Dirk Matzen

Tatort Himmel 

Der Flugverkehr zerstört die Umwelt

 

 

1991 Verlag Die Werkstatt (Göttingen) und Robinwood

Dirk Matzen (*1960) :  Tatort Himmel - Der Flugverkehr zerstört die Umwelt  (1991, 2001)  

1991   207 Seiten  (*1960)  

DNB.Buch

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robinwood.de 

germanwatch.org   greenpeace.de 

Wikipedia Luftfahrt  mit Kritik 

Wikipedia Luftverkehr  

upi-institut.de/flugverk.htm   

 

detopiaM.htm   Klimabuch   

Mehr Matzen  

Marko.Ferst   George.Monbiot   Sven.Sohr 

 

Verlag: Die Bundesrepublik ist das Land mit dem dichtesten Flugverkehr der Welt — mit steigender Tendenz. Die ökologischen Folgen dieses »Höhenrausches« sind von Dirk Matzen, Mitarbeiter bei Robin Wood, erstmals vollständig zusammen gefaßt worden: Von der Land­schafts­zerstörung für Flughäfen über die Lärm­belästigung durch Tiefflieger bis hin zum größten Problem: der Beein­trächtigung von Klima und Ozonschicht durch Flugzeuge. 

 

detopia: Eine ökologische Rundumschau des entwickelten Flugwesens. Eine aktualisierte Neuauflage wäre zu begrüßen. Andererseits gibt es vermutlich von anderen Autoren Gleichwertiges, etwa von Jürgen Armbruster 1996 (und sicherlich etliches mehr).

 

Wikipedia: "Der Anteil des Flugverkehrs an den weltweiten CO2-Emissionen des Verkehrs betrug lt. IPCC im Jahre 1999 etwa 12%.  Der Anteil an allen globalen CO2-Emissionen beträgt rd. 2,4%.  Der Anteil der Luftfahrt am weltweiten Treibhauseffekt beträgt gemäß einer IPCC-Studie 3,5%."  (wikipedia  Luftfahrt - 2019)

 

Inhalt:

Einleitung:
Luftangriff auf die Umwelt? Gefahr oder Panikmache? (7)

ISBN  3-923478-43-7 

Anhang:   

Wer fliegt was wohin  (186)  

Literaturhinweise (199) 

Wichtige Adressen (207)


Der Autor: Dirk Matzen, *1960 
Studium der Elektrotechnik. Seit 1984 bei der deutschen Umweltorganisation Robin-Wood (Rettet den Wald)
Mitarbeit im <Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Hannover> zu den Schwerpunktthemen Verkehrspolitik und Luftverschmutzung (Arbeitskreis Luft)
Redakteur der Quartals-Zeitschrift "ROBIN-WOOD-Magazin" 
1990: "Klima-Aktionsbuch - Was tun gegen ...?" (Göttingen 1990)

1.  Flugzeuge im Vergleich: Ein hoher Energieverbrauch  (11)

2.  Flugzeugabgase:  Der Dreck von oben  (21)

3.  Dicke Luft an Flughäfen?  Regionale Luftbelastungen durch Flugverkehr  (45) 

4.  Flugzeuge - die großen Klimakiller? Einflüsse auf Ozonschicht und Treibhauseffekt  (64) 

5.  Höllenlärm vom Himmel: Nicht nur Tiefflieger machen Krach  (81) 

6.  Unterirdische Flugzeugwirkungen: Bodenvergiftungen in Flughafennähe  (104) 

7.  Flughafenneubau:  Großangriff auf Mensch und Natur  (115) 

8.  Die Lufthansa:  Bösewicht oder eine von vielen  (130)

9.  Strahlenbelastung im Flugzeug:  "Nur fliegen ist schöner als Tschernobyl"  (142)

10. Schrille Zukunftstöne:  Wasserstoff und Hyperschall  (150)

11. Mit Wasserdampf ins Weltall:  Raumfahrt und Umweltverschmutzung  (162) 

12. Ist der Flugverkehr noch tragbar?  Anmerkungen zu verkehrspolitischen Alternativen  (173)

 

      

 

Einleitung   

Luftangriff auf die Umwelt — Gefahr oder Panikmache?  

 

7

Fliegen — ein uralter Traum der Menschheit: im Verlauf der vergangenen gut zweihundert Jahre ist dies von der unfaßbaren Wahrheit zum Alltag geworden. Schon in der griechischen Sage versuchte Ikarus, mit Hilfe selbstgebastelter Flügel durch die Luft seiner Gefangenschaft zu entkommen. Die ersten gelungenen Flugversuche gab es jedoch erst im Jahre 1783 durch die von den Gebrüdern Mongolfiere konstruierten Heißluftballons. Nicht einmal 100 Jahre ist es her, daß Otto Lilienthal die Gleitflüge gelangen und den Gebrüdern Wright 1905 der erste Motorflug.

Seither geht die Entwicklung immer schneller, die vielbewunderten Flugpioniere sind in Vergessenheit geraten, die Flugzeugpassagiere gehen heutzutage in die Abermillionen, und für viele wurde aus der Lust der Fliegens eine Last: Viele Millionen Menschen leiden unter dem zuweilen unerträglichen Fluglärm, die Abgase stinken im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel, es gibt neue wissenschaftliche Hinweise, daß der Flugverkehr unser Klima in einem zuvor kaum geahnten Ausmaß kaputtmacht. Trotzdem erzielen Flughäfen, Fluggesellschaften und Reiseveranstalter oftmals Zuwächse mit zweistelligen Steigerungsraten im Jahr. Grund hierfür ist vor allen Dingen ein auf Bequemlichkeit und Zeitersparnis ausgelegtes Individualverhalten, sowie eine aufs Tempo angelegte Wirtschaft, in der man in jedem Falle schneller sein muß als die Konkurrenz, um überhaupt ins Geschäft zu kommen.

Die vom Flugzeug ausgehenden Gefahren für die Umwelt sind durch fadenscheinige Zahlenspielereien zumeist von Wirtschaft und Politik bagatellisiert worden. Einige der derzeit bekannten mannigfaltigen Umweltgefahren sollen hier zusammengefaßt werden: Luft- und Lärmbelastung, Energieverschwendung, Bodenvergiftung — und das alles mit der Aussicht, daß sich der Flugverkehr bis zum Jahre 2000 weltweit verdoppeln sowie bis 2010 verdreifachen wird. Auch Umweltgefahren durch Raketen bleiben nicht unbeachtet.

Es ist höchste Zeit, daß der derzeit noch anarchisch auswuchernde Flugverkehr an Grenzen stößt, denn: Auch über den Wolken kann die Freiheit nicht grenzenlos sein.

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Ein Blick nach vorn: der Flugzeugboom

 

Einige Daten und Fakten belegen, daß es immer dringlicher wird, sich mit den Umweltgefahren des Flugverkehrs zu beschäftigen. Insbesondere die explosionsartige Zunahme des Flugverkehrs muß nachdenklich machen. Die voraussichtliche Verdoppelung des jetzigen Transportaufkommens im Flugverkehr bis zum Jahr 2000 drückt sich in Zahlen so aus: Im Jahre 1988 wurden in der zivilen Luftfahrt weltweit 4,4 Millionen Starts und Landungen mit Passagiermaschinen durchgeführt, im Jahre 2000 sollen es Schätzungen zufolge rund 7,5 Millionen sein — bei immer größeren Flugzeugen.

Derzeit wird der zivile Personentransport von weltweit rund 9.000 Verkehrsflugzeugen bewältigt, aber die Auftragsbücher der Flugzeughersteller sind prall gefüllt — wie niemals zuvor. Schätzungen des amerikanischen Stanford Research Institute (SRI) sagen aus, daß in 20 Jahren der Bedarf an neuen Flugzeugen bei 11.000 liegt. Am 1. Juli 1989 hatten die weltweit größten Airlines bereits 2.920 neue Flugzeuge in Auftrag gegeben — ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor, stellen doch bereits diese fest vergebenen Aufträge einen Wert von rund 260 Milliarden Mark dar! Allein in Europa werden derzeit jährlich rund acht Milliarden Mark in neue Flugzeuge gesteckt.

Denn: gerade auch für Europa werden für die Luftverkehrsgesellschaften wahrlich goldene Zeiten vorausgesagt. So soll sich allein in Europa die mickerige Zahl von insgesamt 267 Millionen Fluggästen im Jahre 1988 bis zum Jahr 2000 auf 500 Millionen nahezu verdoppeln. Bis 2010 sagen Experten der weltweiten Interessenvertretung der Luftverkehrsgesellschaften IATA nahezu eine Verdreifachung auf rund 740 Millionen Fluggäste voraus.

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Abbildung 1: Flugplätze in der BRD (1990)

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Ein noch größerer Boom wird dem wirtschaftlich schnell wachsenden Fernen Osten vorausgesagt: Durchschnittliche jährliche Steigerungsraten von mindestens acht Prozent werden dort mittelfristig erwartet. Etwas länger wird es in Osteuropa dauern, bis das Fliegen solch traumhafte Zuwachsraten schaffen wird. Erst wenn die Marktwirtschaft sich dort durchgesetzt hat und eine wirtschaftliche Potenz ähnlich des Westens erreicht worden ist, erwartet man einen Zuwachs wie im Westen in den letzten Jahren. Es scheint nur die Frage zu sein, wieviele Millionen Passagiere die Luftverkehrsgesellschaften gleichzeitig zu transportieren imstande sind und wieviel Platz der Luftraum hierfür hergibt.

Auch die Flughafenbetreiber stellen sich auf die für sie großartigen Dinge ein, die da kommen werden. Flughafenaus- und -neubauten sind weltweit an der Tagesordnung. Auch nahezu jeder bundesdeutsche Airport versucht derzeit, einen Ausbau durchzusetzen. Nordöstlich von München entsteht der neue, gigantische Flughafen München 2 — und zieht bereits jetzt seine Kreise in Form von zahlreichen Verkehrsanbindungen (vor allem Straßen), die letztendlich den Umbau einer ganzen Region bedeuten. 

Auch im hohen Norden der Republik grübelt man: Soll der Hamburger Flughafen ausgebaut werden, soll ein neuer Großflughafen ins schleswig-holsteinische Kaltenkirchen, oder gar ins niedersächsische Buchen, oder in die Mitte zwischen Berlin und Hamburg nach Mecklenburg-Vorpommern? Letzteres hätte den Vorteil, sicherlich leichter durchgesetzt werden zu können, da die Bevölkerung die Folgen eines solchen Ungetüms kaum abschätzen kann. Aber: dies sind lediglich punktuelle Probleme, die jedoch symptomatisch sind.

Deutlich wird insgesamt: Der Flugverkehr ist ein ins Gigantische wachsendes, grenzenloses Geschäft. Kein Wunder, daß die meisten Kenner der Materie sich in der Prognose einig sind, daß der Flugverkehr in seiner Gesamtheit bereits im Jahre 2000 zum weltweit größten Industrie- und Wirtschaftszweig geworden ist!

Auch wenn man auf Seiten eben dieses Industriezweiges bisher Umweltprobleme leugnet: Nicht erst bei den für die Zukunft zu erwartenden Verhältnissen, sondern auch schon jetzt ist es dringend nötig, die durch Flugzeuge verursachten Umweltschäden zu untersuchen, damit nicht wieder einmal gewartet wird, bis sich drastische Folgen einstellen. Diese sind bei dem grenzenlosen Flugverkehr schnell auch ein grenzenloses und somit globales Problem.

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