Dr. Anton MetternichDie Wüste droht
Die
gefährdete Nahrungsgrundlage
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1947 270 Seiten
Wikipedia
Autor *1890
Kölner
Zeitung 2007 Metternich detopia |
Prof Dreyhaupt 2008 ausführlich zu Metternich
Inhalt Vorwort im Dezember 1944 (7) Nachwort nach August 1945 (270)
Über den Autor
Verlagstext
im Buch Der Verfasser dieses Buches ist am 13.10.1890 in Wüschheim bei Köln, geboren. Er studierte nach dem Abitur Staatswissenschaften, Nationalökonomie und Philosophie an den Universitäten Berlin, Bonn und Frankfurt, legte das erste und zweite Staatsexamen ab, promovierte zum Dr. phil. und widmete sich dann der Journalistik. Nach mehrjähriger Tätigkeit in der Industrie war er Mitglied der Redaktionsverbände großer Tageszeitungen, u. a. der Deutschen Tageszeitung in Berlin und der Kölnischen Zeitung in Köln. Ausgedehnte Studienreisen führten ihn durch alle Teile des Inlandes, durch fast sämtliche europäischen Länder und nach Nord-Afrika, wobei er sein Hauptaugenmerk auf agrarkundliche und verwandte Fragen richtete. Im Verlauf dieser Tätigkeit wurde das Material zu diesem Buche gesammelt und gesichtet. Von 1945 bis 1948 gehörte er dem Kreistag des Landkreises Euskirchen an. Von April 1945 bis November 1948 (mit Unterbrechung von einem Jahr) war er Landrat des Landkreises Euskirchen bei Köln. Anton Metternich starb am 27. August 1949. |
1 Mysterien der Elemente (12)
2 Der Fluch der Wüste (22)
3 Der gestörte Wasserhaushalt (49)
4 Die Wassersünde und ihre Folgen (87)
5 Der Kampf gegen die kosmischen Gewalten (115)
6 Der gefährdete Nährboden (149)
7 Die Übernutzung der Gewässer (189)
8 Der Haushalt des Menschen im Haushalt der Erde (211)
9 Kann die Retorte helfen? (246) Kunst- und Industrienahrung?
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Mehr Metternich
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detopia: Dreyhaupt Arrhenius Carson Demoll Lauterburg.98 Horstmann H.Haber Ludwig Klages T.Plievier.1948 A.France-Harrar Hornsmann William.Vogt Fairfield.Osborn R.Demoll Hans.Liebmann Herbert.Gruhl Richard Katz
Professor
Franz-Joseph Dreyhaupt: Herbert Gruhl 1992 erwähnt Metternich: 1x in Literatur, 3x im Register, 4x in den Anmerkungen. 2019 dlf florian-schwinn-rettet-den-boden-der-kampf-um humus 2019 dlf un-konferenz-zur-wuestenbildung-schwieriger-kampf 1948 Lesebericht 1948 (Dönhoff in ZEIT) unten
Kölner Stadt-Anzeiger 2007 Ein früher Prophet der Klima-Katastrophe Von F.A. HEINEN // ksta.de//ein-frueher-prophet-der-klima-katastrophe # Der Ex-Landrat und frühere Auslandskorrespondent Dr. Anton Metternich kritisierte bereits vor 60 Jahren den Raubbau an der Natur. In seinem Buch „Die Wüste droht“ nimmt er die Vorhersagen des „Club of Rome“ vorweg. Dr. Anton Metternich war ein ganz früher Umwelt-Warner, der bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert zutreffend die globalen Umweltprobleme beschrieb, die heute in aller Munde sind. Einer neuen Untersuchung des in Feusdorf lebenden Professors Dr.-Ing. Franz Joseph Dreyhaupt zufolge gehört der 1890 in Wüschheim als Sohn einer Landwirtsfamilie geborene Metternich zu den Vordenkern der Umweltbewegung. Sein 1947 erschienenes einziges Werk mit dem Titel „Die Wüste droht“ wäre wohl zur Bibel der Ökologiebewegung geworden - wenn es denn damals eine solche gegeben hätte. Metternich war seiner Zeit weit voraus, er dachte bereits in Kategorien, die erst sehr viel später beispielsweise durch den „Club of Rome“ einer breiten Öffentlichkeit näher gebracht wurden. Kaum jemand kennt heute noch in Euskirchen seinen Namen. In den Geschichtsbüchern liest man den knappen Hinweis darauf, dass Dr. Anton Metternich am 7. April 1945 von den US-Truppen als erster Nachkriegslandrat im damaligen Kreis Euskirchen eingesetzt wurde. Ende Oktober wurde er abgelöst, um ein Jahr später erneut bis zum 8. November 1948 zum Landrat zu avancieren. Metternich verstarb am 27. September 1949. Anton Metternich hatte 1919 in Berlin zum „Dr. phil.“ promoviert und wandte sich in den frühen 20er Jahren dem Journalismus zu. Ab 1930 arbeitete er für die „Kölnische Zeitung“ als Auslandskorrespondent. Ausgedehnte Studienreisen führten ihn durch fast alle europäischen Länder und nach Nordafrika, wobei sein Hauptaugenmerk agrarkundlichen Fragen galt. Dabei sammelte er die Erkenntnisse, die er später in seinem Buch veröffentlichte. „Die Wüste droht“ wurde ab 1947 insgesamt 10.000 mal verkauft. Archivarischer Wert Die Folgen der Publikation hielten sich aber sehr in Grenzen, wie Professor Dreyhaupt in seiner Untersuchung konstatiert: „Das gescheiteste Buch zur falschen Zeit hat höchstens archivarischen Wert.“ Dabei beinhaltete „der Metternich“ schon all das, was heute die globalen Umweltschützer umtreibt. Die Kapitel sind beispielsweise übertitelt mit „Das Gesetz der Wüste“, „Der Kampf um die Wassernutzung“, „Bodenvernichtung durch Erosion“, „Moderne Raubfischerei - Wann stirbt der letzte Wal?“ oder auch „Wieviel Menschen kann die Erde ernähren?“ Als Metternich im Herbst 1944 in Wüschheim das Vorwort zu seinem Werk schrieb, baute er unter dem Eindruck des fernen Donners der Schlacht im Hürtgenwald auch eine klare Fortschritts-Kritik ein:
Akute Gefahren Das Metternich-Buch beschränkte sich auf das Wesentliche, „nämlich das Verhältnis des Menschen zur Erde, von der er seine Nahrung und seinen sonstigen Lebensbedarf erwartet, weil sie allein diese geben kann. (...) Das Stadium akutester Gefahren ist erreicht.“ Das Hauptaugenmerk richtete Metternich also auf Boden und Wasser. Weltweiten Raubbau am Wald prangerte er ebenso an wie die damit verbundene Folge der Verwüstung ganzer Kontinente. Konkret machte er das am Beispiel des Tschad-Sees deutlich, der von ehemals 200.000 Quadratkilometern Wasserfläche damals bereits auf ein Viertel geschrumpft war. Wie um Metternich nachträglich zu stützen, hat die Geschichte ihm auf beeindruckende Weise Recht gegeben. Heute hat der Tschad-See weniger als 1000 Quadratkilometer Fläche. Ähnlich prophetisch zeigen sich auch die Kapitel zur sich abzeichnenden weltweiten Wasserknappheit. In „Der Kampf um die Wassernutzung“ beschreibt Metternich genau das, was Friedensforscher heute vor Kriegen um Trinkwasser warnen lässt. Auch die Kapitel zur Überfischung der Weltmeere sind heute aktueller denn je. Abschließend würdigt Professor Dreyhaupt das Metternich-Werk mit folgenden Worten:
Der Euskirchener, so der Autor weiter, „hat mit seinem 1947 erschienenen und die damaligen Umweltprobleme in voller Breite erfassenden Buch 'Die Wüste droht' den Ruhm des ersten frühen Umwelt-Warners verdient.“ |
detopia (2015)
Der Autor schrieb dieses erste moderne populär-wissenschaftliche Ökosachbuch der Welt mitten im WK2 in Deutschland. Man kann ihn aufgrund der bildhaften Sprache und seiner Welt- und Zeitvergleiche auch als "Öko-Spengler" bezeichnen.
Dieses Ökosachbuch vom Spenglerschen Zuschnitt liest sich vollkommen modern, auch vom Stil her, bis hin zu heute gebräuchlichen englischen Wörtern ("ausgepowerte Böden", "kein Happy End"). Dem Autor merkt man seine journalistische Ausbildung an, im guten Sinne, und er gilt mir somit als Deutschlands erster ökologischer Wissenschaftsjournalist. Und obwohl er kein naturwissenschaftliches Studium absolvierte, so zweifelte ich niemals an seiner Kompetenz. Er listet alles ganz genau auf - mit Zahlen.
"Spirituell" ist das Buch heute für mich deshalb wichtig, weil durch sein Vorhandensein ein Beweis angetreten wird: Schwerlich kann man die Menschen zum Guten beinflussen. Nach dem Krieg waren neue Bücher rar. 1948 wurde es in der ZEIT vorgestellt (siehe unten). Es gab zwei Auflagen. Ergo: Deutschland kannte das Buch.
Denn etwas Wirksameres als ein journalistisches populärwissenschaftliche anschauliches Sachbuch kann es - aus formalen Gründen heraus - nicht geben. Kein guter alter Presseartikel, kein 3D-Film, keine Internet-Animation kann die tiefen und langen Zusammenhänge aufzeigen. Wir können heute somit SICHER sagen, daß auch kein zukünftiges "Ökosachbuch" irgend eine Wirkung haben wird - zumal nach diesem "Urbuch" weitere von Autoren nicht minderer Reputation erschienen sind, etwa Demoll (1956), Liebmann (1973)
Alles konnte nichts nützen, weil "die andere Seite" auch ihre Waffen perfektionierte: Schlagwörter, schnelle Zerstreuung, bis hin zu den modernen Anti-Öko-Büchern im Stile der Bildzeitung (letztere beglückt uns morgen mit einer 3-D-Ausgabe, die sie als Kulturleistung feiert.) - Auch Metternich wies darauf hin, daß nach dem berühmten Seifert-Artikel von 1936 die Technik-Verfechter sich nur beleidigt fühlten und nur dagegenredeten.
Kann ich etwas Erfreuliches zum Abschluß sagen? Ich denke ja. Wir wissen nun sicher, daß unsere ökologische Historie kein unglücklicher Zufall war. Sie war gesetzmäßig. Auch Metternich weist darauf hin, daß es naturausbeuterisches Verhalten schon in der Urzeit gegeben hat (im Nachwort "Solutré").
Das letzte Mysterium des anthropofugalen Exterminismus ist aber noch nicht aufgeklärt. Da haben wir noch ein gute Aufgabe zu erfüllen. Ich rufe dazu auf, dieses letzte Geheimnis zu ergründen.
Warum haben 50 Jahre feinste Ökobücher, von Metternich 1947 bis Lauterburg 1998 kein Ergebnis gebracht? #
Ein Lesebericht Von Dr. Christoph Dönhoff
DIE ZEIT 1948 Der Mensch als Zerstörer der Natur
zeit.de/1948/42/die-wueste-droht
DIE
ZEIT
1906-1992
detopia-2018:
Dönhoff
- NS, Gestapo?
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"Das technische Ingenium der modernen Zeit hat die vertrauensvolle und gläubige Zusammenarbeit mit der Natur zum Verschwinden gebracht und den Kampf gegen die Natur eröffnet. Damit hat es begonnen, die Daseinsgrundlage der Erdbewohner anzugreifen und in Gefahr zu bringen ... Diese furchtbare Tragik lastet auf dem Schicksal einer Welt, die in des Herrgotts Werkstatt einbrach und hier das Geheimnis gigantischer Kräfte entwendete, um es in eigener Regie zu nutzen und – zu mißbrauchen ... Die Frage ist akut geworden, wie die Erde ihre Bewohner von morgen ernähren soll. Das Hungergespenst umkreist das Erdrund im fortschrittlichsten aller Jahrhunderte genau so mitleidlos wie früher, die Unterernährung ist eine chronische Welterscheinung geworden... Nicht die politischen Entscheidungen, die in diese bewegten Zeiten fallen, sind ausschlaggebend für das Wohl und Wehe aller Völker auf dem Erdball, ausschlaggebend für heute und für die Zukunft wird vielmehr die neue Ordnung sein, die der Mensch in seinem Verhältnis zur schöpferischen Natur, seiner Nahrungsspenderin, zu finden bereit ist. Die ersten Schritte auf dem Wege in die Wüste sind getan. Wird dieser Weg zu Ende gegangen? Das ist die bange Frage, die innerlich die geistige Führerschicht aller Nationen bewegt.“
In diesen Sätzen aus dem Buch A. Metternichs (Verlag Friedrich Trüjen, Bremen) klingt etwas auf, das im Unterbewußtsein der Menschen unserer Tage kaum mehr lebendig ist. Die scheinbare Mühelosigkeit und trügerische Leichtigkeit, mit der unser technisches Zeitalter die Natur zur Hergabe alles dessen zwingt, was wir zum Leben brauchen, hat im zivilisierten Menschen Kräfte verfügbar gemacht, die in früheren Jahrhunderten von der Sorge um das tägliche Brot und die individuelle Existenz beansprucht wurden, und die sich in unseren Tagen mit dem Herummanipulieren zwischenmenschlicher Beziehungen beschäftigen. Und weil es heute die Mehrzahl ist, die sich auf solche ungekonnte und fundamentlose Weise mit der res publica befaßt, wird der Begriff der Führung durch die Besten entwertet, entsteht die Masse als staatspolitischer und soziologischer Faktor, geht das Einzelindividuum in seinem eigenen Geschrei unter. Und da kommt nun jemand und mahnt: Ihr organisiert und debattiert euch zu Tode. Als atomisierte Bestandteile von Massenballungen sozialer, politischer und wirtschaftlicher Zweckvorstellung verliert ihr den Boden unter den Füßen und kämpft in Wolken von Schlagworten Schlachten um mißverstandene, chimärenhafte Begriffe. Unterdessen aber vernichtet eure Technik und euer Unverstand den Boden, der euch ernähren muß, die Wurzeln, aus denen eure Persönlichkeit als Einzelmensch ihre Kraft ziehen sollte. Ihr kämpft auf falscher Ebene. Löst euch heraus aus den Haufen dieser polemisierenden, Falschmünzerei treibenden Menschenmassen und nehmt euch wieder der Dinge an, mit deren Gedeihen euch der Herrgott unlösbar verflochten hat, der Erde und des Wassers, der Wälder und der Wiesen, der Tiere und der Blumen. Wenn ihr fortfahrt, sie sinnlos zu zerstören, so werdet ihr eines Tages voller Entsetzen aus den Wolken eurer gespenstischen Streitereien um die Staatsformen und um die Wirtschaftssysteme und um die menschlichen Freiheiten herunterstürzen und gemeinsam mit euren Opfern verhungern und zugrunde gehen. Und wo wäret ihr der letzten Wahrheit von Menschtum, Freiheit und Menschenwürde näher als in einer friedlichen Harmonie mit dem Schöpfungsgefüge, im ehrlichen Schaffen treuer Hände, in redlicher Sorge um die Pflege der Naturkräfte, die nicht nur eure physische sondern auch eure seelische Existenz als Gottes Stellvertreter auf Erden erhalten? Jedes der Kapitel in Metternichs Buch ist, ohne es auszusprechen, eine zwingende Mahnung in diesem Sinne. In allen Teilen der Welt gesammelte Einzelheiten fügen sich zu erschütterndem Beweismaterial für den Unverstand des zivilisierten Menschen und zu einer flammenden Anklage gegen seinen Übermut und seine kosmische Verantwortungslosigkeit zusammen. Die Fruchtbarkeit des Bodens nimmt überall ab. Statistiken, die von gesteigerten Hektarerträgen in intensiv bewirtschafteten kleinsten Ausschnitten der Erdoberfläche sprechen, täuschen herüber hinweg, daß die Erde nichts verschenken kann, daß kein Boden auf die Dauer mehr herzugeben vermag als man ihm zuführt, und daß erst das kommende Jahrhundert sein Urteil abgeben wird über Wert oder Unwert der Metholen, mit denen wir heute die Erträge steigern, in erschreckend großen Teilen der Welt ersteht ins der Industrialisierung der Landwirtschaft oder aus der Waldvernichtung das Gespenst der Erosion, der Auswaschung und Sterilwerdung der Böden. Millionen Hektar wertvollster Ländereien in Ostasien, Afrika und Amerika sind in den letzten hundert Jahren durch uns Menschen zur Wüste geworden. Das Waldareal der Welt nimmt ständig ab, was bleibt, wird rücksichtslos überbeansprucht. In Amerika ist heute noch der Abgang an Holz und Wald rund dreimal größer als der Zuwachs. Westeuropa braucht heute etwa 70.000.000 Festmeter mehr Holz als es produzieren kann. Wie lange ist es denn her, daß jedes Stück gerodeten Waldes eine Kulturtat zu sein schien? Mit dem Wald zerstören wir den Wasserhaushalt. Die Grund Wasserstände sinken in allen Teilen der Welt. Nur wenige Dezimeter einer solchen Senkung bedeuten oft den Untergang ganzer Vegetationen, die der Mensch noch nicht direkt zerstört hatte. Dann beginnen die Regen die kahlwerdende Erde aufzupeitschen, anstatt in sie einzusickern und tragen den Mutterboden zu Tal. Die Flüsse vermögen zeitweise das zu schnell abfließende Wasser nicht mehr zu fassen, treten über ihre Ufer, zerstören Millionenwerte und reißen weitere Millionengewichte der Erde mit sich fort. Das abfließende Wasser wird dunkel mit dem Humus, den es in den Flüssen auf Nimmerwiedersehen in die Ozeane trägt. Das Wasser des gelben Flusses in China trägt 50 Prozent Erdstoffe mit sich, Zehntausende von Tonnen jeden Tag. Das Gelbe Meer, in das er mündet, ist das Grab der Fruchtbarkeit. Dann gibt es Zeiten, da trocknen in vielen Gebieten die Flüsse fast aus und stellen die menschliche Wirtschaft in Frage. Der Kampf gegen diese Rache der geschändeten Natur hat überall begonnen. In Kalifornien wird das Wasser des Zentraltales im Mündungsgebiet des Sakramentoflusses aufgefangen und durch gewaltige Pumpwerke wieder in die austrocknenden Gebiete seines Oberlaufs zurückgepreßt, um dort zum zweiten Male seine segensreichen Funktionen zu erfüllen. Überall in Amerika entstehen gigantische Staudämme, werden wie im Tenesseetal ganze Flußsysteme künstlich bewirtschaftet, da man ihr natürliches Gleichgewicht vernichtet hatte. Aber ist es noch Zeit, die Kette der Kausalzusammenhänge zu durchbrechen, die die unmäßige Begehrlichkeit des Maschinen menschen in der Natur ausgelöst hat? Gigantische Summen werden zur Wiedergutmachung begangener Fehler ausgegeben. Aber die Staubecken versanden, weil der Boden in den Quellgebieten weiterhin ausgespült wird, und die entstandenen Wüsten fressen sich überall weiter, weil der Wind mit ihrem sterilen Sand die Nachbargebiete bedeckt. Nicht nur da, wo es vielleicht schwierig war, die inneren Zusammenhänge im natürlichen Gefüge zu erkennen, haben Zerstörungen und Gewinnsucht des modernen Menschen sich hemmungslos ausgetobt. Eine herrliche und artenreiche Tierwelt ist in wenigen Jahrzehnten ausgerottet worden, nachdem sie Jahrhunderttausende zu ihrer Entstehung gebraucht hat. Unsere Umwelt ist arm und eintönig geworden ohne sie und dadurch auch unsere Ernährungsbasis. Kurze Zeit erst ist es her, daß in den Hausmädchenkontrakten am Rhein die stehende Klausel aufgenommen wurde: "nicht mehr als zweimal die Woche Rhein-Salm". Heute unternehmen wir Überlandfahrten, wenn es ihn irgendwo zu essen oder zu kaufen gibt, weil unsere Flüsse schmutzig und fischarm geworden sind. Ähnlich steht es mit dem offenen Meer. Schon beginnt die überindustrialisierte Hochseefischerei, über mindere Fangergebnisse und rückläufige Fischgrößen zu klagen. Ganz zu schweigen von den durch rücksichtslose Ausbeutung nur noch geringen Walfischresten in Arktis und Antarktis, die bei pfleglicher Nutzung noch über Jahrhunderte hinweg bedeutende Fettlücken im menschlichen Haushalt hätten schließen können. So wird das weise gewachsene Gesamtgefüge überall von Menschen gestört und angegriffen. Und während wir über die Grundrechte debattieren, schleichen sich Hunger und Verarmung an uns heran, „droht die Wüste“, wie Metternich sagt. In eindrucksvoller Mischung nüchterner Tatsachen- und Zahlenangaben, mit emphatischer Betonung ihrer Konsequenzen für den Bestand unserer menschlichen Gemeinschaft hämmert er seine Gesichtspunkte dem Leser ein. Es gibt zahlreiche Menschen, die an diese Dinge noch nicht gedacht haben, weil das „zivilisierte“ Zeitalter der Weltkriege ihnen die Gelegenheit dazu nicht bot. Sie würden sicher, beeindruckt von dieser Darstellung, ihre Maßstäbe gegenüber den Werten ihrer Umwelt zu revidieren beginnen. Hier ist ein Buch, das sehr viel mehr Gutes tun könnte für Menschenwürde und Menschensinn, für die Persönlichkeit und gegen die Vermassung, als die in letzter Zeit so zahlreich erschienenen politischen Talmibroschüren. # |
Aus Dreyhaupt 2008
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Dr. Anton Metternich (1890-1949), Sohn einer rheinischen Bauernfamilie, ist der große Unbekannte in der Reihe der frühen Umwelt-Warner. Er hat einen völlig unspektakulären Lebenslauf, wäre da nicht, schon nahe dem Ende, am 7. April 1945 seine Berufung zum Landrat seines Heimatkreises Euskirchen durch die Anfang März 1945 eingerückte amerikanische Besatzungsmacht gewesen - ein Zeichen für seine Unabhängigkeit von den Machthabern des Dritten Reiches. 1919 in Berlin zum Dr. phil. promoviert arbeitete er wenige Jahre in der Industrie, um sich in den frühen 20er Jahren ganz dem Journalismus zu verschreiben, zunächst als Mitarbeiter in den Redaktionen der Neuen Preußischen Kreuzzeitung und der Deutschen Tageszeitung in Berlin, dann ab 1930 beim Kölner Stadtanzeiger als Auslandsberichtserstatter. Sein einziges Buch “Die Wüste droht” sagt darüber hinaus nur noch etwas über seine Kompetenz für dieses Werk aus:
Das ist so gut wie alles, was ich über den Autor erfahren konnte. Sein Buch-Verlag Friedrich Trüjen in Bremen existiert nicht mehr, sein Kölner Zeitungsverlag M. Dumont-Schauberg, dem er bis zur Ausbombung der Verlagsgebäude im 2. Weltkrieg angehörte, fand “im Redaktionsarchiv trotz umfangreicher Recherche nur spärliche Informationen” über ihn, die oben schon enthalten sind. Im Nachruf dieser Zeitung zu seinem Tod am 27. September 1949 finden sich ebenso wenig weitergehende Hinweise auf sein Leben wie auch in einem persönlichen Gespräch mit entfernten Verwandten Anfang 1999 - er war kinderlos verstorben. Auch das Archiv der Stadt Euskirchen enthält nicht mehr Informationen, außer über seine Zeit als Landrat und Kommunalpolitiker in der Nachkriegszeit. Nirgendwo auch nur der kleinste kommentierende Hinweis auf sein Buch. Die apostrophierte Unbekanntheit gilt zwar nicht für die Verbreitung seines Buches, das mit mehr als 10.000 Exemplaren gedruckt wurde, wohl aber für die Resonanz auf den gewichtigen Inhalt des Werkes in der nachfolgenden Fachliteratur und überhaupt; außer Hinweisen auf den Titel habe ich - trotz einer intensiven Internet-Recherche durch eine Universitätsbibliothek - nicht eine einzige Rezension finden können. In meiner Abhandlung <Warum tut sich der Umweltschutz so schwer> von 1999 habe ich versucht, Anton Metternich unter der Abschnitts-Überschrift <Eine Ehrenrettung> den deutschen Umwelt-Experten als einen der ihren ans Herz zu legen:
Aber auch hier war die Resonanz gleich Null - bis auf einen sehr positiven Schriftwechsel mit dem Ökologie-Professor Dr. Dr. hc. Wolfgang Haber, unter dem als Vorsitzenden des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen ich die Ehre hatte, eine Berufungsperiode zusammen zu arbeiten. Heute greife ich das Buch von Metternich noch einmal auf, um es zu vergleichen mit den Werken 13 anderer früher Umwelt-Warner. Schon hier, nach dem Studium der drei vorher besprochenen Autoren, könnte man einwenden, das habe doch Klages bereits 1913 alles zur Anklage gebracht. Vielleicht dem Wort nach “ja” , aber vom Inhalt und von der Kompetenz her eindeutig “nein”. Metternich klagt nicht an, er reportiert und interpretiert Fakten und Erfahrungen nach bestem Wissen seiner Zeit und prognostiziert die negativen Folgen - und er erörtert neue Wege, die aus dem Dilemma herausführen könnten. In einem Punkt stimmt Metternich allerdings mit Klages völlig überein, in der Fortschritts-Kritik. Schon im Vorwort, das Metternich “im Dezember 1944” in seinem Wohnort Wüschheim bei Euskirchen unter dem aus nur 30 km Entfernung herüberhallenden Geschützdonner der legendären Schlacht im Hürtgenwald zu Papier gebracht hat, kommen seine Zweifel an der Vernunft des Menschen im Umgang mit den Errungenschaften der Wissenschaft und der Technik zum Ausdruck:
Und gleich anschließend umreißt Metternich mit wenigen Sätzen den Kern seines Werkes:
Nota bene: Das schrieb Metternich kurz vor dem katastrophalen Ende eines für Deutschland längst verlorenen Krieges; das ganze Buch war vor dem Hintergrund dieses - nicht nur durch immer modernere Waffensysteme - zunehmend grausamer werdenden Krieges entstanden. Welchen positiven Glauben an die Zukunft muss dieser Mann gehabt haben, wenn er sich vor dieser deprimierenden Kulisse z.B. mit dem internationalen Problem der Überfischung der Meere oder der zunehmenden Desertifikation auseinandersetzt?
Metternichs Hauptaugenmerk ist also auf die beiden Grundelemente des Planeten Erde als originäre Lebensgrundlage der gesamten Menschheit gerichtet: Boden und Wasser. Unter dem Aspekt drohender Bodenerosion behandelt er zunächst den Raubbau am Wald, nicht nur in den Mittelmeerländern, sondern ebenso in der Neuen Welt, wo er exakt in die Kerbe von Sears trifft:
Auch bei der Beschreibung der eigentlichen Bodenerosions-Abläufe geht er auf die uns schon durch Sears vermittelte “Tragödie der Great Plains” ein, wobei er über Sears’ Kritik am Verhalten des Weißen Mannes hinaus eine Charakterschilderung dieser “Pioniere” aus dem Jahr 1864 zitiert, die ich dem Leser nicht vorenthalten möchte, weil sie den anthropogenen Anteil an einem gravierenden Umweltproblem plastisch schildert:
Die Zeche mussten 70 Jahre später die Sears’schen und Steinbeck’schen Farmer bezahlen. Metternich schlägt auch, wie Sears, die Brücke zum Wasserkreislauf, der zur zerstörerischen Bodenerosion beiträgt:
Die auf Bodenerosion basierende Gefahr zunehmender Desertifikation illustriert Metternich am Beispiel des Tschad-Sees und wagt sogar eine vorsichtige Prognose:
Mit seiner Prophezeiung hat er die Realität nur knapp verfehlt: der Tschad-See ist nach einem Bericht der Berliner Zeitung vom 15. Februar 2006 aktuell nur noch “so groß wie Berlin” - und das Bundesland Berlin ist exakt 891 Quadratkilometer groß! Metternich schenkt aber auch singulären oder fast nebensächlichen Problemen des Bodenschutzes Aufmerksamkeit und gibt Beispiele für scheinbar unnütze oder gar schädliche Naturphänomene, die weithin als Missgriffe der Schöpfung gewertet werden, und führt dazu generell aus:
Als ein konkretes Beispiel nennt er das Clean Weeding, womit das Freimachen vom Unkraut zwischen den Zeilen von Kulturgewächsen gemeint ist, was von den modernen Landwirten damals als nutzlose Flora und “schamlos an den Kräften des Bodens mitzehrend” angesehen wurde; lange Zeit war der unkrautfreie Acker ein Ausdruck bäuerlichen Stolzes und guter Praxis. Metternich stuft das Clean Weeding aber als bodengefährdend ein und fordert die Agrarwissenschaft auf, “bodendeckende Pflanzen namhaft zu machen, die einen Minimalanspruch an die Kraft des Bodens stellen, aber eine Maximalwirkung zu dessen Schutz bieten”, wobei er vor allem den Schutz vor Erosion gemeint haben dürfte. Ein zweites Beispiel führt er mit den Worten ein: “Gestern war es noch Wahnsinn, beispielsweise die Tsetsefliege zu preisen, aber aus Wahnsinn ist inzwischen Vernunft geworden” und überschreibt dann das Beispiel mit “Die gesegnete Tsetsefliege”. Um was es bei dem “Segen” des gefürchteten Malariaüberträgers, “der Botin des afrikanischen Todes“, geht, fasst Metternich zusammen:
Wir werden später bei Vogt (7) noch mehr zum Segen der Tsetsefliege hören. Umfangreiche Kapitel widmet Metternich dem gestörten Wasserhaushalt und der Übernutzung der Gewässer. Im nationalen Bereich erörtert er die verschiedenen Nutzungsansprüche, insbesondere durch Industrie und Landwirtschaft, und die Problematik der Bedarfsdeckung bei von der Natur relativ gleichmäßig gespendeten Niederschlags- und Tiefenwässern einerseits und immer höheren Ansprüchen andererseits. Wasserknappheit droht jedoch in noch viel stärkerem Maße im internationalen Szenario; wenn Metternich einen Abschnitt überschreibt “Der Kampf um die Wassernutzung”, scheint er vorauszuahnen, dass heute Friedensforscher vor Kriegen um Wasser warnen. Die Übernutzung der Gewässer sieht er primär in den Weltmeeren und äußert seine Befürchtungen unter Überschriften wie “Moderne Raubfischerei”, “Ist das Meer unerschöpflich?”, “Daueroffensive gegen die Meerestiere” und “Wann stirbt der letzte Wal?” - alles aktuelle und immer noch nicht voll gelöste Problem-Themen unserer Zeit. Auf die wichtige Frage nach der Sicherstellung der Ernährung der Weltbevölkerung reagiert Metternich schon mit der ersten Abschnitts-Überschrift “Reiche Erde - hungernde Menschen” und resümiert nach einer globalen Betrachtung:
Dann behandelt er “Schicksalsgesetze der Menschheit” und bezieht sich dabei auf das “Gesetz vom abnehmenden Bodenertrag” von David Ricardo (1772-1823) und auf den “Essay on the principle of population” von Thomas Robert Malthus (1766-1834). Ricardo, eng befreundet mit Malthus, war reiner Nationalökonom; sein zitiertes Gesetz besagte, “dass alle über ein bestimmtes Maß hinaus mehr erzeugten Nahrungsmittel mit einem unverhältnismäßig höheren Aufwand erkauft werden müssen”. Das berühmteste Gesetz von Malthus, englischer Theologe und Sozialökonom, geht davon aus, dass die Bevölkerung in geometrischer Reihe (1, 2, 4, 8, 16...) zunimmt, die Nahrungsmittel hingegen nur in arithmetischer Reihe (1, 2, 3, 4, 5 ...), woraus eine immer stärkere Diskrepanz zwischen Bevölkerungszahl und Nahrungsgrundlage resultiert. Metternich fasst zusammen:
Zwar erwähnt Metternich Zweifel an der Malthus’schen Lehre, die z.T. auf starke Ablehnung stieß, aber er bleibt 1944 dabei: “Der Druck der Menschenmasse auf den Vorrat an Nahrungsgütern macht sich wieder, wie zu Malthus Zeiten, in voller Schärfe geltend” ; und er wirft konkret die - auch heute hochaktuelle - Frage auf, wie viele Menschen denn die Erde ernähren könne. Er kann dazu keine exakte Antwort geben, zieht aber einige Prognosen zur Weltbevölkerungsentwicklung an, die allerdings vor den heutigen Zahlen der realen Entwicklung als völlig unterschätzt einzustufen sind; das Problem war noch größer als Metternich befürchtete. Zutreffend ist aber auf jeden Fall seine allgemeine Feststellung, dass vom Menschen und seiner Kopfzahl das Schicksal unseres Planeten abhänge. Folgerichtig setzt er sich für eine verantwortungsvolle Familienplanung ein und warnt:
Im letzten Kapitel seines Buches “Kann die Retorte helfen?” - gemeint ist: zur Sicherstellung der Ernährung der Weltbevölkerung und des sonstigen Lebensbedarfs - geht Metternich auf die Chemie als möglicher Helfer zur Problemlösung ein. Einschlägige Themen sind Kunstdünger, Faserstoffe und Synthesekautschuk; der interessanteste, ja fast revolutionär anmutende Abschnitt ist aber der mit der etwas rätselhaften Überschrift “Chemurgie”, ein Wort, das Metternich so erklärt:
Nach einem Ausblick auf die industrielle Zukunftsplanung im Dienste der Chemurgie - wir sprechen heute ganz allgemein von der Nutzung nachwachsender Rohstoffe - gibt Metternich nicht so sehr seinen Zeitgenossen, sondern uns, die wir die nachwachsenden Rohstoffe vor dem Hintergrund der Klimawandel-Diskussion fast anhimmeln, eine dringende Warnung:
Ich kann nur wünschen, dass die Umweltexperten und -politiker von heute diese Sätze lesen - mutatis mutandis der Wissenden um die heutige Problemstellung - und sie beherzigen. Am Ende seines Buches geht Metternich dann das Thema an, mit dem Rachel Carson Weltruhm erlangte: “Kann Gift das Leben erhalten?” - gemeint sind die Pestizide in der Landwirtschaft. Metternich warnt hier eindringlich vor dem Pestizid-Einsatz, er warnt im übertragenen Sinne schon 1947 vor der Gefahr, die Rachel Carson 1962 in “Silent Spring” mit dem gesammelten Fachwissen ihrer Zeit so minutiös beschreibt. Dagegen mutet Metternichs Warntext pauschal an, aber er setzt das erste Zeichen:
Hier sprach der Ökologe par excellence, in Reinkultur. Natürlich hätte er Paracelsus und dessen Wort von der Dosis, die das Gift macht, berücksichtigen müssen. Aber Metternichs Prämisse in seinem Vorwort war:
Und mit seinem Buch wollte er diese Menschen ermutigen, sich nicht fatalistisch in ihr Schicksal zu ergeben, sondern für ihre Erde und deren Zukunft zu kämpfen; dazu schrieb er ihnen einen stringenten Codex und keine Waffenstillstandserklärung. Ich kenne international kein Buch aus dieser Zeit, das als Warnung vor den Gefahren der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen auf unserem Planeten Erde zeitlich und inhaltlich Vorrang vor <Dem Metternich> haben könnte, wenn auch das eine oder andere Werk vom Inhalt her nahe an ihn herankommt. # |
Eine
persönliche Widmung in meinem detopischen Exemplare.
Sie zeigt mir, dass das Buch "in Karlsruhe" durchaus bekannt
war ;-)
"Unserem
lieben "Güntherle" zum
Eintritt in die grosse Welt
mit den besten Wünschen
Philine, Gert und
Stefan Michell
Karlsruhe, Oktober 49"