Jeffrey M. Masson   

Die Abschaffung 

der Psychotherapie 

Ein Plädoyer

Against Therapy: Emotional Tyranny 
and the Myth of Psychological Healing

 

1988 by Atheneum, New York 
1991 by Bertelsmann Verlag  #  ISBN 3-570-02731-7 
Lektorat: Steffi Werner # Üb: Hans Koskull  

Die Abschaffung der Psychotherapie  (1988)  Von Jeffrey M. Masson  -  Ein Plädoyer -- Against Therapy  -

    

1988    (*1941)  303 (352) Seiten 

Google.Buch 

Amazon.Buch   Amazon.Buch.eng 

Wikipedia.Buch.eng  

a-p-v.de  Artikel vom Autor  
anti-psychiatrie-verlag

detopia: Masson.Start   Psychobuch 

Hillmann: 100 Jahre Psychotherapie; und der Welt gehts immer schlechter

 

Inhalt:

 

3 Vorbemerkungen:

Persönliche Erkenntnis
und Entscheidung
(7)

Die Sprache der Heiler (17)

Seelische Krankheiten
und ihre Behandlung
(21)

 

 

Dank_305    Anmerkungen_309  

Literatur_337    Register_345-52  

1. Die Vorgeschichte der Psychotherapie  (33) 
Erinnerungen einer Wahnsinnigen: Hersilie Rouy in den französischen Irrenanstalten (36)  Moralische Defekte: Die Geschichte der Julie La Roche am Bodensee (51) 

2.  Freud und Dora  (71)

3. Ferenczis erst 1985 veröffentlichtes Tagebuch  und der Versuch mit der gegenseitigen Analyse  (103)

4.  C. G. Jung  (125) 
     Jung und die Nazis (126)  Jungs Psychotherapie (142) 

5.  John Rosen und die direkte Psychoanalyse  (157) 

6.  Brutalität in der Psychotherapie  (191) 

7.  Erotik und Sex in der Psychotherapie  (211) 

8.  Das Problem mit der menschlichen Güte: Carl Rogers und die humanistische Psychologie  (229) 

9.  Alternative Therapien  (251)
Die Familientherapie (251)  Gestalttherapie (255)  Die feministische Therapie (261) Die Behandlung der durch Inzest verursachten psychischen Schäden (266)  Die Hypnotherapie nach Erickson (270)   Die eklektische Therapie (282) 

10.  Die Entmythologisierung einer Illusion  (287)  

Von Sigmund Freud über C.C. Jung, Sandor Ferenczi bis zu Carl Rogers, Milton H. Erickson und Ewen Cameron setzt sich der Autor mit Lehre und Praxis einer Vielzahl von Psychotherapeuten auseinander, denen er von arroganter Bevor­mundung, psychischem Terror bis zu physischer Gewaltanwendung und sexuellem Mißbrauch eine Fülle von Irrtümern und Verfehlungen zum Schaden ihrer Patienten nachweist. Aufgeräumt wird auch mit der Legende, Psychotherapeuten brächten für ihre Patienten ein echtes Interesse auf. Wie jeder andere Mensch bringen sie ihren Patienten Sympathie, Abneigung oder Vorurteile entgegen.

Freuds Lieblingsschüler Sandor Ferenczi hat die Situation des Psychiaters mit frappierender Offenheit geschildert: »Man empfängt den Patienten freundlich, sucht die Übertragung in Sicherheit zu bringen, und während der Patient sich abquält, raucht man ruhig in einem Fauteuil seine Zigarre, macht in gelangweiltem Tone konventionelle und phrasenhaft wirkende Bemerkungen, gelegentlich schläft man ein. Im besseren Falle macht man kolossale Anstrengungen, um die gähnende Langeweile zu überwinden, ja, man strengt sich an, freundlich und mitleidvoll zu sein.«

Nach einem Studium des Sanskrit und der Indologie an der Universität von Harvard, das er mit einer Promotion abschloß, absolvierte Jeffrey M. Masson von 1970 bis 1978 ein vollständiges klinisches Ausbildungsprogramm für Psychoanalyse am Psychoanalytischen Institut in Toronto. Er arbeitete für ein Jahr als Forschungsdirektor der Sigmund-Freud-Archive in London und gehörte zum engeren Kreis um Anna Freud. In Konflikt mit der orthodoxen Psychoanalyse geriet er, als er belegte, daß Sigmund Freud systematisch die Tatsache unterdrückte, daß Mädchen von ihren Vätern sexuell mißbraucht werden. - Jeffrey M. Masson lebt heute in Berkeley in Kalifornien.  

Der ehemalige Psychoanalytiker Jeffrey M. Masson, der einst zum Kreis der orthodoxen Analytiker in der Nachfolge Sigmund Freuds gehörte, hat mit seiner radikalen Kritik an Theorie und Praxis der gesamten Psycho­therapie heftige Kontroversen ausgelöst. Im Brennpunkt seiner Kritik steht die vom Therapeuten über seine Patienten ausgeübte Macht, die von Bevor­mundung und seelischer Unter­drückung bis hin zu sexuellem Mißbrauch reiche.

Jeffrey M. Masson fordert daher kompromißlos die Abschaffung des gesamten Berufs­standes, der mehr Schaden anrichte, als daß er Menschen helfe. Er bestreitet nicht die Tatsache der psychischen Erkrankung und die Notwendig­keit zu helfen. Aber er sieht sie nicht losgelöst vom gesellschaftlichen Umfeld des Betroffenen und hält repressions­freie Selbst­hilfe­gruppen für geeigneter, um seelische Leiden zu behandeln.

In den USA löste der frühere Psychoanalytiker und Therapeut Jeffrey M. Masson heftige Kontroversen aus, weil er mit seiner Zunft schonungslos abrechnete. Was ihn zutiefst empört, ist die Macht von Therapeuten und Analytikern über ihre Patienten, die von ihnen nicht nur beansprucht und aus geübt wird, sondern nach Masson auch ein wesentliches Element der zugrundeliegenden Theorie ist.

 

 

(d-2007:)

Ich bin seit 15 Jahren ein großer Fan dieses Buches. An ihm ist nichts falsch. Dennoch muß ich es heute ergänzen: Bei schweren Störungen helfen Freunde nicht. Das ist nicht möglich. Wenn's so einfach wäre, wäre es schön. Selbst unsere Vorfahren hatten (mußten) ausgefeilte (und aufwendige) Rituale entwickelt, um psychische Störungen zu behandeln. Und selbst kleinere Gruppen (Vorfahren) leisteten sich sogar einen Spezialisten (Schamanen, Medizinmann).  

Und: Was wissen wir denn heute wirklich über die Tiefe der Störung, die -zusätzlich- noch durch unser modernes Leben hineinkommt (in unser psychisches System)? Nichts. (Verstädterung, Kleinfamilie, Nicht-Stillen, Nicht-Mütterlichkeit.) Und: Die Störung ist ja dann, im Erwachsenenalter, auch noch -zusätzlich- die verfestigte Neurose. (Süchte aller Art).

Also, ich will nur kurz sagen: Es gibt tatsächlich -heute- gute Therapiemodelle. Leider (viel) zu wenige TherapeutInnen. Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, denn Seelen-Therapie ist Schwerstarbeit, ja: hohe Kunst, zu der nur wenige Menschen befähigt und berufen werden, und: das herrschende Krankenkassensystem fördert diese Leute nicht. Daher: Man muß suchen. Und wenn man nichts findet, dann eben (nur) die Freunde. 

2009: Und überhaupt: Warum sollen nun nicht das, was die Freunde leisten - auch die Therapeuten leisten können? (Insbesondere dann, wenn man keinen Freunde hat?) 


Ganz neue Sicht auf die Psychotherapie      2008 Von milena (Schweiz)    

J. M. Massons Buch hat mir eine neue Sicht auf die Psychotherapie ermöglicht - eine sehr erschreckende. Anhand von sehr sorgfältig recherchierten Berichten, Zitaten und Dokumenten deckt er zahllose Missbräuche in der Therapie durch ihre Begründer auf. Freud, Jung, Fritz Perls, Karl Rogers- sie alle finden sich hier kritisch hinterfragt. Und dies anhand ihrer eigenen Zitate und Veröffentlichungen. 
Ziel dieser Ausbreitung von Beispielen ist es, aufzuzeigen, dass Machtmissbrauch etwas ist, das der Psychotherapie zwangsläufig innewohnt, weil sie darauf hinauslaufen muss, dass einer sich für gesünder oder wissender erklärt und dem anderen, wenn auch subtil, sein Weltbild aufzwingt.  
Ebenso wird dargelegt, dass die Psychotherapie wenig gesellschaftskritisch ist, jedoch viel Kritik am Patienten übt. 
Auch wenn ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass dieses Buch alle Seiten der Psychotherapie ausreichend beleuchtet, um feststellen zu können, dass man sie abschaffen muss - seine Kritik ist alles andere als unberechtigt, seine Argumente sind einleuchtend.


Psychotherapie als Indoktrinierungsprogramm   2010 Von Roman Nies (Helibrunna) 

Masson, selber Psychoanalytiker, war Projektdirektor im Hause Freuds und erhielt von dessen Tochter die Erlaubnis unveröffentlicht verbliebenen Nachlass von Sigmund Freud einzusehen. Nachdem er ihn studiert hatte, nahm er Abstand von den Lehren Freuds. Er wurde entlassen, nachdem er die ersten Arbeiten darüber veröffentlicht hatte. 

In diesem Buch begründet er die Auffassung, dass nicht nur Freuds sondern jede Psychotherapie falsch ist. "Obwohl ich viel einzelne Therapeuten und Therapien kritisiere, kommt es mir vor allem auf den Nachweis an, dass schon die Vorstellung, mit einer Psychotherapie etwas erreichen zu können, ein Irrtum ist." 

Er geht soweit zu behaupten, dass jeder der in das Behandlungszimmer eines Psychotherapeuten kommt, eine Welt betritt, in der ihm schwerer Schaden zugefügt werden kann, gleichgültig welcher Schule der Therapeut angehört. Er kam selber zu dem Entschluss, sein Geld nicht mehr mit so einer Tätigkeit zu verdienen; den meisten Psychotherapeuten käme es darauf an dem Patienten seinen Willen aufzudrängen, obwohl das eigentlich den Grundsätzen der Therapieformen widerspräche. Die psychotherapeutische Ausbildung ist für Masson kein wirkliches wissenschaftliches Studium oder Aneignen von Erfahrung und Menschenkenntnis, sondern ein Indoktrinierungsprogramm, das zum loyalen Mitglied einer verschworenen, exklusiven Gruppe  macht.  


Veraltet und tendenziös geschrieben     2014  Von C. Zuther

Da ich mich privat als auch beruflich mit dem Thema Psychotherapie beschäftige, hat der doch etwas reißerische Titel der deutschen Ausgabe bei mir Interesse geweckt. Die wissenschaftliche Arbeitsweise ist sauber und korrekt, die verwendete Literatur umfangreich, aber eben auch alt. Das ist für mich der erste Schwachpunkt dieses Buches. Masson legt die Missbräuche von Patienten überzeugend dar, aber es sind Beispiele, die aus Freuds Zeit bis zu den 70er Jahren stammen und dadurch einen aktuelleren Bezug schmerzlich vermissen lassen. Da das Buch aber selber ja über 25 jahre alt ist, stellt sich eindringlich die Frage nach der aktuellen Relevanz und Gültigkeit.

Des Weiteren verallgemeinert Masson und urteilt undifferenziert über "den Therapeuten", wenn er schreibt dass "jeder Therapeut, gleichgültig wie freundlich und wohlwollend er in seinem Auftreten und Verhalten auch sein mag, wird früher oder später in dieses Verderben hineingezogen, weil der Berufsstand selbst verdorben ist." Das klingt eher nach Abrechnung als nach rational fundierter Kritik. Das System der Psychoanalyse und -therapie wird über die in seinem Namen begangenen Fehler charakterisiert und lässt die für so ein Werk erforderliche Objektivität vermissen.

Letztendlich bleibt der Autor dem Leser eine Alternative schuldig (der Vorschlag von Selbsthilfegruppen, da es in ihnen keine Autoritäten gibt, klingt naiv und ist es auch) und er entwickelt keinerlei konstruktive Perspektiven für die verschiedenen Arten von psychischen Erkrankungen, auf die er allerdings sowieso an keiner Stelle gesondert eingeht.

In dem Zusammenhang ist die Rezension von Jeanne Stubbs (für die ADPCA in Englisch) über das Original <Against Therapy> lesenswert.

  ^^^^  

 (Ordner)   www.detopia.de