James (Jim) E. Hansen 

Die Stürme meiner Enkelkinder

Die Wahrheit über die kommende

Klimakatastrophe und unsere letzte

Chance, die Menschlichkeit zu retten

 

2009 by Bloomsbury Trade 

 

Storms of my grandchildren - The truth about...

 

en.wikipedia  Storms_of_My_Grandchildren

Autor Hansen 4 min zum Buch

Google.Buch    Amazon.Buch mit Blick

2009      300 Seiten 

wikipedia.Autor  (*1941)

DNB.Autor 

 

detopia:   Klimabuch

H.htm    Ökobuch   2005-Buch

 

Mike.Davis   G.Monbiot   J.Lovelock 

Michael E. Mann    Stephen H. Schneider

Rich Losing Earth 2019

 

 

 

2009

 

Politische Einflussnahme auf Hansens Forschung 
wikipedia 2013:

2005 und 2006 sagte Hansen in Interviews mit der Washington Post und der New York Times, dass NASA-Beamte versucht hätten, seine öffentlichen Stellungnahmen über die Ursachen der globalen Erwärmung zu beeinflussen. Nach Hansens Angaben wurden Angestellte aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit dazu angewiesen, seine Stellungnahmen und Interviewäußerungen zu überprüfen.  

Hansen sagte auch, dass das Weiße Haus klimabezogene Presseerklärungen nachträglich bearbeitet habe, um die globale Erwärmung weniger bedrohlich erscheinen zu lassen. Er sei nicht in der Lage „frei“ zu sprechen, ohne eine Gegenreaktion von anderen Regierungsangestellten zu erhalten. Bei einem seiner öffentlichen Auftritte sagte er: „In meinen mehr als drei Jahrzehnten im Staatsdienst habe ich niemals solche Restriktionen bei der Kommunikation von Wissenschaftlern mit der Öffentlichkeit erlebt.“

Im Dokumentarfilm <Eine unbequeme Wahrheit> gibt es eine kurze Sequenz über eine Anhörung Hansens durch Al Gore am 8. Mai 1989. Gore kritisiert Hansen für einen offensichtlichen Widerspruch in seinen Angaben, worauf Hansen angibt, dass der letzte Absatz in einem seiner Texte nicht von ihm stamme, sondern von jemand anderem hinzugefügt worden sei. 

 

 

 

Öffentlicher Vortrag von James Hansen:

«Wie wir den Klimawandel verhindern»
(in englischer Sprache), 
Auditorium maximum an der ETH Zürich,

Montag, 30. April, 2012 16.15 Uhr. 

 

 

heise  24 /24803/1.html  Rötzer 2007 Maulkorb 

 

heise  27 /27657/1.html  Pomrehn 2008 Schlimmer 

 

heise  31 /31650/1.html  Rötzer 2009 Scheitern  

 

Aus Wikipedia 2015:

 

2013 forderte Hansen in einem offenen Brief gemeinsam mit den Kollegen Ken Caldeira, Kerry Emanuel und Tom Wigley eine "Rückbesinnung auf die Kernkraft"[19], da der Widerstand gegen Atomkraftwerke den Kampf gegen den Klimawandel gefährden würde. Die Wissenschaftler appellierten an Politiker und Umweltschutzorganisationen weltweit, sich für die Entwicklung sicherer Atomkraftwerke einzusetzen. "Es gibt keinen realistischen Weg zu Stabilisierung des Klimas, der ohne einen substantiellen Anteil an Kernenergie auskommt" schreiben die Wissenschaftler in ihrem Brief. Die Risiken der Kernenergie seien jedoch „um Größenordnungen kleiner“ als die Gefahren, die von der Nutzung fossiler Energien ausgingen. In der Debatte über die künftige Energiepolitik sollten Fakten entscheiden, nicht Emotionen, forderte Hansen und Kollegen. Er verglich in einer 2013 erschienenen Studie die Risiken nuklearer und fossiler Energieträger und sprach sich dabei für die Kernenergie als im Vergleich zur Nutzung fossiler Energien deutlich risikoärmere und emissionsärmere Technologie aus.[20]

 

Der smarte Wissenschaftler, der für die Umwelt ins Gefängnis geht 

James Hansen gehört zu den besten Klimaforschern der Erde. Er kämpft vehement gegen Kohlekraftwerke.

Von Martin Läubli am 26.04.2012  tagesanzeiger.ch  Der-smarte-Wissenschaftler-der-fuer-die-Umwelt-ins-Gefaengnis-geht 

 

Er ist kein brillanter Rhetoriker, trotzdem hört man ihm zu. 1988 etwa die Abgeordneten des amerikanischen Kongresses. Der Klimaforscher James Hansen erklärte den Politikern unter Eid, warum die Treibhausgase für das Erdklima schädlich sind.

Bereits in den 70er-Jahren hatte er Resultate über die Erderwärmung publiziert. Hansen gehört zu den weltweit profiliertesten Klimawissenschaftlern. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, und das Magazin «Time» wählte ihn 2006 unter die 100 einflussreichsten Menschen der Erde. Doch das reichte ihm nicht.

In seinem Buch <Storms of my Grandchildren> wird er laut: «Das meiste, was Politiker an der Klimafront machen, ist Schönfärberei – ihre Vorschläge klingen gut, doch dann betrügen sie dich und sich selbst.» Das schrieb er vor drei Jahren, und dazu steht er heute noch.

Auf die Frage in einem Mail, was er von den internationalen Klimaverhandlungen halte, kommt postwendend die Antwort: «Gibt es da Verhandlungen?»   

Ein Brief an den Bundesrat

Hansen wollte nicht mehr nur wissenschaftliche Daten liefern, sondern sie aktiv unter das Volk bringen. So ist der 70-Jährige heute Direktor des berühmten Nasa Goddard Institute for Space Studies in New York und engagierter Umweltaktivist. In der Schweiz wäre das kaum möglich, in den USA lässt man ihn gewähren. «Es gab nie ein Redeverbot von offizieller Seite», sagt er. Forschung und Politik dürfe man nicht trennen.

Seine Kritiker sehen das etwas anders. Sie fragen sich, ob der Topwissenschaftler mit seinem Aktivismus nicht allmählich seine Autorität als Klimaforscher aufs Spiel setzt. 

Seit Jahren schreibt Hansen Briefe an Regierungen, um sie auf Missstände aufmerksam zu machen. Auch die Schweizer Bundesräte erhielten vor vier Jahren einen. Darin beantragte der Klimaforscher ein Moratorium für neue Kohlekraftwerke. Er hatte erfahren, dass mindestens neun Schweizer Energiekonzerne die Absicht haben, in Deutschland und Italien Strom aus Kohle zu erzeugen. Ob die Regierung darauf reagiert hat, weiss er nicht mehr: 

«Ich habe so viele Briefe verschickt. Aber wahrscheinlich nicht, ich würde mich erinnern.»

Bevor er sich mit dem Einfluss des Menschen auf das Klima befasste, studierte James Hansen Planeten wie die Venus. Jene Staaten, die ihm eine Antwort schickten, bestärkten ihn in seiner Meinung. «Die haben sich alle einfach ein grünes Mäntelchen umgelegt.» Den Kampf gegen Kohleindustrie und Kohlekraftwerke hat er sich zu seiner Aufgabe gemacht. Nach einer Protestaktion gegen den Kohleabbau in West Virginia liess er sich verhaften. 

Auch nach solchen Aktionen hat er keine Bedenken um seine Reputation. «Die Wissenschaft weist den richtigen Weg», sagt er. Und deren Erkenntnisse sind für ihn eindeutig: Für die Hälfte der Zunahme an Treibhausgasen sei die Kohle verantwortlich. Hier will Hansen denn auch ansetzen. Und zwar rigoros. Er ist dabei kein Draufgänger. «Hansen ist ein besonnener Mann», sagt der Berner Klimaforscher Thomas Stocker. Und seine wissenschaftlichen Leistungen seien nach wie vor beachtlich. Auch wenn er in seinen Schlussfolgerungen manchmal über das Ziel hinausschiesse.

James Hansen hat sich nicht immer mit der Erde beschäftigt. Seine Forscherkarriere begann er als Physiker und Astronom «ausserirdisch». Er studierte Planeten wie die Venus. In den 70er-Jahren änderte er dann seine Ausrichtung und beschäftigte sich mit dem Einfluss des Menschen auf das Klima. 

Und heute scheint er sich seiner Sache so sicher zu sein, dass er indirekt auch Forscherkollegen kritisiert, die in den letzten Jahren konsequent verkünden, die Erde dürfe sich nicht mehr als 2 Grad erwärmen. 

«Das ist ein Katastrophenszenario», schreibt er. Seine Empörung ist selbst in den Zeilen des Mails zu spüren. «Das letzte Mal, als sich die Erde 2 Grad erwärmte, stieg der Meeresspiegel um mindestens 15 Meter.» Dieser Prozess sei zwar nicht über Nacht passiert, aber wenn wir diesen Weg einschlagen, würden unsere Nachkommen einen Planeten «ausser Kontrolle» vorfinden.

Abgaben für fossile Energie

Das sei die Wahrheit, und das müssten Politiker und Behörden wissen.

Hansen ist der Ansicht, dass es überhaupt nicht mehr wärmer werden darf, um die Energiebilanz des Planeten wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dafür sei die CO2-Konzentration in der Atmosphäre jedoch bereits zu hoch.

Er ist Realist genug, um zu wissen, dass seine Forderung heute in der internationalen Politik zwar Gehör findet, aber wenig ernst genommen wird. Kohle, Erdöl, Gas werden auch in Zukunft, so sieht es zumindest die Internationale Energieagentur, die hauptsächlichen Energiequellen sein. Für Hansen gibt es deshalb nur eine Lösung – und damit ruft er vergessene Stimmen auch in der Schweiz wieder herbei: eine Lenkungsabgabe für fossile Energie.

Und zwar eingefordert bei den Unternehmen, für jede geförderte Tonne Kohle oder jeden gewonnenen Barrel Erdöl. Oder als Zollsteuer auf importierte Brenn- und Treibstoffe. Genügend hoch müsse sie jedoch sein und jeweils wieder an die Bevölkerung zurückfliessen. Dann, so ist er überzeugt, werde die Energiewende schnell passieren.

Auch wenn James Hansen vieles an die grosse Glocke hängt, er hat auch diplomatische Seiten. Zum Beispiel zum Thema nukleare Energie: «Wenn wir keine nukleare Energie wollen, ist das gut. Aber nur, wenn wir aus der fossilen Energie aussteigen.»

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Leseberichte (Amazon)

 

Wissenschaft und Emotionen     2010   Von Marcus Bosshard 

James Hansen ist ganz sicher ein Top-Wissenschafter. Was sonst (Al Gore et al.) oft fehlt, nämlich die Angabe der wissenschaftlichen Quellen, ist bei Hansen Standard. Natürlich zitiert er oft aus eigenen Werken. Doch diese sind meist offiziell publiziert durch Universitäten oder die NASA. Dies ist wertvoll, wenn man in den leidigen Diskussionen zum Klimawandel immer genau angeben kann, auf Grund welcher Daten man eine Prognose macht oder eine Forderung als notwendig deklariert.

Dennoch ist es keine trockene Materie, die uns Hansen vorsetzt. Er ist verzweifelt, weil die Politik die Wissenschaft nicht als echte Basis ihrer Entscheide nimmt. Daher schreibt er emotional und was namentlich genannte Politiker angeht, recht frech und deklariert dies dennoch mit wissenschaftlichem Pflichtbewusstsein. Klima beruht letztlich auf Physik - und Physik macht keine Kompromisse. Wenn der Apfel fällt, dann fällt er bis zum Aufschlag. Genau so sieht es mit dem Schmelzen der Eismassen in der Antarktis und in Grönland aus: Wenn sie nicht mehr nur schmelzen, sondern richtig mit der Auflösung begonnen haben, dann werden sie innert kürzester Zeit ganz verschwinden.

Und dann reden wir von einem Meeresspiegel, der nicht 8 Meter steigt, sondern wir reden von 75 Metern. 

Jede einzelne Forderung und Untersuchung Hansens wird mit der zu Grunde liegenden Energieleistung begründet - also mit ihrem Einfluss auf den Energiehaushalt der Erde.

Das Buch ist im Vorfeld der Klimakonferenz in Kopenhagen erschienen und so aktuell, dass selbst Verhandlungen aus dem letzten Herbst schon einfliessen und kommentiert werden. Kaum hatte ich das Buch weggelegt, schon kam der aktuelle Jahresbericht des WWF. Hansen attackiert den WWF als konservativ.

Dennoch macht mir der Begriff "Kipp-Punkt" (tipping point) plötzlich Angst. Und der WWF fordert plötzlich den vollständigen Stopp aller Kohlekraftwerke... Nur ein halbes Jahr nach Hansen.  

 

Experte mit beängstigenden Einsichten     2010    Von Stefan Thiesen 

Als der Mann, der sich intensiver und länger als die meisten anderen Wissenschaftler seines Forschungsfeldes mit der Stabilität und Evolution der Erdatmosphäre beschäftigt hat, sieht er - auch intuitiv - die Risiken sehr viel deutlicher, als alle anderen. 

Man stelle sich einen Onkologen vor, der seit 40 Jahren an konkreten Lungenkrebsfällen starker Raucher die Auswirkung des Rauchens erforscht. Man stelle sich vor der Mann hätte tausende qualvoll sterben sehen, und die Politik würde empfehlen es würde zur Gesundheitsvorsorge reichen, wenn Kinder maximal zwei Packungen am Tag rauchen. Kein Wunder also, dass er sich Sorgen um seine Enkel machen würde. 

Hansens Nähe zur Weltraumforschung verschafft ihm überdies einen globalen Ausblick, wie ihn nur wenige haben - auch wenige Wissenschaftler - jedenfalls wird er selten publiziert. Carl Sagan war auch so jemand. In der Planetologie und Astrobiologie wird unter anderem erforscht und untersucht, wie sich Planetenatmosphären allgemein bilden, entwickeln und wie stabil sie unter welchen Bedingungen sind. Zum einen an konkreten Objekten - den Planeten und Monden des Sonnensystems, inklusive der Erde - zum anderen spekulativ anhand mathematischer Modelle und der beginnenden Fernerkundung von Planeten anderer Sonnensysteme. Für Astrophysiker, Planetologen und Geologen ist das Werden und Vergehen ganzer Welten keine ungewöhnliche Sache. Sterne explodieren, Planetenatmosphären kippen um, Welten kollidieren und zerplatzen. 

Für den Astrophysiker Hansen ist aus wissenschaftlicher Sicht die Möglichkeit eines Runaway-Treibhauseffektes auf der Erde mit einem neuen Temperaturgleichgewicht in Bereichen, die Leben, wie wir es derzeit kennen, nicht ermöglichen, nicht besonders ungewöhnlich. Es gibt keine Berührungsängste mit dem emotional Undenkbaren.

Die Erde als Ganzes ist für den Astrophysiker, was für einen Gewässerökologen ein eutrophierter Gartenteich ist. Niemand bezweifelt die Aussagen eines berühmten Limnologen über die Auswirkung von Eutrophierung auf das komplexe System Gartenteich. Die Situation ändert sich dadurch, dass wir alle - auch Jim Hansen und seine Enkel - Bakterien in diesem Gartenteich sind. An diesem Punkt wird Hansen - zurecht - emotional. 

Ich finde es ebenfalls unerträglich zu einer Spezies zu gehören, die sich und die Welt von der sie lebt, potentiell vollständig vernichtet. Wichtig hierbei ist das Wort potentiell, denn wir haben es mit Risikoabschätzungen - Wahrscheinlichkeiten also - zu tun. An irgend einem Punkt befinden sich Sprungstellen, Kipp Punkte. Wir wissen nicht wo, aber sie existieren. Seltsamer Weise unternehmen wir gigantische Anstrengungen um anderen und häufig sehr viel diffuseren Risiken zu begegnen - Krankheit, angeblicher Terrorismusgefahr, militärischen Bedrohungen oder Kreditausfällen. 

All diese Dinge sind mit harten wissenschaftlichen Kriterien nicht wirklich zu fassen. Von der Klimaforschung aber wird ständig Perfektion und Fehlerfreiheit erwartet, während etwa in der Wirtschaft jeder Spinner seinen aus den Fingern gesaugten Senf in die Debatte werfen darf. 

Nach meiner Einschätzung ist Hansens mutiges und wütendes Buch eines der ganz wenigen, die im Raum stehende Gefahr wirklich akkurat erfassen. Der Venus Effekt steht für den völligen Zusammenbruch einer überhitzten Atmosphäre. Und es gibt ihn tatsächlich, gar nicht weit von der Erde entfernt. Der Effekt ist eingetreten, wie jeder Hobby Astronom weiß. Und das Argument unerfahrener Gegner, die Erde sei weiter von der Sonne entfernt zieht nicht. Auf der Venus herrscht eine Oberflächentemperatur von bis zu annähernd 500°C. Für eine totale globale Katastrophe auf der Erde reicht aber bereits eine Erhöhung von wenigen bis wenigen 10 °C aus. Auch ein Stabilitätspunkt jenseits der Verdampfungstemperatur von Wasser ist nicht unmöglich. 

Aber - Geld und Macht im Hier und Jetzt sind natürlich wichtiger als solche globalen Überlegensfragen... Hansen, als Top Experte, befürchtet, der Punkt ohne Wiederkehr könnte bereits überschritten sein. Dass gerade er das sagt ist hochgradig beängstigend.

 

Verlag:

In <Storms of my Grandchildren>, Dr. James Hansen, the world's leading scientist on climate issues, speaks out for the first time with the full truth about global warming: the planet is hurtling even more rapidly than previously acknowledged to a climatic point of no return. 

Although Hansen was Al Gore's science advisor for <An Inconvenient Truth>, his recent data shows that our situation is even more dire today

But politicians haven't made the connection between the policy and the science. He shows why Gore's solution won't work, why we must phase out all coal, and why 350 ppm of carbon is a goal we must achieve in the next two decades if our grandchildren are to avoid global meltdown. 

This urgent manifesto bucks conventional wisdom (including the Kyoto Protocol) and is sure to stir controversy, but Hansen - whose climate predictions have come to pass again and again, beginning in the 1980s when he first warned Congress about global warming - is the single most credible voice on the subject worldwide, and this book is sure to receive enormous attention. 

Hansen paints a devastating but all-too-realistic picture of what will happen in the next year, and ten years from now if we follow the course we're on. But he is also an optimist, showing that there is still time to do what we need to do. Urgent, strong action is needed, and this book, released just before the Copenhagen Conference in December 2009, will be key in setting the agenda going forward to create a groundswell, a tipping point, to save humanity - and our grandchildren - from a dire fate more imminent than we had supposed. 

 

 

Spiegel

19.05.2013 - spiegel.de   klimaforscher-james-hansen-kritisiert-kanadas-oelsande

 

Der Gast reagierte genervt. Als Joe Oliver, Kanadas Minister für natürliche Ressourcen, kürzlich am <Centre for Strategic and International Studies> in Washington auftrat, wurde er auf einen seiner Gegner angesprochen: den US-Klimawissenschaftler James Hansen. Wieder und wieder hatte dieser Kanada zum Kurswechsel aufgefordert. Es geht um die riesigen Ölsand-Vorkommen in der kanadischen Provinz Alberta. Dort liegen mindestens 170 Milliarden Barrel Öl im Boden - und möglichst viel davon soll durch eine Mega-Pipeline ("Keystone XL") in die USA fließen. Doch Kritiker wie Hansen warnen beständig vor den ökologischen Folgen.

"Übertriebene Rhetorik" und "ganz einfach Nonsens" sei das, konterte Oliver. Der Forscher solle sich angesichts seiner Äußerungen "schämen". Schließlich habe Hansen vor vier Jahren vorhergesagt, dem Planeten drohe der Kollaps ("Game Over"), wenn die Kanadier die Förderung der Ölsande fortsetzten. Doch solche Schreckensszenarien schadeten dem "sehr wichtigen" Kampf gegen den Klimawandel nur, so der Minister.

Solch Rüffel ist James Hansen gewohnt - schließlich gehört der 72-Jährige seit Jahrzehnten zu den schärfsten Kritikern der Nutzung fossiler Rohstoffe. Im heißen Juni 1988 trat er vor dem <Energy and Natural Resources Committee> des US-Senats auf. Mit "99-prozentiger Wahrscheinlichkeit", so Hansen damals in seinem Midwest-Akzent, sei die bis dahin beobachtete Erderwärmung nicht mit natürlichen Schwankungen zu erklären.

In einer umstrittenen Personalunion war er seither Wissenschaftler und Aktivist zugleich - und eine Nervensäge im positiven Wortsinn. In seiner Freizeit traf man ihn auf Demos, er ließ sich mehrfach festnehmen. Seine Botschaft: Die Menschheit sei "kurz davor, einen riesigen Fehler zu machen", so drückt Hansen es im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE aus. "Wir sind auf einem Pfad, wo wir das akzeptable CO2-Level deutlich überschreiten." Zumal eine substantielle Menge des bereits emittierten CO2 für Jahrhunderte in der Atmosphäre bleibe.

Kohlenstoffpreis soll stetig steigen

Gerade reist Hansen zusammen dem kanadischen Umweltökonomen Mark Jaccard von der Simon Fraser University durch Europa - um weiter vor fossilen Rohstoffen im Allgemeinen und den Ölsanden im Speziellen zu warnen. Brüssel plant eigentlich, besonders umweltschädlich erzeugten Sprit zu brandmarken. Doch seit mehr als zwei Jahren kommt die entsprechende Richtlinie nicht recht voran - manch einer argwöhnt, dass das auch am Druck aus Kanada liegt.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass Öl aus den Ölsanden um rund 22 Prozent klimaschädlicher ist als solches aus konventionellen Quellen. Er wird in Europa bisher aber kaum verkauft. Kanadas Regierung verweist darauf, dass die Emissionen pro Barrel bei der Ausbeutung der Ölsande in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken sind. Außerdem sollen die - ebenfalls schmutzigen - Kohlekraftwerke im Land nach und nach außer Betrieb gehen. Man tue also sehr wohl etwas fürs Klima.

Hansen fordert dagegen das komplette Aus für die Ölsandförderung - und nicht nur das: "Ein einfacher, steigender Kohlenstoffpreis würde die Ölsande und Kohle einfach aus dem Markt zwingen", sagt er. Für solch eine Abgabe - nicht zu verwechseln mit einem Handelssystem für Verschmutzungsrechte - können sich mittlerweile übrigens sogar einige Konservative in den USA begeistern.

Ein anderer von Hansens Vorschlägen sorgt dagegen selbst bei manchen Umweltschützern für Ablehnung. Denn der Forscher sieht die zumindest in Deutschland verpönte Kernkraft als klimafreundliche Alternative. Staaten wie China, wo man bisher vor allem auf Kohle setzt, bräuchten ganz einfach Atomkraft. Nur so lasse sich die Grundlast im Netz zu befriedigen. Und neuartige Reaktorkonzepte - zum Beispiel Kühlsysteme, die trotz Stromausfalls funktionierten - könnten die Sicherheitsprobleme von AKWs lösen.

Hansen war, wenn nötig, schon immer unbequem. 46 Jahre lang hat er am <Goddard Institute for Space Studies> der Nasa gearbeitet und zahllose Fachaufsätze veröffentlicht. Dabei setzte er sich auch gegen Gängelungsversuche aus der Politik öffentlichkeitswirksam zur Wehr. So hatte er im Winter 2006 beklagt, die Regierung von George W. Bush versuche, ihn mundtot zu machen: Die Weltraumbehörde widersprach - und ermahnte Hansen, politische Statements in Zukunft den Politikern zu überlassen.

Der Forscher hielt sich nicht daran - auch zum Verdruss einiger Kollegen. Der Physiker Freeman Dyson, ein Kritiker der computerbasierten Klimamodellierung, beklagte etwa die "ständigen Übertreibungen" Hansens. Die Wissenschaftler Nico Stehr und Hans von Storch kritisierten in einem Gastbeitrag für SPIEGEL ONLINE ebenfalls seine Kassandra-Rufe: "Er hat mit seinen dramatischen Beschreibungen nicht selten Begeisterung ausgelöst, aber dennoch steigen die Emissionen weiter."

"Ich treffe nicht die Entscheidungen"

Probleme mit seiner Doppelrolle als Forscher und Aktivist sieht Hansen dagegen bis heute nicht: "Ich treffe nicht die Entscheidungen, ich liefere die nötigen Informationen." Kürzlich ist er bei der Nasa in den Ruhestand getreten - um sich noch mehr auf seine Rolle als Aktivist zu konzentrieren: "Wenn die Öffentlichkeit die Situation verstehen würde, dann gäbe es auch mehr Unterstützung beim Kampf gegen den Klimawandel."

Auch in Zukunft wolle er Fachartikel produzieren, sagt Hansen. "Wenn ich in der Wissenschaft nicht vorn dabei bleibe, werden Leute nicht auf mich hören." Dabei helfen soll ihm sein Job an der Columbia University, wo er seit 1978 lehrt. In der vergangenen Woche habe die Hochschule das Hansen <Climate Change Program> aus der Taufe gehoben.

Doch neben dem wissenschaftlichen Nachwuchs liegt ihm die breite Öffentlichkeit am Herzen. Ein Buch hat Hansen schon geschrieben. "Zu technisch" sei das vor vier Jahren erschienene Werk gewesen, sagt der Forscher heute.

Deswegen will er sich bald wieder an den Schreibtisch setzen. Der neue Band soll "Sophie's Planet" heißen - und aus einer Reihe von Briefen an seine älteste Enkeltochter bestehen. Zukünftige Generationen dürften mit "unseren Schweinereien" nicht allein gelassen werden, sagt er. Er wird also weiter nerven. Auch den kanadischen Minister.

 

 

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James (Jim) E. Hansen  Die Stürme meiner Enkelkinder

Die Wahrheit über die kommende Klimakatastrophe und unsere letzte Chance, die Menschlichkeit zu retten

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