Annelise Fleck

Workuta überlebt!

Als Frau in Stalins Straflager 

 

(1949-55)

 

 

 

1994 im Verlag E. S. Mittler

 

 

Workuta überlebt - Annelise Fleck - Als Frau in Stalins Straflager

1994   (*1923)  

DNB.Buch    163 (167) Seiten

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Wikipedia Workuta 

 

detopia

F.htm   Gulagbuch

Ursula Rumin  auch mit Zeichnungen

Kersnowskaja  auch mit Zeichnungen

Freya Klier    Jew.Ginsburg  

Meinhard Stark  

A.Applebaum mit Frauenkapitel

(Zusatzordner)

detopia-2019:
Die Autorin konnte gut zeichnen, daher auch bildlichen Darstellungen im Buch (und ein Grund für "Skrok").

Ich hoffe, die Nachfahren haben nichts dagegen.

 

Inhalt

Vorwort  (7) 

 

Wort-verzeichnis (164-167)

1994 im Verlag E. S. Mittler

Schiftenreihe: OFFENE WORTE, seit 1789

Die Zeichnungen wurden von der Autorin angefertigt. 

ISBN 3-8132-0444-8 

 


Das Schicksal von Annelise Fleck steht stellvertretend für viele – Hunderttausende wurden wie sie in die Sowjetunion verschleppt und in Scheinver­handlungen zu 20 und mehr Jahren Straflager verurteilt. Ihre Erinnerungen, bedrückend und bewegend zugleich, sind ein Plädoyer für menschliche Solidarität und eine Anklage gegen Diktaturen dieser Welt.

 


Die Autorin: 

Annelise Fleck, Jahrgang 1923, wurde im September 1949 von der sowjetischen Miliz verhaftet und nach Workuta verschleppt. 

"Wegen nicht nachgewiesener Spionage" wurde sie zu 20 Jahren Straflager verurteilt.

Hier lernte sie ihren Mann kennen, mit dem sie heute in Wien lebt. 1972 wurde Annelise Fleck mit einem österreichischen Literatur-Preis ausgezeichnet. 

Sie schreibt mit schöpferischem Engagement und gründete u.a. einen literarischen Salon in Wien. Die Ereignisse im russischen Straflager am Eismeer sind zum entscheidenden Hintergrund ihrer erfolgreichen schriftstellerischen Tätigkeit. 

 

Im Lager Workuta  (9)   Politoffizier Terassow spricht (9)  Matrona Nikorowna Bologowa (18)

Gorki (21)  Ein Heer von Wanzen (21) Klaudia Obodowas Geschichte (23)

Workuta  (29)   Die Kulturabteilung (29)  Schwerstarbeiter-Brigade (30) Zweiter Kirpitschni (34)  Artisten schuften halb so viel (37) 

Brief an Rosl  (47)   Als Klofrau im Einsatz (47)  Was der Glaube vermag (49) Lehmabbau und Suschilka-Brigade (53) 

In der Tundra  (59)   Schneestürme  Zurück in Wien   (63)   Workuta wirft Schatten # Lautloser, Tod in der Tundra  
Frühling in Wien  (71)   Ostern 1953 Dichter in Workuta  (75)   Siegfried Rockmann 

 

Gedichte: Unsterbliche Tat - Auferstehung / Mein Lied - Morgenlied / Gebet der Mütter - Ostern / Wintersonnenwende - Füllet den Wein / Du mein Heimatland - An meine Mutter / Traum in der Tundra - Purga / Wintertag in Workuta - Gebet / Gewißheit.

 

Begegnung mit Franzl (87)    Kassiber vom Krankenhaus im Sechsten Schacht, 

Unsere Briefe: 1. Dezember 1952, April 1953, Zwischen den Jahren 24. Juli 1954 #  

Die ersten Grüße  (105)   Briefe aus der Heimat, Februar 1954  #  Lagerbekanntschaften  (111)  Tanja Palagina, Kassiberbrief von Winnetou, Von der Tundra in die Taiga, Wir fahren nach Hause.

Lagerleben  (125)   Erinnerungen, Weihnachtstorte und Heiligabend, Deutsche Weihnachtslieder in der Polarzone. Auf der Strecke beim Gleisbau  (133)   Brot und Brechstange, Im Lager Friedland, Der Weg nach Afrika, Mai in Workuta #  Zement, Kascha und Kino  (143) Ein Arm weg? - Nitschewo!, Genosse Aufseher

Verhaftet und verschleppt  (149)  

1968 - Wieder im Zug (149)  Die Verschleppung (151)  Repressalien oder Provokation? (156) 

Glasnost und Perestrojka  (161)   Wiedersehen in Moskau (161) 

 


 

SROK – das russische Wort für Urteil – hält die Autorin bis heute gefangen, denn dieses Wort bedeutet für sie und hundert­tausende anderer Menschen das Leiden in Stalins Straflager Workuta. Das Urteil "Workuta" steht aber auch für Erfahrungen mit menschlicher Solidarität, die das Leben dort erträglicher machten.

Annelise Fleck war Strafgefangene im Lager Workuta und versucht, mit ihrem Buch den Menschen heute das Elend vieler tausender Unschuldiger in sowjetischen Straflagern mahnend nahezubringen. Sechs lange Jahre teilte die Autorin das Schicksal derer, die nach Scheinverhandlungen und angeblichen Gerichtsbeschlüssen in Straflager geschickt wurden.

Es traf Deutsche genauso wie Menschen aller russischen Gliedstaaten, Menschen aus westlichen und östlichen, demokratischen und sozialistischen Staaten, Weiße, Gelbe, Schwarze, aus Europa, aus Übersee - verschleppt, verurteilt zu Zwangsarbeit für die Sowjetunion. Russinnen, verurteilt wegen Landesverrat, weil sie zu ihren Angehörigen wollten; Mütter waren inhaftiert, denen man die Kinder genommen hatte, um sie zu "aufrichtigen Bürgern" der UdSSR zu erziehen, alte Ukrainerinnen, Weißrussinnen, verurteilt wegen Landesverrat zu 25 Jahren Zwangsarbeit, weil sie deutschen Soldaten Wäsche gewaschen hatten, weil sie ihnen vielleicht Eier verkauft hatten - sie alle wurden in Straflager geschickt.

Begegnungen positiver und negativer Art mit anderen Gefangenen, die Solidarität der Frauen untereinander, die unermeßliche Freude über die erste Post aus Deutschland und schließlich die Heimkehr - das alles zeichnet ein Bild einer vergangenen, schrecklichen Zeit, wie es wirklicher und einfühlsamer kaum sein kann.

 

   

Vorwort

 

Eigentlich wollte ich die Geschehnisse als unbeteiligter Dritter wiedergeben. Doch sehr bald stellte sich heraus, daß dies völlig ausgeschlossen war; denn ich stehe ja immer noch mitten drin, es endete nicht mit der Repatriierung im Oktober 1955. Täglich, stündlich erlebe ich, daß die Zeit der Gefangenschaft in Rußland, die Zeit der Einsamkeit unter Vielen in der Polarzone, einfließt in mein heutiges Leben. Als Erinnerung, als Bedrückung, als Mahnung – aber auch als Gewinn. 

Es wäre töricht zu sagen, ich hätte nur Schaden davon getragen. Und sei es nur, daß mir bewußt wurde, wie man eine harte handwerkliche Arbeit beginnt und durchführt, was es heißt, mit vielen Menschen auszukommen. 

Mir ist auch stündlich und täglich bewußt, daß ich niemals meinem Mann begegnet wäre, hätte man mich nicht in die vordere Polarzone nach Workuta verschleppt, an den Rand der Welt. Man lernt durch das Gegenwärtigsein des Erlebten das Dasein bewußt und anders zu betrachten, dankbarer, sinnvoller. 

Jene Zeit hat mich mehr geprägt, als alle Jahre davor und danach, weil sie stark die letzten Kräfte des Menschen erfordert hat, und damit auch erstarken ließ, mich widerstandsfähiger und offener machte für alles noch Kommende. 

Zu Beginn [des Schreibens] versuchte ich, Distanz zu halten. Mit den Zeitläuften geschah es, daß mir der Leser, zu dem ich sprach, immer vertrauter wurde, er wurde mir zum Freund, dem ich zu erzählen versuchte, was mich nie jemand gefragt hat: "Wie wirst du damit fertig?" — So kommt es, daß anfänglich das indifferente "Sie" mein Ansprechpartner war, das später zum vertrauten "Du" wurde.  

Immer wieder habe ich bei Lesungen in der Öffentlichkeit die Erfahrung gemacht, daß alle Fremdheit, alles Rascheln und Raunen nach der zweiten Minute nach dem Beginn verstummt und die absolute Stille im Zuhörerraum von einer Welle von Mitempfinden und Erschrecken, von Verständnis und Mitleiden getragen wird.

Die Zeit hat alles ruhiger werden lassen. Geist und Seele haben sich abgewandt von den Weggefährten der Trostlosigkeit: Haß und Verachtung, die man den Gewaltherrschern entgegenbrachte. 

Geblieben ist die Verständnislosigkeit für das Handeln mächtiger Staaten, und die Erkenntnis, daß ein System, das so abrupt und rechtlos in unser Leben eingegriffen hat, niemals in der Lage sein kann, uns zu rehabilitieren. — Auch das versuche ich wiederzugeben, wenn ich sage – der Srok, die Zeit der Verurteilung, wirken nach.

Und letztlich weiß ich heute: Nichts ist endlich. Alles ist Wandel und Veränderung bis hin zum letzten Atemzug.

7-8

 Wien, im Frühjahr 1994, 
Die Autorin 

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