Peter Brückner

 

aus Dresden und

Zwickau (Abitur, 1945: KPD)

und Hannover 

 

 

  Zur Sozialpsychologie 

  des Kapitalismus 

1971

1971 bei EVA, FaM, 178 Seiten

1981 bei Rowohlt, 185 Seiten

2004 im Psychosozialverlag Gießen, 180 Seiten

 

 

DNB.Buch (9)

 Bing.Buch    Goog.Buch

 psychosozial-verlag.de/260

wikipedia.Autor  *1922 in
Dresden bis 1982 in Nizza (60, "das Herz") 

DNB  Person  (64+) 

DNB  Nummer  (77) 

Bing.Autor   Goog.Autor

 

detopia: 

Umweltbuch   Psychobuch 

B.htm    Sterbejahr  

 

Andre Gorz   Johannes Agnoli 

A.Mitscherlich   HE.Richter 

Rudi Dutschke  

Götz Eisenberg   rolf Uesseler

 heise  Was-koennte-das-sein-ein-nicht-faschistischer-Buerger?   2022 von Götz Eisenberg

 

Ein großer Bruder der außerparlamentarischen Opposition

Audio, 22 min, 2018

youtube.com/watch?v=ksdACz_CRhg
 freie-radios.net  

Der kritische Sozialpsychologe und Hochschullehrer Peter Brückner war ein stetiger Begleiter und Diskussionspartner der radikalen Linken in der Nachkriegs-BRD.

Er hatte Kontakt zum SDS, gehört zu den Gründern des Club Voltaire in Hannover und sprach sich für das Sozialistische Patientenkollektiv Heidelberg aus.

In seinen Texten versuchte er, der Protestbewegung zu einem kritischen Bewusstsein zu verhelfen und kritisierte ihre Beschränkungen. Immer wieder äußerte sich Brückner auch zum bewaffneten Kampf - was ihm eine mehrmalige Suspendierung einbrachte.

Wir sprachen mit dem Historiker Christoph Jünke über diesen älteren Bruder der ApO.

Peter Brückner wurde im Jahr 1922 in Dresden geboren - den Nationalsozialismus erlebte er als Jugendlicher. Eine autobiographische Skizze über diese Zeit überschrieb er mit dem Titel "Das Abseits als sicherer Ort".

Wir fragten Jünke zunächst, wie Peter Brückner den Nationalsozialismus überlebte.

 

 

 

 

Inhalt   2004

Inhalt-DNB.pdf      Leseprobe vom Verlag    Lesen auch bei Amazon


# Vorwort von Klaus Weber (5)  #  Zur Einleitung (21) 


Kapitel 1 (25)
  Sozialstrukturelle Gewalt der bürgerlichen Gesellschaft – die Arbeiterklasse im Kapitalismus
# Soziale Integration  # Sozialisation # Intra-familiale Sozialisation #


Kapitel 2 (65)
  Gewalt in der Sozialisation (1)  Kindestötung und Kindesmisshandlung
# Vorbemerkung # Statistik der Gewalt # Die geschlossene Gesellschaft des Elends # Eine Konvergenztheorie: Anlage und Milieu # Eine konditional-genetische Analyse #


Kapitel 3 (109)
  Gewalt in der Sozialisation (2) Zur Situation der Familie
# Vorbemerkung # Entwicklungsgeschichte der Aggression # Dialektik der Besitzverhältnisse # Gewaltförmigkeit und Sozialisation # Der institutionelle Bezugsrahmen für Sozialisation # Die Rolle der Frau als »sozialstrukturelle Gewalt« #


Kapitel 4 (127)
  Gewaltförmigkeit in der Regelung zwischenmenschlicher Beziehungen (Integration)
# Vorbemerkung # Komplizenschaft der Lohnabhängigen # Feindseligkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen # Polarisierung in Henker und Opfer #


Kapitel 5 (153)
  Gewaltförmigkeit in der Politik der herrschenden Klassen
# Vorbemerkung # Die Rückkehr roher Gewaltförmigkeit in die Politik der herrschenden Klassen #


Kapitel 6 (167)
  Öffentliche Kapitulation vor unterdrückender Gewalt


Literatur (179)    Autoren (181)

 

 

Sozialspsychologie des Kapitalismus - heute

Zur Aktualität Peter Brückners

2013    430 Seiten

von Bruder, Bialluch, Lemke - Herausgeber

Inhalt DNB pdf   

 

 

2012 richtete die <Neue Gesellschaft für Psychologie> in Berlin

zum 30. Todestag Peter Brückners einen Kongress aus mit dem Titel

<Sozialpsychologie des Kapitalismus – heute. Zur Aktualität Peter Brückners>.


"Eine Sammlung von Beiträgen, die Brückners Gesellschaftstheorie und ihre Bedeutung für die gegenwärtige emanzipatorische Theorie und Praxis in unterschiedlichsten Aspekten auf über 400 Seiten würdigen, kritisieren, analysieren." 

--- Roger Behrens, konkret 6/2013 


"Das Buch erinnert nicht nur daran, dass auch demokratische Gesellschaften in vielerlei Hinsicht repressiven Herrschaftsmechanismen unterworfen sind. Darüber hinaus stellt es ein starkes Plädoyer für die Selbsthinterfragung der Sozialwissenschaften dar. Unter dem Druck finanzieller Einschnitte und einer sich wandelnden Bildungspolitik scheint eine ihrer wesentlichen Aufgaben das Hinterfragen und Kritisieren von Herrschaftsstrukturen immer mehr in den Hintergrund gedrängt zu werden." 

--- Björn Wagner, PW-Portal Portal für Politikwissenschaft, 2. Januar 2014 


"Das Buch ist durch-lesenswert, weil alle Beiträge anregende, wieder-erinnernde und verstörende Impulse setzen, sich immer wieder die eigene Verfangenheit in den Selbstverständlichkeiten real-kapitalistischer Wirklichkeit klar zu machen, sich als Wissenschaftler die Selbstbezüglichkeit seines (auch kritischen) Denkens zu vergegenwärtigen und/oder der Frage nach der eigenen Position im Handgemenge der Wirklichkeit zu stellen und als Psychologe nicht nur auf das gesellschaftslose Subjekt zu starren." 

--- Prof. Dr. Stefan Busse, Socialnet.de am 18. Oktober 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 wikipedia  Aus_dem_Abseits

https://www.google.com/search?q=peter+brueckner+aus+dem+abseits

 

Aus dem Abseits

Ein Film über Peter Brückner

Die Suche des Sohnes nach dem verlorenen Vater

Von Klaus-Jürgen Bruder     1.12.2015      rationalgalerie  aus-dem-abseits 

detopia-2015:
Mit freundl. Duldung von Rationalgalerie-Gellermann; und ich hoffe, im Sinne von K-J. Bruder.

Wer ist Peter Brückner? 

Peter Brückner, das war der Professor für Psychologie in Hannover, der zweimal vom Dienst suspendiert wurde.

Brückner war keineswegs, wie es gleich zu Anfang des Films behauptet wird: der „Vater“ der antiautoritären Bewegung, nicht der Stichwortgeber oder Rädelsführer. Er war Teil von ihr, aber war als viel Älterer (geb. 1922) selbst kein 68er, er gehörte dazu und fühlte sich dazu gehörig, begeistert, aber hielt er es bei ihnen nicht lange aus, wie er auf dem Tunix-Kongress (Ende Januar 1978 in Berlin) gesagt hatte. 

Ein bißchen vergessen ist er heute. Er soll wieder erinnert werden, wird wieder aufgesucht.

2012 richtete die <Neue Gesellschaft für Psychologie> in Berlin zum 30. Todestag Peter Brückners einen Kongress aus mit dem Titel <Sozialpsychologie des Kapitalismus – heute. Zur Aktualität Peter Brückners>.

Und dort hat sein letzter Sohn Simon den Plan entwickelt, seine Erkundungen auf den Spuren seines Vaters zu einem Film zu verarbeiten. So ist der Film der Versuch, mit Brückner auch die 68er wieder in Erinnerung zu bringen und zugleich die persönliche Suche nach dem verlorenen Vater, den dieser Sohn nie bewusst erlebt hat, denn dieser ist bereits gestorben, als der Sohn erst 4 Jahre alt war.

Brückner nicht gekannt zu haben, die 68 nicht erlebt zu haben, teilt der Sohn heute natürlich heute mit seiner Generation, die weder in deren Selbstheroisierung gefangen noch in deren Verleumdung durch die Sieger gebunden ist. Und es scheint, dass diese Generation wieder beginnt, sich dafür zu interessieren, sich ein eigenes Urteil bilden zu wollen. Sie scheinen wieder neugierig, und immer mehr lesen sie die lange für „überholt“ erklärten Texte. Zumindest bei dem Kongress nahmen viele junge Studenten teil, mit der „Sozialpsychologie des Kapitalismus“ in der Tasche.

So ist Simon Brückner, ebenso wie seine Generation insgesamt, auf andere angewiesen, die die Zeit miterlebt haben, die seinen Vater noch gekannt haben: können sie ihm sagen, wie sein Vater gewesen war? Wer er gewesen war, oder erzählen sie ihm von einem Menschen, wie sie ihn sehen wollten? Man hat zuweilen das Gefühl, (den Eindruck), sie nehmen die Suche des Sohnes nach seinem Vater in ihre Regie. Sie haben es in der Hand, was er erfährt; er ist der staunende Lehrling.

Simon Brückner hat daraus einen Film gemacht mit Fotos und Filmen, die von Brückner existieren, die seine Existenz dokumentieren (sollen), mit einigen wenigen, ausgewählten, Personen, die ihm von Peter Brückner erzählt haben. Vielleicht im Spektrum etwas sparsam angelegt.

Seine Mutter Barbara Sichtermann, seines Vaters letzte Frau, sagt ihm, sein Vater sei ein „politischer Mensch“ gewesen. Was zeichnet einen „politischen Menschen“ aus? War er kein richtiger Vater, wie er von seinem Stiefbruder erfährt, der ihn noch bewusst erlebt hatte und der das Kind Simon damals um die zärtliche Zuwendung, die der Vater Simon gezeigt habe, beneidet habe.

Ob er mehr darüber staunt, was sie Staunenswertes von seinem Vater berichten oder dass sie es gewesen sein sollen, die einen solchen erstaunenswerten Mann aus unmittelbarer Nähe erlebt haben. So unwirklich erscheint das Berichtete - gemessen an der prosaischen Gegenwart um ihn herum, unvorstellbar, unerreichbar im Augenblick des Interviews.

Eine Kluft scheint uns heute von jener Zeit zu trennen: dass Brückners Erscheinen derart irreal geworden ist, dass die Vorstellung, der leere und kalte Innenhof der Universität Hannover, den Simon von Alfred Krovoza geführt durchschreitet, mit Teilnehmern eines teach-ins bis auf den letzten Winkel gefüllt ist, „und das über mehrere Stunden“.

Wie erratische Blöcke erscheinen die Zitate Brückners vor dieser erkalteten Gegenwart, strahlend in ihrer Klarheit, treffsicher genau: Diese ganz und gar rücksichtslose Kritik der Verhältnisse und ihrer Profiteure und Mitläufer, getragen von einem „Wärmestrom“ des Brücknerschen „man empfange die Frage des anderen wie ein Geschenk, das es auszupacken gilt“. 

Seine Kritik war nachvollziehend, verstehend, auch oft beißend, nie aber „dogmatisch“, Rechthaberei lag ihm fern, eher die Haltung des „könnte es vielleicht sein?“, wie dies Brückner von der Psychoanalyse gelernt hatte.

Kritik als Selbst-Kritik zugleich verstanden, als Konstitution des Subjekts und Kritik der Verhältnisse, die dieses Subjekt hervorbrachten, deren Veränderung zugleich die Selbst-Veränderung zum Ziel hat. Solche Kritik war der Kern seiner „Theorie“, sie war aus der Kritik entfaltet. In die Kritik eingeschlossen waren auch Ansätze der Psychoanalyse - vor allem deren naturwissenschaftliche, biologische Seite die den Blick auf die sozialen Verhältnisse versperrt – obgleich oder gerade weil er der Psychoanalyse so nahe stand. Diese wiederum, auch die Psychoanalyse aus der Tradition der kritischen Theorie Frankfurter Provenienz, konnte damit so viel nicht anfangen, so saß er (auch) hier zwischen den Stühlen.

Als Kritiker war Brückner einer der wichtigsten Theoretiker der Neuen Linken der Studentenbewegung von 1968 und zugleich ihr luzidester Kritiker an dieser selbst.

Er war ihr Begleiter, kritisch und sympathisierend zugleich. Als deutlich älterer hatte er seine Erfahrungen mit Herrschaft bereits unter dem Faschismus gemacht, dann auch (als Student) mit der DDR.

Er war durch die bleierne Zeit der Adenauer Ära kurz davor zu resignieren, als Marktpsychologe: „wenn ich schon nicht mit diesem Staat leben kann, möchte ich wenigstens von ihm leben“, bis die Studentenbewegung für ihn eine Erlösung wurde aus der „inneren Emigration“.

Als sympathisierender Begleiter versuchte er diese Bewegung durch kluge und überraschende Analysen zu fördern, sie vor Irrwegen zu schützen (wie dem der RAF) und sie zugleich vor den Angriffen des Staates – was zweimal mit seiner Suspendierung vom Dienst bestraft wurde.

Wieweit hat Brückner selbst dazu beigetragen, dass er weitgehend in Vergessenheit geraten ist? 

Diese Kluft, von der ich sprach, gab es schon damals: Er hat sich selbst gern als „einsam wandelndes Nashorn“ bezeichnet, als Querdenker, als einer der alles hinterfragt hat war er zuweilen auch unbequem, ging oft seine eigenen Wege. 

Hannover, die „Fünfte“ Fakultät, das – sozialwissenschaftliche – „fünfte Rad“ am Wagen der Technischen Universität, war ihm zu klein, der Enge ist er viel zu oft entflohen, er hatte viele Vortragsreisen zu den Universitäten in der ganzen Bundesrepublik gemacht, was ihm von den Zurückgebliebenen zum Vorwurf gemacht worden war: statt sich in Hannover mit den Mühen des Alltags zu konfrontieren, habe er das Bad in der Menge in Berlin oder sonst wo genossen.

Aber er hat auch nicht dafür gesorgt, dass Hannover für ihn ein fester Ort wird. Wie auch? In Hannover hatte er zwar einen Lehrstuhl, aber keinen Studiengang für Psychologie, deshalb auch nur „Nebenfach“-Studenten, die keine Beziehung zum Institut entwickelten, geschweige denn eine kritische. Unvorstellbar für uns, die wir Wissenschaftskritik uns selbst erarbeitet hatten: in Hannover stellten nicht die Studenten die kritischen Fragen an den Professor, sondern umgekehrt der Professor musste sich erst seine Studenten heranziehen.

Leider ist davon im Film nichts zu sehen, nichts über die Bedingungen, denen Brückner seine Bedeutung verdankt, (deshalb) auch nichts davon, weshalb er wieder in Vergessenheit geraten konnte.

Gleichwohl ist der Film sehr berührend, man erkennt Brückner in den Erzählungen der Begleiter und Schüler als Mensch, dessen Tod eine tiefe Wunde gerissen hat: sie haben ihn nicht vergessen. Und auch das zeigt der Film: die wunderbaren Zitate! Fast möchte ich sagen: sie seien das Wichtigste am Film, denn sie lassen erahnen: es lohnt sich, sie in seinen Büchern aufsuchen. Damit leistet der Film einen wichtigen Beitrag, Brückner dem Vergessen zu entreißen.

#

 

 

Schriften

 


Konflikt und Konfliktschicksal. Eine Einführung in die Verlaufsanalyse von Rorschach-Protokollen. Huber, Bern / Stuttgart 1963, DNB 450647250.


Freiheit, Gleichheit, Sicherheit. Von den Widersprüchen des Wohlstands. 1966.


mit Johannes Agnoli: Die Transformation der Demokratie. Voltaire-Verlag, Berlin 1967.[8]


Schülerliebe. Fakten und Analysen. Konkret Buchverlag, Hamburg 1974.


mit B. Sichtermann: Gewalt und Solidarität. 1974.


Sigmund Freuds Privatlektüre. 1975.


Ulrike Marie Meinhof und die deutschen Verhältnisse. 1976.


Die Mescalero-Affäre: ein Lehrstück für Aufklärung und politische Kultur. Internationalismus Buchladen und Verlagsgesellschaft, Hannover 1977, mehrfach neu aufgelegt, zuletzt Anares, Gießen 2002.


Versuch, uns und anderen die Bundesrepublik zu erklären. Wagenbach, Berlin 1978.


Über die Gewalt: Sechs Aufsätze zur Rolle der Gewalt in der Entstehung und Zerstörung sozialer Systeme. 1979


Das Abseits als sicherer Ort. 1980.


Gewalt und Solidarität. Zur Ermordung Ulrich Schmückers durch Genossen.
Dokumente und Analysen.
1982


Zerstörung des Gehorsams. Aufsätze zur politischen Psychologie. 1983, ISBN 3-8031-3516-8.
Vom unversöhnlichen Frieden. 1984, ISBN 978-3-8031-3522-3.


mit Alfred Krovoza: Staatsfeinde. Innerstaatliche Feinderklärung in der BRD. Vorwort von Michel Foucault. Rotbuch 1972; Wagenbach, Berlin 1984, ISBN 3-8031-1040-8.


Psychologie und Geschichte. Vorlesungen im Club Voltaire 1980/81. 1989, ISBN 978-3-8031-2407-4.


Sozialpsychologie des Kapitalismus 1974. Psychosozial-Verlag, Gießen / Argument, Hamburg 2004, ISBN 3-89806-260-0 (Psychosozial) / ISBN 3-88619-328-4 (Argument).


Ungehorsam als Tugend. Zivilcourage, Vorurteil, Mitläufer.
Wagenbach, Berlin 2008

 

 

 

Aus Wikipedia-2022 

 

 

 

Peter Brückner (* 13. Mai 1922 in Dresden; † 10. April 1982 in Nizza) war ein deutscher Kritischer Sozialpsychologe und Hochschullehrer.

Wegen seines politischen Engagements wurde er in den 1970er Jahren zu einer Symbolfigur der Neuen Linken in der Bundesrepublik Deutschland.

 

 

Peter Brückners Mutter war eine englische Jüdin und Konzertsängerin. Unter dem Druck des nationalsozialistischen Regimes emigrierten sie und ihre beiden älteren Söhne aus erster Ehe nach England. Peter Brückner erfuhr erst spät, dass er nach den Nürnberger Rassegesetzen „Halbjude“ war. Es gelang ihm jedoch, diesen Umstand weiter geheimzuhalten. Als sein Absolventenjahrgang nachdrücklich aufgefordert wurde, in die NSDAP einzutreten, wurde er – der sich damals schon dem kommunistischen Untergrund angeschlossen hatte – sogar als Parteimitglied angenommen.

 

 

Peter Brückner lebte bis zum Abitur 1941 im Internat der Staatlichen Oberschule Zwickau.

 

In den letzten Schuljahren knüpfte er Kontakte zu Hitler-Gegnern und politisierte sich. Nach Schulabschluss wurde er zu einem in Wien stationierten Landesschützen-Bataillon eingezogen. Von dort aus unterstützte er auch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gemeinsam mit österreichischen Kommunisten Kriegsgefangene und Deserteure.

 

 

Er studierte in Münster Psychologie u. a. beim Gestalt- und Individualpsychologen Wolfgang Metzger und wurde 1957 über das Rorschach-Verfahren promoviert. Zunächst arbeitete er im sozialpädagogischen Bereich.

 

 

Mit seiner zweiten Ehefrau Erika Brückner (1927–2002)[2] gründete er die erste Erziehungsberatungsstelle der Bundesrepublik.

 

Sie hatten vier Kinder. Später betrieben sie von 1965 bis 1974 mit Hermann Lehmann und Edith Lehmann die Arbeitsgemeinschaft für Sozial und Wirtschaftsforschung (ASW), ein Institut für Marktforschung in Heidelberg mit dem Schwerpunkt auf qualitative Produkt- und Imageanalysen.[2]

 

In Heidelberg kam Peter Brückner in Kontakt mit Alexander Mitscherlich. Daraufhin machte er eine Ausbildung zum Psychoanalytiker. Schließlich nahm er Kontakt zum Berliner und Frankfurter SDS auf.

 

 

1967 bekam er einen Lehrstuhl für Psychologie in Hannover.

Durch sein Engagement für die Belange der Studentenbewegung wurde er – neben Klaus Holzkamp in West-Berlin – zum populärsten radikal linksorientierten Psychologie-Hochschullehrer.

1968 wurde Brückner zu einem Mitbegründer des Club Voltaire in Hannover.

 

 

Nachdem er als Gutachter den Erhalt des von Wolfgang Huber gegründeten Sozialistischen Patientenkollektivs befürwortet hatte, wurde ihm 1972 die Unterstützung der RAF vorgeworfen[4], und er wurde für zwei Semester vom Dienst suspendiert.

 

In Cafés und an anderen außeruniversitären Veranstaltungsorten hielt er trotzdem weiter Vorlesungen für seine Studenten; er veröffentlichte u. a. Originalbeiträge in der politisch-satirischen Zeitschrift Der Metzger. 1977 wurde er Teil der sogenannten „Mescalero-Affäre“: Wegen der Mitherausgabe und Dokumentation des „Buback-Nachrufs“, den er im Sinn einer entwickelten Pressefreiheit gelesen sehen wollte, wurde er erneut suspendiert. Es folgte eine Reihe von Gerichtsverfahren. 1978 reiste Michel Foucault nach Hannover, um gegen Berufsverbote und für seine Rehabilitierung zu demonstrieren.[5] 1981 wurden alle Disziplinarmaßnahmen aufgehoben.

 

 

In dritter Ehe war er mit Barbara Sichtermann verheiratet, sie hatten einen Sohn, den Filmemacher Simon Brückner (* 1978). 1982 starb Peter Brückner in Nizza an Herzversagen.

Im Dezember 2015 kam der Dokumentarfilm Aus dem Abseits in die Kinos, in dem Simon Brückner die Biographie seines Vaters nachzeichnet.

 

Arbeiten
In seinen Arbeiten beschäftigte sich Brückner mit Existenzialontologie, der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, der Psychoanalyse, der politischen Situation der Bundesrepublik Deutschland der 1960er Jahre und dem Verhältnis von Individuum, Staat und Geschichte.

In seinem Buch Ulrike Marie Meinhof und die deutschen Verhältnisse versuchte er, das Phänomen der linken Stadtguerilla aus der historischen Situation der Bundesrepublik zu erklären und wies damit individual- und kriminalpsychologische Ansätze zurück.

 

Für diese Publikation wurde er sowohl von Seiten der Konservativen angegriffen als auch von der RAF, die sich bemühte, das Erscheinen des Buches zu verhindern.

 

 

Literatur

 

 

Alfred Krovoza, Axel R. Oestmann, Klaus Ottomeyer (Hrsg.):
Zum Beispiel Peter Brückner. Treue zum Staat und kritische Wissenschaft.
Europäische Verlagsanstalt, 1981

 


 

Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch, Benjamin Lemke (Hrsg.):
Sozialpsychologie des Kapitalismus – heute. Zur Aktualität Peter Brückners.
Psychosozial-Verlag, Gießen 2013, Klappentext, Vorwort von Klaus-Jürgen Bruder.

 


 

Almuth Bruder-Bezzel, Klaus-Jürgen Bruder:
Peter Brückner.
In: Journal für Psychologie 3, 2, 1995. Online

 


 

Gernot Böhme:
Über Peter Brückners politische Psychologie.
In: Böhme, Alternativen der Wissenschaft, Suhrkamp, Frankfurt 1980 (stw 334), S. 198–214.

 


Film
Aus dem Abseits.
Dokumentarfilm, Deutschland, 2015, 112 Min., Buch: Simon Brückner, Sebastian Winkels, Regie: Simon Brückner, Produktion: credo:film, Kinostart: 3. Dezember 2015, Erstsendung: 29. August 2016 bei 3sat.

 

 

Weblinks

 

Zur Erinnerung an Peter Brückner. In: SoZ – Sozialistische Zeitung, April 2002, von Christoph Jünke
Peter-Brückner-Archiv. In: Technische Informationsbibliothek (TIB), Sozialwissenschaften, Hannover
 

 

Einzelnachweise

 

Hans Mayer: Zeitgenossen. Erinnerung und Deutung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-40963-8, S. 71; siehe auch Hans Mayer: Selbstbefreiung in der normalisierten Welt. In: Die Zeit, Nr. 48, 23. November 1984.
Karl Ulrich Mayer: In memoriam Erika Brückner (09.09.1927 – 07.07.2002). (Memento vom 3. Januar 2013 im Internet Archive). In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS), 2002 (54), 615–617.
Klaus Mlynek: Studentenproteste. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 611f.

 

Stephan Lohr:
Brückner im Recht: Freispruch zweiter Klasse?
In: Die Zeit, 17. Oktober 1975.

 

Barbara Sichtermann: Ich erinnere mich... Der Löffel unter der Treppe. (Memento vom 10. Oktober 2017 im Webarchiv archive.today). In: Die Zeit, 1. April 1999.
Rudolf Worschech: Kritik zu Aus dem Abseits. In: epd Film, 26. November 2015.

 

Christoph Jünke: Mein Vater, die Ikone. Im Kino: Der Dokumentarfilm »Aus dem Abseits« porträtiert den linken Denker Peter Brückner. (Memento vom 6. Dezember 2015 im Webarchiv archive.today). In: Neues Deutschland, 4. Dezember 2015.

 

Das Buch Die Transformation der Demokratie enthält jeweils ein großes Essay der beiden Autoren, Brückners Beitrag hat den Titel „Die Transformation des demokratischen Bewußtseins“.

 

 

 

 

 

 

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Peter Brückner Zur Sozialpsychologie des Kapitalismus