James Hillman

Michael Ventura

 

Hundert Jahre Psychotherapie

und der Welt geht's immer

schlechter

 

1992 by Harper in San Francisco 

1993 im Walter-Verlag in Düsseldorf

Hillman, Ventura :  Hundert Jahre Psychotherapie   (1992)  und der Welt geht's immer schlechter  - 

1992      275 Seiten  

wikipedia Hillman *1926 in New Jersey bis 2011 (85)

en.wikipedia Ventura  *1945 in USA (Texas?)

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We have had a hundred years of Psychotherapy.
And the world is getting worse 

 

Wir haben einhundert Jahre Psychoanalyse hinter uns, und die Menschen werden immer sensibler, und der Welt geht es immer schlechter. ... Wir arbeiten unaufhörlich an unseren Beziehungen, an unseren Gefühlen und Reaktionen, aber dabei übergehen wir etwas, ... den immer schlechter werdenden Zustand der Welt. 

Warum hat die Psychotherapie dies nicht bemerkt? Weil die Psychotherapie sich nur mit jener 'inneren Seele' beschäftigt. Indem sie die Seele aus der Welt herausnimmt und nicht erkennt, daß die Seele auch in der Welt ist, kann die Psychotherapie nicht mehr funktionieren. James Hillman  


Die Autoren:

James Hillman studierte am C.G. Jung-Institut Zürich und ist langjähriger jungianischer Psychotherapeut in den Vereinigten Staaten. 

Michael Ventura wurde 1945 in New-York-City geboren, ist Kolumnist der <Los Angeles Weekly>.


Die Psychotherapie hat geglaubt, indem sie die Menschen therapiere, würden diese immer besser und dadurch auch die Welt. 

Doch — so zeigen die Autoren in ihrem eindrücklichen Buch — die ausschließliche Hinwendung nach innen zieht die Energie von der Außenwelt ab. 

Die Aggressionen z.B., die berechtigterweise aus der heutigen Umweltsituation entstehen, werden auf traumatische Geschehen in der Kindheit zurückgeführt und dadurch individualisiert. Die Energie geht damit für das Engagement in der Welt: in der Nachbarschaft, im Quartier, im größeren politischen Rahmen, verloren.

Die Autoren rütteln an Selbstverständnis und liebgewordenen Vorstellungen der Psychotherapie: am Streben nach ständigem inneren Wachstum etwa, am Postulat der Veränderbarkeit der Psyche und insbesondere an der Konzentration auf die Kindheit und das innere Kind. 

Sie üben Kritik an den «degenerativen» Erscheinungen einer Psychotherapie, die sich weit vom revolutionären Denken ihrer Väter — wie Freud und Jung — entfernt hat, das die damalige puritanische Gesellschaft veränderte. 

Die gelungene Mischung von Geist und Gefühl, von Reflexion und Spontaneität, von Nach-, Be- und Umdenken geben dem Buch das Gepräge. 

Es ist aber auch gekennzeichnet durch die tiefe Betroffenheit der Autoren über den Zustand unserer Welt, was letztlich der Anlaß zu seiner Entstehung war.

Inhalt.1993.pdf  =  Inhalt.1999.pdf

Inhalt

Vorwort  (7) Von M. Ventura

 

(1) Gespräch: "Eine
revolutionäre Zelle"
  (9)

 

(2) Briefe: Das rückwärts, vorwärts
und seitwärts gelebte Leben  (61)

Seele schaffen (63)  Was mache ich hier?  (67)

Das rückwärts gelebte Leben  (76)

Kleine Dämonen, kleine Daimonen  (86)

Die Psychiatrie ist in Angst  (97)

Die Stadt  (99)   Der Beobachter (101)

Telefonieren oder Briefe schreiben? (107) 

Briefe schreiben (112)  Gespräche (118) 

Was ist ein Klient? (121) 

Leerer Protest (113) 

Die Ränder des Verhaltens (119)

Willkommen in der Traumzeit (137)

Mißbrauch der Substanz und die Seele in den Dingen (148)

Wiederherstellung (157)

Vom Praktisch-Sein (167)

Das zweite, dritte und vierte Gesicht  (173)

Mittelmaß  (179)

 

(3) Gespräch: "Nimm ab,
wenn du da bist!" (189)

 

Coda: Einige Wochen später  (274-275) 

 

Der Titel steht für sich!  (Lesebericht von Mnemo 2017 bei Amazon)

 

Ein kluges Buch, welches mit einem Zwiegespräch von M. Ventura und J. Hillman beginnt und endet. Gerahmt wird damit ein Briefwechsel der beiden. Beide diskutieren auf hohem Niveau und auf Augenhöhe. Es ist immer wieder eben nicht klar, von wem welcher Satz kommt. Es ist kein Lehrer-Schüler- oder gar Jekyll-Hyde-Dialog; Ventura vergleicht es treffend mit zwei Jazz-Musikern. (Besonders schön, als die beiden endlich die Ausfahrt zum 2. Mal verpassen.)

Es kann als Versuch betrachtet werden, das Außen mit dem Innen, die individuelle Verantwortung mit der gesellschaftlichen zu verbinden, die Psychologie mit der Politik.

Einige wenige (der archetypischen Psychologie folgenden) Beispiele sind, dass die Hinwendung zur Biographie als Mythosarbeit in die "falsche" Richtung verstanden werden kann, dass die Arbeit am (Inneren-) Kind-Archetyp uns auf der Kind-Ebene fixiert (damit auch das "Alter" entwertet) und auch das therapeutisch gewollte Aus-Balancieren der Emotionen im Inneren unser Engagement nach außen hemmt oder gar blockiert.

Eine Hauptprovokotion mag sein, wenn die Psychotherapie für die aktuelle Politik verantwortlich gedacht wird. Die Thesen werden dabei durchweg nachvollziehbar dargestellt und aufbereitet.

  

 

 

Vorwort 1991
 von Michael Ventura 

7

Die Entstehungsgeschichte dieses Buchs kann mit einigen wenigen "weil-Sätzen" erzählt werden: 

  • weil die Arbeiten des Psychologen James Hillman, insbesondere sein Buch <Am Anfang war das Bild> mein Denken schon lange, bevor sich unsere Wege bei verschiedenen Konferenzen und Vorträgen kreuzten, beeinflußten, inspirierten und beschäftigten; 

  • weil ich eines Tages mit dem Herausgeber der L.A.-Weekly über Hillman sprach, und er so fasziniert war, daß er vorschlug, ein Interview mit James als Titelgeschichte herauszubringen; 

  • weil die Titelgeschichte - die in erweiterter Form jetzt Teil 1 dieses Buchs ist - in der ganzen Stadt in weiten Kreisen intensiv diskutiert wurde, und 

  • weil wir uns aufgrund dieser eindrücklichen Reaktion entschlossen, ein Buch zu machen.

Uns schwebte ein zwangloses, zügelloses, ja sogar lustiges Buch über die Psychotherapie vor, ein Buch, das Risiken eingeht, Regeln bricht, Stopplichter mißachtet. Zu diesem Zweck beschlossen wir, beim gesprochenen, freundschaftlichen (und daher respektlosen) Wort und beim lockeren Plauderton des Briefs zu bleiben.

Warum? Weil die Psychotherapie in der ihr genehmen Form in Frage gestellt und auch angegriffen werden will: ernsthaft, beherrscht, anständig — mit anderen Worten, das psycho­therapeutische Gewerbe will wie jede etablierte Institution in einer Weise angesprochen werden, die ihre grundlegenden Verhaltenskodizes und damit implizit auch ihre grundlegenden Verhaltensziele akzeptiert.

Wenn man sich aber darauf einläßt, dann gelingt es nicht, diese Kodizes und Ziele in Frage zu stellen; man akzeptiert sie vielleicht mehr, als man selbst weiß und verstärkt sie, in dem man das Spiel nach ihren Regeln spielt.

So schafft man aber keinen Durchbruch — einen Durchbruch, bei dem, wie es James Hillman hier fordert, das Behandlungs­zimmer zu einer revolutionären Zelle wird, zu einer Möglichkeit, nicht nur sich selbst, sondern seine Welt zu ändern. 

So haben wir einen anderen Weg eingeschlagen und das Buch gemacht, das der Leser in Händen hält.

8

Michael Ventura,  Los Angeles, 1991

 

 

Aus Wikipedia-2020

 

Hillman kam 1946 als Angehöriger der United States Army nach Frankfurt am Main, wo er im Dienst der US-Besatzungsmacht als News-Redakteur eingesetzt wurde. Er studierte dann zunächst an der Pariser Sorbonne und am Trinity College Dublin, bis er für ein Jahr nach Indien zog.

Ab 1953 setzte er sein Studium an der Universität Zürich fort, wo er 1959 promovierte. Gleichzeitig absolvierte er die psychoanalytische Ausbildung am C. G. Jung-Institut, wo er dann bis 1969 als erster Studiendirektor arbeitete. Ab 1966 war er als Referent auch an den jährlichen Eranos-Tagungen. 1970 wurde er Herausgeber der Spring Publications, einer Schriftenreihe für Analytische Psychologie, sowie der Fachzeitschrift Spring.

1978 zog Hillman wieder in die USA zurück: in Dallas gründete er 1980 das Dallas Institute for Humanities and Culture. Er lebte als freier Schriftsteller in Connecticut.

 

Werke - Auswahl

Suicide and the Soul, 1964  Selbstmord und seelische Wandlung. Eine Auseinandersetzung. Rascher, Zürich 1966; 4. A. Daimon, Zürich 2002

Insearch: psychology and religion, 1967; 2nd rev. ed. 1995  Die Begegnung mit sich selbst. Psychologie und Religion. Klett (Versuche 15), Stuttgart 1969 Neuausgabe als: Die Suche nach Innen. Daimon, Zürich 1994

Pan and the Nightmare, 1972; new rev. ed. 2000  Pan und die natürliche Angst. Über die Notwendigkeit der Alpträume für die Seele. Schweizer Spiegel, Zürich 1981; 2. A. IKM, Zürich 1995

The Dream and the Underworld, 1979  Am Anfang war das Bild. Unsere Träume – Brücke der Seele zu den Mythen. Kösel, München 1983

Healing Fiction, 1983 Die Heilung erfinden. Eine psychotherapeutische Poetik. IKM, Zürich 1986, ISBN 3-7270-1218-8

We’ve Had a Hundred Years of Psychotherapy - And the World’s Getting Worse, 1992  Hundert Jahre Psychotherapie – und der Welt geht’s immer schlechter (mit Michael Ventura). Walter, Olten 1993

The Soul’s Code: On Character and Calling, 1997  Charakter und Bestimmung. Eine Entdeckungsreise zum individuellen Sinn des Lebens. Goldmann, München 1998

The Force of Character and the Lasting Life, 1999  Vom Sinn des langen Lebens. Wir werden, was wir sind. Kösel, München 2000

A Terrible Love of War, 2004 Die erschreckende Liebe zum Krieg. Kösel, München 2005

 

 

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We have had a hundred years of Psychotherapy. And the world is getting worse