Hans Dollinger

Schwarz­buch

der Welt­geschichte

5000 Jahre der Mensch
des Menschen Feind  

 

 

1973 im Südwest-Verlag

2019 im Regionalia-Verlag 
mit nun 1000 Seiten
"50 Jahre Schwarzbuch"

Hans Dollinger :  Schwarzbuch der Weltgeschichte   (1973)  5000 Jahre       - 

1973  (500 Seiten)  bis 2019  (1000 Seiten)

Wikipedia.Autor *1929 in Oberschwaben

OskarMariaGraf.de  (Home)

DNB.Buch  2019 Neuauflage

DNB.Autor  38+ Publi

Google.Buch   

 

detopia:  D.htm   Umweltbuch

Geschichtsbuch   1970-Buch

Schwarzbuch.Kommunismus.1997 

Schwarzbuch.Kapitalismus.1999 

Schwarzbuch KGB.1999  

detopia-2019: Ich will ja nicht pessimistisch sein, aber 2050 braucht das Buch 2050 Seiten. 

 

Verlag-Komet:  In schonungsloser Weise zeichnet der Autor das Bild des Menschen, der Geschichte erleidet. Die Geschichte von nie abreißenden Verfolgungen, Massenfluchten, Aussiedlungen und systematischen Ausrottungen. Das Buch zeigt, zu welch bestialischen Grausamkeiten der fehlgeleitete Mensch fähig sein kann. - "Eine schonungslose, nach Satisfaktion schreiende Anklage türmt sich vor dem Leser auf und rüttelt an seinem Gewissen."  (Allgemeine jüdische Wochenzeitung) - "Wann der sogenannte Homo sapiens damit begonnen hat, gegen seinesgleichen zu wüten, ist ungewiß. Keine Art seiner Vorfahren und Verwandten aus dem Tierreich hat es ihm vorgemacht, er muß von selbst darauf gekommen sein. Hans Dollinger hat sich der widrigen Aufgabe unterzogen, Material dazu aus fünf Jahrtausenden zu sammeln ..." (FAZ)

 

Inhalt

Vorwort 1999 (6)

Literatur (509)

 


Autor:

 Hans Dollinger, *1929 in Biberach, gelernter Buchhändler, Verlagsbuchhändler, Journalist; lebt seit 1956 in München. Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft seit 1992.

 

 

Verlagstext:

 Im Leben des einzelnen rächt sich, wenn Unangenehmes ins Unterbewußtsein verdrängt wird. Früher oder später taucht das Ungelöste – nun aber dramatisch böse und unabweisbar – wieder auf und führt zu großer Erschütterung.

Nicht anders aber steht es mit Geschehnissen in Gruppen oder ganzen Völkern. Jeder glaubt ohne weiteres, daß "der Mensch des Menschen übelster Feind ist" – aber keiner möchte es hören, alle möchten lieber alles "verdrängen", auch wenn morgen vielleicht schon das Ungelöste böse und dramatisch hereinbricht. Deshalb also ist die Notwendigkeit, sich damit zu beschäftigen, unabweisbar!

 

Die Geschichte der Menschheit hat diese dunklen Seiten, hat diese Kehrseite, die in den Geschichtsbüchern immer übergangen wird. Über diese schwarze Blätter der Menschheitsgeschichte legt dieses Buch Zeugnis ab: über Verbrechen gegen die Menschen, über Verfolgungen, Vertreibungen, Massenflucht, Aussiedlung und Ausrottung.

 

Augenzeugen und Zeitgenossen sind Berichterstatter dieser Dokumentation der Taten gegen die Menschlichkeit in rund fünf Jahrtausenden; begangen im Namen von Königen, von Völkern, im Namen der Freiheit so gut wie im Namen der Staatsräson oder der Religion. Die dabei handelten, was waren sie: Helden – oder Verbrecher? Vorbilder – oder des Abscheus wert? Idealisten – oder Dummköpfe? Heilsbringer – oder Fanatiker? Führer – oder Verführer?

 

Gilt das Urteil von Jacob Burckhardt über die Weltgeschichte auch heute noch: "Alle politische Größe ist mit furchtbarsten Verbrechen erkauft worden. Der Friede ist nur eine Atempause bis zum nächsten Völkermorden."?

Dieses Buch zeichnet das Bild des Menschen, der Geschichte erleidet, der Opfer einer vom falschen Glanz des Sieges und Ruhmes überdeckten Weltgeschichte ist; Opfer auch des kaum bezähmbaren Triebes zum Hassen und Vernichten.

I.  Altertum und frühes Mittelalter (9)

Vorderasien und Asien um 3000 v. Chr. bis 200 v. Chr. • Das alte Israel um 1500 v. Chr. bis 135 n. Chr. • Das antike Griechenland und Rom in der Zeit um 1000 v. Chr. bis etwa 300 n. Chr. • Im Römischen Weltreich von 64 bis 324 • Die Christianisierung Süd-, West- und Nordeuropas vom 4. bis zum 7. Jh. • Europa während und nach der Völkerwanderung vom 4. bis zum 12. Jahrhundert • Die Christianisierung Osteuropas vom 8. bis zum 12. Jh.  

II. Mittelalter und Neuzeit (131)

Europa und der Vordere Orient vom 11. bis zum 15. Jahrhundert • Italien vom 12. bis zum 16. Jahrhundert • Asien und Osteuropa vom 12. bis zum 16. Jahrhundert • In Frankreich, England, Ungarn, Österreich und Deutschland vom 10. bis zum 16. Jahrhundert • Mittel- und Südamerika im 16. Jahrhundert • Frankreich und England im 16. und 17. Jahrhundert • Europa vom 15. bis zum 17. Jahrhundert • Die Inquisition in Spanien, Portugal und in den Niederlanden im 16. und 17. Jahrhundert • Mitteleuropa im Dreißig­jährigen Krieg von 1618 bis 1648 • Rußland vom 16. bis 19. Jahrhundert • Frankreich von der Französischen Revolution bis zu Napoleon I. (1789 bis 1812) • Sklavenhandel in Europa, Afrika und Amerika vom 15. bis zum 19. Jahrhundert • Nordamerika vom 16. Jahrhundert bis heute • England, Frankreich, Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien und Polen von 1830 bis 1880 • Asien und Ostasien vom 16. bis zum 20. Jahrhundert 

III. Kommunisten, Faschisten, Rassisten und Religionsfanatiker — Das zwanzigste Jahrhundert  (419)

"Weißer" und "roter" Terror in Paris (1871), Petersburg (1905), Rußland (1917 bis 1921), Berlin und München (1919), China (ab 1911) • Terror und Gegenterror im spanischen Bürgerkrieg und im Zweiten Weltkrieg von 1936 bis 1945 • Hitlers "Endlösung" der Judenfrage in Europa von 1933 bis 1945 • Die Sowjetunion und ihr Herrschaftsbereich von 1934 bis heute • Afrika von 1952 bis heute • Südamerika im 20. Jahrhundert • Kriegsverbrechen in Indochina von 1946 bis 1973 • Nordirland seit dem 12. Jahrhundert

     

 

Vorwort 1999

Die Kehrseite der Menschheitsgeschichte

Die Welt ist voll böser Gewalt: auch an der Schwelle zum dritten Jahrtausend

6-8

Die Medien berichten uns täglich aus aller Welt von Gewaltakten, bei denen Unschuldige bedroht und getötet werden. Die Gewalt, so scheint es, wird uns zur Gewohnheit. Sie hat bereits Eingang in unsere Alltagssprache gefunden: Wir reden von "grausamen" Spielen im Sport oder beklagen uns über ein "mörderisches" Arbeitspensum. Gewalt und der Mißbrauch gesellschaft­licher Macht, die beide im Gewand von Gesetzen erscheinen, machen nicht selten sogar die Geschichte des Rechts zu einer Leidensgeschichte der Menschen. Dabei sagt ein französisches Sprichwort: Das Recht ist das Leben. Es sieht eher danach aus, daß Unrecht das Leben sei. Beides ist richtig. Es gibt Menschen, die Geschichte machen – und es gibt Menschen, die Geschichte erleiden.

Von den Letzteren ist hier die Rede.

Eingeschlagene Schädel, aus der Urzeit der Besiedelung der Erde ausgegraben, beweisen uns, daß bereits der Vormensch vor Millionen Jahren seinen andersartigen und andersrassigen Bruder erschlagen hat. Nach ihm taten dies alle seine Nachfahren bis heute, wenn sie mit anderen Stämmen und Rassen zusammentrafen. Überdeckt vom falschen Glanz der Siege und des Ruhmes hat die Geschichte der Menschheit eine dunkle Seite, eine Kehrseite, die allzu häufig in den Geschichts- und Schulbüchern vergangener und unserer Zeiten übergangen wird: eine nie abreißende Kette von Verbrechen gegen die Menschen, von Verfolgungen, Vertreibungen, Massenfluchten, Aus- und Umsiedlungen sowie systematischen Ausrottungen, heute "ethnische Säuberungen" genannt, meist verbunden mit lauttönenden Proklamationen zur Mordhetze unter den verschiedensten Vorzeichen.

Die Geschichte der Menschheit ist also nicht nur eine Folge von Kulturen, die immer höhere Stufen erklimmen. Und der Fortschritt ist nicht einfacher Fortschritt. Daß der Mensch mehr Freiheit und Macht errang, ermöglichte ihm nicht nur, mehr Gutes zu tun, sondern auch mehr Unheil anzurichten, nicht nur schöpferisch tätig zu sein, sondern auch zu zerstören.

Dieses Buch legt Zeugnis ab von der Kehrseite der Menschheitsgeschichte.  

Und weil "ein Augenzeuge so wertvoll wie zehn Berichte aus zweiter Hand" ist, wie bereits der römische Dichter Titus Maccius Plautus vor etwa 2200 Jahren schrieb, sind Augen­zeugen und Zeitgenossen die Berichterstatter in dieser Dokumentation der Verbrechen durch rund fünf Jahrtausende menschlicher Zivilisations­geschichte, vom Pyramidenbau im alten Ägypten bis zum Jahr 1973, die alle im Namen von Königen, von Staaten, von Völkern, im Namen der Freiheit und nicht zuletzt im Namen der Religion geschehen sind.

In dieser Dokumentation des Schreckens enden die Berichte mit Augenzeugenberichten vom Terror religiöser Fanatiker im Nordirland des Jahres 1973. Fünfundzwanzig Jahre später, im Mai 1998, wird für Nordirland ein Friedensabkommen durch eine Volksabstimmung gebilligt. Aber dieser Friede wird seither immer wieder durch weitere Terroranschläge auf eine harte Probe gestellt. Und die Kette der Verbrechen gegen den Menschen ist seit Abschluß dieser Dokumentation bis heute nicht abgerissen, ja, sie hat sich, gemessen an den wohlklingenden Absichtserklärungen der Mächtigen unserer Zeit, sogar noch verschlimmert. Zum Beleg hierfür seien einige Beispiele aus den letzten sechsundzwanzig Jahren chronologisch festgehalten:

Noch im Jahr 1973 errichtet in Chile General Pinochet eine Militärdiktatur (bis 1990), nachdem er den gewählten sozialistischen Präsidenten Salvadore Allende aus seinem Amt gebombt hat und Tausende seiner Anhänger verfolgen und "verschwinden" ließ. 1975 beginnt im Libanon ein Jahrzehnte andauernder Bürgerkrieg mit religiösem Hintergrund, 1976 in Angola ein ebenso blutiger Bürgerkrieg, der bis 1995 andauert. In Kambodscha beginnt 1976 der Terror der Roten Khmer unter Pol Pot, durch den bis zum Jahr 1978 etwa eine Million Menschen ermordet werden. Im Jahr 1979 endet in Nicaragua ein blutiger Bürgerkrieg nach der Entmachtung des Diktators Somoza durch die Sandinistische Befreiungsfront.

Die achtziger Jahre beginnen mit einem Bürgerkrieg in El Salvador, der bis zum Jahr 1992 viele Opfer fordert. Noch im Jahr 1980 fordert der Sprengstoffanschlag einer rechtsradikalen Organisation im Hauptbahnhof Bologna 84 Tote und rund 200 Verletzte. Über tausend Tote werden nach einem Massaker an Palästinensern durch christliche Milizen in den Beiruter Flüchtlings­lagern Sabra und Schatila im Jahre 1982 gezählt. 1983 werden erste blutige Unruhen zwischen hinduistischen Tamilen und buddhistischen Singhalesen auf Sri Lanka gemeldet. In Indien gipfeln 1984 Kämpfe zwischen Hindus und Sikhs nach dem Sturm der Hindus auf den Sikh-Tempel in Amritsar mit Hunderten von Toten in der Ermordung der Premierministerin Indira Gandhi. 

Im selben Jahr beginnt im Sudan ein bis heute andauernder blutiger Bürgerkrieg zwischen dem christlich-afrikanischen Süden und dem muslimisch-arabischen Norden. Die achtziger Jahre enden mit dem schrecklichen Blutbad auf dem Tiananmen-Platz ("Platz des himmlischen Friedens") in Peking im Jahr 1989, bei dem rund 3600 Tote und 60.000 Verletzte gezählt werden. Und während des Zusammenbruchs des Ostblocks fordert der gewaltsame Umsturz in Rumänien Tausende von Toten in Temesvar und Arad durch die Armee und die Securitate, Ceausescus Geheim­polizei.

Die neunziger Jahre beginnen nach jahrzehntelangen Gewaltakten gegen die schwarze Mehrheit der Bevölkerung Südafrikas mit der Abschaffung der Apartheid­gesetze, der Aufhebung des Verbots des ANC und der Freilassung ihres Führers, Nelson Mandela, nach 28jähriger Haft. 1991 zählt man in Somalia im Bürgerkrieg und durch Hungersnöte rund 20.000 Tote und rund 2 Millionen Flüchtlinge, gleichzeitig geht in Äthiopien ein nahezu dreißigjähriger Bürgerkrieg um die Sezession Eritreas zu Ende, dem seit 1961 rund 100.000 Soldaten und 150.000 Zivilisten sowie etwa 600.000 Menschen durch den Hungertod zum Opfer fielen. 

Mit dem Zerfall Jugoslawiens zählt man allein in Bosnien anfangs rund 250.000 Tote und Zehntausende von Vertriebenen. 1994 werden in der Kirche von Ntarama in Ruanda (Zentralafrika) während des Völkermords zwischen Hutus und Tutsis 5000 Menschen abgeschlachtet. 1995 werden durch einen Sprengstoffanschlag rechtsradikaler Attentäter auf ein Bürogebäude in Oklahoma City 168 Menschen getötet und über 500 verletzt. 1996 hat der Völkermord in Burundi, Ruanda und Zaire bereits 1,75 Millionen Tote erreicht. 1997 häufen sich Meldungen von Gewaltakten zwischen Palästinensern und Israelis, in Algerien beginnen islamische Terroristen mit Massakern an Hunderten von Dorfbewohnern, meist Frauen und Kindern, und im Kosovo, in Restjugoslawien, fangen die "ethnischen Säuberungsaktionen" mit Morden durch Serben an Albanern einerseits und albanischen Aufständischen an Serben andererseits an. 

Nach einer Bilanz von <Amnesty International> aus dem Jahr 1998 wird in 117 von 193 souveränen Staaten der Erde immer noch gefoltert, außerdem nehmen danach die Morde und das "Verschwindenlassen" von Menschen zu.

Heute, Anfang 1999, droht in Zentralafrika ein beispielloser Regionalkrieg mit vielen Opfern unter der Zivilbevölkerung: Hutu-Rebellen dringen in Uganda vor, die Tutsi-orientierte Regierung antwortet mit drakonischen Maßnahmen. Ugandische Truppen marschieren im Kongo ein, wo ihnen die von Truppen aus Angola, Simbabwe, Namibia, dem Tschad und Sudan unterstützte Regierungsarmee gegenübersteht. Und im westafrikanischen Sierra Leone sterben täglich Unschuldige in einem neuen Bürgerkrieg, aus Indien kommen Nachrichten von Christenverfolgungen durch fanatische Hindus, die Krise im Kosovo eskaliert zum Krieg der NATO gegen Serbien, Hunderttausende fliehen aus dem Kosovo nach Albanien und Mazedonien. Kein Ende des Schreckens ist abzusehen ...

Blicken wir an der Schwelle zum dritten Jahrtausend auf die bisherige Geschichte der Menschheit zurück, scheint Nietzsche recht zu haben, wenn er behauptet: "Die ganze Geschichte ist ja die Experimental-Widerlegung vom Satz der sogenannten sittlichen Weltordnung." Aber, wie Lessing schon sagte, "soll die Geschichte nicht das Gedächtnis beschweren, sondern den Verstand erleuchten".

Wir müssen uns Gedanken machen für den Aufbau einer menschlicheren Welt, in der nicht ewig der Mensch des Menschen Feind ist, in der nicht mehr das schreckliche Wort von Jakob Burckhardt gelten darf: "Alle politische Größe ist mit den furchtbarsten Verbrechen erkauft worden. Der Friede ist nur eine kleine Atempause bis zum nächsten Völkermorden."

8

Hans Dollinger,
München, im Frühjahr 1999

 

 

 

 

 

Mehr Dollinger

* (d-2014:)  bei detopia:  J.Burckhardt    F.Nietzsche     G.Lessing

1972: Die totale Autogesellschaft - DNB

 

 


zum schwarzbuch

 

 

Lehrreich     2003 Von D. Schwarz  bei Amazon

Das Buch beinhaltet eine sehr interessante Auflistung von Verfolgung und Ausrottung, Blutbädern und Massakern innerhalb und außerhalb der bekannten oder bereits vergessenen Kriege der Menschheitsgeschichte - an kaum einer der sonst gepriesenen Herrscherfiguren der Geschichte bleibt der Heiligenschein noch wirklich hängen. Selbst Fortgeschrittene in Dingen der Kriegsgeschichte werden noch dies und jenes finden, was ihnen unbekannt war. 

Das Buch leidet allein unter dem Manko mangelnder Aktualität, da es bereits 1973 erstmalig erschienen ist. Nur im Vorwort der aktuellen Ausgabe wird stichwortartig auf Geschehnisse der letzten dreißig Jahre eingegangen. Dies betrifft auch den Bereich von Verfolgung und Unterdrückung im Sowjetstaat, da diese Erkenntnisse erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der (teilweisen) Öffnung der ehemaligen sowjetischen Archive Ende der 80er Jahre des 20. Jh. ans Licht der Öffentlichkeit traten. 

Will man jedoch nur einen allgemeinen Blick auf die Kehrseite der Zivilisation werfen, ohne Anspruch auf neueste Forschungen, ist dieses Buch uneingeschränkt zu empfehlen.


Monumental und einzigartig    2008  Von Helmut Seeger, Karlsruhe, bei Amazon

Was Hans Dollinger hier geleistet hat, ist unzweifelhaft eine der ganz großen Hervorbringungen der Geschichtsschreibung. 5000 Jahre Menschheitsgeschichte von Mord und Totschlag auf 700 Seiten (in Kleinschrift, bei Normaldruck wäre es wohl das Doppelte bis Dreifache an Umfang) unterzubringen, ist nicht nur beachtlich, sondern in seiner Komprimierung auch noch äußerst gelungen. Einzelne Kapitel dieses Buches ersetzen ganze Geschichtssemester. Ich hätte mir gewünscht, ich hätte dieses Buch als Schüler im Leistungskurs Geschichte gehabt. 

Dollinger beschränkt sich auch nicht auf Europa, er beginnt das erste Kapitel beim frühen Asien um 3000 v. Chr. Und geht über zum alten Israel sowie zum antiken Griechenland und schließlich zum römischen Weltreich, das schließlich in der Völkerwanderung sein Ende findet. Das zweite Kapitel beschreibt die Gräuel des Mittelalters in Europa, Osteuropa und Asien, blendet aber auch die Kolonialisierung Lateinamerikas und den Sklavenhandel sowie die Entwicklung in Asien und Ostasien vom 16. Bis 20 Jahrhundert nicht aus. Das dritte Kapitel befasst sich mit den modernen Schlächtereien des 20. Jahrhunderts inklusive der afrikanischen Geschichte - in der aktualisierten Fassung bis hin zu Al Quaida.

Ungeheuer beeindruckend ist es, wie Dollinger die Vielzahl an Quellen zu einem komprimierten, aber stets fesselnden Überblick zusammenfügt, der seinesgleichen in der Geschichts­schreibung nicht hat. Dies ist nicht nur ein Buch für Skeptiker, sondern für alle politisch Interessierten. Es zeigt die Grundregeln auf, wie Gesellschaften zu allen Zeiten funktionieren und zeigt insbesondere die Mechanismen des Zusammenbrechens der Ordnung und die Strukturen von Gewaltherrschaft in allen ihren Facetten. 

Der einzige erkennbare Nachteil ist, dass Dollinger sich beim Beschreiben der Gräuel allzu sehr auf Geschichtsschreiber stützt, welche häufig nur noch statistische oder zusammen­fassende Aufzählungen von Folter- und Mordtaten präsentieren. Viel erschütternder sind in der Regel noch die Augenzeugenberichte dieser Massaker.


Homo homini lupus - Hans Dollinger schwärzt die Weltgeschichte an    Von Frank Müller bei untier.de 

 

Das Genre der 'Schwarzbücher' macht es sich zur Aufgabe, ganz Unterschiedliches an den öffentlichen Pranger zu stellen: Politische Regime (Kommunismus, Nationalsozialismus), Wirtschaftssysteme (Kapitalismus, EG-Binnenmarkt), Glaubensregeln bzw. Sinnsysteme (Zölibat, Religion, Esoterik), Institutionen (KGB) oder Einzelpersonen (Helmut Kohl). Den Autoren geht es dabei nicht so sehr um eine ausgewogene und alle Aspekte umfassende Darstellung ihres Themas als vielmehr um die investigative Enthüllung seiner mit Makeln behafteten, bedenklichen, gefährlichen, ja kriminellen 'schwarzen' Seite. Schwarzbücher zeichnen sich durch eine strategisch-polemische Grundhaltung aus. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie - defensiv - aus einer Minoritätenperspektive operieren oder - offensiv - Missstände aufdecken, die längst in das öffentliche Bewusstsein gedrungen sind. Eine weitere Differenzierung der Schwarzbuchliteratur erlaubt die Betrachtung ihrer jeweiligen Reichweite: hadern sie mit Einzelphänomenen oder gilt ihre Kritik einem größeren Ganzen?

Eine diesbezüglich bemerkenswerte Sonderstellung kommt zweifelsohne einer Schrift zu, die mit einer Zeile untertitelt ist, die der berühmten Anthropologie des kriegerischen Egoismus, Thomas Hobbes' "Leviathan" entnommen sein könnte: "5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind". Die Rede ist von Hans Dollingers bejahrtem "Schwarzbuch der Weltgeschichte", das nach seiner ersten Auflage 1973 im Münchener Südwest-Verlag jetzt wieder greifbar ist. Schon beim ersten Durchblättern möchte man der Hobbesschen These von der unbezähmbaren Kriegsnatur im Menschen zustimmen - so erschütternd wirken die zahlreichen Abbildungen von enthaupteten, gepfählten, skalpierten oder auf andere Weise zu Tode gebrachten Menschen. Eine Enzyklopädie des Grauens hat Dollinger zusammengetragen, eine erschreckend vollständige Geschichte der Verfolgungen, Massenfluchten, Aussiedlungen, Hinrichtungen, Völkermorde, Pogrome und Auslöschungen, beginnend mit dem Altertum und frühen Mittelalter bis zu den irischen Religionfanatikern im 20. Jahrhundert. Auch an der Schwelle zum dritten Jahrtausend, so Dollingers ernüchternde Auskunft, habe sich an der menschlichen Mordlust nicht das geringste geändert.

Doch gerade der Umstand, dass das Kompendium die dunkle Kehrseite der Geschichte - des Kollektivsingulars - bilanzieren will, erweist sich als Problem. Denn die als "nie abreißende Kette von Verbrechen" charakterisierte Historie setzt bereits eine Theorie ihrer Verlaufsstruktur voraus, kurz: Geschichtsphilosophie. Dass die Welt voller Gewalt ist, ist eine Tatsache, dass diese Gewalttaten einen inneren Zusammenhang und einen gemeinsamen Antrieb besitzen, hingegen eine Behauptung, die ohne die Annahme eines die Geschehnisse koordinierenden Agens nicht auskommt. Es sei denn, man beantwortet die Frage nach der geschichtlichen Bewegung mit Hinweis auf ihr Subjekt. 

"Eingeschlagene Schädel", schreibt Dollinger, "aus der Urzeit der Besiedlung der Erde ausgegraben, beweisen uns, dass bereits der Vormensch vor Millionen von Jahren seinen andersartigen Bruder erschlug. Nach ihm taten dies alle seine Nachfahren bis heute, wenn sie mit anderen Stämmen und Rassen zusammentrafen." Auch dieses Argument hält einer kritischer Überprüfung kaum stand. Da die menschliche Natur beständigem Wandel unterworfen ist, ist es falsch, den Kriegszustand zu einer anthropologischen Konstante zu erklären und damit gleichsam zu verewigen.

Mit schwerwiegenderen Folgen als für andere Genre-Vertreter ist die Darstellung Dollingers von den besonderen Leistungsanforderungen der Schwarzbücher geprägt, der Aufklärung durch Aufdeckung und Anklage des 'Schwarzen'. Durchbrochen wird die Stilisierung der Geschichte zur Kriegsgeschichte deshalb nur dort, wo Dollinger ausdrücklich die historischen Bedingungen hervorhebt, denen die Bluttaten entsprungen sind. Dass sie im Namen von Königen, von Völkern, der Freiheit, der Religion, oder der Staatsräson begangen wurden, weist darauf hin, dass Krieg und Gewalt keine festen Größen sind, sondern in ihrer kulturellen Bedeutung durchaus variieren. Auch wenn manches an diesem Buch auf mangelnde Sorgfalt im Umgang mit den Quellen hinweist, besitzt das "Schwarzbuch der Weltgeschichte" einen anderen, bislang noch nicht gewürdigten Wert.

In den 1970-er und 1980-er Jahren existierte eine Vielzahl von Untersuchungen, die sich mit der atomaren Kriegsdrohung auseinandersetzten und die Frage nach der Ursache der menschlichen Kriegslust stellten, etwa Erich Fromms "Anatomie der menschlichen Destruktivität" (1974) oder Johannes Kneutgens "Der Mensch - ein kriegerisches Tier" (1970). In diesem Zeitklima ist auch das vorliegende Schwarzbuch situiert. Als Abschreckungsfibel will es das Bewusstsein des zeitgenössischen Lesers schärfen. Es ruft dazu auf, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und die bevorstehende Katastrophe abzuwenden. 

Für uns Heutige, denen sich der Untergang eher durch Börsen-Crashs, Killerviren oder den ökologischen Kollaps denn durch kriegerische Verheerungen ankündigt, beansprucht das "Schwarzbuch der Weltgeschichte" seinen Platz in der Bibliothek pazifistischer Literatur. 


Von Claus Wolfschlag  bei jungefreiheit.de  35/2004

 

Eingeschlagene Schädel, die man aus der Urzeit der Erdbesiedlung ausgegraben hat, belegen, daß bereits der Vormensch Mitglieder seiner eigenen Gattung getötet hat. Jenseits der strahlenden Geschichte der Sieger existiert eine dunkle Parallelüberlieferung. Dieser oft wenig bekannten Geschichte der Opfer, der Ermordeten hat sich der Historiker Hans Dollinger nun schon in mehreren Neuauflagen verschrieben.

Seit dem dritten Jahrtausend vor Christus können Zeitzeugenberichte und historische Nachbetrachtungen als Quellen herangezogen werden, um zu dokumentieren, wie der Mensch immer wieder neue Argumente fand, andere Menschen grausam zu versklaven, zu foltern und zu massakrieren. Dollinger führt den Blick von den frühen Hochkulturen über das antike Rom zu den christlich deklarierten Ketzerverfolgungen und Hexenfolterungen des Mittelalters.

Neuzeit und Gegenwart bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 werden, wenngleich bisweilen verkürzt, behandelt. Der Antisemitismus der Nationalsozialisten wird ebenso erwähnt wie der kommunistische Terror oder die Massaker der Hutus an den Tutsi in Afrika. Auch der Bombenkrieg gegen Deutschland und die Vertreibung bleiben nicht ausgespart.

Einige Beispiele: Der Assyrerkönig Assurnassirpal II. brüstete sich damit, seine mesopotamischen Feinde lebendig einzumauern, Mauern mit ihrer Haut zu überziehen, sie zu pfählen und ihre Leiber als Girlanden zusammenzustellen. Der israelitische König David ließ das Volk der eroberten Stadt Rabba nach der Überlieferung zersägen und in Ziegelöfen verbrennen. Als die Römer Karthago eroberten, brannte die Stadt noch 17 Tage nach der Zerstörung. Constantius Chorus tötete in einer einzigen Schlacht 60.000 Alemannen.

Ein mittelalterlicher Kreuzzug von 20.000 deutschen Kindern endete durch kriminelle Schleuser für die Mädchen in diversen Bordellen, für die Knaben in der Sklaverei. 1214 stürzten sich angeblich 60.000 chinesische Mädchen vor den Mauern Pekings in die Gräben, um nicht den mongolischen Reitern, die die Stadt eroberten, in die Hände zu fallen. Die Mongolen waren dafür berüchtigt, Vergnügen darin zu finden, ihren Feinden siedendes Silber in die Augen zu gießen und lange Nägel in die Ohren zu treiben. 1401 ließ der Herrscher Timur in Bagdad ein Siegesdenkmal aus 90.000 abgeschlagenen Köpfen von Gefangenen errichten.

Ein Uniformierter der französischen Revolution berichtete von seinem Wüten gegen Revolutionsgegner in einem Gefängnis 1792: "Seit Stunden haue ich links und rechts Gliedmaßen ab, ich bin müder als ein Maurer, der seit zwei Tagen Gips rührt." Und die Engländer richteten 1858 indische Rebellen, indem sie sie einfach vor Kanonenrohre banden.

Wer nach dieser erschütternden Auflistung jahrtausendelangen Hinschlachtens noch ernsthaft daran zweifelt, daß der Mensch je etwas anderes als des Menschen Wolf war, dem ist nicht zu helfen.

 


Mit Billigung von Frank Müller für detopia
https://literaturkritik.de/id/1636

 

Homo homini lupus

Hans Dollinger schwärzt die Weltgeschichte an

Von Frank Müller

Das Genre der 'Schwarzbücher' macht es sich zur Aufgabe, ganz Unterschiedliches an den öffentlichen Pranger zu stellen: Politische Regime (Kommunismus, Nationalsozialismus), Wirtschaftssysteme (Kapitalismus, EG-Binnenmarkt), Glaubensregeln bzw. Sinnsysteme (Zölibat, Religion, Esoterik), Institutionen (KGB) oder Einzelpersonen (Helmut Kohl).

Den Autoren geht es dabei nicht so sehr um eine ausgewogene und alle Aspekte umfassende Darstellung ihres Themas als vielmehr um die investigative Enthüllung seiner mit Makeln behafteten, bedenklichen, gefährlichen, ja kriminellen 'schwarzen' Seite.

Schwarzbücher zeichnen sich durch eine strategisch-polemische Grundhaltung aus. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie - defensiv - aus einer Minoritätenperspektive operieren oder - offensiv - Missstände aufdecken, die längst in das öffentliche Bewusstsein gedrungen sind. Eine weitere Differenzierung der Schwarzbuchliteratur erlaubt die Betrachtung ihrer jeweiligen Reichweite: hadern sie mit Einzelphänomenen oder gilt ihre Kritik einem größeren Ganzen?

Eine diesbezüglich bemerkenswerte Sonderstellung kommt zweifelsohne einer Schrift zu, die mit einer Zeile untertitelt ist, die der berühmten Anthropologie des kriegerischen Egoismus, Thomas Hobbes' "Leviathan" entnommen sein könnte: "5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind". Die Rede ist von Hans Dollingers bejahrtem "Schwarzbuch der Weltgeschichte", das nach seiner ersten Auflage 1973 im Münchener Südwest-Verlag jetzt wieder greifbar ist. Schon beim ersten Durchblättern möchte man der Hobbesschen These von der unbezähmbaren Kriegsnatur im Menschen zustimmen - so erschütternd wirken die zahlreichen Abbildungen von enthaupteten, gepfählten, skalpierten oder auf andere Weise zu Tode gebrachten Menschen. Eine Enzyklopädie des Grauens hat Dollinger zusammengetragen, eine erschreckend vollständige Geschichte der Verfolgungen, Massenfluchten, Aussiedlungen, Hinrichtungen, Völkermorde, Pogrome und Auslöschungen, beginnend mit dem Altertum und frühen Mittelalter bis zu den irischen Religionfanatikern im 20. Jahrhundert. Auch an der Schwelle zum dritten Jahrtausend, so Dollingers ernüchternde Auskunft, habe sich an der menschlichen Mordlust nicht das geringste geändert.

Doch gerade der Umstand, dass das Kompendium die dunkle Kehrseite der Geschichte - des Kollektivsingulars - bilanzieren will, erweist sich als Problem. Denn die als "nie abreißende Kette von Verbrechen" charakterisierte Historie setzt bereits eine Theorie ihrer Verlaufsstruktur voraus, kurz: Geschichtsphilosophie. Dass die Welt voller Gewalt ist, ist eine Tatsache, dass diese Gewalttaten einen inneren Zusammenhang und einen gemeinsamen Antrieb besitzen, hingegen eine Behauptung, die ohne die Annahme eines die Geschehnisse koordinierenden Agens nicht auskommt. Es sei denn, man beantwortet die Frage nach der geschichtlichen Bewegung mit Hinweis auf ihr Subjekt. "Eingeschlagene Schädel", schreibt Dollinger, "aus der Urzeit der Besiedlung der Erde ausgegraben, beweisen uns, dass bereits der Vormensch vor Millionen von Jahren seinen andersartigen Bruder erschlug. Nach ihm taten dies alle seine Nachfahren bis heute, wenn sie mit anderen Stämmen und Rassen zusammentrafen." Auch dieses Argument hält einer kritischer Überprüfung kaum stand. Da die menschliche Natur beständigem Wandel unterworfen ist, ist es falsch, den Kriegszustand zu einer anthropologischen Konstante zu erklären und damit gleichsam zu verewigen.

Mit schwerwiegenderen Folgen als für andere Genre-Vertreter ist die Darstellung Dollingers von den besonderen Leistungsanforderungen der Schwarzbücher geprägt, der Aufklärung durch Aufdeckung und Anklage des 'Schwarzen'. Durchbrochen wird die Stilisierung der Geschichte zur Kriegsgeschichte deshalb nur dort, wo Dollinger ausdrücklich die historischen Bedingungen hervorhebt, denen die Bluttaten entsprungen sind. Dass sie im Namen von Königen, von Völkern, der Freiheit, der Religion, oder der Staatsräson begangen wurden, weist darauf hin, dass Krieg und Gewalt keine festen Größen sind, sondern in ihrer kulturellen Bedeutung durchaus variieren. Auch wenn manches an diesem Buch auf mangelnde Sorgfalt im Umgang mit den Quellen hinweist, besitzt das "Schwarzbuch der Weltgeschichte" einen anderen, bislang noch nicht gewürdigten Wert.

In den 1970-er und 1980-er Jahren existierte eine Vielzahl von Untersuchungen, die sich mit der atomaren Kriegsdrohung auseinandersetzten und die Frage nach der Ursache der menschlichen Kriegslust stellten, etwa Erich Fromms "Anatomie der menschlichen Destruktivität" (1974) oder Johannes Kneutgens "Der Mensch - ein kriegerisches Tier" (1970). In diesem Zeitklima ist auch das vorliegende Schwarzbuch situiert. Als Abschreckungsfibel will es das Bewusstsein des zeitgenössischen Lesers schärfen. Es ruft dazu auf, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und die bevorstehende Katastrophe abzuwenden. Für uns Heutige, denen sich der Untergang eher durch Börsen-Crashs, Killerviren oder den ökologischen Kollaps denn durch kriegerische Verheerungen ankündigt, beansprucht das "Schwarzbuch der Weltgeschichte" seinen Platz in der Bibliothek pazifistischer Literatur.

 

 

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