The Limits to Growth

 1972

 

Beyond the limits

 

Update

 

Meadows

Donella Meadows, Dennis Meadows, Jorgen Randers

 

Bücher:

1972: Die Grenzen des Wachstums  Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit

1992: Die neuen Grenzen des Wachstums  Beyond the limits - Donella und Dennis

2004Grenzen des Wachstums. Das 30-Jahre-Update  Kurswechsel - Von Meadows, Dennis

2012: 2052: Eine globale Prognose Von J. Randers #  Bericht zur Lage der Menschheit

 

 

Artikel:

1998:  Interview mit Vorholz in ZEIT  

2003:  Meadows ZEIT 

2008:  Meadows Interview /Welt   

2009:  Meadows Samurai-Rede + Interview /Heise  

2011:  Meadows Interview /dradio 

 

Audio:

Audio 2010 über Die Grenzen des Denkens 

Donella: *1942-2001 (59)

Dennis:  *1942  

Randers: *1945  

 

detopia: 

M.htm   Ökobuch 

Jorgen Randers 

Club of Rome

 

Carson.1962   Urban.1971 

Forrester.1971   Global.2000  

Brown.2006   Worldwatch 

H.Welzer  Foster-Magdoff  

S.Emmott   E.Laszlo

E.Pestel   W.Harich

H.Gruhl   R.Kreibich  

 

 

DNB.Meadows

Wikipedia Donella  

Wikipedia.Dennis  

Wikipedia Grenzen Wachstum 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

 

 

 

    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Grenzen des Wachstums bleiben eine große Herausforderung  

Von  V. Kempf      6.3.2012     Quelle: herbert-gruhl.de / wachstumsgrenzen  

 

Die Studie <The Limits to Growth>, zu deutsch <Die Grenzen des Wachstums>, wurde im März 1972 - vor 40 Jahren - veröffentlicht. 

Der epochemachende Erfolg dieser von Dennis Meadows für den Club of Rome verfaßten Studie fiel mit der Ölkrise vom Oktober 1973 zusammen. Diese Krise führte vor Augen, was es heißt, wenn sich Knappheit auf dem Rohstoff- und Energiemarkt einstellt. 

Es war dies eine künstliche Ölverknappung, die die Organisation der Erdöl expotierenden Länder (OPEC) herbeiführte. Aber das änderte nichts daran, daß sich Probleme für Wirtschaft und Politik ergaben. Willy Brandt scheiterte an dieser künstlichen Verknappung, weil sie seine kostenintensive Sozialpolitik treffen mußte.

Die besagte Studie hatte keine Sensation zu vermelden, sondern lediglich mit Computermodellen vorgerechnet, was jedes Kind weiß, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wachsende Lebensansprüche einer wachsenden Menschheit, das muß an Grenzen stoßen, lautete die Botschaft. Was über die Maßen wächst, ist maßlos, gleicht einer Verfettung und ist damit ein Symptom einer Krankheit. Was da krankt, ist das Ökosystem. Mit einem kranken Ökosystem läßt es sich nicht zukunftsfähig wirtschaften. Die Wirtschaftswissenschaften hatten einen zu verengten Blick eingenommen, dämmerte nun. Sie hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Allzu menschlich wurden Fehler in den Details der Club of Rome-Studie gesucht, um nur nicht die eigene „Denkform“ (Hans Leisegang) in Frage stellen zu müssen.

Das gilt nicht minder von den Sozialwissenschaften. Diese hatten in sozialen Klassen und Schichten gedacht, um Konflikte zwischen ihnen auf der Basis grenzenlosen wirtschaftlichen Wachstums bewältigen zu helfen. Für den westlichen Neomarxismus war das Denken in Begrenzungen besonders schwer mit ihrem Anspruchsdenken vereinbar. So kam Herbert Marcuse 1973 in einem Interview zum Thema zwar nicht umhin auszusprechen, der Studie <Die Grenzen des Wachstums> komme „größte Bedeutung zu“, aber nur „weil sie die dem kapitalistischen System innewohnende Destruktivität und Aggressivität aus einem neuen Blickwinkel beleuchtet.“ 

Marcuse also wandte die Meadows-Studie nur gegen den Kapitalismus. Der reale Sozialismus war Marcuse in diesem Zusammenhang kein Thema wert, außer daß er erklärte, die Arbeiter in den USA würden bei dem Stichwort Sozialismus zu Unrecht nur an den real existierenden Sozialismus denken und daher vom rechten Glauben an einen wahren Sozialismus abfallen. 

Aber genau damit bewiesen jene Arbeiter mehr Realitätssinn als Marcuse. Denn der real existierende Sozialismus fiel nicht nur durch seine vergleichsweise geringe Wirtschaftskraft auf, sondern auch dadurch, im Verhältnis zu seiner Produktivität ein Höchstmaß an Umweltzerstörung zu erzeugen. Marcuse schwebte also ein utopischer Sozialismus vor, der Realvergleiche nicht nötig zu haben meinte. 

Am Ende seines Interviews, das in dem Band <Die Grenzen des Wachstums: Pro und Contra> veröffentlicht ist, setzte Marcuse wie ehedem auf Wirtschaftswachstum, um damit die Armut in der Welt zu beseitigen.

 

Ganz anders einer der Hauptvertreter der „Leipziger Schule“, Arnold Gehlen, der noch kurz vor seinem Tod im Januar 1976 Zur Lage der Soziologie schrieb, mit besagter Studie würde sich „eine neue, sehr umfassende Krisenwissenschaft ankündigen, die über den Bereich der Soziologie hinausgreift“. Gehlen selbst ordnete die Wachstumsgrenzen dem von ihm wiederbelebten Begriff der „Post-historie“ ein, sie blieben ihm also ein zeitloses Signum für die Grundstrukturen der industriellen Gesellschaften. Es waren dies Überlegungen, die über den Kalten Krieg und die damit verbundene Frage nach den politischen Systemen in Ost und West hinaus gingen.

Die Strategie, das System der Bundesrepublik und anderer Staaten der westlichen Welt in Richtung Sozialismus zu überwinden, war aber 1973 von den damaligen sozialen Bewegungen noch nicht aufgegeben worden. Dessen war sich auch Marcuse bewußt, wenn er sich seinerzeit noch in einer „neuen Periode der Umgruppierung und Neubesinnung“ der Studentenbewegung wähnte. In dieser Situation blieb Marcuse die „Hauptfrage“, „welche Organisationsform der Bewegung gegeben werden soll.“ Diese Frage konnte Marcuse seinerzeit noch nicht hinreichend beantworten, außer daß er den Grenzen des Wachstums eine einseitig kapitalismuskritische Stoßrichtung gab, wie übrigens auch die Sowjetunion.

In Westdeutschland begannen sich die politischen Lager angesichts der nun bewußt werdenden Herausforderung ökologischer Zukunftsfähigkeit neu zu sortieren. Das wird anhand zweier Ökobestseller aus dem Jahre 1975 deutlich. 

Erhard Eppler erkannte in seinem Buch <Ende oder Wende> die von Marcuse angesprochenen Suchbewegungen auf linker Seite und versuchte diese Strömungen in die SPD hinüberzuziehen und einige heimatlos gewordene Konservative gleich mit. Das gelang unter Helmut Schmidt aber nur sehr bedingt. Noch schwieriger hatte es unter Helmut Kohl der umweltpolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Herbert Gruhl. Er hatte schon vorzeitig ein Exemplar der Grenzen des Wachstums erhalten und versuchte umfassend die Politik von den Grenzen der Erde her neu zu buchstabieren. Sein Buch Ein Planet wird geplündert, mit dem Untertitel Die Schreckensbilanz unserer Politik, hatte Gehlens Überlegungen von 1976 schon vorweggenommen und wurde mit fast einer halben Million verkaufter Exemplare ein Erfolg, wie er sich heute nur mit demjenigen von Thilo Sarrazins Deutschland schafft sich ab vergleichen läßt. 

Doch Gruhl wurde innerparteilich zum Außenseiter, so daß er 1978 die Grüne Aktion Zukunft (GAZ) gründete, die die treibende Kraft für die Europawahlgrünen von 1979 war. Der Wahlerfolg konnte sich mit 3,2 Prozent sehen lassen. Baldur Springmann, Joseph Beuys und Petra Kelly hatten dazu mit beigetragen. Von nun an war den Linken, die Marcuse im Blick hatte, klar, wo Protest nicht ins Leere lief, sondern eine Organisationsform fand, die Früchte in Form von Wahlkampfkostenerstattungen trug. Dazu mußte auf politischem Terrain nur die intellektuelle Leitfigur Gruhl ausgeschaltet werden, die dem Neomarxismus gegenüber kritisch eingestellt war und viel auf die Gründungsväter der sozialen Marktwirtschaft hielt.

Es gelang den bei den Grünen hereinströmenden K-Gruppen, Gruhl mit trotzkistischen Methoden an den Rand zu drängen. Dem taktischen Geschick der Kader war das bürgerliche Lager trotz seiner Mehrheit nicht gewachsen, zumal links zu sein auch dort zunehmend als chick galt. Gruhl trat im Januar 1981 aus der Partei aus. Die Karrieren kommunistischer Sektierer nahmen ihren Lauf und drehten dabei so manche Piourette bis weit in das Establishment hinein.

Als es Die Grünen noch nicht gab, standen Eppler und Gruhl für eine politische Ökologie von linker und konservativer Seite. 

Eppler gesteht heute in Epochenwechsel nach der Blamage der Marktliberalen, Gruhl habe weit mehr als er selbst über der Politik stehend argumentiert. 

Man muß sich keinem Lager zuordnen, um zuzugestehen, daß Die Grenzen des Wachstums einem genuin konservativen Denken entgegen kommen. 

Schon Ludwig Klages wies in seiner Rede „Mensch und Erde“, die er im Oktober 1913 auf dem Jugendfestival auf dem Hohen Meißner hielt, auf die gewaltigen anthropogen bedingten Veränderungen der Erdoberfläche und ihrer Tierwelt hin und wertete diese als Zeichen des Kulturverfalls. 

Im Duktus der Besinnlichkeit wies Klages den „Kampf ums Dasein“ zurück und sprach der „Fürsorge für das Leben“ und der Erhaltung der heimatlichen Landschaft das Wort. Er warnte mit Blick auf die Wale, es mit ihrer Ausbeutung bis zu deren Ausrottung zu treiben. Der Fortschrittsoptimismus schien hier so verlogen wie der Prunk des Wilhelminismus am Vorabend des Ersten Weltkrieges.

Der Historiker Walter Laqueur wies Klages’ Rede in den fortschrittsoptimistischen 1960er Jahren als „wilde Verwünschungen“ zurück. 

Der Zoologe Bernhard Grzimek pries in seinem Vorwort zu Klages’ Rede in den 1980er Jahren dessen Weitsicht – und Vergeblichkeit.

Das zeigt, daß man es sich mit warnenden konservativen Stimmen nicht zu leicht machen sollte. Auch die Gründerväter der sozialen Marktwirtschaft wie Walter Eucken waren für die Problematik offen und nutzten konservatives Denken für die Behauptung ordoliberaler Konzepte. Die Zeit damals war allerdings mit vordringlicheren Fragen beschäftigt als ökologische Probleme systematisch in marktwirtschaftliche Konzepte einzubinden. 

Um so mehr muß einem modernen Konservatismus daran gelegen sein, den Ordoliberalismus weiterzuentwickeln. Denn konservativ heißt bewahren, nicht plündern. 

Und es heißt, Maß zu halten, wie Ludwig Erhard noch wußte. Bei einer wachsenden Weltbevölkerung bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung. #


 

 

Donella Meadows 

 

 

Audio 2010 dradio über Buch <Die Grenzen des Denkens> von Donella Meadows   

 

 

 

Ein Nachruf bei epd.de  

 

 

Am 20. Februar 2001 starb Professor Donella H. Meadows an bakterieller Meningitis in New Hampshire im Alter von 59 Jahren. Sie wurde weltbekannt als Hauptautorin des Buches "The Limits to Growth. A Report for the Club of Rome Project on the Predicament of Mankind", 1972 (in Deutsch: "Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit"). 

 

Dieses Buch über die langfristigen Interdependenzen von Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaftswachstum und natürlicher Umwelt war eine doppelte Herausforderung: Es stellte das weitere quantitative Wirtschaftswachstum in Frage und es bezweifelte die Fähigkeit der Wissenschaften zu integriertem Denken. Das Buch wurde schnell ein Bestseller, in 28 Sprachen übersetzt und viel zitiert. In Deutschland wurden mehr als 800.000 Exemplare verkauft, ganz ungewöhnlich für ein wissenschaftliches Werk.

 

Donella H. Meadows war aber auch Hauptautorin des Nachfolgebandes, der zwanzig Jahre später erschien: "Beyond the Limits", 1992, der in Deutsch einen völlig verfehlten Titel erhielt: "Die neuen Grenzen des Wachstums". 

 

Dieses Buch fand nicht mehr die Aufmerksamkeit, die der Vorläufer gefunden hatte. 

 

Die Autoren waren nämlich der Auffassung, dass ihre Prognosen im Wesentlichen eingetroffen seien: Das ökonomische System war nicht steuerungs- und anpassungsfähig, die Grenzen der ökologischen Belastbarkeit waren in vielen Bereichen überschritten worden ... 

 

Dana, wie ihre Freunde und Kollegen sie liebevoll nannten, war eine maßgebliche Stimme im globalen Nachhaltigkeitsdiskurs. Und sie wurde gehört - mit ihren anderen Büchern ("Groping in the Dark", 1982; "The Electronic Oracle", 1985, und weiteren), aber auch und besonders durch ihre wöchentliche Kolumne "The Global Citizen", die seit 1985 regelmäßig erschien, vielfach abgedruckt wurde und mehrere Preise erhielt.

 

Dana hatte eine besondere Zuneigung zur deutschsprachigen Welt, nicht nur weil "Die Grenzen des Wachstums" hier so intensiv diskutiert worden waren, sondern auch weil die Universität Kassel sie zur Gastprofessorin berief.

 

Dana, die immer global dachte, war zugleich eine vielseitige lokale Aktivistin: 27 Jahre lang hat sie einen organischen Bauernhof geführt, ein Öko-Dorf und ein "Sustainability Institute" gegründet. Ihre Mutter nannte sie eine "Earth missionary", eine Erd-Missionarin. 

Sie selbst beschrieb sich einmal als "engagierte Kolumnistin, ewige Spendeneintreiberin, leidenschaftliche Gärtnerin, Opernliebhaberin, Bäckerin und Bäuerin, Lehrerin und weltweit emsige Stechfliege".

 

Donella H. Meadows hat nicht den Nobelpreis für Umweltschutz erhalten, weil es den noch nicht gibt. Sollte es ihn aber doch einmal geben, sie wäre die Erste, die ihn posthum erhalten sollte.

 

 

 

 

 

 

Rezension  zu  
<Neue Grenzen des Wachstums> von Sabine Stöcker, <Spektrum der Wissenschaft>

 

 

Das Titelbild hat etwas Tragisches: Der Gürtel um die Erde ist eng geschnallt, besonders eng um Afrika und Südamerika, während Westeuropa sich hinter Nebelschwaden verbirgt und Nordamerika nur einen Schatten wirft. Verheißungsvoller ist da schon der Inhalt. 

 

Wenn wir unverzüglich handeln, so die These der Autoren, dann kann die gesamte Weltbevölkerung mit dem durchschnittlichen Lebensstandard der heutigen Europäer leben, und zwar für Zeiträume, die nach menschlichem Ermessen unbeschränkt sind. 

Mit dieser Perspektive verbreitet das Buch bestimmt keine No-future-Stimmung.

 

Allerdings werden auch die Gefahren, die in der Fortsetzung unserer bisherigen Lebensweise liegen, sehr deutlich genannt. Wenn wir unsere Vorstellungen vom Wirtschaftswachstum sowie unser Verhalten gegenüber der Umwelt nicht drastisch ändern, droht der gesamten Menschheit die ökologische, soziale und wirtschaftliche Katastrophe. Seit der Studie "The Limits to Growth" ("Die Grenzen des Wachstums"), die - im Auftrag des Club of Rome erstellt - 1972 erschien und trotz mancher Mängel erhebliche Wirkung hatte, ist der verbleibende Handlungsspielraum sogar noch sehr viel enger geworden.

 

Donella H. Meadows, ehemals Biophysikerin an der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts), verließ vor 20 Jahren die Grundlagenforschung, um in einer Arbeitsgruppe des Massachusetts Institute of Technology die computergestützte globale Prognose zu erarbeiten, die den "Grenzen des Wachstums" zugrunde lag; auch ihre jetzigen Koautoren gehörten zu diesem Team. 

 

Als im vergangenen Jahr eine Neuauflage geplant wurde, sahen sich die inzwischen an der Universität von New Hampshire in Durham beziehungsweise an der Norwegischen Hochschule für Management in Sandvika tätigen Autoren zu einer gründlichen Neubearbeitung veranlaßt. 

 

Deren Originaltitel "Beyond the Limits" macht mit dem "jenseits" deutlicher als der für die deutsche Übersetzung gewählte, daß wir unsere Lebensgrundlagen teilweise schon über die Maßen strapaziert haben.

 

Die Prognose basiert auf dem Computermodell "World3", das seit 1972 im wesentlichen nicht verändert, aber mit aktuellen Daten über den Zustand der Welt neu gestartet wurde. Die Autoren machen den Leser mit der dem Modell zugrundeliegenden systemtheoretischen Denkweise in einer erfreulich verständlichen Sprache und anhand zahlreicher Graphiken vertraut; sie erläutern zudem ausführlich die Zusammenhänge der verschiedenen Modellbausteine Bevölkerung, Industrie, Landwirtschaft, Umwelt und Ressourcen. Hier steht vieles zu den Themen Bevölkerungswachstum, Wirtschaftsentwicklung und Ökologie, was ein kritischer Mensch unserer Zeit schon weiß oder ahnt. Aber es ist auf den Punkt gebracht, so daß sich wertvolle Argumente für Diskussionen ergeben und ein Pfad fort von diffuser Angst in Richtung begründeter Sorge gewiesen wird. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Ausdünnen der stratosphärischen Ozonschicht, auch um zu zeigen, daß ein Umdenken auf internationaler Ebene möglich ist.

 

Insgesamt beschreibt das Buch dreizehn Computersimulationen mit jeweils unterschiedlichen Annahmen über die Ressourcenverfügbarkeit und die künftigen Handlungsweisen der Menschheit, was das Bevölkerungswachstum, die Investitionen, die Innovationen und das Umweltverhalten betrifft. Den Abschluß bildet ein Versuch, eine Welt zu beschreiben, deren Bevölkerung in sehr sozialer Weise so lebt, daß es auch nachfolgenden Generationen gutgehen kann. Der Anhang erläutert das Computermodell World3 und nennt Bezugsquellen für die Software, so daß ein interessierter Leser eigene Szenarien errechnen lassen kann.

 

Sind aus den Visionen der Propheten vergangener Zeiten die Computersimulationen der Wissenschaftler geworden? Sicherlich ist es fragwürdig, so komplexe Zusammenhänge, wie sie das Weltgeschehen bestimmen, zu modellieren und Prognosen daraus abzuleiten; möglicherweise sind solche Modelle nur für die Analyse des Status quo, aber grundsätzlich nicht für Vorhersagen geeignet. 

 

Schon an der Veröffentlichung von 1972 wurde kritisiert, daß sie zu stark von einem technisch-mechanistischen Weltbild ausgehe und Glaubens­vorstellungen und Ideologien, die das Handeln der Menschen bestimmen, nicht berücksichtige. Gleichwohl sollte nachdenklich stimmen, daß selbst unter den günstigsten Annahmen über Ressourcenverfügbarkeit, Umweltbelastbarkeit und Innovationskraft des Menschen eine düstere Zukunft vorhergesagt wird, wenn wir unser Ziel vom Wirtschaftswachstum nicht durch das nachhaltiger Entwicklung ersetzen und unser Umweltverhalten nicht einschneidend ändern.

 

Die Beschreibung einer Welt, in der das Fortbestehen der Menschheit möglich ist, klingt vielversprechend. Als wünschenswert wird ein Gleichgewichts­zustand mit nahezu konstanter Bevölkerungszahl angestrebt. Dem läßt sich entgegenhalten, daß das Streben nach Gleichgewichten zwar menschlich ist, aber alles Lebendige sich durch Veränderungen und Beweglichkeit auszeichnet; in der Natur sind solche Systeme robust, die unregelmäßig strukturiert sind oder zeitlichen Schwankungen unterliegen.

 

Wie der Weg in eine Welt mit Zukunft aussehen soll, bleibt leider unklar. Friedvoll soll er sein und eine dritte große Umwälzung in der Menschheitsgeschichte - nach der Erfindung des Ackerbaus und der industriellen Revolution - einleiten. 

 

Hier stellt sich die Frage nach politischen Konsequenzen. Sie bleibt unbeantwortet, weil nach politischen Ursachen nicht gefragt wird - mit einer seltsamen Begründung: 

 

Die Frage, ob die Reichen mit ihrem Schmarotzertum oder die Armen mit ihrem Bevölkerungswachstum am schlimmen Zustand der Welt schuldig seien, liefere Zündstoff. 

 

Es fragt sich nur, ob wir Reichen, die wir uns das Weltszenario am Fernseher oder Computerbildschirm ansehen können, nicht ein wenig Zündstoff brauchen, um unsere bequemen Sessel zu verlassen.  #

 

 

 

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(Ordner)   www.detopia.de

Donella Meadows, Dennis Meadows, Jorgen Randers - Die Grenzen des Wachstums - Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit