Edward Osborne Wilson 

"Der Vater der Biodiversität"

Die Zukunft des Lebens (2002)

"Eine faszinierende Reise durch die ursprünglich so perfekt eingespielten Ökosysteme dieser Erde." P.M. 


Die soziale Eroberung der Erde. (2013).

Eine biologische Geschichte des Menschen.

Audio 2013 Buch

 

Wikipedia.Autor  *1929

DNB.Buch2002  255 Seiten

DNB.Buch2013 384 Seiten

WEEBER.Wilson.2013

Google.Autor  

 

detopiaÖkobuch

W.htm

Carl Amery über Wilson  

R.Leakey   J.Diamond  

L.Brown   Global.2000  

Norman.Myers   Glaubrecht2019

 

 

 

 

 

 

 

 

Klappentext 2002

Mit der von ihm 1984 formulierten Biophilie-Hypothese ist die Grundlage für eine anthropozentrische Umwelt- und Naturschutzethik gegeben, die aus dem Eigeninteresse des Menschen heraus die biologische Vielfalt bewahren möchte.

Ein Wegweiser für die Umweltdebatte:

Edward O. Wilsons präziser Bericht über die ökologische Lage unseres Planeten bietet zugleich konkrete Vorschläge, wie wir aus der gegenwärtigen Krise wieder herausfinden.


 

Zu Die Zeit, 21.03.2002

Reiner Klingholz teilt Wilsons Liebe zum Kleinen, aber nicht die zum Großen. Er feiert ihn als Myrmekologen - das heißt Ameisenkundler -, der noch im letzten Jahr die offensichtlich hinreißende "Kerbtierthymne" "Ameisen" vorlegte, aber als Moralisten sieht er sich durch Wilson gelangweilt. 

Auch im vorliegenden Buch bewundert der Rezensent Wilsons "ungeheure Kenntnis biologischer Zusammenhänge" und schwärmt von Passagen, in denen Wilson die nie endende Anpassungs­fähigkeit der Arten in einer Anschaulichkeit beschreibt, die Klingholz keinem einzigen deutschen Kollegen seiner Zunft zutraut. 

Nur wo Wilson über den Menschen spricht, über seine Unfähigkeit zu ökologischer Verantwortung, und wo er Lösungswege aus der ökologischen Krise zu skizzieren versucht, mag ihm Klingholz nicht folgen. 

Nicht dass er Wilson nicht im Prinzip recht gibt, nur scheint er seine politische Kompetenz anzuzweifeln. Hier wird ihm Wilson eben zu "groß", zu allgemein, zu hilflos pathetisch. 

Dennoch: Wer Wilson noch nicht gelesen hat, dem empfiehlt Klingholz dieses Buch als "Pflichtlektüre".

 

Zu Süddeut. Zeitung 20.03.2002

Josef H. Reichholf ist sehr angetan von dem Buch des Naturschützers und Biologen Wilson, der darin die Zukunftschancen für die Natur auszuloten versucht. 

Wie zu erwarten, habe der Autor zwar jede Menge "Schreckensmeldungen" über aussterbende Arten und die verheerende Wirkung des Menschen auf die Natur zu überbringen. Allerdings, so der Rezensent, könne der Autor seine Botschaften "eindrucksvoll belegen", außerdem stelle er seinen "Untergangsszenarien" auch positive Entwicklungen zur Seite. Dadurch, lobt Reichholf, entstehe "Hoffnung". Und so gebe das gleichermaßen "gut geschriebene" wie "ausgezeichnet übersetzte" Buch dem "Natur- und Umweltschutz in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts" das, was er brauche: ein "zukunftsfähiges Programm".

 


Wissenschaft-Online 

Rezensent: Dr. Frank Ufen zu 2002:

 

Niemand weiß, wie viele Ökosysteme jeden Tag vernichtet werden und wie viele Tier- und Pflanzenarten jeden Tag von der Erde verschwinden. Aber dass die menschliche Zivilisation für Umweltzerstörungen von verheerenden Ausmaßen verantwortlich ist, kann heute nicht mehr ernsthaft bestritten werden. Mit ihren Ursachen und Folgen befasst sich Edward O. Wilson in seinem neuen Buch. 

In Wilsons Augen setzte das Verhängnis schon mit der Erfindung der Landwirtschaft gegen Ende der letzten Eiszeit ein. 

Schon in dieser neolithischen Phase wurde damit begonnen, die Urwälder, die sich damals noch über fast sämtliche bewohnbaren Regionen der Erde erstreckten, bedenkenlos abzuholzen und niederzubrennen, um Ackerland und Viehweiden an ihre Stelle zu setzen. Die nachfolgenden Generationen fuhren mit den Rodungen unerbittlich fort, so dass heute von den ursprünglichen Wäldern kaum mehr als die Hälfte übrig geblieben ist. 

Wilson bezweifelt allerdings, dass dieses rücksichtslose Vorgehen allein auf die kontinuierliche Zunahme der Bevölkerung und den chronischen Ressourcenmangel zurückgeführt werden kann. Er vermutet vielmehr, dass die menschliche Spezies eine angeborene Vorliebe für savannen- oder parkähnliche Landschaften hat, die noch aus der Zeit stammen könnte, als sich ihre hominiden Vorfahren genetisch an die Grassteppen ihres afrikanischen Lebensraums anpassten. 

Das würde bedeuten, dass Menschen sich in erster Linie dort wohlfühlen, wo es ebene und halboffene Graslandschaften und außerdem Seen oder Teiche in unmittelbare Nähe gibt, wo aber die Sicht und der Aktionsspielraum nicht durch Ansammlungen von Bäumen und dichtes Unterholz zu sehr eingeschränkt sind. Hingegen würden sich Menschen von Umgebungen, die keine oder nur geringe Ähnlichkeit mit ihrem angestammten Lebensraum haben, derart stark abgestoßen fühlen, dass sie alles versuchen werden, um sie in Savannen zu verwandeln. Und deshalb werden die Regenwälder nach wie vor gnadenlos dezimiert.

Die Ausbreitung der Landwirtschaft über immer größere Teile der Erde hatte nicht nur das rapide Schrumpfen der Wälder und Wildnisgebiete zur Folge. Sie führte auch dazu, dass die größeren Säugetiere, Reptilien und Vögel Amerikas, Australiens und Europas schon nach kürzester Zeit dem menschlichen Expansionstreben zum Opfer fielen. 

Nur in Afrika und im tropischen Asien blieb ihnen das Schicksal der vollständigen Ausrottung erspart. Wilson hat hierfür eine schlüssige Erklärung gefunden: Allein auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent kam es zu langfristigen koevolutionären Beziehungen zwischen Fauna und Flora und dem Homo sapiens. Die einheimischen Großtierarten hatten deshalb genügend Zeit, sich genetisch auf den Menschen einzustellen und Schutzmechanismen gegen ihn zu entwickeln. 

Außerdem wurde seine Vermehrung durch Raubfeinde, Nahrungskonkurrenten und Krankheitserreger in Schach gehalten. Als die Menschen jedoch zu den übrigen Kontinenten vordrangen, hatten sie leichtes Spiel, weil sie dort auf eine Tierwelt trafen, die ihnen weitgehend wehrlos gegenüberstand. Darüber hinaus hatten sie den Vorteil, sich aufgrund ihrer besonderen kognitiven Fähigkeiten extrem schnell an fremde Umgebungen anpassen zu können. So konnte der Homo sapiens zu einer der gefährlichsten invasiven Arten und zum globalen Massenmörder werden.

Heute, behauptet Wilson, sind die ökologischen Grenzen des ökonomischen Wachstums schon derart weit überschritten, dass der Planet Erde die Fähigkeit zur biologischen Regeneration verloren hat. 

Während das Artensterben früher im Wesentlichen auf die großen Landtiere beschränkt blieb, erfasst es inzwischen auch viele Fische, Amphibien, Insekten und Pflanzen. Gegenwärtig benötigt jeder Amerikaner zur Befriedigung seiner grundlegenden Lebensbedürfnisse 9,6 Hektar an ökonomisch genutztem Land und an Küstengewässern, während sich in den Ländern der Dritten Welt jeder Einwohner mit einem einzigen Hektar begnügen muss. Wollte man versuchen, der gesamten Weltbevölkerung das Konsumniveau der Vereinigten Staaten zu ermöglichen, bräuchte man beim derzeitigen Stand der Technik vier weitere Planeten mit dem Ressourcenreichtum der Erde.

Wenn die nicht erneuerbaren Ressourcen der Erde weiterhin mit derselben Hemmungslosigkeit ausgebeutet werden und wenn Lebensräume und Ökosysteme weiterhin mit derselben Geschwindigkeit zerstört werden, dann - prophezeit Wilson - werden bis zum Jahr 2030 ein Fünftel und bis zum Ende dieses Jahrhunderts die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten ausgestorben sein. 

Trotz alledem hält es Wilson immer noch für möglich, den totalen ökologischen Kollaps zu verhindern.

Er hofft darauf, dass eine universale ökologische Ethik, die auf einem umfassenden Verständnis der Beziehungsgeflechte zwischen Mensch und Natur beruht, sich schließlich durchsetzen wird. Er vertraut darauf, dass die biophilen Instinkte, die den Menschen dazu befähigen, sich in nichtmenschliche Organismen einzufühlen, ihn auch dazu veranlassen könnten, sich mit ihnen zu solidarisieren. 

Und Wilson setzt darüber hinaus auf pure ökonomische Vernunft. 1997 betrug das weltweit erzielte Bruttosozialprodukt 18 Billionen US-Dollar. Demgegenüber entsprach die Summe aller ökologischen Dienstleitungen, die die Biosphäre im selben Jahr für die menschliche Bevölkerung produzierte, einem Wert von mindestens 33 Billionen Dollar. Wilson schließt daraus, dass jeder Versuch, die Dienstleistungen der Natur durch synthetisch erzeugte zu ersetzen, langfristig zum Scheitern verurteilt ist.

Wilsons apokalyptische Prognosen sind in mehrfacher Hinsicht anfechtbar, und mit den Strategien, die er vorschlägt, wird der Weltuntergang kaum abgewendet werden können.

Trotzdem: Wilson liefert mit diesem Buch einen der ergiebigsten Beiträge zur politischen Ökologie überhaupt - und eine präzise Bestandsaufnahme, die die prekäre Lage der Biosphäre deutlich vor Augen führt.

 

Leseberichte zu 2013: 

 

dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/2053670/         RADIOFEUILLETON: KRITIK   27.03.2013 · 09:33 Uhr

Zufall der menschlichen Intelligenz     Edward O. Wilson: "Die soziale Eroberung der Erde", Beck 2013, 384 Seiten

In seinem neuen Buch überträgt der Insektenkundler und Biologe Edward O. Wilson Erkenntnisse aus der Termitenforschung auf den Menschen. So will er den großen Fragen nach dem Wesen des Homo sapiens auf den Grund gehen. 

Die Erörterung unserer evolutionären Wurzeln ("Woher kommen wir?") macht den Löwenanteil des selbstbewussten Alterswerkes aus. Die soziale Intelligenz des Menschen verdankt sich laut Wilson dem puren Zufall mehrerer Präadaptionen: Ein aufrechter Gang, eine sensible Hand, die Ernährungsumstellung auf energiereiches Fleisch für ein großes Gehirn und der Bau von Nestern, in denen Eltern, Kinder und erweiterte Familie zusammenlebten - das alles habe zusammenkommen müssen, um Eusozialität entstehen zu lassen. Gemeint sind damit soziale Gruppen, die sich verteidigen, als wären sie ein Individuum. Der Autor untermauert seine Betrachtungen mit spannenden Fakten aus der Ameisen- und Termitenforschung, seinem eigentlichen Fachgebiet. Ähnlich wie bei sozialen Insekten hätten die Selektionskräfte der Evolution auch beim Homo sapiens sowohl die fittesten Individuen als auch die am besten kooperierenden Gruppen bevorzugt.

Die Theorie der Gruppenselektion ist neu und umstritten in der Soziobiologie, die bislang auf verwandtschaftliche Nähe als Ursache altruistischen Verhaltens setzt. Edward O. Wilson leitet daraus im zweiten Teil seines Buches ("Was sind wir?") weitreichende Interpretationen ab: Die Janusköpfigkeit des Menschen, das permanente Oszillieren zwischen Altruismus und Egoismus sei uns evolutionär in die Wiege gelegt. Während die Evolution einerseits Individuen mit egoistischem Durchsetzungswillen beförderte, konnten andererseits am besten solche Gruppen überleben, deren Mitglieder sich zu Kooperation, persönlichem Verzicht und Gemeinschaftlichkeit bereit zeigten. Aus seiner Zerrissenheit zwischen Ellbogenmentalität und selbstloser Liebe sauge der Mensch nun den Nektar von Dichtung, bildender Kunst und Musik.

"Philosophie bringt Menschen Selbstverständnis kein Stück näher"

Edward O. Wilson hat ein gut lesbares populärwissenschaftliches Buch geschrieben, dessen Selbstbewusstsein allerdings die Grenze zur Arroganz nicht selten überschreitet. Schon im Vorwort macht der Autor klar, welchen Platz er der Soziobiologie zuzuweisen gedenkt: das Siegertreppchen - alleinige Definitionshoheit. Kunst und Philosophie hätten den Menschen einem brauchbaren Selbstverständnis "kein Stück näher gebracht", behauptet er ernsthaft - das leiste erst die Biologie. 

Der Schluss des Buches ("Wohin gehen wir?") wechselt vollends in die Tonart des Manifests: Für Edward O. Wilson wird die Zukunft nur dann lebenswert, wenn wir Spiritualität und unnützes geisteswissenschaftliches Tasten beiseitelegen und uns voll der Vernunft biologischer Selbsterkenntnis anvertrauen. Auch wenn dem Autor dabei eine sympathische Mischung aus wenigen undogmatischen Tugendregeln und dem unverkrampften Akzeptieren menschlicher Ambivalenzen vorschwebt - unter dem Strich präsentiert sich die Soziobiologie in diesem Buch einmal mehr mit einem schier atemberaubenden Willen zur Macht.

Besprochen von Susanne Billig   

Edward O. Wilson: Die soziale Eroberung der Erde - Eine biologische Geschichte des Menschen    55 Abbildungen und 3 Tabellen    Aus dem Englischen von Elsbeth Ranke 

 


Zu Buch 2002:

 

Überzeugende und aufrichtige Darstellung     2002 Von J. Siebert (Norderstedt)
Die Überbevölkerung gepaart mit dem verschwenderischen Umgang mit den natürlichen Ressourcen belastet die vielfältigen Ökosysteme unseres Planeten zusehens. Durch den zunehmenden Bevölkerungsdruck, die Zerstörung der natürlichen Lebensräume (z.B. durch Abholzung), die Einschleppung fremder Tier- und Pflanzenarten, die Umweltverschmutzung sowie die übermäßige Nutzung durch Jagd bzw. Wilderei hat der Prozeß des Aussterbens von Tier- und Pflanzenarten in den letzten Jahrzehnten sich dramatisch beschleunigt. Wie ist diese Entwicklung zu stoppen ? Wie läßt sich die Menschheit vom Wert der Vielfalt überzeugen?  
E.O.Wilson, einer der führenden Evolutionsbiologen unserer Zeit und engagierter Anwalt für die Natur, liefert mit diesem Buch eine überzeugende Darstellung der wichtigsten Argumente zum Wert des Erhaltes der biologischen Vielfalt auf unserem Planeten. Dabei spannt sich der Bogen von dem unermeßlichen Reichtum bisher noch unentdeckter Stoffe und Gene in den vermuteten 8-10 Mill. Arten bis hin zu evolutionsgeschichtlich tief im Menschen verwurzelten Instinkten wie Biophilie und Lebensraumpräferenz. Wilson gibt Handlungsanleitungen zum Umsteuern mit vielen Beispielen und vergißt dabei nie, dass der Schutz von Natur nur funktionieren kann, wenn die meist bitterarme Bevölkerung den wirtschaftlichen Nutzen der Schutzmaßnahmen für sich persönlich erkennt. --  Das Buch ist ein eindringlicher Appell an die Mächtigen dieser Welt und an uns alle den Wert der Vielfalt zu erkennen und uns aktiv für ihren Schutz einzusetzen. Eine überzeugende und aufrichtige Darstellung. 

Das wichtigste Buch der letzten Jahre   2004  Von Prof Dr Olaf-Axel Burow, Universität Kassel 
Edward O. Wilson ist es in brillanter Weise nicht nur gelungen, die bedrohliche Lage unseres Planeten darzustellen, sondern auch Perspektiven für einen nachhaltigen Lebensstil und eine Politik der Nachhaltigkeit aufzuzeigen. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre an allen Schulen, aber auch für Politiker und Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen werden, weil es geeignet ist, unsere anthropozentrischen Scheuklappen wegzureißen und den Blick für die wirklichen Probleme der Zukunft unseres Lebens zu öffnen. Zweifellos eines der wichtigsten Bücher der letzten Jahre. 

Ökologie im Vormarsch   2007 Von Schmidt Christian  (Zeltweg Österreich)
Eines der wichtigsten Bücher für unsere Generation und jene die noch kommen. Ein Buch, dass aufzeigt, dass der "totale Markt" irreversible ökologische Schäden hinterlässt. Ein Buch, dass gute Vorschläge aufzeigt, wie wir den Kollaps verhindern und so unseren Kinder eine "gesunde" Erde hinterlassen. Ein Buch für Jeden, der durch einfache Veränderungen des Lebensstils sehr viel verändern kann. Im Sinne des Lebens: "Ist dieses Buch überlebenswichtig"!

 

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