Bogdanow,

Alexander Alexandrowitsch 

auch: Malinowski, Maximow

 

Der rote Planet 

Der rote Stern 

Der rote Mars 

Utopischer Marsroman 1908

Ingenieur Menni / Manny 1913

 

Ein Essay von Richard Saage  

 

Video 2009:
"Menschenlabor Sowjetunion" - auch über Bogdanows Blutexperimente
 

 

 

1907   (1873-1928, 55) 

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Text Roter Planet bei "Sozialistisches Archiv für Belletristik" 

 

detopia: 

B.htm  

Utopiebuch 

Kommbuch 

H.G. Wells  

Ursula leGuin   

Jack London  

A.Platonow 

 

 

 

Aus wikipedia 2010:

 

In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts beteiligte sich Bogdanow an der Arbeit sozialdemokratischer Zirkel in Tula. Seit 1896 war er Mitglied der SDAPR. Nach dem II. Parteitag der SDAPR 1903 schloss er sich den Bolschewiki an. Auf dem III. Parteitag 1905 wurde er zum Mitglied des ZK gewählt. Dort war er Mitglied der Finanzgruppe und verantwortlich für die Literatur-Arbeit.

 

Bogdanow gehörte zur Redaktion der Zeitungen Wperjod (Vorwärts), Proletari (Der Proletarier) und Nowaja Schisn (Neues Leben). Er nahm am V. (Londoner) Parteitag der SDAPR teil. Zwischen 1904 und 1906 publizierte er drei Bände des philosophischen Werkes Empiriomonismus, in welchem er versuchte, den Marxismus mit den Philosophien von Ernst Mach, Wilhelm Ostwald, und Richard Avenarius zu verbinden. Seine spätere Arbeit beeinflusste viele marxistische Theoretiker, einschließlich Nikolai Bukharin. Gegen Bogdanows Empiriomonismus verfasste Lenin seine philosophische Schrift Materialismus und Empiriokritizismus (1909).

Nach der Revolution von 1905/1907 in Russland kam es zu ideologischen Konflikten mit Lenin. Bogdanow gründete 1909 die Zeitung Wperjod (Vorwärts) und stand an der Spitze der Otsowisten. Da er sich gegen die Linie der Partei wandte, wurde er auf der Beratung der erweiterten Redaktion des Proletari aus der Partei ausgeschlossen. Die wperjodistischen Bolschewiki verstanden sich als die wahren Bolschewiki und hatten zunächst ebenso viel Zulauf wie die leninistische Linie. Sie gründeten die Parteischule in Capri 1909, die mit Hilfe von Maxim Gorki zustande kam.

1913 kehrte Bogdanow infolge der Amnestie nach Moskau zurück. 1917 gründet er mit Lunatscharski, Pokrowski, Basarow und Skworzow die Sozialistische Akademie für Gesellschaftswissenschaften und wurde Mitglied der Kommission für die Übersetzung und Herausgabe der Marx-Engels-Werke. 

Ab 1918 war er einer der Organisatoren der „proletarischen Kultur“ (Proletkult), in der der Arbeiterschaft eine eigenständige Kultur- und Bildungsbewegung ermöglicht werden sollte. Weiterhin versuchte er, eine eigene Organisationstheorie der industriellen Organisationsformen zu erstellen.

Er befasste sich auch mit futuristischen Erzählungen, die er veröffentlichte. Sein Roman <Der rote Stern> ist eine moderne sozialistische Utopie, in der auch feministische Themen präsent sind. Kim Stanley Robinson ließ sich für seine Novelle Roter Mars durch Bogdanow inspirieren und schuf auch einen ihm ähnlichen Charakter seines Namens.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg schuf Bogdanow mit seiner monumentalen Tektologie eine breit angelegte Theorie der Weltorganisationsdynamik, die zugleich als Systemtheorie, als Krisen- und Katastrophentheorie, als Theorie der Nachhaltigkeit und als globale Kulturtheorie gelten kann. 

Ein wichtiges Anliegen bestand ihm darin, die Menschheit vor dem Unterschreiten eines kulturellen Standards zu bewahren, zu verhindern, dass es zu einer globalen Nivellierung und Anpassung nach unten kommt. Er befürchtete einen Rückfall der Zivilisationen in die elementare Barbarei.

Ab 1920 arbeitete Bogdanow als Professor für politische Ökonomie an der Kommunistischen Akademie, ab 1926 bekleidete er den Posten eines Direktors des von ihm gegründeten Instituts für Bluttransfusionen. Alexander Bogdanow starb 1928 bei einem wissenschaftlichen Selbstversuch. 

 

 

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Saage:

I.
Die Frage, ob es ein Utopiepotential im bolschewistischen Diskurs gab, ist auf den ersten Blick zu verneinen. So bestand Lenin auf dem Marx-Engelsschen Verdikt einer utopischen Ausmalung der zukünftigen sozialistischen Gesellschaft, wonach der wissenschaftliche Sozialismus »keine Rezepte (comtistische?) für die Garküche der Zukunft«1 anzubieten habe: Ausdrücklich berief er sich auf Marx, bei dem sich nicht die Spur eines Versuchs finde, »Utopien zu konstruieren, ins Blaue hinein Mutmaßungen anzustellen über das, was man nicht wissen kann«.2

Die Utopisten, bemerkte er kritisch, befaßten sich mit der »›Entdeckung‹ politischer Formen«3 statt sie, wie Marx, aus der genauen Analyse historischer Vorgänge abzuleiten.4 Ausdrücklich verwahrte er sich gegen die Kritik bürgerlicher Autoren, die Antizipation des »absterbenden Staates« in der kommunistischen Gesellschaft als »reine Utopie« abzutun.5

Doch diese verbale Utopiefeindlichkeit täuscht. Abgesehen davon, daß Ernst Bloch Lenins Denken mit guten Gründen utopische Qualitäten attestierte6, hat sich einer der führenden bolschewistischen Politiker vor dem Ersten Weltkrieg, Aleksandr A. Bogdanow, 1904 offen zum »Utopismus« bekannt, dessen »strenge Folgerichtigkeit des Denkens und Wollens« und »unbeirrbare Aktivität im Lebenskampf«7 er lobte. Drei bzw. acht Jahre später veröffentlichte er zwei utopische Romane, nämlich »Der rote Planet« und »Ingenieur Menni«.8

Wie immer es um die literarische Qualität dieser beiden Romane bestellt sein mag: Ihre politische und schulemachende Bedeutung darf nicht unterschätzt werden. Spätestens mit der Konsolidierung des Sowjet-Systems festigte sich, wie ein zeitgenössischer Rezensent hervorhob, der Glaube in allen politischen Strömungen des revolutionären Rußlands, »daß die Menschheit sich in ihrer Gesamtheit der Herrschaft der Freiheit, dem Sozialismus, nähert. Schon jetzt müssen wir deshalb skizzieren, wie wir diesen Staat der Zukunft uns vorstellen müssen (…). Deshalb verdient das vom Autor gezeichnete Bild des sozialistischen Lebens die intensivste Aufmerksamkeit der Arbeiter«.9 Zugleich benennt der Rezensent mit dieser Bemerkung auch den Grund, warum die beiden Romane zur »eigentlichen Quelle für ›Inspirationen‹ in der Übergangsperiode nach der bolschewistischen Revolution 1917«10 avancieren konnten.

Tatsächlich wurden sie nicht nur von »den späteren Prominenten der KPdSU (b) gelesen«11; sie erreichten darüber hinaus das

 

 

   

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