Dr.-Ing. 

Wolfram Ziegler 

Ingenieur & Ökologe

 

Die Zieglersche Öko-Zahl 

Die ökoenergetische Zieglerzahl

http://d-nb.info/810080036

1977/1984 

ca. 1930  bis 11/2013

DNB.Autor

Google.Ziegler  

 

detopia:  

Z.htm   Umweltbuch  Sterbejahr

 

R.Bahro   H.Gruhl  H.Dürr   P.Ehrlich  

Prof. Dreyhaupt aus München 

 

Zieglerzahl

Eine ökologische Kennziffer, Messzahl, Maßzahl aus dem Jahre 1984.

In: "Jahrbuch 1984 der TU-München", S. 305-319: Ziegler: <Umweltschutz: Versuch einer Analyse> 

Sowie in: <Am Point of no Return> in: Zeitschrift <Ökologie>  26/1984.

Sowie: Dissertation 1977

Zur Person

Dipl.-Ing. Dr. Wolfram Ziegler studierte bis 1953 an der Technischen Hochschule und war in der Industrie als Entwicklungsingenieur im Motorenbau tätig. Bereits in seiner Dissertation befaßte er sich mit den Zusammenhängen von Bevölkerungsentwicklung und der Tragfähigkeit von Ökosystemen.
Bis 1997 hielt er Vorlesungen an der Fachhochschule und der TUM (Technischen Universität München), dort im Rahmen des „Aufbaustudiums Umweltschutztechnik“. 

Dissertation 1979    DNB.1977.Buch 

"Ansatz zur Analyse der durch technisch-zivilisierte Gesellschaften verursachten Belastung von Ökosystemen."
Ziegler, Wolfram (Verfasser), Erscheinungsdatum: 1977, 119 Blatt.
Hochschulschrift München, Techn. Univ., Fachbereich Landwirtschaft u. Gartenbau (1979)

www.bing.com/search?q=wolfram+ziegler+ökologie 

 

https://www.google.com/search?q=wolfram+ziegler+ökologie  

 


Zieglerzahlerwähnung bei:

 

Hans Peter Dürr 1993 in "Zukunft", S. 161 :

Wolfram Ziegler hat in einer Studie, in welcher der anthropogene Ausfall biologischer Arten als wichtiger Hinweis für die technisch-zivilisatorische Überbelastung der natürlichen Systeme gewertet wird, die interessante These vertreten, daß der anthropogene und letztlich thermische durchschnittliche Energiefluß pro Zeit- und Flächeneinheit effektiv als Kausal- und Kenngröße für die Umweltbelastung geeignet sei. Für Mitteleuropa kommt er hierbei auf eine maximale Grenzbelastung von 160 ± 20 kW/km2 oder 0,16 ± 0,02 W/m2.

Es ist interessant, diese <empirisch> ermittelte Grenzbelastung mit der in Deutschland im Mittel am Boden einfallenden Sonnenstrahlung von 116 W/m2 zu vergleichen. Die Grenzbelastung liegt hierzu bei etwa einem Promille. Aufschlußreicher erscheint vielleicht ein Vergleich mit dem früher abgeschätzten Mittelwert für die sonnen-induzierte Biomasse von etwa 0,65 W/m2 (also etwa 0,5 % im Vergleich zur am Boden ankommenden Sonnenstrahlung).

Dies bedeutet, daß der ökologisch maximal verträgliche kommerzielle Energieumsatz bei etwa einem Fünftel der im Mittel durch Sonnenenergie gebildeten Biomasse liegt. Für den Globus ließe sich daraus eine Grenzbelastung durch anthropogene, technisch aufbereitete Energieumsätze in Höhe von insgesamt 8 TW extrapolieren.

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Herbert Gruhl  1992 in <Himmelfahrt>, Seite 296 :

Bisher wurde noch nicht einmal den besser Gebildeten klar, daß die Umweltschäden mit der Dichte der Besiedelung und dem Lebensstandard unweigerlich steigen, und daß damit eine Umkehr immer aussichts­loser wird. Und das, obwohl die Berechnungen von Forrester und Meadows schon vor 20 Jahren die Verknüpfung und gegenseitige Verschlimmerung der Faktoren Bevölkerung, Nahrung, Verschmutzung, Energie und Rohstoffe dargestellt hatten.

Um die Belastung der Natur durch die Menschen grob berechnen zu können, hat der Ingenieur Wolfram Ziegler den menschlichen Energieeinsatz je Flächeneinheit als Indikator eingeführt. Da alle technisch-ökonom­ischen Betätigungen des Menschen mit von ihm selbst produzierter Energie ausgeführt werden, läßt sich schon an deren Einsatzhöhe die Belastung der ökologischen Systeme abschätzen. Demnach ist in Deutschland der auf die Fläche bezogene Energieverbrauch zehnmal höher, als er in einem stabilen Ökosystem sein dürfte.

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Rudolf Bahro in 1987,  S. 29 :

Wolfram Ziegler hat eine Maßzahl entwickelt, die in genialer Einfachheit die Gesamtlast erfaßt, mit der wir auf die Biosphäre drücken, um unser Modell von »gutem Leben« alias »Lebens­standard« durchzusetzen und auf dieser Grundlage den allerdings immer stärker von Ökopanik bedrohten »sozialen Frieden« der reichen Metropolis zu wahren.**  

Ziegler geht davon aus, daß die Benutzung von technisch aufbereiteter Fremdenergie der entscheidende Hebel unseres Eingriffs ist. Mittelbar beruht ja auch die Naturvergiftung und -zerstörung, die mit dem Materialdurchsatz verbunden ist, auf dem Einsatz unserer Energiesklaven. Daher nimmt Ziegler den Energie­durchsatz pro Quadratkilometer am Tag und multipliziert ihn mit einem »Schadäquivalent« für den regional ermittelten Umfang der Stoffumwandlung und der Natureingriffe. 

So kommt er auf eine Kennzahl für den Druck auf die Biosphäre in der Dimension Kilowatt- (äquivalent)-stunden pro km² je Tag. Diese Zahl liegt weit über der des bloßen Energie­verbrauches, weil die toxischen und noxischen Effekte eingerechnet sind. Heute machen wir in der Bundesrepublik allein mit dem realen Energie­durchsatz, also ohne den Schaden einzurechnen, Eingriffe in der Höhe von täglich 40.000 kWh/km², und das ist etwa 10mal soviel wie vor 100 Jahren.

Gerade vor 100 Jahren ging, wie auch Ditfurth darstellt, das biologische Artensterben in den exponentiellen Verlauf über, der dazu geführt hat, daß jetzt jeden Tag eine Art verschwindet, während es um das Jahr 2000 bereits jede Stunde eine Art sein wird. Angefangen beim geograph­ischen Raum, den wir nicht nur einschränken, sondern auch so zersplittern, daß Ökotope ihre Ganzheit verlieren und die kritische Anzahl von Individuen einer Art nicht mehr im selben Lebensraum zusammenfinden kann, monopolisieren wir die Erde für unsere Spezies allein. 

Mit unserem natürlichen Lebendgewicht, so hat Ziegler ausgerechnet, bringen wir in der Bundes­republik 150 kg/ha auf die Waage, wo alle anderen Tiere, einschließlich der Vögel, nur 8 bis 8,5 kg/ha wiegen — soweit sie nicht »anthropogen«, d.h. von uns ausgebeutete Haustiere sind, nämlich weitere ca. 300 kg/ha, die nicht sich selbst gehören, sondern uns. 

Außerdem haben wir mindestens weitere 2000 kg, also 2 Tonnen technischer Strukturen allein schon für unsere Transport­systeme auf jeden Hektar Fläche gesetzt, der Löwenanteil davon auf die Autos bezogen. 

Wenn wir schon keine natürliche Solidarität mit dem übrigen Leben mehr fühlen – wir sind für unsere eigene bio­log­ische Existenz darauf angewiesen, daß die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere erhalten bleibt. Unsere »anthro­pogenen« technischen Monokulturen von Nutzpflanzen und -tieren sind vielleicht die nachhaltig­sten Selbstmordinstrumente, die wir führen. Jedenfalls gibt es kein fundamentaleres Indiz für die allgemeine exterministische Tendenz als das Artensterben, das mit dem Überwuchern des Industrie­systems ins Galoppieren übergeht. 

So kennzeichnet für Ziegler der Druck von ca. 4000 realen kWh pro Tag auf den Quadrat­kilometer, den wir vor hundert Jahren hatten, ehe das Artensterben anstieg und ehe, ein Viertel­jahrhundert später, die ersten Natur­schutz­bünde reagierten, die Schwelle, an der wir die ökologische Stabilität endgültig hinter uns gelassen haben. 

Es ist also keine Frage demokratischer Entscheidung mehr, sondern eine Naturnotwendigkeit, daß wir das Schadensprodukt aus Energie- und Materialdurchsatz um eine Zehnerpotenz zurücknehmen müssen. Ich war mit mehr intuitivem Überschlag auf dieselbe Größenordnung eines nötigen Rückzugs gekommen, indem ich mir überlegt hatte, was entsteht, wenn erst einmal die ganze Menschheit unseren abgepackten Wohlstand in Anspruch nehmen wird.

Umweltschutz ist da eine »Lösung« exakt jenes Charakters, wie man ihn von der (diesmal wissenschaft­lichen) Priesterschaft einer untergehenden Kultur nur erwarten kann: ein Stockwerk mehr auf die defiziente Pyramide, was ihre Last nur vergrößern wird. Ziegler zeigt denn auch zwingend, daß es jedenfalls mit technischem Umweltschutz allein nicht zu machen ist, da sich dessen Energie- und Stoffdurchsatz zu der Belastung, die er andererseits zu reduzieren sucht, wieder addiert, bis sich schließlich der Effekt gänzlich aufhebt.  [...]

Nach Zieglers Demonstration müssen wir entweder, wenn wir den Verbrauchsstandard, der ja großenteils strukturell bedingt ist, erhalten und trotzdem hier zu Hause bleiben wollen, auf ca. 6 Millionen Menschen herunter – oder wir müssen die Struktur grundlegend ändern, weil technische Maßnahmen zur Senkung der Grundlast im Rahmen der weltweiten industrie­gesell­schaftlichen Strukturen das Unheil nur geringfügig bremsen können. 

** Ziegler, Wolfram: Umweltschutz. Versuch einer Analyse
Sonderdruck aus: Jahrbuch 1984 der Technischen Universität München, S.305-319 
sowie: Am point of no return in der Zeitschrift Ökologie  26/1984 

 

 


 

Gibt es zu viele Europäer ?

Das Abendland und die Schatten des demographischen Problems

Von Wolfram Ziegler

In: Naturkonservativ heute, Jahrgang 2001, Seite 48-49.

 

Gemäß einer statistisch-theoretischen Extrapolation wurde am 12. Oktober 1999 der sechsmilliardste derzeit lebende Erdenbürger geboren. Das Los traf einen kleinen Bosnier in Sarajewo, und der UNO-Generalsekretär kam zur Begrüßung persönlich angereist, obschon die Begeisterung über dieses Ereignis weltweit nicht gerade überschäumend war. Seitdem sind alltäglich etwa 200.000 Menschen hinzugekommen. 

Dabei wurde bis vor noch gar nicht langer Zeit das kräftige Wachstum der eigenen Spezies durchaus positiv bewertet. Schwierigkeiten sah man allenfalls in der Versorgung der neu Hinzugekommenen mit den lebens­not­wendigen Gütern, besonders mit Nahrung. Schlagworte wie vom "Wettlauf zwischen Storch und Pflug" oder illusionäre Projektionen wie "Nahrung für Milliarden aus dem Meer" machten die Runde. Alles schien machbar und letztlich nur eine Frage der Intensität zielgerichteter Anstrengungen.

Erst in den letzten Jahren mischten sich in den Jubelchor auch warnende Stimmen, die auf etliche mit einer wachsenden Menschenzahl verbundene, kaum noch lösbare Probleme zum Beispiel auf dem Gebiet der Ökologie oder auf die Ressourcensituation hinwiesen. Es geht aber nicht allein um die schiere Zahl der gleichzeitig lebenden Menschen, die sich zwischen 1800 und heute versechsfacht hat. In eben dieser Zeit setzte — von Europa ausgehend — eine Entwicklung ein, die es einem relativ kleinen Teil der Menschheit erlaubt, eine weit über die Elementarbedürfnisse (Ernährung, Bekleidung, Behausung) hinausgehende Lebensweise für sich zu realisieren. Dieses immer noch anhaltende, sektoral sogar stürmische Geschehen ging am größeren Teil der Menschen vorüber, ging anderseits aber zu Lasten nicht erneuerbarer Ressourcen und der natürlichen Umwelt.

Fragen, Definitionen, Kriterien

In der derzeitigen Mainstream-Diskussion geht es vor allem um den sozialen Aspekt der gegenwärtigen Ungleich­verteilung der Güter. Dabei wird meist — wenn auch nicht immer — ignoriert, daß die globale Belastung der Umwelt längst und weit das Maß ihrer Dauertragfähigkeit überschritten hat und darum die Verteilungsgerechtigkeit ökologische Defizite nicht ausgleichen kann.

Aus dieser Erkenntnis ergeben sich drei wichtige Fragestellungen:

  1. Anhand welcher Kriterien kann die Tragfähigkeit regional differenzierter Ökosysteme bestimmt und quantifiziert werden? Wie groß ist sie global und für die einzelnen Regionen?

  2. Welche technisch-zivilisatorischen Belastungen gehen — wiederum regional differenziert — von einem Individuum bei welchem durchschnittlichen Lebenszuschnitt aus?

  3. Welche größtmöglichen Menschenzahlen folgen für die einzelnen Regionen aus den Antworten auf die Fragen (1) und (2)? 
    Welchen Beitrag kann Europa diesbezüglich zu einer interregionalen Solidarität leisten?

Der Bogen von (1) bis (3) rührt an den Kern der auf Vorsorge bedachten Erörterungen unserer "Zukunftsfähigkeit".

 

Vor einigen Jahren wurde der aus der Forstwirtschaft entlehnte, ökonomisch definierte Begriff der Nachhaltigkeit als Zielvorstellung in die Umweltdiskussion eingebracht. „Nachhaltigkeit" ist aber vornehmlich ressourcenorientiert und darum als Bewertungsmaßstab für das langfristige Funktionieren von Ökosystemen nur bedingt geeignet. Welche verläßlichen Anhaltspunkte für dauerhafte Stabilität von Ökosystemen könnten sonst hinzugezogen werden? 

Hier bieten sich die vom Menschen unbeeinflußten natürlichen Zustände und deren zeitliche Abfolgen als Bezugspunkte an. Dies sind, ungeachtet der bisweilen heftigen Fluktuationen ihrer Bestandsgrößen, die artspezifischen Mittelwerte der Pflanzen- und Tierpopulationen der jeweils untersuchten Ökosysteme. Diese Mittelwerte dürften sich dann unter dem Druck menschlicher Kulturen und Zivilisationen nur soweit verschieben, daß das Überleben der betroffenen Arten gesichert bleibt — das heißt, daß die verschiedenen Bestände hinreichend groß bleiben müssen, um eine dauerhafte Reproduktion zu ermöglichen. 

Das Ausmaß der artbezogenen Verschiebungen aus dem langfristigen Gleichgewichtszustand muß darum um so kleiner bleiben, je mehr eine Art von der Ausrottung bedroht ist. Die anthropogene Verlustrate aller Arten sollte deshalb konsequenterweise gleich Null sein. Dem Zivilisationsdruck bereits besonders ausgesetzte Arten oder Ökosysteme bedürfen also mehr oder minder umfangreicher, vom Menschen nicht oder kaum beeinflußter Schutzgebiete, die vor allem im Fall akuter Gefahr des Aussterbens eine Erholung auf einen stabilen Status garantieren können, das heißt, daß der technikinduzierte Druck auf ein Ausmaß zu reduzieren wäre, das die jeweilige Schwundrate nicht nur annulliert, sondern die Wiederherstellung der Ausgangssituation ermöglicht.

Soviel zur Frage, woran die Belastung von regionalen Ökosystemen gemessen und gegebenenfalls global aufsummiert werden kann.

 

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"In Deutschland dürfte es nur ein Zehntel der Menschen geben!"

Interview und Gespräch  2007  Ziegler-Huemer-Hagl

 

Interview-gral-de-pdf   - Siegfried Hagl und Werner Huemer sprachen mit dem Ökologen über die tabuisierten Zusammenhänge zwischen Bevölkerungsdichte und ökologischer Stabilität. 


werner-huemer.net gespraeche wolfram-ziegler-2010  (www)  Ziegler/Huemer/Hagl  (werner-huemer.net)

Das folgende Gespräch über die umstrittenen und oft tabuisierten Zusammenhänge zwischen Bevölkerungsdichte und ökologischer Stabilität führte ich mit dem prominenten Ökologen Wolfram Ziegler gemeinsam mit meinem Autorenkollegen Siegfried Hagl. 

 

 

 

1)  Eine Ihrer wissenschaftlichen Arbeiten trägt den Titel „Gibt es zu viele Europäer?“ Sie beantworten diese Frage mit Ja und kommen zum Schluß, daß die Bevölkerungsdichte ein entscheidendes Kriterium für die ökologische Stabilität ist. Warum besteht aus Ihrer Sicht ein nennenswerter Zusammenhang zwischen der Anzahl der Menschen und der oft beklagten Umweltsituation?

Ziegler: Ich werde das öfter gefragt und sage dann einfach: Es ist für viele ein großes mathematisches Geheimnis, daß zwei Leute unter den gleichen Voraussetzungen einen doppelt so großen Haufen Unrat erzeugen als einer (lacht).

2) Und wie sind Sie zum Schluß gekommen, daß wir jetzt schon zu viele sind?

Ziegler: Zunächst habe ich mir die Frage gestellt: Ab welchem Zeitpunkt haben wir Menschen die Umwelt irreparabel verändert? Ab wann sind also Tier- oder Pflanzenarten infolge des menschlichen Einflusses ausgestorben? Es hat eine Zeitlang gedauert, bis ich das aus den Wissenschaftlern – Zoologen, Botanikern – herausgekitzelt hatte; zum Schluß wurde aber klar, daß diese Auslenkung in Deutschland ungefähr um 1880 stattgefunden hat, 30 Jahre früher übrigens bereits in England – und genau um diese 30 Jahre war uns England damals mit der Industrialisierung voraus. Dieser „anthropogene Artenausfall“ ist das fundamentalste Indiz, daß wir etwas falsch gemacht haben. Auf dieser Basis aufbauend, habe ich dann als wesentliche Einflußgrößen erstens die Zahl der Menschen und zweitens den statistischen Pro-Kopf-Energieverbrauch – etwa proportional zu all seinen ökologischen Folgelasten – herangezogen. Wenn wir die Spur jedweder Umweltbelastung zurückverfolgen, an ihrem Anfang steht dort immer Energie, die in ihrer Letztform in Wärme übergeht.

3) Je mehr Energie verbraucht wird, desto größer ist die Umweltbelastung …

Ziegler: Ja. Man kann aus den Komponenten „Energie“ und „Schadstoff-Emissionen“ einen Pro-Kopf-“Lastanteil“ ermitteln. Dieser individuelle Lastanteil kann nun in bezug zur Bevölkerungsdichte gesetzt werden. Es ist klar, daß die Grenzen, denen ein Ökosystem unterworfen ist, um so schneller erreicht sind, je mehr Menschen es gibt und je größer der Pro-Kopf-Lastanteil ist. Und diese Grenze wurde in Mitteleuropa etwa um 1880 erstmals und in der Folge immer weiter überschritten. Daß die Folgen bis heute nicht weitaus dramatischer ausgefallen sind, verdanken wir der enormen Elastizität der natürlichen Systeme und deren zeitverzögerten Reaktionen auf diesen Impakt.

4) Das heißt, wenn der individuelle Energieverbrauch steigt, wie das im letzten Jahrhundert ja dramatisch der Fall war, müßte es weniger Menschen geben, damit die Umwelt intakt bleibt und keine Tier- und Pflanzenarten durch unser Einwirken aussterben. Oder umgekehrt, man muß den Pro-Kopf-Energieverbrauch senken, damit mehr Menschen Platz auf der Erde haben – will man nicht ohnehin genau das mit den jetzt diskutierten Energiespar- und Klimaschutzmaßnahmen erreichen?

Ziegler: Ja, aber man übersieht dabei die Tragfähigkeit unseres Ökosystems. Dessen Grenzbelastung liegt bei etwa 12 Gigajoule pro Quadratkilometer und Tag. Daraus läßt sich ableiten, daß die mitteleuropäischen Ökosysteme derzeit bereits mindestens zehnfach überlastet sind. Außerdem wird vom Pro-Kopf-Energieverbrauch immer ein bestimmter, nicht unterschreitbarer Prozentsatz für Elementarbedürfnisse – Ernährung, Bekleidung, Behausung – benötigt. Um diese Bedürfnisse abzudecken und das Ökosystem trotzdem nicht zu überlasten, müßten wir bei der heutigen Bevölkerungsdichte mit einem Zehntel unserer Technik auskommen – das ist bei bestem Willen nicht machbar.

5) Heißt das konkret für Deutschland, daß es hier unter den heutigen Lebensbedingungen nur ein Zehntel der Menschen geben dürfte, damit die Tragfähigkeit unseres Ökosystems auf Dauer gewährleistet bleibt? 

Ziegler: Ja, Deutschland steht exemplarisch als eines der meistbelasteten Länder. Natürlich sind die Tragfähigkeitsgrenzen in anderen Ländern unterschiedlich, in Brasilien wird die Grenze niedriger sein. Die Üppigkeit des Regenwaldes täuscht dort über die Empfindlichkeit dieses Ökosystems hinweg. Der Regenwald steht nur auf einem dünnen Substrat von wenigen Zentimetern feuchten Lehms; wenn dieser einmal austrocknet, ist es mit der Fruchtbarkeit bald vorbei. Mein Freund José Lutzenberger (1), der einmal Umweltminister in Brasilien war, sagte: Die europäischen und nordamerikanischen Ökosysteme sind wie eine solide Firma mit dicker Kapitaldecke und geringem Umsatz, die tropischen Ökosysteme dagegen sind wie eine unseriöse Firma mit dünner Kapitaldecke und

 

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