Johano Strasser

1990: Leben ohne Utopie? Essay

2005: Utopie und Freiheit  Artikel

 

Audio 2016 Sicherheit (mp3)

Audio 2016 Gesellschaft in Angst 

1990, 140 Seiten 

DNB.Autor  52+ Publi   *1939  

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Biografisches aus Wikipedia:  

*1939 in Leeuwarden, Niederlande, ist ein deutscher Politologe, Publizist und Schriftsteller. Seit 1995 war er Generalsekretär des deutschen PEN-Clubs, seit 2002 ist er dessen Präsident. Johano Strasser wurde katholisch erzogen, trat aber nach dem Abitur aus der Kirche aus. Erst 1964 erwarb er die deutsche Staats­angehörigkeit. Er lebt heute am Starnberger See. In den 1970ern engagierte er sich als programmatischer Vor- und Querdenker bei den Jungsozialisten; von 1970 bis 1975 war er stellvertretender Bundesvorsitzender. Seit 1975 ist er Mitglied der Grundwerte­kommission der SPD. Von 1980 bis zu ihrer Einstellung 1988 war Strasser Redakteur und (mit Heinrich Böll, Günter Grass und Carola Stern) Herausgeber der politisch-literarischen Zeitschrift <L 80>. In seinen politischen Schriften kritisiert er das ökonomisch zentrierte Denken. Seit 1983 betätigt er sich als freier Schriftsteller. Als sein gelungenstes Werk gilt der Roman <Stille Jagd> von 1995.


Leben oder Überleben: Wider die Zurichtung des Menschen zu einem Element des Marktes

Pendo Verlag, Zürich - München 2001 ISBN 9783858424198 Gebunden, 288 Seiten

Klappentext

Die Frage nach dem "Wert des Menschen" stellt sich heute, in einer Zeit der ungebremsten Globalisierung und des Neoliberalismus, mit erneuter Radikalität. Ist die Existenz des Menschen nur noch insoweit legitim, als sie der Steigerung des Konsums und der Förderung von Aktienkursen dient? Ist der Mensch nur ein homo oeconomicus, dessen Sinnen und Trachten sich in Kosten-Nutzen-Vergleichen erschöpft? All diesen Fragen geht Johano Strasser mit großer Eindringlichkeit nach.

 

perlentaucher  leben-ueberleben  

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.01.2002

Der habilitierte Politologe Johano Strasser ist Angela Gutzeit schon aus seinen früheren Schriften als verständlicher Wissenschaftsschreiber ein Begriff. Seine Texte seien stets verständlich und flüssig geschrieben. So auch das neue Buch über die Auswirkungen des Neoliberalismus auf den Menschen und was man ihm entgegensetzen kann. Den Autor beschreibt sie als einen Linken, der sich treu geblieben, aber auch in die Jahre gekommen sei und somit schon wie ein Traditionalist wirke. Seine Analysen bewertet Gutzeit zwiespältig. Der erste Teil des Bandes, die Analyse des Neoliberalismus, sei gelungen, der zweite Teil, in dem Strasser Gegenstrategien erörtere, eher unscharf und ein Appell an die Sozialdemokraten, sich auf die Grundsätze und die Geschichte ihrer Partei zu besinnen. Sympathisch findet die Rezensentin in jedem Fall Strassers Menschlichkeit und seinen motivierenden Stil, für mehr Sozialverträglichkeit zu plädieren, ohne dabei moralisch belehrend zu wirken.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001

Weniger eine Buchbesprechung als eine eigene, theologisch durchsetzte Standortanalyse zur modernen Gesellschaft, ja, ein Bekenntnis zur Menschlichkeit, ist es, zu der sich der Bundestagsabgeordnete der CDU Norbert Blüm durch Johano Strassers Buch inspirieren lässt. Im "Kampf gegen einen neuen Egoismus, der sich als Menschheitsbeglückung tarnt", fühlt er sich an der Seite des ehemaligen Juso-Vorsitzenden. Gegen die moderne Deregulierung, Flexibilisierung und Mobilisierung des Menschen im Dienste des Marktes kommt der Mensch nicht an, behaupte Strasser. Dies wird vom Rezensenten bestätigt, indem er die "Propheten einer neuen Ökonomie", die Personality-Profiler, kritisch Revue passieren lässt. Doch was tun mit dem modernen Markt, fragt er. Bändigen? Oder eliminieren? Strasser bleibe darauf die Antwort schuldig. Für den Rezensenten jedoch ist die Sinnsuche des modernen Menschen ohne Gott und die Liebe nicht möglich.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Das Buch des ehemaligen Juso-Vorsitzenden Johano Strasser ist wichtig, auch traurig und melancholisch, sowie sympathisch, meint Rezensent Warnfried Dettling. Nach einer Analyse des Bestehenden, der Kritik am digitalen Kapitalismus, zeige der Autor im zweiten Teil Möglichkeiten für Reformen im Bildungs- und Sozialwesen sowie in der Arbeitswelt auf, stets im Glauben daran, dass der Mensch von der Instrumentalisierung durch den Markt befreit werden sollte. Strassers Vision bestehe in einem sinnvollen Leben, wobei er wohltuenderweise den wirtschaftlichen Status quo nicht außer acht lasse, lobt der Rezensent. Sympathisch findet er das Buch, weil die Visionen als Revisionen daher kommen, und zwar "en passant, unaufgeregt und unaufdringlich".


Gesellschaft in Angst

 

Deutschlandradio Kultur – Buchkritik

Beitrag vom 20.02.2013 09:33 Uhr (Archiv)

deutschlandradiokultur  die-eigene-unvollkommenheit-akzeptieren 

 

 

Die eigene Unvollkommenheit akzeptieren

Johano Strasser:

Gütersloher Verlagshaus 2013, 224 Seiten

Besprochen von Andreas Malessa

Johano Strasser : Gesellschaft in Angst. Zwischen Sicherheitswahn und Freiheit

 

Wir fürchten den Zigarettenrauch des Nebenmanns und den Fettgehalt in der Wurst, schreibt der Philosoph und Politologe Johano Strasser. Er kritisiert die Regulierungswut der Bürokratie und die Tatsache, dass wir Sicherheit in technischen Lösungen suchen statt in sozialer Solidarität.

"So wie der gläubige Puritaner im 17.Jahrhundert sich dem unbegreiflichen Richtspruch seines Gottes ausgesetzt sah, so sieht sich der arbeitende Mensch heute der schicksalhaften Gewalt des Marktes ausgeliefert und dem irrationalen Geschehen an der Börse", schreibt der Philosoph und Politologe Johano Strasser. Ausgeliefertsein macht Angst und "Angst verkauft Zeitungen, Angst bringt Wählerstimmen, Angst nützt den Versicherungen". Auf 224 Seiten tadelt Strasser nicht etwa die Ängstlichen, sondern den Neoliberalismus :

"Ähnlich wie der gläubige Puritaner angehalten war, sein Tun und Lassen an strengen religiösen Gesetzen zu messen, wird vom modernen Arbeitnehmer verlangt, dass er sich ständig selbst optimiert und Eigenverantwortung übernimmt. Ohne ihm freilich Einfluss auf die Bedingungen seiner Arbeit einzuräumen. Perfide daran ist, dass die Propheten des Marktes diesen Zwang zu rastloser Anpassung als Entfaltung der Persönlichkeit feiern. Kein Wunder, dass sich die Menschen ihrer Angst und Schwäche schämen, statt zu protestieren."

Furchtbar neu ist derlei Kritik nicht. Phasenweise scheint das Buch nur ein Florilegium kluger Zitate zu sein, von A wie Adorno bis Z wie Jean Ziegler. 

Originell aber finde ich, wie Johano Strasser die Denkfigur vom Neoliberalismus als säkularisierter Religion der Angstmache auch dann durchhält, wenn es gegen uns Normalverbraucher geht:

Neben Ressourcenkriegen, Atomunfällen, Klimaerwärmung, Weltfinanzkrise und Terrorismus "fürchten wir den Alkohol im Weinglas, den Zigarettenrauch des Nebenmanns und den Fettgehalt in der Wurst" – und wieder ist die Rolle des rigorosen Richtergottes neu besetzt: etwa, wenn der Body Mass Index Korpulente und Kranke als Ketzer exkommuniziert.

Johano Strasser spreizt viele fremde Federn, kritisiert aber zu recht die Regulierungswut der Bürokratie und die Tatsache, dass wir öffentliche Sicherheit in technischen Lösungen suchen statt in sozialer Solidarität. Ummauerte Wohnviertel, videoüberwachte Plätze, Autos wie Panzer, PIN-Codes und Passwörter für alles und jedes, private Bodyguards. Wenn jeder Biedermann ein Bombenleger, ein pädophiler Priester, ein Amok laufender Anders Breivik sein könnte, dann erscheint es als leichtsinnig, mit dem Zugriff zu warten, bis man Beweise hat.

"Präventive Sicherheit" – damit begründete George Bush den Irakkrieg und mancher deutsche Innenminister die Vorratsdatenspeicherung. Eine "Kultur des Misstrauens" entsteht, der man Rechte und Freiheiten, Spielräume und Lebensfreude opfert. Die Lösung des Sicherheitsproblems wird zum Sicherheitsproblem. Ein Krieg aus Versehen wird so wahrscheinlich wie ein Drohnenangriff auf Unschuldige.

Was empfiehlt der Präsident des P.E.N-Zentrums Deutschland dagegen? Eine am Ende überraschende, aber logische Kombination aus der gelassenen Genussfähigkeit des Philosophen Epikur und der weisen Selbstbescheidung des Theologen Paulus:

"Die christliche Religion bringt etwas ein, was wir dringender brauchen als technischen Aufwand zur Abwehr von Gefahren: die Bereitschaft nämlich, die Grenzen der Vernunft sowie unsere eigene Endlichkeit zu akzeptieren. Zugleich kann sie helfen, dass wir uns mit der uns eigenen Unvollkommenheit angenommen fühlen."

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