Arno Klönne

Prof. em. Dr.

Das Merkelland 2014

Eine politische Besichtigung

Teil 1   

 

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Wikipedia.Autor  1931-2015 (84)

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aus Telepolis:

 

Am 4. Juni 2015 ist der Soziologen und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Arno Klönne, geboren am 4. Mai 1931, verstorben 2015

Bekannt geworden ist er mit seiner zum Standardwerk gewordenen Studie über die Hitlerjugend und überhaupt mit seiner Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. 

Der linke Soziologe, der an der Universität Paderborn lehrte, war stets politisch engagiert. 

Er war in der Ostermarschbewegung aktiv, ist bereits 1960 einmal aus der SPD ausgetreten, engagierste sich dort wieder, bis er in den 1970er Jahren über die Kritik an Herbert Wehner endgültig austrat. 

Er war Mitbegründer der Zeitschrift "Ossietzky" und begleitete die Politik mit kritischen Kommentaren. In den letzten Jahren schrieb er oft auch für Telepolis. 

Sein letzter Beitrag 8. Mai 1945: Ein "Tag der Befreiung"? machte die Schieflagen bei der Aufarbeitung der deutschen Nazi-Vergangenheit deutlich. Wir werden seinen kritischen und streitbaren Geist vermissen. Ganz aktuell auch im Hinblick auf den G7-Gipfel seine Analyse zu Russland.

 

aus wikipedia 2014:

 

Dr. Arno Klönne, emeritierter Professor für Sozialwissenschaften, 

Buchveröffentlichungen u.a. über die Sozialstruktur der Bundesrepublik, das "Dritte Reich" und die Geschichte der Arbeiterbewegung. 

Mitherausgeber der Zweiwochenschrift "Ossietzky". 

Klönne, der aus einer Lehrerfamilie stammt, studierte ab 1951 in Marburg und Köln Geschichte, Soziologie und Politik. In Marburg schrieb er seine Doktorarbeit über die Hitlerjugend bei Wolfgang Abendroth. 

Nach dem Studium arbeitete er fünf Jahre als Landesjugendpfleger in Wiesbaden. Wechsel in den Hochschuldienst.

Nach wissenschaftlichen Anstellungen bei der Sozialforschungsstelle an der Universität Münster in Dortmund, in Göttingen und Bielefeld wurde er 1978 auf eine Professur an der Universität Paderborn berufen. 

Seine jugendsoziologische Studie <Jugend im Dritten Reich> gilt als Standardwerk zur Geschichte der Hitlerjugend und ihrer Gegner. Darüber hinaus veröffentlichte Klönne unter anderem zu den Themenfeldern Faschismus und Rechtsextremismus, zur Geschichte der Arbeiterbewegung und zur internationalen Politik. 1995 wurde Klönne emeritiert. 

1961 gründete Klönne gemeinsam mit Gerd Semmer, Dieter Süverkrüp und Frank Werkmeister das Schallplattenlabel <pläne>

Bereits seit 1957 war er an der Herausgabe einer gleichnamigen Zeitschrift beteiligt. Mit dem Schallplattenlabel entstand auch ein Verlag gleichen Namens. 

In den 1960er Jahren war er einer der Sprecher der Ostermarschbewegung. Er war Mitarbeiter der Zeitschrift <song> und ist Mitherausgeber der Zeitschrift <Ossietzky>, Gesellschafter des Verlags Ossietzky und Mitglied des Vereins <ikoplan – Institut für Kommunikation, Organisation und Planung>. 

1960 verließ Klönne vorübergehend auf Grund der positiven Position Herbert Wehners zur NATO die SPD. 

In den 1970ern wurde er für zwei Jahre von allen Parteifunktionen ausgeschlossen. Anlass war seine Schrift <Machte Wehner die SPD kaputt?> aus dem Jahr 1975. 
Nach seinem Austritt aus der SPD gründete Klönne 2004 die <Demokratische Initiative Paderborn>, die im selben Jahr bei den Kommunalwahlen antrat.  

 


 

Die sogenannte Urkatastrophe 1914 

Selektives Gedächtnis

Einhundert Jahre seit dem Beginn des Ersten Weltkrieges - die kulturindustrielle Verwertung eines solchen Ereignisses lässt sich nicht aufschieben bis zum August, auch im Erinnerungsgewerbe herrscht harte Konkurrenz, und so sind wir schon umstellt von einschlägigen Angeboten zum Rückblick auf eine "Urkatastrophe".

Der Begriff ist äußerst beliebt, um "1914" gedanklich unterzubringen - und drängt ein Missverständnis auf; keineswegs waren es Naturgewalten, die damals in völlig neuen Dimensionen Zerstörung und Tod auslösten. Es handelte sich um Menschenwerk, unter Nutzung hochentwickelter Technik.

Also muss das Interesse den großen und kleinen Akteuren gelten, und die Medien stellen dafür Material zur Verfügung (darunter auch historisch seriöses), vor allem über das Verhalten von Staatsmännern, Diplomaten, Heerführern, über die Impressionen von Literaten und Künstlern, ein wenig auch über die Gefühlswelt des gemeinen Volkes.

Bei dem Versuch, den Trend derzeit dominierender Beschreibungen und Deutungen von "1914" zu erfassen, stößt man auf ein Problem: Ganz überwiegend erscheint der Erste Weltkrieg als Inferno, in das die beteiligten Staaten "hineingeschlittert" oder in das sie "schlafwandelnd" geraten sind; dessen Brutalität niemand voraussah; bei dem Täter und Opfer nicht mehr zu unterscheiden sind. Und wo eine besondere Verantwortung des Deutschen Reiches nicht gegeben war.

Angesichts dessen empfiehlt es sich, an diese Erinnerungskultur einige Fragen zu stellen:

  • Gab es sie gar nicht - deutsche Programme und Pläne für eine gewalttätige Expansion nach Westen und Osten, für den Zugriff auf industrielle Ressourcen und agrarische Räume, dem Kalkül wirtschaftlicher Eliten entstammend? 

  • Lebte die wilhelminische Gesellschaft zivil vor sich hin - keine alltägliche Militarisierung, keine staatliche Erziehung der Jugend zum "Waffengang" und zum "Opfertod"? 

  • Keine Stigmatisierung derjenigen, die vor dem großen Krieg warnten, zu "Vaterlandsverrätern"? 

  • Existierten sie nicht, die profithungrigen Waffenfabrikanten, die auf Einsatz ihrer Produkte drängten? 

  • Die wirtschaftlich kalkulierend das Kriegswerkzeug auf den modernsten Stand brachten, in Kenntnis seiner massenmörderischen Fähigkeiten? 

  • Und andererseits: Hat vor dem Jahre 1914 niemand öffentlich informiert über die vernichtenden Eigenschaften eines Krieges im Industriezeitalter, über das kommende "Menschenschlachthaus"? 

Wenn Erinnern an Geschichte selektiv geschieht, hat das Gründe. Zumeist aktuelle.

Es ist ja nicht so, als seien heutzutage militärische Instrumente zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen out of area nicht mehr im Kalkül der Politik, und die Rüstungsindustrie braucht immer noch Gelegenheiten, ihre Produkte in der Anwendung vorzuführen. Da kann ein Rückblick in die Geschichte seine peinlichen Seiten haben.

Arno Klönne 13.01.2014     heise.de/-2101461 

 

 

 

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