Horst-Eberhard Richter 

Wanderer 
zwischen den Fronten 

Gedanken und Erinnerungen 

Autobiografie  

Für Bergrun 

 

2000 by KiWi-Verlag, ISBN 3-548-36287-7 

Horst-Eberhard Richter :  Wanderer zwischen den Fronten - Autobiografie  (2000)   Gedanken und Erinnerungen   - 

2000    350 Seiten  

Wikipedia.Autor  *1923 in Berlin bis 2011 (88)

Google.Buch  Amazon.Buch    Amazon.Autor 

horst-eberhard-richter.de  

detopia: 

R.htm   Mehr Richter   Sterbejahr 

Biografiebuch    Kommbuch    Psychobuch 

A.Mitscherlich   S.Heym   H.Gruhl   R.Jungk   T.Bauriedl   H.Maaz   H.Ditfurth    P.Brückner 

 

Audio 2011 dradio     Audio 1971  Neurose     Audio 1972  Gruppe     ( TV-Doku 2007 )

 

Inhalt

 

Vorspann  (13)   

 

 

»Der Soldat James Ryan« und die Schwierigkeit, vom Krieg zu erzählen (15)   Warum noch einmal erinnern? (24)

Maschinen­gewehre hinter der Front (31)  Desertion und Flucht (36)  Kurze Freiheit in den Bergen (41)  Hinter Gittern (44)  Walser - Bubis (50)  Patient unter prominenten Simulanten (55)  Festredner in Österreichs »Führerstadt« (58)  Zusammenbruch (60) 

Wer waren die ermordeten Eltern? (64)  Liebe und neues Leben in der Ruine (69)  Rache und Versöhnung (74)  Gefährliche Suggestion (76)  Die neue Welt der Psychoanalyse (80)  Das Lebensthema: die unbewusste Dynamik von Machtverhältnissen (86)  Im Kampf mit rassistischer Psychiatrie (92)  Gentechnische Menschenzüchtung? (97) 

Vorbild E.H. Erikson. »Eltern, Kind und Neurose« (100)  Vorbild Viktor von Weizsäcker. Psychosomatik m der Medizin (105)  Im Strudel der 68er-Rebellion (108)   Was mich mit einer gewandelten RAF-Gefangenen und ihrem Vater verbindet (113)  Zwischen Extremisten, reformistischen Pionieren und konservativen Psychoanalytikern (119)  Zehn Jahre im sozialen Brennpunkt »Eulenkopf« (123)  Älterer Bruder unter den Pionieren der sozialen 70er Bewegung (130)  

Vorbild Willy Brandt. Demokratisierung aus dem Geist des Widerstands (133)  Versuche, die Prothesengott-Medizin mit psychosomatischem Denken zu versöhnen (136)  Begründung einer undogmatischen Anwendung der Freudschen Theorie: psychoanalytische Familientherapie (147)  Gruppendynamischer Wahlkämpfer für Willy Brandt (153)  Hintergründe des Kanzlersturzes (159)  Ein großes Reformwerk für die psychosozialen Dienste. Und heute? (167)  Lautloser Rechtsschwenk - Studie an zwei Rundfunk- und Fernsehsendern (173)  Musste, wollte, durfte Oskar Lafontaine gehen? (175)  »Der Gotteskomplex« (186)  Warum mir Franz Josef Strauß und die CSU den Heuss-Preiss verübelten (189)  Wie ich zum Atomprotest inspiriert wurde (196)

Volksaufklärer gegen die falsche Logik der atomaren Abschreckung (201)  »Alle redeten vom Frieden«, eine oft missverstandene Satire (204)  Denkwürdiges Streitgespräch mit Helmut Schmidt (207)  Aufbau der Friedensärzte-Organisation IPPNW in Deutschland (218)  Unterstützer der pazifistischen Dissidenten in der DDR. Von der Stasi schikaniert (221)  Nobelpreis 1985 an die Friedensärzte IPPNW - Bonner Rufmordkampagne (233)  Wanderer zwischen den Fronten in einer paranoiden Welt (238)  

Der Ex-Chef der US-Nuklearstreitkräfte gibt der Friedensbewegung Recht  (242)  Exkurs über unerforschte, verkannte, missachtete Altersweisheit (245)  Die Freundschaft mit Stefan und Inge Heym (249)  Auf Gorbatschows Friedensforum in Moskau 1987 (254)  Eine internationale Initiativgruppe ohne Beispiel. Studie: Russen und Deutsche (260)   
Warum die deutsche Vereinigung psychologisch missglückte (266)
  Ein Kongressvortrag zu einem mich persönlich betreffenden Thema (272)

Noch einmal Besuch bei Gorbatschow: »Linke wie Rechte sagen: Was ich mache, ist falsch.« (275)  Gorbatschow, Brandt, Lafontaine - bemerkenswerte Parallelen (278)  Mit den Unterschriften von 450 Wissenschaftlern gegen den Golfkrieg: Gespräche im Senat, im Repräsentantenhaus und im State Department in Washington (281)  Zu Besuch bei den israelischen Friedensärzten (290)  Fast ein Eklat am 50. Jahrestag der Wannsee-Konferenz (293)  Bewegender Abschied von Willy Brandt (296)  Gründung des deutsch-deutschen Müggelseekreises »Politische Selbstbesinnung« mit fünfzehn kritischen Geistern aus Politik, Kultur und Wirtschaft (299)

Resümee aus dreißig etwas unkonventionellen Amtsjahren (306)  Statt Ruhestand neue Projekte am Frankfurter Sigmund-Freud-Institut (316)  Ewiges Thema: das Auseinanderdriften der Deutschen im vereinten Land (319)  Als entschiedener Pazifist im Engagement gegen den Kosovo-Krieg (324)

Warum Jakob Altaras, Bergrun und ich die »neue Auschwitzlüge« unerträglich finden  (332)  Zwei Auszeichnungen als Höhepunkte der eigenen Lebensbilanz (337)  Wer kümmert sich um die psychischen Kriegszerstörungen?  (340)   Die Berge, der Vater, und ein paar Kristalle  (346)   Blauäugiger Träumer? Störenfried? Und warum immer noch engagierter Optimist?  (349)

Psychoanalytiker, Psychiater und Sozialphilosoph. 

Ehemals Geschäfts­führender Direktor des Psycho­somatischen Universitäts­zentrums in Gießen ist er heute Direktor des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt am Main, 1980 erhielt er den Theodor-Heuss-Preis.

Horst-Eberhard Richters persönlichstes Buch. 

Horst-Eberhard Richter blickt auf sein Leben zurück: die entsetz­lichen Kriegs­erinnerungen, die Laufbahn als Therapeut, die Karriere als Leiter eines Forschungs­institutes, sein soziales und politisches Engagement als <ewig umstrittener Aufklärer>. Der faszinierende Lebensrückblick eines Wanderers zwischen gesellschaftlichen Fronten.

In seinen Memoiren schreibt Richtet in laufender Vermischung von Vergangenheit und Aktualität über seinen persönlichen Werdegang sowie die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung unseres Landes. Stets nimmt er dabei Stellung zu aktuellen Themen und Konflikten. 

Sein vielfältiges soziales und politisches Engagement »als ewig umstrittener Aufklärer« ist der rote Faden in seiner Auto­biographie, die sich liest wie eine Chronik des 20. Jahrhunderts.

Seine Begegnungen mit Willy Brandt, Helmut Schmidt, Oskar Lafontaine und Michail Gorbatschow, deren persönliche Strukturen er in ihren Visionen und ihrem Führungsverhalten eingehend studieren konnte, haben sein politisches Engagement stark beeinflußt. 

Doch entscheidend war und ist für ihn stets die Verteidigung eines immer wieder gefährdeten humanistischen Weltbilds.

     

Vorspann 

 

13

Könnten Philosophen den Geist der Zukunft ergründen oder gar prägen, dann würde der Autor der nach­folgenden Notizen vor dem Zukunftsbild des Philosophen Peter Sloterdijk erzittern, nämlich vor einem »Weltalter, in dem der Unterschied zwischen Siegern und Verlierern« wieder mit »antiker Härte und vorchristlicher Unbarmherzigkeit an den Tag tritt«

Welche Selbst­überschätzung — aber auch bei denjenigen von Sloterdijks Gegnern, die gleich ihm den Eindruck erwecken, als werde der Ausgang dieser Debatte die Kultur des heraufziehenden Zeitalters prägen.

Beide Seiten haben allerdings einen triftigen Grund, die Debatte überhaupt zu führen, nämlich zu versuchen, den tatsächlich beunruhigenden fundamentalen Orientierungskonflikt auf klärende Begriffe zu bringen. Nur sollten sie nicht verkennen, dass der Kurs der Kulturentwicklung maßgeblich von unberechen­baren Unterströmungen gelenkt wird, die gern missachtet, wer von der eigenen Struktur her die Macht der Intellektualität überschätzt.

In den vorliegenden Aufzeichnungen kann der Leser, wenn er will, einen alt gewordenen Mann in der Erfahrung begleiten, wie alles, was er je neu entdeckt und aufgegriffen hat, aus den Spuren seiner und der gemeinsamen Vergangenheit aufsteigt, die mit Hoffnungen, Illusionen, Angst, Trauer und Schuld immer in ihm anwesend ist. 

Allmählich habe ich verstanden, wie das mir von den Eltern und ihrer Generation vermittelte geistige Erbe und die darin enthaltenen Aufträge aussahen und wie ich darauf antworten sollte. Dann wurde ich von der Generation meiner Kinder mitgenommen, die — wie undurchschaut auch immer — eine drückende kollektive Verdrängung durchbrach.

Ein kurzer sozialer Aufbruch zu humanisierenden Reformen, ökologischen und pazifistischen Visionen — dann das leise, aber unbeirrbare Vordringen des Neoliberalismus mit seinen psychischen Korrelaten der rücksichtslosen Selbstsucht, der Entsoli­darisierung, des Kampfes um die Überholspur, dabei immer tiefer in eine Megalomanie hineingleitend, in der die Produkte der Risiko-Technologie sich in die Dinosaurier-Ungeheuer aus Spielbergs Jurassic Park verwandeln, d.h. sich auch durch die höchst­ent­wickelte künstliche Intelligenz immer schwerer zügeln lassen. 

Aber dagegen steigt eine Furcht auf, die Hans Jonas eine »ethische Pflicht« für den Erfolg seines »Prinzips Verantwortung« genannt hat. Eine Furcht, in der sich der in der Tiefe immer noch lauernde Allmachtswahn aus der mörderischen Vergangenheit meldet. Was heißt, dass die Chance zur Verteidigung eines humanistischen Weltbildes zuerst darin liegt, aufmerksam und unermüdlich in die Erinnerung hinabzuhorchen, was übrigens, wie der Autor zu entdecken glaubt, neuerdings vielen aus der Generation seiner Enkel viel selbstverständlicher erscheint als den inzwischen abgebrühten und gewendeten Alt-68ern.

Aber keine Angst, die nachfolgenden Notizen enthalten zwar auch Versuche des Autors, in der eigenen Lebensgeschichte den geistigen Wandel der Zeit zu erfassen, aber im Vordergrund steht die sehr persönliche Erzählung einer schlichten, manchmal mühseligen, überwiegend jedoch zuversichtlichen Wanderung eines Engagierten zwischen gesellschaftlichen Fronten. 

14

#

 

  ^^^^

  https://detopia.de    (Ordner)    www.detopia.de