Wolfgang Harich

 

1975  Kommunismus ohne Wachstum 
Gespräche mit Freimut Duve

 

1991  Weltrevolution jetzt! 
Artikel zum Club of Rome 

 

1996  Harich als Ökologe  
Von Hannes Hofbauer 

Wikipedia.Autor *1923 in Königsberg bis 1995 (72)

DNB.Autor  (150 Treffer)

Google.Autor    Bing.Autor

detopia:

H.htm   Kommbuch   Sterbejahr

Umweltbuch   Utopiebuch 

Ru.Bahro   Ro.Havemann   St.Heym    Ro.Henrich   Ar.Gehlen   Er.Loest     Wo.Heise   A.Heyer 

 

1975  -   Kommunismus ohne Wachstum

 

 

1996   -

 

 

1999

 

Von Siegfried Prokop

1993    -

 

1978  Brief von Carl Amery an Wolfgang Harich 

2000  Philosoph und moralischer Rigorist  Von Peter Feist

2010  Ökologische Utopien in der DDR  Von Andreas Heyer (A. Amberger)

 


Wolfgang Harich auf Seite 142 von KoW (1975):  

"Ich will Ihnen an einem Beispiel klarmachen, worin die Schwierigkeiten, die ich habe, bestehen: In Leipzig lernte ich neulich auf einer Geburts­tags­feier ein junges Ehepaar kennen, das sich seit drei Tagen im stolzen Besitz seines ersten PKW befand, eines Trabant, auf dessen Lieferung es drei Jahre lang hatte warten müssen.

Als ich meine Bedenken gegen die zunehmende Motorisierung in den sozialistischen Ländern vortrug und dabei auf die Verpestung der Luft, das für «individualistische Privatfahrten» vergeudete Benzin, die wachsende Zahl der Verkehrsunfälle, den Lärm und das häßlicher werdende Leben in den Städten hinwies, wurden meine Gesprächspartner sehr ungehalten. 

Im Verlauf der Auseinandersetzung war ich taktisch so unklug, ihren Einwand, man könne der zunehmenden Verkehrsdichte ja mit dem Bau neuer Autobahnen begegnen, u. a. mit dem Gegenargument zu entkräften, daß dies unserem Singvögelbestand weiteren Schaden zufügen würde.

Kaum hatte ich das über die Lippen gebracht, da sprang der Mann auf und schrie mich an: <Dann scheren Sie sich doch nach Albanien, Sie Idiot, und pflegen Sie dort die Singvögel!>. Damit nicht genug, riß er seine Frau vom Sessel hoch und verließ mit ihr unter Protest die Gesellschaft, die mich von Stund an wie einen Paria mied.

Ein Vierteljahr später rief ich, in dem Glauben, der Vorfall sei vergeben und vergessen, besagten Mann an, um ihn zu bitten, mir ein Buch zu leihen, von dem er mir vor unserer Auseinander­setzung erzählt hatte. Sobald er am Telefon nur meine Stimme hörte, geriet er abermals in solche Wut, daß er den Hörer auf die Gabel knallte." 

 

 


detopia-2019

Harich ist vielleicht sogar ein ganz Großer. Inhaltlich ähnlich wie Bahro, ein größerer Abstand besteht wohl zu Henrich und Havemann. Aber alle vier haben etwas Spezielles eingebracht. Wir brauchen heute nicht mehr jede Zeile, die die vier im Leben geschrieben haben. Das stimmt. Von Henrich brauchen wir das Anthroposophische, von Havemann das Utopisch-Einfache. Zu Bahro habe ich eine extra Seite. Und von Harich brauchen wir seine Babeuf-Kenntnis und seine Unbedingtheit.

Obwohl ich Harichs KoW erst ein Jahrzehnt später kennenlernte, nachdem ich mich zu Detopia als Gleichbesitzgesellschaftsordnung bekannte, so fiel mir doch eine Art Stein vom Herzen. (Ich bin also doch nicht alleine so radikal-utopisch 'drauf'.) Bahro äußert sich nicht knapp über den Vorteil radikaler Eigentumsformen.

Naja.

 

 


 

1999  Ahnenpaß - Autobiographie  (Hg: Grimm) 

 


1997, 318 Seiten

1997  Ich bin zu früh geboren - Auf den Spuren Wolfgang Harichs (Prokop)  Amazon.Buch 

 


1993  Begegnungen mit Wolfgang Harich  (Eckholdt) 144 S.  Amazon.Buch 


2000  Wolfgang Harich zum Gedächtnis  Gedenkschrift in 2 Bänden 


Studien zu Wolfgang Harich - Von Andreas Heyer  - 2010 - 210 Seiten - DNB.Buch

 


 

Amberger, Alexander (2010)

neues-deutschland  anti-utopie-einer-oeko-diktatur   15.03.2010 -  Wirtschaft und Umwelt 

Anti-Utopie einer Öko-Diktatur 

DDR-Querdenker Wolfgang Harich als Pionier linker Wachstumskritik

Heute vor 15 Jahren starb Wolfgang Harich.

Mit seinem Namen bringt man meist die oppositionelle »Gruppe Harich« von 1956 in Verbindung. Manche erinnern sich auch an sein Engagement in der »Alternativen Enquête-Kommission DDR-Geschichte« nach 1990. Doch er war auch einer der ökologischen Vordenker der DDR.

Anfang der siebziger Jahre erschienen im Westen erste Forschungsergebnisse, die auf Gefahren des Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums aufmerksam machten, zum Beispiel die Berichte an den »Club of Rome«. In der DDR hatte die SED zu dieser Zeit, auf ihrem VIII. Parteitag 1971, als Marschrichtung die Verbesserung der Lebenssituation der Bevölkerung ausgegeben.

Während die Boomjahre in der BRD vorbei waren, schien die Wirtschaft in der DDR nach Honeckers Machtübernahme im Aufwind zu sein. 

Die pessimistischen Forschungsergebnisse wurden von daher als pure Ideologie abgetan, mit der das Ende des kapitalistischen Wachstums kaschiert werden solle. 

Die Warnungen wurden in den Wind geschlagen.

Nur wenige aus der DDR erhoben dagegen ihre Stimme, unter ihnen Wolfgang Harich. 1975 erschien sein Buch »Kommunismus ohne Wachstum? Babeuf und der ›Club of Rome‹« – im Westen beim Rowohlt-Verlag. Es enthielt Interviews und einen Briefwechsel zwischen Harich und Freimut Duve. 

Wer nun vermutet, dass Harich darin an seine Demokratisierungs­vorhaben von 1956 anknüpfte, irrt. Ganz im Gegenteil forderte er darin, den autoritären Sozialismus zum politischen System eines Weltstaates zu machen. Allerdings müsse dieser ökologisch umfunktioniert werden. Der Kapitalismus sei nicht in der Lage, die Menschheitsprobleme zu lösen. Seinem Entwicklungsstand nachzustreben, wie die SED-Führung dies tue, sei fatal. 

Harich schrieb:

»Auf dem derzeit erreichten Stand der Entwicklung der Produktivkräfte halte ich den sofortigen Übergang zum Kommunismus für möglich, und in Anbetracht der ökologischen Krise scheint er mir dringend notwendig zu sein. Ich glaube jedoch nicht mehr, dass es jemals eine im Überfluss lebende, eine aus dem Vollen schöpfende kommunistische Gesellschaft geben wird, wie wir Marxisten sie bisher angestrebt haben.«

Nur der von ihm skizzierte kommunistische Weltstaat könne die notwendigen Maßnahmen, wie Zwangsumsiedlungen, gerechte Güterzuteilung oder die notwendige Geburtenregulierung, bewältigen. Harichs Kommunismus

»wäre kein Paradies, sondern ›nur‹ eine Heimstatt ökologischer Vernunft bei strenger sozialer Gerechtigkeit. Aber das eben ist das Beste, was sich überhaupt je wird erreichen lassen.«

Später brach Harich mit diesem autoritären Konzept. Er wünschte 1991:

»die resolute Abkehr von gewalttätigen Kampfmethoden und […] die Absage an jedwedes Diktaturtheorem undemokratischer Art«. 

Er ging sogar so weit, <Kommunismus ohne Wachstum> als Warnung umzudeuten: Schaffe es die Menschheit nicht, mit demokratischen Mitteln die ökologischen Probleme in den Griff zu bekommen, werde eine Verteilungsdiktatur unumgänglich sein. 

<Kommunismus ohne Wachstum> wurde 11.000 Mal verkauft, in Spanien und Schweden erschienen Übersetzungen. Heute ist das Buch dennoch fast in Vergessenheit geraten.

Schade eigentlich, denn Harichs Überlegungen können – trotz aller Kritik – noch immer als Anregung dienen. Schließlich sind die Probleme, auf die sie sich beziehen, weiterhin ungelöst. #

 


 

 

 

 ^^^^

 detopia.de   (Ordner)

Wolfgang Harich - Ökologie und Opposition