Club of Rome

40 Jahre nach >Die Grenzen des Wachstums<

 

 

 

A Global Forecast for the Next Forty Years 

2012 im Oekom-Verlag

Jorgen Randers (2021) 2052 - Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre - Der neue Bericht an den Club of Rome

2012      430 Seiten 

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2015-Buch 

 

Meadows-Grenzen-des-Wachstums

Peter.Kafka     Al.Hammond  

 

detopia-2021:
Zu diesem Buch gibt es viele Leseberichte im Internet.
Ich habe einige ausgewählt.
Der wikipediaartikel ist auch sehr ausführlich.


Audio im dlf zu Randers:

2012 3min     2012 5min (mit Georg Ehring)   2012 6min  

2013 12min  von Martin Zähringer, 3 Bücher, Text unten


Autor:

Von 2004 bis 2009 war Jorgen Randers Direktor des WWF.

Heute ist er Dozent für Klima- und Zukunftsfragen an der renommierten Norwegischen Business School in Oslo. 

youtube  jorgen+randers+2052 


 

 

 

Kurzbeschreibung

Vor 40 Jahren erschütterte ein Buch den Fortschrittsglauben der Welt: Der Bericht "Die Grenzen des Wachstums" an den Club of Rome. "Die absoluten Wachstums­grenzen der Erde werden im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht, wenn es der Menschheit nicht gelingt, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren", lautete seine zentrale These. Sie glich einer Revolution und machte das Buch zu einem Weltbestseller mit über 30 Millionen verkauften Exemplaren.

Vierzig Jahre später holt der Club of Rome erneut zu einem großen Wurf aus."2052" lautet der Name des aktuellen Reports. Er skizziert eine Zukunft, die ganz anders sein wird als wir uns dies heute vorstellen können. Welche Nationen werden ihren Wohlstand halten oder gar vermehren welche unter der künftigen Entwicklung leiden? Wie wird sich der Übergang zur wirtschaftlichen Vorherrschaft Chinas gestalten? Ist die Demokratie nach westlichem Vorbild geeignet, die großen Menschheitsprobleme zu lösen?

Jorgen Randers, einer der Co-Autoren des Meadows-Reports von 1972, hat ein Szenario für die nächsten 40 Jahre erstellt; er stützt sich dabei auf globale Prognosen führender Wissenschaftler, Ökonomen und Zukunftsforscher. Trotz der überwiegend düsteren Prognosen glaubt Randers nicht an einen globalen Kollaps, denn "der Anpassungsprozess der Menschheit an die Grenzen dieses Planeten hat begonnen".

Aber der Report gibt auch keine Entwarnung, denn die Zukunft wartet mit gewaltigen Herausforderungen auf, wird geprägt sein von sozialen Unruhen und zahlreichen Umbrüchen. Sie zu meistern wird unsere Jahrhundertaufgabe sein; "2052" liefert hierzu die (über)lebensnotwendigen Grundlagen. 

 

 

Presse:

"Jorgen Randers sieht die Chinesen im Jahr 2052 deutlich näher an der Klimarettung als die Westmächte. Grund dafür ist unter anderem die effizientere Regierung." (Wirtschaftswoche)

 

"Wie sieht die Welt in 40 Jahren aus? Für den Club of Rome haben Forscher ihre Prognosen zusammengetragen. Sie warnen in erster Linie vor den Folgen des Klimawandels und der verheerenden Wirkung des Finanzkapitalismus." (Spiegel) 

 

"Die Wissenschaftler-Vereinigung Club of Rome schlägt Alarm: Die Ressourcen der Erde seien ausgereizt, die Menschheit steht am Abgrund. Hoffnung gibt es trotzdem zumindest ein bisschen." (Tagesspiegel) 

 

"Der Club of Rome hat den Report '2052' präsentiert; seine Kernthesen lauten: Bevölkerungswachstum stagniert eher als erwartet, Globale Erwärmung nimmt zu, Soziale Spannungen steigen, China wird Elite" (MDR)

 

"Eine unkonventionelle und klare Darstellung der Entwicklung der Welt in den nächsten 40 Jahren" (Lord Nicholas Stern) 

 

"Dieses inhaltsstarke Buch wird viel Nachdenken provozieren. Es ist Herausforderung und Inspiration für alle, denen die Zukunft unseres Planeten wirklich am Herzen liegt." (Gro Harlem Brundtland)  "2052 muss man einfach gelesen haben! Fakten und Zahlen eines großen Zukunftsforschers, dessen Prognosen eine unglaubliche Trefferquote haben." (Paul R. Ehrlich) 

 

"Der Club of Rome hat mit seinem Buch 'Die Grenzen des Wachstums' die Welt verändert. Jetzt legt er nach."(FAZ) 

 


 

 

Inhalt        Inhalt.pdf 

 

Vorwort: Was wird die Zukunft bringen?  (13)

 

TEIL 1: HINTERGRUND

 

1 Sorgen um die Zukunft  (19)

Warum jetzt?  21

Ist eine Prognose möglich?  23

Warum 40 Jahre?   25

Grundlagen für eine wohlbegründete Vermutung   26

Volldampf voraus, aber den Seelenfrieden wahren  29

2 Fünf große Fragen im Blick auf 2052  (31)

Die Nachhaltigkeitsrevolution  (32)

Fünf zentrale Fragen rund um den Systemwechsel  34

Das Ende des Kapitalismus?  (35)

Ausblick 2-1: Die dunklen Jahrzehnte: Privileg und Polarisierung  36

Das Ende des Wirtschaftswachstums?   44

Ausblick 2-2: Den Konsum in Asien einschränken  45

Das Ende der »langsamen« Demokratie?   53

Ausblick 2-3: Im Schneckentempo Richtung Nachhaltigkeit  53

Das Ende der Eintracht zwischen den Generationen?   59

Ausblick 2-4: Krieg um Gerechtigkeit zwischen den Generationen  59

Das Ende des stabilen Klimas?  64

Ausblick 2-5: Extremwetter im Jahr 2052  67

 

TEIL 2: MEINE GLOBALE PROGNOSE

 

3 Die meiner Prognose zugrunde liegende Logik  77

Der Leitstern   78

Ein in groben Zügen gezeichnetes Bild  79

Eine kurze Zusammenfassung meiner Geschichte  79

Das deterministische Grundgerüst  81

Lineare Darstellung eines kreisförmigen Labyrinths  82

Die mathematische Formulierung  83

Eine abschließende Bemerkung zur Datengrundlage  85

4 Bevölkerung und Konsum bis 2052  (87)

Die Bevölkerungszahl wird ihren Höchststand erreichen  87

Die Erwerbsbevölkerung wird ihren Höchststand etwas früher erreichen  90

Die Produktivität wird wachsen, aber auf Hindernisse treffen  92

Die Produktion (das BIP) wird wachsen, aber immer langsamer ... 96

Ausblick 4-1: Das Ende unwirtschaflichen Wachstums  99

Investitionen - erzwungene und freiwillige - werden zunehmen  105

Neue Kosten werden entstehen  109

Anpassungs- und Katastrophenkosten werden explodieren  115

Der Staat wird sich stärker einmischen   117

Ausblick 4-2: »Hellgrünes« Wachstum  119

Der Konsum wird stagnieren - und mancherorts sinken  123

5 Energie und CO2 bis 2052  (129)

Die Energieeffizienz wird weiter zunehmen  129

Der Energieverbrauch wird steigen, aber nicht endlos  133

Die Klimaintensität wird durch erneuerbare Energien gesenkt  134

Ausblick 5-1: Der Weg zur Photovoltaik  137

Ausblick 5-2: Das Ende der Atomkraft  142

Die CO2-Emissionen. durch Energieverbrauch erreichen 2030 ihren Höhepunkt  147

Die Temperatur wird um mehr als 2 °C steigen  149

Ein Temperaturanstieg um 2 °C wird zu ernsthaften Problemen führen  152

Ausblick 5-3: Schwere Zeiten für arktische Gewässer  153

Ausblick 5-4: Flucht in die Großstadt  158

6 Ernährung und Fußabdruck bis 2052   (163)

Die Nahrungsmittelproduktion wird eine geringere Nachfrage befriedigen  163

Biokraftstoffe und weißes Fleisch auf dem Vormarsch  166

Ausblick 6-1: Teures Öl = Teure Nahrungsmittel  166

Ausblick 6-2: Die Grenzen der Proteinproduktion  172

Kommerzieller Fischfang wird auf ausgewiesene Fischereizonen begrenzt  173

Die Ökosysteme der Erde werden gestört  177

Ausblick 6-3: Wettlauf um die letzten Rohstoffe  179

Ungenutzte Biokapazität wird stark abnehmen  184

Ausblick 6-4: urban mining - Städte ab Rohstoffquelle für Metall  186

Ausblick 6-5: Parks als letzte Rückzugsorte der Natur  191

7 Die nicht-materielle Zukunft bis 2052  (196)

Geringeres Bruttoinlandsprodukt: Weniger Druck auf die globalen Wachstumsgrenzen  197

Langsamere Steigerung der Produktivität  198

Spannungen durch verminderten Konsum  199

Kurzfristiges Denken  200

Mehr Staat  202

Erzwungene Umverteilung 204

Megastädte  206

Ausblick 7-1: Das Leben in Megastädten und die Entäußerung des Verstandes  208

Allgegenwärtiges Internet 211  Verlust des Besonderen  213  Fortschritte bei der Gesundheit  214

Ausblick 7-2: Öffentliches Gesundheitssystem - Persönliche Gesundheit 215

Neue Bedrohungen für die Streitkräfte  219

Ausblick 7-3: Kriege der Zukunft und der Aufstieg der Roboter  220

Ausblick 7-4: Militär für Nachhaltigkeit  224

8 Der Zeitgeist von 2052   228

Fragmentierung: Betonung lokaler Lösungen  228

Ausblick 8-1: Schottland schließt sich dem Neuen Europa an 230

Ausblick 8-2: Das Ende der mediterranen Disparität  234

Ausblick 8-3: Slum-Urbanismus in Afrika  238

Ein neues Paradigma: Geringere Fixierung auf Wirtschaftswachstum  242

Ausblick 8-4: Wertschätzung des Ganzen  245

Modifizierter Kapitalismus: Weises Regieren gewinnt an Bedeutung   250

Ausblick 8-5: CSR 2.0: Unternehmerische Nachhaltigkeit und Verantwortung  254

Kollektive Kreativität: Ein Netzwerk aus engagierten Individuen  258

Ausblick 8-6: Die Weisheit der vielen nutzen  259

Ausblick 8-7: Die Jugend spielt für eine bessere Welt  262

Generationengerechtigkeit: Den Blick weiten  267

 

TEIL 3: ANALYSE

 

9 Gedanken über die Zukunft  (271)

Die Motoren der Veränderung   272

Die Zukunft im Schaubild   273

Es wird spannend!  277

Meine eigenen Reaktionen  279

Acht konkrete Fragen zur Zukunft  282

Wild Cards  295

Der Weg ins Jahr 2052  299

Ausblick 9-1: Run auf die Sonne  301

Ausblick 9-2: Finanzierung der Zukunft  305


10 Fünf regionale Zukünfte im Blick auf 2052  (310)

Die Vereinigten Staaten  311

Ausblick 10-1: Strahlende solare Zukunft  315

China   320

Ausblick 10-2: China - die neue Hegemonialmacht  324

OECD-ohne-USA  329

BRISE  334

Ausblick 10-3: Reichtum durch Biokraftstoffe  338

Die restliche Welt  342


11 Vergleich mit anderen Zukünfteri  347

Der Vergleich mit einem globalen Computermodell  347

Vergleich mit der Studie Die Grenzen des Wachstums  349

Grenzüberziehung und Zusammenbruch im Detail  355

Perspektiven für die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts  361

Ausblick 11-1: Die fünfte kulturelle Stufe   363

Ausblick 11-2: Die dritte Blütezeit des Lebensbaums 367


12 Welche Möglichkeiten haben wir noch?  373

Vorgehen einer idealen Weltgemeinschaft  375

Zwanzig persönliche Ratschläge  (379)

Leben Sie mit der drohenden Katastrophe, ohne die Hoffnung zu verlieren  (404)


Schlussbemerkung  (405)

Danksagung   (407)

Nachwort des Club of Rome 2014  (409)


Anhang   416

1. Zusammenfassung   416

2. Definitionen und Datenquellen   418

3. Ausblicke 2052: Weiterführende Literatur   422

4. Zusätzliche Daten zu Fertilität und Produktivität   428


Anmerkungen  430     Über den Autor  441 

 

Leseberichte

 


Ein Gespenst kehrt zurück: die Ökodiktatur   

Von Volker Kempf  18.11.2013 auf  herbert-gruhl.de  oekodiktatur  

 

Die Zukunftsaussichten auf der Erde sind für den Menschen und seine Zivilisation nicht vielversprechend. Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung überfordern die Ökosysteme und erschöpfen die Ressourcen in vielen Bereichen. 

Joergen Randers, Koautor der Studie <Die Grenzen des Wachstums> von 1972, zeichnete 2012 unter dem Titel <2052> und dem Untertitel <Eine globale Prognose für die nächsten vierzig Jahre> entsprechende Szenarien. 

Das vielversprechendste Szenario lautet für Randers auf eine “starke Regierung“, woraus Journalisten die Forderung von einem „guten Diktator“ gemacht hätten. 

Was genau meint Randers also? Die Wochenzeitung Junge Freiheit fragte in ihrer Ausgabe vom 15. November in einem Interview nach. Antwort:

„Die Natur des Menschen ist auf Kurzfristigkeit konzentriert, und auch Gesellschaft und Politik sind so strukturiert. Die Lösung der Klimafrage aber bedarf langfristiger Maßnahmen. Diese aber sind auf kurze Frist notwendigerweise unpopulär, weil sie zunächst nur Kosten verursachen, während ihre Vorteile sich erst viel später zeigen. Also dürfen Entscheidungen in diesem speziellen Feld nicht kurzfristigen Zwängen, etwa in Gestalt von Wählern mit einem kurzfristigen Horizont, unterworfen werden.“

Wenn die Wähler demnach nicht langfristig orientiert entscheiden, dann muß etwas anderes als ein demokratisch gewähltes Parlament eine Entscheidung für die Zukunft fällen, so die Logik Randers’. Denn nur so könnten „die Interessen unserer Kinder und Kindeskinder zu berücksichtigen“ sein.

Betrachtet man diese Überlegungen im deutschsprachigen Raum, so kommen sie einem vor wie von gestern; alles schon einmal da gewesen. Herbert Gruhl hatte 1975 in „Ein Planet wird geplündert“ gesehen, dass auf demokratischem Weg das Verhängnis auf Erden für den Menschen wohl nicht aufzuhalten sein wird. Doch sind andere Wege besser und wünschenswerter? 

Gruhl hatte in Deutschland zunächst eine „braune“, dann eine „rote“ Diktatur erlebt und betrachtete nun eine „grüne“ mit vielleicht etwas menschlicherem Antlitz mit um so größerer Skepsis. Es waren andere, die von einem Sozialismus mit menschlichem Antlitz träumten und das auch nur verklausuliert forderten. Das Umweltthema kam da einigen gerade gelegen. Die Nachteile einer Diktatur konnten allerdings im real existierenden Sozialismus studiert werden, der letztlich im Kampf der Systeme auch ökologisch scheiterte

Man mag einwenden, eine „grüne“ Diktatur gab es noch nie. Aber befohlener Verzicht, um den es in einer “grünen” Diktatur gehen müßte, den gab es immer wieder, in Kriegen.

Wer will Verzicht für einen vorgeblich fernen guten Zweck durchsetzen? 

Das muß „scheitern“, das ist „weder wünschenswert, noch realisierbar“, so Gruhl noch einmal 1992 in <Himmelfahrt ins Nichts> seine Erkenntnisse von 1975 zusammenfassend.

Randers bietet noch eine bemerkenswerte Poiente auf, um seine Position zu rechtfertigen. Denn die Abschaffung der Demokratie sei doch gar nicht so ungewöhnlich, das würden wir in “Europa doch mitunter schon längst so“ machen. Beruhigend wirkt diese Argumentation nicht. Im Gegenteil, wenn wir uns nach Randers’ Einschätzung schon auf dem Weg zur Erfüllung seiner Visionen begeben haben, sollte das zum Nachdenken anregen. Randers Vision orientiert sich eigenen Angaben zufolge an der Antike, in der es einen „Diktator auf Zeit“ gegeben habe.

Randers gehört zu denen, die den Ernst der Lage begriffen haben. Die angezeigten Wege aus der Gefahr wirken dagegen wenig durchdacht. Daher spricht aus Randers’ Worten auch erkennbar der Mut zur Verzweiflung. Er gelangt zu Positionen, wie sie Herbert Gruhl in „Ein Planet wird geplündert“ nicht teilte und für ethisch problematisch hielt. 

Gelassenheit lautet das Gebot der Stunde. An besonnenem Handeln führt kein Weg vorbei.

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Eine lehrreiche Erzählung 

von Ernst Weeber (2012) (langelieder.de)

Was mir beim Lesen als erstes positiv auffällt, ist, dass Jorgen Randers sich nicht als anonymer, unbeteiligter Datenlieferant im Hintergrund hält, sondern dass er seine Nachricht als betroffener Zeitgenosse vorbringt, der sehr wohl auch durchblicken lässt, wie es ihm selbst dabei geht.

Dadurch wird der Bericht für mich zum Vortrag eines guten Lehrers, dem ich gespannt folge, zu einer lehrreichen Erzählung, die mich tiefer beeindruckt als eine große Sammlung von Wertetabellen und Diagrammen, und mich auch tiefer in eine bewusste Auseinandersetzung mit dem heiklen Thema verwickelt.

Dass ich nicht mit Daten und Diagrammen überschüttet werde, erfreut mich als zweites. Ich glaube dem Autor gerne, dass er eine große Menge an Daten verarbeitet hat, bin aber froh, dass er seinen Vortrag nur mit einer maßvollen Auswahl daraus unterfüttert. Als drittes großes Plus erlebe ich die zahlreich eingefügten „Ausblicke“ anderer Autoren, die Randers‘ Darstellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln ergänzen.

Dass eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre recht behält, erwarte ich nicht. Sie wird vielleicht „in vieler Hinsicht“ recht behalten, wahrscheinlich aber werden sich im veranschlagten Zeitraum auch neue Optionen eröffnen, die heute noch nicht sichtbar sind: neu erkennbare Wirkungs-Zusammenhänge und unerwartete Ereignisse, die die Prognose auf ungeahnte Weise verändern. Die Wirklichkeit ist ja sehr viel reicher an Möglichkeiten, als wir uns vorstellen können – insbesondere dann, wenn sie auf eine Krise zusteuert, auf eine <Engstelle>“, an der viele gewohnte, berechenbare Entwicklungslinien turbulent und chaotisch werden und an Kipp-Punkte gelangen, an denen „Zufälle“ über die weitere Richtung entscheiden. Das ist es, was für dieses Jahrhundert am sichersten prognostiziert werden kann: die globale Krise. Und genau die macht eine weitere Prognose geradezu unmöglich.

Trotzdem begrüße ich es, wenn jemand eine solche Prognose wagt, wie Jorgen Randers es tut, wenn er nicht nur Chancen und Gefahren analysiert, sondern aufgrund seiner "wohlbegründeten Vermutungen“ vorstellbare Szenarien schildert und auch sagt, welches Szenarium er im Augenblick für das wahrscheinlichste hält.

Seine Prognose "deutet auf keine unlösbaren Probleme in Bezug auf Öl, Nahrungsmittel, Wasser oder andere Ressourcen hin. (…) Die Weltwirtschaft verfügt über enorme Kräfte, die Gesellschaft muss nur entscheiden, sie auch zu nutzen. Die größte Herausforderung in unserer gemeinsamen Zukunft ist also nicht das Lösen der Probleme, sondern die Entscheidung, sie auch lösen zu wollen“ (Seite 277).

An anderer Stelle (Seite 407) heißt es: "Das Ausbleiben von engagierten und konsequenten Reaktionen der Menschheit in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts wird die Welt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf einen gefährlichen Pfad der sich selbst verstärkenden globalen Erwärmung bringen.“

Wir Menschen hätten es also – der äußeren Sachlage nach – in der Hand, für die Nachhaltigkeit einer menschenfreundlichen Ökosphäre zu sorgen; wir werden aber – das ist Jorgen Randers‘ große Sorge – aus in uns selbst liegenden Gründen (Kurzsichtigkeit in Ökonomie und Politik, psychologische Probleme) zu lange zögern, dies auch wirklich zu tun. Hier bleibt Raum für Zuversicht: Vielleicht können die blockierenden „Sachzwänge“ doch schneller überwunden werden als befürchtet; Jorgen Randers fordert mich als Leser deshalb auch auf (Seite 404): "Hoffen Sie auf das Unwahrscheinliche! Arbeiten Sie auf das Unwahrscheinliche hin!“ und beendet seinen Bericht mit den Worten: "Bitte helfen Sie mit, dass meine Prognose sich als falsch erweist. Gemeinsam können wir eine bessere Welt erschaffen.“

Befremdlich finde ich manche seiner 20 persönlichen Ratschläge, die er zum Schluss gibt für den Fall, dass "die Menschheit die Kurve nicht mehr kriegt und es zulässt, dass Armut weiter besteht und der Klimawandel sich immer weiter verstärkt“. Das sind Ratschläge an die Bewohner der bis dato wohlhabenden Industriestaaten, wie sie mit den drohenden Einbußen am besten fertig werden.

Nachvollziehbar erscheint mir der Rat Nr. 2: "Vermeiden Sie eine Vorliebe für Dinge, die bald verschwunden sein werden“, z.B. ein eigenes Gärtchen in der Vorstadt – wir werden wahrscheinlich Hochhauswohnungen in überfüllten Megastädten bewohnen müssen.

Ratschlag Nr. 3: "Investieren Sie in hochwertige Unterhaltungselektronik als Ersatz für die Realität“ kann ich gerade noch als traurigen, aber folgerichtigen Pragmatismus interpretieren, obwohl er mir schon zynisch erscheint.

Dem Ratschlag Nr. 4: "Erziehen Sie Ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern“ (denn als Naturliebhaber werden sie unnötig darunter leiden, dass diese Natur nach und nach verschwindet), kann ich nicht mehr folgen.

Jorgen Rangers: "Ein solcher Wertetransfer ist sehr nützlich, solange die Gesellschaft sich nur langsam verändert, weil die Kinder so lernen, ihre Lebensumgebung zu mögen. Wenn Gesellschaft und Umgebung sich zu schnell verändern, verlieren die Ratschläge der Älteren ihre Bedeutung. Und im ungünstigsten Fall werden die Kinder ihr Leben lang unglücklich, weil sie mühsam die falschen Werte gelernt haben.“

Kann man die „Liebe zur Natur“ mit all ihren Werten einfach als „falsch“ über Bord werfen, weil „Natur“ restlos von menschlicher „Kultur“ ersetzt wird? Wenn Gesellschaft und Umgebung sich in globalem Ausmaß so schnell verändern, dass eine Überlieferung von Werten sich nicht mehr lohnt, weil diese sich innerhalb einer einzigen Menschengeneration fundamental ändern, dann sind wir am Höhepunkt der „globalen Beschleunigungskrise“ (Peter Kafka), an dem das Neue nicht mehr auf Bewährtem aufbauen kann und ein Absturz in kompliziertes Chaos schon aus logischen Gründen wahrscheinlich wird.

Sollten wir uns nicht spätestens dann erinnern an die Natur, wie wir sie liebten, weil sie uns lehrreiche Kunde gab von einer gut eingespielten, dynamischen Ordnung von hoher Komplexität, von hohem „Wert“ also? Möglicherweise verstehe ich Jorgen Rangers in diesem Punkt falsch. Diese Werte-Diskussion ändert auch nichts daran, dass ich das Buch wärmstens zur Lektüre empfehle.

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40 Jahre "Grenzen des Wachstums" - lesenswerter Report

   Von Andreas Meissner, München 2012 

Ich war begeistert vom 30-Jahres-Update des Berichtes an den Club of Rome 2004. Randers schrieb dies damals noch gemeinsam mit Dennis Meadows, der nun aber schon vor geraumer Zeit ankündigte, kein 40-Jahres-Update mehr mit erstellen zu wollen. Daher nun wohl das Werk von Randers alleine.

Es ist gründlich, gut abwägend, keinesfalls rein pessimistisch oder apokalyptisch, manchmal fast etwas zu ausschweifend, so ein 400-Seiten-Buch will ja erst mal gelesen sein, und das - wie immer - natürlich von möglichst vielen Menschen!

Eine knappere Zusammenfassung, mit fortgeführten Daten und Kurven des 30-Jahres-Updates, hätte es mir leichter gemacht.

Aber die Mühe, doch noch einmal all die bekannten Fakten zu bewerten, ist anzuerkennen, auch die bereichernde Erweiterung um die Blickwinkel weiterer Experten, wobei hier oft Redundanz und Überschneidung festzustellen war (etwa zur Frage der Sonnenenergie). 

Zum Teil befremdend waren die 20 Ratschläge am Schluss, da stimme ich dem Vorrezensenten Ernst Weeber zu. Ich werde mein Kind weiter für Natur zu begeistern versuchen und nach angemessener Zeit vom Computer wegziehen, auch wenn es vielleicht tatsächlich in einigen Jahren schon kaum noch "Natur" geben wird (eine Fläche von 29 Fußballfeldern wird täglich -!- in Bayern verbaut!). 

In der Summe: mit kleinen Abstrichen absolut lesenswert. Man kann sich auch nur einzelne Kapitel rausziehen, z. B. den Abschnitt III "Analyse", und hat doch das Wesentliche dabei erfasst.

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Telepolis von Thomas Pany 2012 

heise.de/tp/news/2052-1991949.html 

Im Jahr 2052 wird der Gipfel des Mount Everest überschwemmt, im Roman „Die letzte Flut“ von Stephen Baxter - reine Fiktion. Der Club of Rome, welcher sich für seinen neuen Bericht ebenfalls das Jahr 2052 als Datum für Vorhersagen ausgesucht hat, ist in seinen Prognosen [1] weniger spektakulär. Aber man will dennoch der eigenen Tradition eingedenk aufrütteln und dies mit der schon vor vierzig Jahren praktizierten Warnung vor der großen Zielvorgabe des weltweiten Wirtschaftens, dem Wachstum.

Der neue Bericht <2052: A Global Forecast for the Next Forty Years> [2] platziert sich genau in der Mitte zwischen dem Erscheinungsdatum des berühmt gewordenen Berichts Die Grenzen des Wachstums [3] von 1972 und einer vorgestellten Zukunft in 40 Jahren. Was beim ersten Bericht für Furore sorgte, die Prognose eines unglaublichen Bevölkerungswachstums, das die Ressourcen der Erde schneller, als man dies in jenen wirtschaftseuphorischen Zeiten wahrnehmen wollte, ausbeuten werde, wird auch im neuen Bericht angemahnt.

7 bis 9,5 Milliarden Menschen sollen nach den neuen Berechnungen des Club of Rome ab 2045 auf unserem Planeten leben [4]. Der Wert der sich bis dahin einpendelt, wird nicht weiter wachsen, sondern eher sinken. Drei Milliarden [5] werden in Armut leben. Zwar hält der aktuelle Bericht unter Autorschaft des Norwegers Jørgen Randers [6], der schon beim berühmten früheren Bericht als Autor gelistet war, der derzeitigen Entwicklung zugute, dass man "immense Fortschritte" [7] gemacht habe, dennoch seien die Aussichten „düster“. Entscheidungsprozesse in der Politik und in der Wirtschaft seien zu kurzfristig angelegt bzw. basierten auf überholten Modellen, zum anderen würde noch immer auf überzogenen Konsum gesetzt.

Die Anpassung an die Grenzen des Planeten, das nötige Umdenken, geschehe zu langsam. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre werde weiter zunehmen. Für 2052 prognostiziert der Club of Rome-Bericht eine Zunahme der Durchschnittstemperatur um 2 Grad Celsius. Während man für China eine "Erfolgsgeschichte" voraussieht und für Brasilien, Russland, Indien und Südafrika, sowie andere "emerging economies" Fortschritte, wird die bisherige globale Elite, insbesondere die USA, verlieren [8]:  "Der Produktivitätszuwachs wird geringer ausfallen als in der Vergangenheit, weil viele Volkswirtschaften ihr Entwicklungspotenzial ausgeschöpft haben und weil soziale Verteilungskämpfe und extreme Wetterbedingungen zunehmen werden."  

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So wird es kommen, auch wenn wir es verhindern könnten

Von Gerhard Brouwer 2012 

Jorgen Randers, Mitautor der "Grenzen des Wachstums" von 1972, will nicht wie damals vor 40 Jahren Zukunftsszenarien entwickeln (Bevölkerungswachstum, Nahrungsmittel- und Ressourcenknappheit, die sich abzeichnende Umweltzerstörung), um schneller zu technischen Lösungen zu finden, sondern eine Prognose geben mit allgemeinen Trends und Tendenzen. Er veranschaulicht seine Darstellung mit hervorragenden, leicht verständlichen Graphiken (Kurven).

Seine Prognose: Wird der Kapitalismus die auf uns zukommenden Änderungen wie den Sturz aus ehemaliger Herrlichkeit der reichen Welt und die steigende Produktivität im Rest der Welt überleben? Randers prognostiziert: zum Teil, oft stark modifiziert.

Das Wirtschaftswachstum wird nicht mehr so weitergehen können, der Konsum etwa in China wird eingeschränkt werden. Die Demokratie erweist sich als (allzu-) langsam, nach 2052, wo die Probleme immer brennender werden, kommt der Umschwung zur Änderung, spät wenn nicht zu spät. Klimaänderungen bringen mehr Dürren, Hochwasser, Extremwetterereignisse und Insektenplagen. Die Welt ist noch in Betrieb, aber mit höheren Betriebskosten und beängstigenden Aussichten für den Rest des 21. Jahrhunderts. 

Die Hitze werden zu spüren bekommen die Mitte der Vereinigten Staaten, Osteuropa, Nordafrika, Zentralasien, Westaustralien und die tropischen Wälder rund um den Amazonas. Das BIP wird langsamer wachsen und wir werden lernen, dem Planeten weniger Schaden zuzufügen. Die regionale Verteilung des Anstiegs wird unterschiedlich sein: die Produktivität der Chinesen wird enorm ansteigen, die Amerikaner und Europäer werden auf dem Niveau von 2010 verharren, während der Rest der Welt bedrückend nahe bei dem heutigen Pro-Kopf_BIP bleiben wird.

Während sich zur Zeit in der Weltwirtschaft 25% des BIP auf Investitionen beläuft und drei Viertel auf Konsum, werden zukünftig neue Kosten entstehen (Ersatz für knappe Ressourcen, für gefährliche Emissionen, für ökologische Dienstleistungen wie Wasser von den Gletschern oder Fischproteinersatz, Stilllegung von Atomkraftwerken, Schutz vor Klimaschäden, Wiederaufbau von durch Extremwetter zerstörte Immobilien und Infrastruktur, Unterhalt von Streitkräften zur Abwehr von Immigranten und Verteidigung von Ressourcenvorräten).

Die Investitionen werden auf 36% des BIP gebracht werden müssen, zwei Drittel bleiben für den Konsum. Die Weltwirtschaft wird bis 2052 auf das Doppelte anwachsen und die Energieintensität um ein Drittel abnehmen. Somit wird der Energieverbrauch steigen. Durch geringeren Verbrauch an Kohle, Öl und Gas durch erneuerbare Energien wird die Klimaintensität gesenkt werden. Die Atomkraft wird schrittweise an Bedeutung verlieren, denn die wahren Kosten lassen sich nicht verschleiern, die Risiken nach Fukushima nicht begrenzen, Atomanlagen sind anfällig für Terrorangriffe.

2052 werden 80% aller Menschen in Städten leben, 2030 1,5 Milliarden in überfüllten Slums. Vereinfacht besagt Randers Prognose für 2052, dass es genug Energie, Getreide und Hühnerfleisch sowie etwas Fisch geben wird - außer für die Armen. Und es wird zuviel CO² in der Atmosphäre geben. Das Internet wird allgegenwärtig sein, wohl ohne den Produktivitätszuwachs zu beschleunigen. Die Privatsphäre, wie wir sie kennen, wird auf der Strecke bleiben. Der Staat wird wohl ein solidarisches Versorgungssystem für Gesundheit in großem Maßstab einrichten, weil es sich als effizienter und gerechter erweisen wird.

Unternehmen werden sich zu Nachhaltigkeit ändern. Randers fügt der globalen Prognose noch die von fünf Regionen hinzu: den Vereinigten Staaten, Chinas, den OECD-Ländern ohne die USA, den aufstrebenden Schwellenländern und der restlichen Welt.

Schlussendlich bietet Jorgen Randers lakonisch und vergnüglich zu lesen 20 Tipps, deren Erfüllung uns helfen soll, mit der drohenden Katastrophe zu leben ohne die Hoffnung zu verlieren. Seine Schlussbemerkung: "Es bleibt mir nur noch eines zu sagen: Bitte helfen Sie mir, dass meine Prognose sich als falsch erweist. Gemeinsam können wir eine bessere Welt erschaffen."

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40 Jahre nach „Die Grenzen des Wachstums“ 

  Von M. Lehmann 2012  

1972 war die leitende Frage einer Gruppe von Wissenschaftlern am MIT, der auch Jorgen Randers angehörte: „Was wird im Lauf der nächsten 130 Jahre geschehen, wenn die Menschheit beschließt, ganz bestimmte Strategien zu verfolgen“? Ohne damit den Anspruch einer „Prognose“ zu erheben, da die Gruppe am MIT unzählige Unwägbarkeiten im Raume stehen sah. Dennoch erzeugte das damalige Buch eine rege Diskussion und eine weite Verbreitung. Vor allem in der nüchternen Bestandsaufnahme: „Wenn sich nicht grundsätzlich etwas ändert, ist die Menschheit im Begriff, auf gefährliche Weise über die materiellen Grenzen unseres Planenten hinauszuwachsen“.

Mit nun, wie Randers sachlich anführt, zwei Alternativen, die damals bereits benannt wurden: Entweder „gesteuerter Niedergang“ durch die „geordnete Einführung einer neuen Lösung“ oder eben „Zusammenbruch“. Denn eines ist sicher: „Die Grenzüberziehung kann nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden“. Letztlich also stellt Randers auch 40 Jahre nach dem ersten Bericht die Frage, ob der Mensch als Menschheit lernfähig ist oder eben nicht und dann dumpf vor die Wand läuft. Die von der Gruppe am MIT erwartete „vorausschauende und weise Politik“ ist offenkundig zumindest nicht durchschlagend eingetreten.

Auf dieser Basis wagt Randers nun „einen Schritt weiter“. Nicht „Tendenzen“ will er benennen, sondern eine konkrete „Prognose“ im Sinne einer „wohlbegründeten Vermutung“ abgeben für die nächsten 40 Jahre. Und die hat es (negativ) in sich, für schwache Nerven jener, die ein „weiter so, wird schon gehen“ propagieren, ist dieses Buch wahrlich nicht geeignet, wohl aber für eine sachliche, nüchterne und sicher auch harte Debatte auf der Grundlage der erhobenen Fakten und deren Deutung im Buch.

Einen umfassenden Bericht in (fast) allen relevanten Lebensbereichen des Menschen auf diesem Planeten legt Randers im Folgenden detailliert, fundiert, nachvollziehbar und überzeugend argumentiert vor. Ein Bericht, der vor allem eines aufzeigt: Wenn weiterhin keine grundlegende, harte und radikale Änderung in der Politik und der Haltung des Menschen an sich eintritt, steht ein „Zusammenbruch“ tatsächlich bevor. Wobei Randers kein „Untergangsprophet“ ist, der polemisch alleine Aussagen tätigt. Ganz konkret bietet er „Lösungen“ an, ruft nach anderen „Haltungen“, die auf der Basis seiner Erkenntnisse und seiner Prognose für ein „Umsteuern“ unabdingbar sind.

Gar nicht ironisch gemeint sind dann aber auch die sperrigen und aufrüttelnden „Ratschläge“ zum Schluss, die dann greifen, wenn es zusammenbrechen sollte! Und die, wenn man sie list, in ihrer negativen Ausrichtung fast noch stärker wirken als die feinteiligen Argumente im Buch selbst. Denn Randers ist auch Realist. Ob man seinen Ratschlägen auf oberer Ebene folgt, das ist für ihn durchaus zweifelhaft und so gibt er persönliche „Wegweisungen“, das allein „eigene Wohlergehen“ nach vorne zu bringen.

Mehr Wert legen auf Zufriedenheit statt auf Einkommen. Dinge vermeiden, die nur kurzfristig Bestand haben. Hochwertige Unterhaltungselektronik statt „Realität“, beugt brutalen Enttäuschungen vor. Kinder nicht zu Naturliebhabern machen, denn das wäre zu hart, wenn die Natur entfällt. Vielfalt genießen, solange es sie noch gibt. Sehenswürdigkeiten besuchen, bevor diese ruiniert sind. An einen Ort ziehen, der vom Klimawandel kaum betroffen wird. In ein Land ziehen, das entscheidet statt nur Interessen der Mehrheit abwägt. Einen Job in erneuerbaren Energien suchen, Mandarin lernen. Sich davon verabschieden, das Wachstum gut ist. In Dinge investieren, die robust gegen soziale Unruhen sind. Und an Politiker: Bitte nur unterstützten, was kurzfristig Gewinn verspricht. Und daran denken, dass die Zukunft viele Grenzen bereit halten wird.

Es ist zu empfehlen, die Lektüre des Buches mit den Ratschlägen am Ende zu Beginnen, um dann, sehr beunruhigt, der fundierten Darstellung im Buch von Beginn an in entsprechender Haltung gegenüber zu treten. Es bleibt die Hoffnung Randers, er möge irren mit seiner Prognose und es bleibt der Aufruf: „Leben sie mit der drohenden Katastrophe, ohne die Hoffnung zu verlieren“.

Gerade in seiner profunden Sachlichkeit entfaltet das Buch eine enorme Wirkung auf den Leser. So er bereit ist, sich der Realität des Zustandes zu stellen und Randers Analyse mit offenen Augen zu lesen. Gegen alle Bequemlichkeit und gegen alle Neigung eines „wird schon gut gehen“. 

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Unaufgeregter Blick in die Zukunft

Von FMA  2012

Das Buch zeichnet sich v.a. dadurch aus, dass es anders als manch andere Publikationen zum gleichen Thema relativ ausgewogen und unaufgeregt daher kommt. Große Neuigkeiten enthält es aber im Grunde auch nicht.

Die Weltbevölkerung wird bei etwa 8 Mrd. ihren Höhepunkt überschritten haben. 

Die Verstädterung wird massiv zunehmen.

Globale, digitale Netzwerke ersetzen zunehmend nationalstaatliche Initiativen.

Die Klimaerwärmung wird 2 Grad Celsius erreicht haben. Ökosysteme werden zerstört. Parks unsere nahezu letzten Berührungsflächen mit der Natur.

Statt der Klimaänderung entgegen zu wirken, wird es zunehmend um Anpassungsstrategien gehen. 

Die Nahrungsmittelknappheit wird zu einer Fokussierung auf Kalorien- und Nährstoffreichtum auf Kosten kulinarischer Vielfalt führen.

Weder werden USA noch EU bzw. OECD-Länder im Finanzchaos versinken. Ihre wirtschaftliche und politische Macht wird sich aber zunehmend relativieren.

China wird zur neuen Supermacht. Die Welt wird sinozentrisch sein.

Die BRICS-Staaten werden weiter aufholen. 

Der Rest der Welt wird sich in nur bescheidenem Maß voran bewegen.

Angesichts einer immer älter werdenden Weltbevölkerung werden Generationenkonflikte verschärft und vermehrt auftreten.

Die zunehmende Ressourcenknappheit beschwört Konflikte herauf.

Die Kluft zwischen Superreichen, Mittelstand und Armen wird weiter steigen, wenngleich es gelingen wird, absolute Armut abzubauen. 

Regional wird es aufgrund wachsender Klassenunterschiede zu Unruhen und Aufständen kommen. 

Allen derzeitigen Initiativen zur Eingrenzung des Klimawandels, des Ausbaus Erneuerbarer Energien, der Verwirklichung von mehr Gemeinwohlorientierung im kapitalistischen Wirtschaftssystem, mehr sozialer Gerechtigkeit, Abbau der Armut in der Dritten Welt etc. werden Fortschritte machen. Dies jedoch nicht in einem Maß, das ausreichend wäre, die negativen Trends in all diesen Bereichen zu stoppen oder gar umzukehren.

In den meisten Punkten kann man dem Autor folgen. Manches überzeugt nicht wirklich. China als Mittelpunkt der Welt ist schwer vorstellbar. Dazu gehört - selbst wenn China die gewaltigen Herausforderungen im eigenen Inneren bewältigt - mehr als wirtschaftliche und politische Macht und Größe. China ist kein Sympathieträger. Seine Kultur interessiert und fasziniert, lädt aber nicht zur Nachahmung ein. Und Mandarin als Weltsprache scheitert in einer Welt, die mehr vom Vorteils- und Effektivitätsdenken als allem anderen geprägt ist, am hohen Lernaufwand. 

Schwer vorstellbar auch, dass für Länder wie Brasilien, Russland oder Saudi-Arabien auf Dauer die fossile oder biologische Rohstoffproduktion Basis des Wachstums sein kann.

Auch bleiben einige Entwicklungen mit deutlichem Konfliktpotenzial unterbelichtet.

Wo wird sich der arabische Raum hin entwickeln?  Welche Konsequenzen wird die demographische Entwicklung unter ethnisch-kulturellen Gesichtspunkten haben?

In allen Ländern des Westens wird der Anteil des "weißen Mannes" erheblich sinken. In den USA zugunsten der Latinos, in Europa zugunsten der türkischen, arabischen bzw. afrikanischen Migranten. In Russland zugunsten der asiatischen Bevölkerung mit islamischem Hintergrund. ##  Nicht weniger Konfliktpotenzial im Nahen Osten. In Israel/Palästina verschiebt sich das Bevölkerungs­gleichgewicht mehr und mehr zugunsten der Palästinenser. Dazu kommen "Youth Bulges" in den anderen arabischen bzw. islamischen Ländern. ## Alles in allem trotzdem ein informatives Buch. Wichtig auch, dass in erster Linie aktuelle Tendenzen weiter gedacht wurden. Das bedeutet auch, so der Autor, dass es keine Zwangsläufigkeit gibt. Die Menschheit hat es in der Hand, negative Entwicklungen noch zu korrigieren. 

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Wir stehen an der Schwelle zu ernsthaften Herausforderungen für die Menschheit

2012  Von Jürgen 

Jorgen Randers greift auf 35 Ausblicke von unabhängigen Denkern, Wissenschaftlern und Autoren zurück, die aus ihrem Fachgebiet eine Prognose für die nächsten 40 Jahre abgeben und so entsteht mit seinen Anmerkungen zu diesen jeweiligen Ausführungen auch eine Prognose der globalen Zukunft in groben Linien.

Seine fünf großen Fragen, mit Blick auf 2052, betreffen die immateriellen Systeme und Konzepte von denen unser tägliches Leben geprägt wird: Kapitalismus, Wirtschaftswachstum, Demokratie, intergenerationelle Gerechtigkeit und unser Verhältnis zum Klima auf der Erde. Seine Ausführungen widmen sich der Frage:"Hat die Menschheit den Bogen überspannt?" "Bewegen wir uns weiter im Schneckentempo in Richtung Nachhaltigkeit?" 

In dem Buch wird z.B. gezeigt dass die Produktion von Biokraftstoffen die Preise von Nahrungsmitteln nach oben treiben und bei den Armen für unnötige Härte sorgen kann. 

Auch die Veränderungen des Klimas und die Auswirkungen auf die Tiere im Meer und damit die damit verbundenen Veränderungen in der dortigen Nahrungskette werden sehr gut dargestellt.

Der Autor schreibt: "Wir leben nicht in einer rationalen Welt mit langfristigem Planungshorizont. Wir leben jetzt in einer Welt, die von kurzfristigem Denken und Profitmaximierung bestimmt ist, und daran wird sich auch so schnell nichts ändern." S.136

"Ich bin Biologe und der Weg den die Menschheit in den vergangenen 25 Jahren trotz deutlicher Warnungen eingeschlagen hat, läßt mich an der Vernunft der Menschen zweifeln. Genauer gesagt wundere ich mich darüber, dass anscheinend unser selbstsüchtiges, kurzsichtiges Streben nach maximalem persönlichen Besitz in der Gegenwart gesiegt hat über die rationale oder moralische Vernunft, durch die diese Krise hätte vermieden werden können."

Prof. Dag o. Hessen (S.156)

 


2013 - Audio oben

Wie lässt sich die Umwelt wirklich schützen?  

Von Martin Zähringer

deutschlandradiokultur.de/wie-die-erde-den-menschen-vertraegt 

https://www.deutschlandfunkkultur.de/wie-die-erde-den-menschen-vertraegt.1270.de.html?dram:article_id=234744

 

Weltweit haben sich Staats- und Regierungschefs darauf geeinigt, in Zukunft nachhaltiger zu wirtschaften. Doch die Wege zu diesem Ziel sind umstritten. 

Unser Autor hat drei Titel ausgewählt, die sich mit Wachstumsprognosen, Biotreibstoff und marxistischer Ökokritik beschäftigen.

"Die Grenzen des Wachstums" sind seit 40 Jahren bekannt. Seither steht ein Alternativbegriff im Raum: die Nachhaltigkeit. Nur nachhaltiges Wirtschaften könne den globalen Kollaps verhindern, lautete 1972 die Botschaft. Im Herbst 2012 erklärte der Herausgeber des damaligen Berichts im Deutschlandradio Kultur, die Welt sei weit davon entfernt, das Prinzip Wachstum durch das Prinzip nachhaltige Entwicklung zu ersetzen. Dennis Meadows antwortete auf die Frage, ob im Verzicht auf Wachstum noch eine Chance läge:

"Es ist keine Frage der Chance, es ist eine Frage der Möglichkeit. Wenn Sie Auto fahren und irgendwo mitten auf dem Land das Benzin alle ist, würden Sie ja auch nicht sagen: Unsere einzige Chance ist, anzuhalten. Sie würden sagen: Wir halten an. Die Frage ist nicht: Sollen wir anhalten - oder nicht? Wir werden anhalten. Das Benzin ist alle!"

Meadows hält das für die Prognosen angewandte system-dynamische Weltmodell für nicht mehr zeitgemäß. Er liefert keine Berichte mehr an den Auftrageber, den Unternehmer- und Ökonomenverein "Club of Rome". Das hat nun der norwegische Ökonom Jorgen Randers übernommen.  Und dieser neue Bericht liegt nun vor. Der Titel: "2052. Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre".

"Bei meinen Bemühungen zur Erstellung der Prognose ließ ich mich von zwei Fragen leiten: 'Wie wird sich der Konsum über die nächsten 40 Jahre entwickeln?' und 'Unter welchen Bedingungen - in welchem gesellschaftlichen und natürlichen Umfeld - wird dieser zukünftige Konsum stattfinden?'"

Eine Globalprognose von Jorgen Randers lautet: Die Weltbevölkerung wird 2040 mit 8,1 Milliarden ihren Höchststand erreichen. Sie geht dann schnell zurück, aber nicht aufgrund miserabler Umweltbedingungen, sondern weil die in den Städten lebenden Menschen aus ökonomischen Gründen nicht mehr so viel Nachwuchs brauchen. Die Weltwirtschaft wird 2,2 mal so groß sein wie heute, was zu einem wesentlich größeren ökologischen Fußabdruck führt und natürlich die Ressourcen schneller erschöpft.

Trotzdem sinkt die Produktivität, weil die reicheren Länder einen größeren Anteil an Dienstleistungen und Pflege aufweisen. Das wiederum führt zum Schrumpfen der Bruttoinlandsprodukte, was die Umverteilung von Einkommen und Vermögen erschwert, und dies wird unter Umständen zu Ungerechtigkeit, sozialen Spannungen und Revolten führen.

"Nachhaltigkeit - Kapitalismus - Wirtschaftswachstum - Konsum einschränken - Nachhaltigkeitsrevolution - Anpassungskosten - Systemwechsel - Katastrophenkosten - Energieeffizienz - Landraub - Klimaintensität - Wachstumsgrenzen - Ökosysteme - Flucht in die Großstadt - Artenvielfalt - Megastädte - Umverteilung - Klimachaos - Slum-Urbanismus - Kollektive Kreativität - Commons - Energiesicherheit - choice editing, Konsumentenerziehung."

Es ist zu empfehlen, dieses Buch quer und mit einem eigenen Kompass zu lesen. Die Prognose ist so dynamisch wie die Welt selbst und also nicht klar geordnet. Dafür sind modische Konzeptbegriffe reichlich vorhanden. Sie stammen von 34 Kollegen und Freunden des Herausgebers, die ihre jeweils eigenen Kurzprognosen liefern: Investmentmanager, Diplomaten, Unternehmensberater, Biologen und Umweltaktivisten, Ozeanografen und Solaringenieure, Weltbankökonomen, Nachhaltigkeitsberater für Konzerne wie Nike - kurz: die ganze Soziologie des "Club of Rome".

Am Ende steht nichts Neues:  Wir brauchen eine höhere Energieeffizienz und mehr erneuerbare Energie. Ungewohnt ist eher, wie emotional Randers diese Erkenntnis vermittelt. Der Anblick von Rodungsmaschinen in seinen geliebten Urwäldern habe ihm körperliche Schmerzen und anhaltende psychosomatische Probleme verursacht. Bis eine befreundete Psychologin ihm empfahl, mit dem Verlust leben zu lernen:

"Den Schmerz aktiv bearbeiten, wie man das auch nach dem Verlust der Mutter oder eines guten Freundes tun sollte. Die Tatsache akzeptieren, dass dieser Urwald verschwunden war und dass weitere folgen würden. Der Zukunft ins Auge sehen und sie annehmen. Sich an die Tatsachen gewöhnen. Aufhören, sich Sorgen zu machen."

Randers hat dem ganzen Bericht einen persönlichen Impetus gegeben. Leider trägt das übertrieben dramatische Ich nichts zum Verständnis der Wissenschaft bei.

Die hyperkomplexen Verfahren der Systemdynamik lassen sich eben nicht erzählen. Da hat der Kollege Meadows vom ersten Bericht mehr rhetorische Durchschlagskraft: 

"Die Frage lautet also: Wo halten wir an, wie machen wir das, werden wir die Bremse ziehen und an einer sicheren Stelle anhalten oder werden wir anhalten, indem wir mit etwas anderem zusammenstoßen oder irgendwo drauffahren?"


Weitere Lesebericht von dlf in pdf

2012 Georg Ehring mit Benjamin Hammer

2012 Gerhard Klas 

2012 Peter Kapern mit Klaus Toepfer

 


 

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 (Ordner)    www.detopia.de 

Jorgen Randers 2052 Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre Der neue Bericht an den Club of Rome