James Lovelock 

Gaia's Rache 

Warum die Erde sich wehrt 

 

The Revenge of Gaia

Why the earth is fighting back

and How we can still save Humanity 

 

2006 bei Penguin Books, London  

2007 im List Verlag 

2008 im Ullstein Taschenbuch

 

Lesebericht Audio von Jo.Kaiser

James Lovelock (2006) Gaia's Rache  Warum die Erde sich wehrt  

2006     (*1919) 

228+26 Seiten mit Bildern und Grafiken

DNB.Buch 

Bing.Buch     Goog.Buch  

WEEBER Einspruch zum Buch

 

detopia:

Start Lovelock

Klimabuch    Ökobuch 

2005-Buch 

Lovelock-2009   Lovelock-1988

T.Flannery   G.Monbiot

J.Weiner   J.Hansen 

 

Inhalt

Übersetzung von Hartmut Schickert 

Ich widme dieses Buch meiner geliebten Frau Sandy

 

Danksagung (229)    Glossar (231) 

Weiterführende Lektüre (241)

Verzeichnis der Abbildungen (245)

Register (246) 

Der Zustand der Erde  (9)  

Wer oder was ist Gaia?  (29) 

Gaias Lebensgeschichte  (63) 

Vorhersagen für das 21. Jahrhundert  (75) 

5  Energiequellen  (99)

6  Chemikalien, Nahrung und Rohstoffe  (153) 

7  Techniken für einen nachhaltigen Rückzug  (183) 

8  Eine persönliche Sicht der Umweltbewegung  (193) 

9  Über das Ende hinaus  (209-228) 

 

 

 

Ullstein 2008:

 

detopia:

Der Megatechnik traut L. Wunder zu. Allerdings sehe ich auch den Mut der Verzweiflung in diesem Buch, der vl seinen Blick getrübt hat (*1919) bei der Einschätzung der Megatechnik, wie Atom, Sonnensegel, etc. 

Wichtig ist, dass er mehrmals betont, dass "Kriegsherren" die Welt regieren werden, nach dem die Zivilisation zusammenbricht; es wird also für die Überlebenden eine Mühsal werden. Das ist wichtig, denn im Volk besteht die Meinung: "Irgendwie geht es immer weiter." 

Es wurde einmal mehr ausgesprochen, dass dem nicht so ist. - Allerdings: Umfassendere Warnbücher gibt es schon seit Jahrzehnten (Gruhl, Fuller, Lauterburg). - Nun diesmal aus der Sicht eines Naturwissenschaftlers. Ich weiß nicht, ob der Autor als Experte bei der Klimafolgenforschung gelten darf.

Von der Sache her wurde alles schon gesagt. Neu ist (mir) die vielfältige sprachliche Ausgestaltung der (seiner) Zukunft, mit Hölle in der Kriegsherren die Menschen als Sklaven halten, usw. 

Lovelock versucht eine neue Sprache. Sie ist vielleicht noch nicht der Endpunkt der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten und Beschreibungen für die Endzeit bzw. "das Ende" (Fuller). - Lovelock bringt Neues (makaber), indem er die größtdenkbaren Schrecknisse scheinbar emotionslos darstellt. Im Prinzip sagt er: '2100 (noch) eine Millarde Menschen.' Ergo müssen acht Millarden bis dahin 'verschwinden'. usw. -- Andere 'Endzeitautoren' drücken das auch irgendwie aus, aber eben anders, nicht 'so deutlich'. -- Und ich glaube, es geht noch deutlicher, aber ich glaube auch, dass muss nicht sein... (weil es nichts ändert). 

Die beiden neuen Büchern der "Nuller Jahre" von James Lovelock finde ich nicht so toll. Eigentlich müßte er ja "Wasser auf meine Mühlen gießen". Er erschreckt uns mit Aussagen, die wir schon lange wußten und tut so, als sagt er etwas Neues. "Untergangsbewältigung sähe anders aus". 

Und Kräftesammlung für das "letzte Gefecht" (richtiger Rettungsweg; meines Wissens nur oder hauptsächlich eine GBGO) ebenfalls. - Ein Fachwissenschaftler, auch ein hervorragender, auch ein genialer, ist kein Universalwissenschaftler, kein Filosof, kein Ökosoph, kein Gesellschaftler. Mit beiden Bücher fallen wir auf den Diskussionsstand von 1983 zurück. (Horstmann, Untier). Schon 25 Jahre vorher wies Horstmann unüberlesbar darauf hin, dass es das nicht geben kann, was Lovelock (heutzutage) "sieht" und behauptet. Es kann kein einfaches Abschmelzen der Menschheit auf eine Milliarde geben. VOR diesem sich anbahnenden Völkertod würden die Massenvernichtungswaffen eingesetzt. Und das würde auch die Zivilisation zerstören. Und darauf kommt es ja an.

Das kann man dann nicht mehr bezeichnen mit: "eine Milliarde überleben". Das ist dann etwas völlig anderes, nämlich ein Vegetieren und permanentes Kämpfen. - Außerdem kommt überhaupt "der Soziacrash vor dem Ökocrash" (Lauterburg, 1998). Und darauf kommt es letztendlich an. Nämlich, ab wann das Leben so unangenehm wird, so dass man es gar nicht mehr haben möchte. Auch medientechnisch sahnt Lovelock die Schlagsahne ab. Die Diskussion wird versauert. Denn so wie nach Däniken- und Buttlar-Lektüre weiß der einfache deutsche Michel nun "bescheid". (Auch wenn diese beiden Bücher in D. nicht sofort die Verbreitung finden, so werden die Aussagen doch von den Nachäffern bekannt gemacht.)

J. Kaiser und S. Rahmstorf sollen angehört werden. 

Ich kann Bücher nicht ignorieren, wenn sie mir einmal bekannt wurden, deshalb müssen sie hier einen Platz und Erwähnung finden. Mich stört das Medientechnische an ihnen. Ich muss mich immer mit neuen "Bolzen" beschäftigen - und finde nie einen würdigen Abschluss.

Die Buchproduktion wird immer fortgesetzt. Das zeigt sich sehr schön daran, dass Mister Lovelock auch noch mit hundert Jahren Lebensalter unbedingt seine neuen Gedanken mitteilen muss ("Novozän")

 

 

 

 

  

 

 

 

 

  

 

(detopia-2013:)

Nun Leseberichte zum Buch. Die Kritik am Buch ist wohl ebenfalls berechtigt. Die Stärke des Buches liegt  in dem Versuch, eine angemessene Sprache zu finden für das bislang Unsagbare.

 


Danksagung auf  S. 229

Ich habe das Glück, Freunde zu haben, die das Manuskript lasen und hilfreiche und wichtige Anmerkungen machten. Dafür danke ich den folgenden Personen aufrichtig: ....... 

Ich danke auch der GAIA-Stiftung — registriert unter der Nr. 327903, www.daisyworld.org * — für die Unterstützung während der Abfassung dieses Buches; an sie werden alle Tantiemen gehen.

* (d-2013:) bei mir kommt "parking"; das sieht gar nicht gut aus für Gaia ;-)

 


Verlagstext 

Die Klimakatastrophe hat längst begonnen. Nicht erst künftige Generationen, schon unsere Kinder werden von den dramatischen Folgen betroffen sein.

James Lovelock gilt seit Jahrzehnten als der Vordenker der Umweltbewegung. Angesichts der unmittelbaren Bedrohung erhebt er nun noch einmal seine Stimme zu einem letzten radikalen Warnruf, bevor es endgültig zu spät ist.

James Lovelock ist der Begründer der Gaia-Hypothese, die zu einem zentralen Modell der modernen Wissenschaft wurde: Die Erde ist ein lebender Organismus, und wir haben sie seit Jahrhunderten gnadenlos ausgebeutet. Nun zahlen wir den Preis. Das Klima verändert sich dramatisch, der Meeresspiegel steigt kontinuierlich, und das System Gaia ist aus den Fugen.

Wir machen weiter wie bisher und hoffen, dass es schon nicht so schlimm kommen wird. Doch das ist eine Illusion: Wenn wir das Ruder nicht herumreißen, wird die Erde schon in wenigen Jahrzehnten für Menschen unbewohnbar. Mit profunder Sachkenntnis analysiert James Lovelock, welche Möglichkeiten uns noch bleiben.

Wenn wir die Entwicklung aufhalten wollen, darf es keine Tabus mehr geben: Um die globale Erwärmung abzubremsen, brauchen wir auch die Kernkraft als klimafreundliche Energiequelle. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


Marko Ferst bei umweltdebatte.de  und bei Amazon  

 

Die Vielzahl nichtlinearer Effekte, die sich beim Weg in die Heißzeit ergeben, läßt offenbar James Lovelock in seinem Buch <Gaias Rache: Warum sich die Erde wehrt> zweifeln, daß die jetzige Industriezivilisation Bestand haben könnte.

Faktoren wie das <Global Dimming>, also Luftverschmutzung, die uns über das bereits angestaute Potential an Klimawandel hinweggetäuscht hat, oder die gigantischen Methaneisvorräte, die bei einer Erwärmung freigesetzt würden, verweisen darauf, es wird eine finale Geisterfahrt werden. 

Es zeigen sich immer mehr positive Rückkopplungen, die den Erwärmungstrend erheblich zusätzlich anfeuern. Durch die Übernutzung weiter Teile der Biosphäre durch den Menschen, ist ihre Fähigkeit zur Selbstregulation der Temperatur bereits sehr angeschlagen.

Zwar setzt auch Lovelock auf die erneuerbaren Energien um diese Entwicklung abzubremsen, aber vor seiner eigenen Haustür sollten möglichst keine Windräder stehen. Der Geothermie und Gezeitenkraftwerken u.ä. mißt er Bedeutung zu. 

Keinen Fettnapf läßt er aus, um die Kernenergie anzupreisen als Klimaalternative, obwohl bei der Förderung des Urans und der Produktion der Brennelemente und ihrer Entsorgung auch erhebliche CO2-Emissionen entstehen. Der vielfältige Mix an Krankheiten, der infolge der Tschernobylkatastrophe entstanden ist bei der Bevölkerung in den stark kontaminierten Gebieten, scheint ihm völlig entgangen zu sein. Die Opferzahlen sollte man darüber hinaus nicht bei der internationalen Atomenergiebehörde abfragen, dies sind jene Zahlen, die die WHO nutzt. Auch bei einzelnen anderen Argumentationen stößt es einem unbehaglich auf.

Leider beschäftigt er sich nur auf wenigen Seiten damit, wie die heutige Welt sich auf ihren Untergang vorbereiten müßte.

Man hätte mehr Substanz vermuten können anhand seines Artikels im <Independent> vom 16.1.2006. 

Den Gedanken, daß sich der hohe Norden, Sibirien etc. als Areal einer neuen Zivilisation erweisen könnten, den teile ich. 

Andererseits ist es wahrscheinlich, die klimatischen und ökologischen Einschläge fallen so aus, daß dies nur noch auf gehobenen Steinzeitniveau gelingt. Darüber hinaus ist zu befürchten, daß auch hier Übernutzung in sensibler Umgebung zum Kollaps führen könnte. Zu berücksichtigen ist, nur 0,5 bis maximal 2 Milliarden Menschen wären so zu retten. Die Mehrheit wird diesen selbstverschuldeten Klimacrash nicht überleben. 

Wichtig ist ihm, daß das Wissen der heutigen Kultur in langlebigen Büchern gesichert wird, alles was computergespeichert wurde, ist definitiv verloren. Dieselbe Überlegung findet man in meinem Band „Republik der Falschspieler“ in meinem Requiem zur Zivilisation. 

Einige Gedanken widmet er auch, wie die Überhitzung der Erde durch Stoffaustrag in der hohen Atmosphäre oder andere Maßnahmen verzögert werden könnte. Damit muß man sich intensiv beschäftigen, freilich so, daß unliebsame Nebenwirkungen gering bleiben.  ### 

 

 

 

dlf

Kaiser 2007:  deutschlandfunkkultur  atomenergie-als-heilsbringer  

 

 von Johannes Kaiser am 06.02.2007   zu "Gaias Rache"     dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/590357  

James Lovelock gilt als Begründer der Gaia-Theorie. Diese beschreibt die Erde als ein sich selbst regulierendes, auf ein Gleichgewicht ausgerichtetes System. Dieses Gleichgewicht aber ist durch Menschenhand aus den Fugen geraten. Als Folge prognostiziert Lovelock Umweltkatastrophen unbeschreiblichen Ausmaßes. Er sieht nur einen Ausweg: die uneingeschränkte Nutzung der Atomenergie.

Der inzwischen 87-jährige englische Chemiker, Biologe, Biophysiker James Lovelock gilt als der Begründer der Gaia-Theorie, die die Erde als ein sich selbst regulierendes System versteht, das es bislang verstanden hat, die dem Leben zuträglichen Umweltverhältnisse zum Beispiel hinsichtlich der Temperatur, der Sonneneinstrahlung und so weiter stabil zu halten.

Jetzt allerdings droht dieses Gleichgewicht durch die durch Menschen gemachte Klimaerwärmung zu kippen - mit katastrophalen Folgen. Lässt sich der Klimawandel nicht mehr verhindern, werden die Meere so aufgeheizt, dass fast alles Leben aus ihnen verschwindet. Vom Äquator bis in den Norden der USA und Europas wärmen sich die Landmassen so auf, dass alle Wasserreservoire austrocknen, lebensfeindliche Wüsten entstehen. Der Rest der Menschheit, rund eine Milliarde Menschen flüchtet sich auf die nördliche Halbkugel, siedelt in der Nähe des Polarkreises auf den getauten arktischen Böden.

Eine apokalyptische Vision, die für James Lovelock nur durch den massiven Einsatz der Kernkraft verhindert werden kann. Sie allein stellt ausreichend kohlendioxidfreien Strom zur Verfügung, um die Zivilisation vor einem Zusammenbruch zu bewahren. Die erneuerbaren Energien sind seiner Ansicht nach dazu nicht imstande.

Ausführlich begründet Lovelock die Vorteile der Atomenergie und mokiert sich über grüne Bedenkenträger, so als gäbe es keinerlei Gefahren. Tschernobyl ist für ihn ein kleiner Unglücksfall mit nur 75 Toten - vernachlässigbar gegenüber den Opfern, die ein Staudammbruch eines Wasserkraftwerkes fordern würde. Er beruft sich dabei auf Zahlen der WHO, die eindeutig getürkt sind und längst widerlegt. Allein tausende Helfer, die den Reaktormüll begruben, kamen ums Leben oder sind schwer erkrankt. Die Krebsrate der Kiewer Kinder ist drastisch erhöht. Lovelock schreckt selbst vor der absurden Behauptung nicht zurück, hochradioaktiver Abfall sei so harmlos, dass er gerne die ganze Jahresproduktion eines Kernkraftwerks in seinem Garten in Beton bette. Damit könne er prima sein Haus heizen. Gesundheitliche Gefahren gäbe es keine.

Auf der anderen Seite unterstellt er den erneuerbaren Energien weder ausgereift noch einsatzbereit, zu teuer und zu wenig effizient zu sein. Seine Vorwürfe sind kaum ernst zu nehmen, da er mit falschen Zahlen operiert. So behauptet er zum Beispiel, Solarzellen würden nur zehn Jahre halten, während jeder Hersteller heute 20 Jahre Lebensdauer garantiert, rechnet bei der Windkraft noch mit Ein-Megawattturbinen, während die Technik längst bei fünf Megawatt angekommen ist, beklagt die Verspargelung schöner Landstriche durch Windräder, verschweigt aber die Hunderte Kilometer langen Hochspannungsleitungen neuer Atomkraftwerke. Mit Windkraft könne man kein Auto antreiben. Offenkundig geht das mit Atomkraft. Zur Wärmedämmung schweigt der Autor, dabei verbrauchen Heizungen über ein Drittel der fossilen Energie.

Energieeffizienz in der Produktion - Fehlanzeige. Biogas - kaum erwähnenswert. Geothermie - ein lapidarer Hinweis, dass es nur wenige Orte gäbe, an denen sie leicht zu bekommen wäre. Stimmt, nur gilt das auch für eine Reihe von Uranfundstellen. Dass Uran ein endlicher Brennstoff ist, wischt er mit dem Hinweis beiseite, in Granit stecke auch Uran. Über die Kosten, es zu extrahieren, schweigt er sich lieber aus, so wie er überhaupt über die Kosten der Atomenergie, das heißt neuer Kraftwerke einfach hinweggeht, als seien sie aus der Portokasse zu bezahlen. Warum ist unter Bush trotz gelockerter Gesetzgebung in den USA kein einziges gebaut worden, wenn sie denn so kosteneffizient sind?

Völlig unverständlich auch Lovelocks Aussage, die Kernkraft könne kurzfristig helfen. Abgesehen davon, dass der Bau eines Reaktors rund zehn Jahre dauert, gibt es gar nicht ausreichend technische Kapazitäten, um hunderte gleichzeitig zu errichten. Die wären aber notwendig, um den CO² Ausstoß rasch zu senken.

Statt die erneuerbaren Energien, die es bereits gibt, zu propagieren, phantasiert James Lovelock von großtechnischen Lösungen wie einem riesigen Sonnenschirm im All, der einen Teil der Sonnenstrahlung ablenkt. Wie schnell so etwas gebaut werden kann, was es kostet und welche Folgewirkungen es haben könnte - danach fragt er nicht.

Auf solche Auslassungen, Ungereimtheiten, Falschmeldungen stößt man allerorten im Buch. So allgemeinverständlich James Lovelock auch formuliert, seine rätselhafte Einäugigkeit verärgert massiv. Das war von einem seriösen Wissenschaftler wie ihm nicht zu erwarten gewesen. Umso größer ist die Enttäuschung. Dem Klimaschutz erweist er damit einen Bärendienst.

 

 

 

Telepolis

James Lovelock ist in seinem neuen Buch sehr pessimistisch  

Von Wolf-Dieter Roth    18.01.2006     telepolis.de/r4/artikel/21/21809/1.html  

Mit der These, dass es sich bei der Erde um einen eigenständigen Organismus handelt, den er "Gaia" nannte, wurde James Lovelock vor 30 Jahren bekannt. Selbst Astronomen und selbst­verständlich Biologen und Umwelt­forscher haben heute Lovelocks Gedankengänge übernommen. In seiner neuesten Buch vertritt er jedoch die These, dass wir die Erde bereits unwiderruflich aus dem Gleichgewicht gebracht haben.  

 

Wenn die Erde ein Organismus ist, dann ist der Mensch als Parasit zu sehen, als Erkrankung, die den Planeten be­fallen hat und ihm zu schaffen macht. (Großflächiger Haarausfall am Amazonas, übelriechende Ausdünst­ungen in China, Aufkratzen von Pickeln im Nahen Osten) Doch James Lovelock sagt auch, dass er den Mensch­en der Zukunft nicht nur als Krankheit der Erde zieht, sondern auch als ihre Augen und Ohren, die sehen, wie es der Mutter Gaia geht und ob ihr – beispielsweise durch Kollisionen mit Meteoriten – Gefahr droht.

Doch so weit sind wir noch lange nicht: Der Mensch kann heute kaum etwas für die Erde tun, so wenig, wie er die Temperatur oder die Zusammensetzung seines Blutes selber regeln kann, wenn seine Organe versagen, doch er schadet ihr nach wie vor in großem Maße. Sein Schaden überwiegt seinen Nutzen für den Gesamt­organismus "Erde" bislang bei weitem. Erst in späteren Jahrhunderten besteht eine gewisse Hoffnung der Besserung. 

Dazu ist ein radikales Umdenken notwendig, bei dem Lovelock sogar dafür plädiert, die Gefahr eines atom­aren Gaus durch die Nutzung der Atomenergie in Kauf zu nehmen (Den Teufel mit Beelzebub austreiben) , da dies zwar dem Menschen gefährlich würde, doch der Erde weit weniger schade als ein Klimakollaps infolge zu hoher Kohlendioxid-Emissionen.

Die früheren Bücher Lovelocks sind seit Jahren vergriffen und gebraucht nur zu Mondpreisen erhältlich. Zunächst fand die Gaia-Hypothese  Lovelocks nicht unter den Forschern und Wissenschaftlern Anklang, für die sie eigentlich geschrieben worden waren, sondern bei den New Agern und Umweltschützern, die gerade die ersten Bilder der Erde aus dem Weltraum gesehen hatten. Inzwischen ist seine Theorie jedoch auch unter den Wissenschaftlern akzeptiert und das Wissenschaftsmagazin Nature (7) hat James Lovelock vor zwei Jahren zwei Seiten zur Verfügung gestellt, auf denen er die jüngsten Entwicklungen zusammenfassen konnte.

Sein letztes Buch war vor sechs Jahren erschienen. Mit seinem neuesten Werk "The Revenge of Gaia", das im Februar in der englischen Originalausgabe erscheinen soll, und dessen Thesen Lovelock im englischen Independent (8) bereits vorab bekannt gab (9), wird der 86-jährige, der bisher eigentlich als ausgesprochen optimistisch bekannt war, jedoch zur Kassandra: Statt als Hoffnung sieht er das selbstregulierende System "Gaia" nun als Fluch – zum Umdenken sei es schon viel zu spät, die Weichen für eine fieberhafte Erkrankung des Planeten sind bereits gestellt und er wird bis zu 100.000 Jahre brauchen, um wieder zum Normalzustand zurückzukehren, so wie es auch bereits einmal in der Vergangenheit geschehen sei.

Diese dramatische Zukunftsszenerie steht jenen aus Hollywood bekannten Weltuntergangsszenarios kaum nach, nur geht sie in die entgegengesetzte Richtung: Nicht die nächste Eiszeit soll kommen, sondern eine solche Überhitzung des Planeten, dass ein Überleben nur noch an den Polen möglich sein soll. Das intensive Verwenden fossiler Brennstoffe habe bereits eine solche Treibhausatmosphäre erzeugt, dass Rückkopplungseffekte in kurzer Zeit zur Eskalation des Klimas führen können, sobald momentan noch bremsende Kräfte wie die Verringerung der Sonneneinstrahlung durch von den Verbrennungsrückständen erzeugten Dunst und Staub in der Atmosphäre einmal wegfallen.

Laut Lovelock könne dies in kürzester Zeit geschehen, ähnlich dem Kippen des Klimas in wenigen Tagen in Roland Emmerichs Reißer "The Day after Tomorrow" . Das Eis der Arktis wird in wenigen Jahrzehnten restlos verschwunden sein, der dunkle Ozean an Stelle des stark reflektierenden helle Eises, das 90% der Sonnenstrahlung ins All zurück reflektiert hatte, wird diese gnadenlos absorbieren und dadurch noch mehr zur Erderwärmung beitragen.

Bis 2100 ist alles vorbei

Bis zum Ende dieses Jahrhunderts sollen Milliarden Menschen sterben und die wenigen noch fortpflanzungs­fähigen Pärchen werden in der Arktis sein, wo das Klima noch akzeptabel ist, so Lovelock. Der Selbstregulierungs­mechanismus der Erde, der bislang dem Menschen zugute gekommen ist, wird ihn nun – wie der menschliche Körper Bakterien und Viren – mit Fieber bekämpfen.

Den europäischen Regierungen empfiehlt Lovelock prompt auch nicht mehr, noch etwas gegen die Klimaerwärmung zu tun, sondern nur noch, ihre Bevölkerung gegen das Allerschlimmste zu schützen, da sowohl die USA als auch die neuen, stark wachsenden Wirtschaftssysteme Chinas und Indiens nicht bereit sein werden, Kompromisse einzugehen, und die Hauptquelle der Kohlendioxid-Emissionen sind.

Die Regierungen müssen auch Vorkehrungen gegen die steigenden Meeresspiegel greifen und in Zukunft mit einer Situation rechnen, die aus "Mad Max" entsprungen sein könnte. 

Lovelock regt an, ein Handbuch für die Überlebenden der globalen Erwärmung zu hinterlassen, das nach einem Zusammenbruch der heutigen Gesellschaft die gesammelten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Menschheit zusammenfasst, inklusive solcher aus heutiger Sicht trivialen Dinge wie dem Platz der Erde im Sonnensystem oder der Tatsache, dass Bakterien und Viren Infektionskrankheiten verursachen. Dieses Handbuch soll nicht in elektronischer Form abgelegt werden, sondern aus widerstandsfähigem Papier mit lang haltender Druckfarbe gefertigt sein.

8° mehr bis 2100  

Katastrophen wie in der Sahara und Überschwemmungen wie in New Orleans werden zukünftig auch in Europa zum Alltag ( Sturmfluten, Hurrikane und Monsterwellen ) gehören. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der UN verkündete in seinem letzten Report von 2001 bereits, dass die Temperaturen weltweit im Jahr 2100 im Mittel um 5,8 °C höher liegen werden als heute und in höheren Breitengraden wie uns oder in Großbritannien sogar um 8 °C. Doch der Prozess scheint sich zu beschleunigen und im nächsten Klimareport des IPCC, der im Jahr 2007 fällig ist, könnten die angekündigten Temperatur­steigerungen schon viel eher prophezeit werden.

Die Tropen werden zur Wüste, die ärmsten Länder werden zuerst getroffen, doch auch Europa und Amerika werden unter dem Zusammenbruch des Klimas die heutigen Handelswege und ihre Nahrungsquelle verlieren. Es wird gerade noch reichen, um so zu leben, wie zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit dem heutigen energieintensiven Luxus ist Schluss.

Die Kollegen Lovelocks und alle Ökologen sind über diese neuen Thesen zunächst einmal nicht besonders begeistert; die Aussage "Es ist alles bereit viel zu spät, der Weltuntergang kommt!" ist schließlich nicht besonders konstruktiv und erstickt sämtliche Bemühungen um Umweltschutz bereits im Keim: Wenn sowieso schon alles verloren ist, dann will man die letzten Tage der Menschheit natürlich noch in Saus und Braus mitmachen.

Lovelock selbst sieht sein Buch jedoch nicht als Fatalismus und Weltuntergangsbibel, sondern als letzten Weckruf, der von den britischen Grünen trotz seines niederschmetternden Grundtons positiv aufgenommen wurde (13). Wenn die Emissionen innerhalb der nächsten 50 Jahre auf Null gefahren werden, bestehe noch Hoffnung, so Aubrey Meyer, Direktor des Global Commons Institute (14). 

Tony Juniper, Geschäftsführer der "Freunde der Erde" , geht mit dem Professor dagegen schärfer ins Gericht:

Es war richtig, die Alarmglocken zu läuten, doch es ist unreif, gleich den Untergang der Menschheit zu prophezeien. Es gibt noch eine kleine Chance, und man sollte aus dieser das Beste machen, statt anzunehmen dass schon alles verloren ist.  

Stephen Tindale, Greenpeace-Geschäftsführer, denkt dagegen, dass der "Erfinder" von Gaia durchaus Recht haben könnte:

Die Erde könnte bereits dem Untergang geweiht sein, die Umwelt-Nachrichten des letzten Jahres waren durchweg schlecht: Die Meere versauern und können immer weniger Kohlenstoff aufnehmen; die Permafrost-Gebiete der Tundra tauen auf und setzen dadurch Methan frei. All dies deutet darauf hin, dass möglicherweise die kritische Schwelle überschritten ist. Doch wir können nicht sicher sein, und deshalb dürfen wir den Kampf nicht aufgeben. Solange es eine berechtigte Hoffnung gibt, dass die Katastrophe abgewendet werden kann, haben wir eine moralische Verpflichtung, es weiter zu versuchen.

In seinem eigenen Kommentar endet Lovelock allerdings auch deutlich positiver:

Wir sollten Herz und Bewusstsein der Erde sein, nicht ihre Krankheit. Wir sollten uns trauen, nicht nur an menschliche Bedürfnisse und Rechte zu denken und zu erkennen, dass wir der lebenden Erde geschadet haben und mit Gaia Frieden schließen müssen. Wir müssen dies tun, solange wir noch stark genug sind, um zu verhandeln, und nicht ein zerrissener Pöbel, der von brutalen Kriegsherren angeführt wird. Vor allem sollten wir nicht vergessen, dass wir alle ein Teil der Erde sind und diese unsere Heimat ist.

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Pressestimmen: 

 


James Lovelock spricht über die Gefahr der globalen Erwärmung in den klarsten Worten, die man bisher zum diesem Thema gehört hat.  (Daily Mail)

Wir alle sollten die Botschaft dieses Buches erkennen und danach handeln. Lovelock ist ein wissenschaftlicher Visionär.  (The Times)

Lovelock ist einer der größten Denker unserer Zeit.    (The Observer)   


Keine Macht der Welt, kein Forscher, kein Politiker, kein verzichtleistender Konsument, weder Emissionshandel, Windenergie noch Biotreibstoff könne den Niedergang verhindern. Allenfalls lasse er sich ein wenig herauszögern vor allem durch den massiven Ausbau der Kernenergie. Solche kühnen Thesen vertritt Lovelock in einem schlafraubenden Schock-Buch . . . Die Menschheit, so sein Fazit, müsse den geordneten Rückzug antreten um mit kluger Planung und Technik wenigstens ihr kostbarstes Gut zu retten: die Zivilisation selbst.   

#  Der Spiegel, Porträt des Autors, Marco Evers, 29.01.2007  


James Lovelock ist seit 1974 Fellow der ehrenwerten Royal Societa, hat eine Reihe von Forschungspreisen gewonnen und zählt zu den 100 wichtigsten globalen Denkern der Welt . . . Lovelocks Prognose für das 21. Jahrhundert ist düster.... Um das Jahr 2100 werden vielleicht nur noch eine halbe Milliarde Menschen existieren. Kein Forscher, Politiker, kein umweltfreundlicher Grünen-Wähler könne die Katastrophe verhindern, verkündet Lovelock in seinem neuen Buch.  #  19.02.07 Hamburger Abendblatt    


Lovelock ist sehr unterhaltsam, lehrreich und anregend. Er schreibt in dem lebenserfahrenen Ton eines 87-jährigen Mannes, der keine lästigen Rücksichten mehr nehmen muß, der sich auf keine politische Seite schlägt. Hier spricht ein wirklich freier Geist.   #   Ferdinand Knauss, 04.05 Handelsblatt 


Ob er richtig liegt mit seiner Diagnose, dass der Klimawandel weite Teile der Erde verheeren wird James Lovelock wird es nicht mehr erleben. Der britische Wissenschaftler ist 87 Jahre alt, doch als Prophet des Untergangs gefragter denn je.  

#  Mechthild Bausch, 30.04.07, Financial Times Deutschand  


Mit profunder Sachkenntnis analysiert James Lovelock, welche Möglichkeiten noch bleiben. Wenn die Entwicklung aufgehalten werden soll, darf es keine Tabus mehr geben: Um die globale Erwärmung abzubremsen, braucht es auch die Kernkraft als klimafreundliche Energiequelle so die These.  #  13.03.07 Der Teckbote 


 



Leser zu Gaias-Rache (auf Amazon)


Umfassende, grandiose Aufklärung  #   2009 Von Hans-Reiner Hühner  (Bonn) 
Kurz und schmerzlos: Die Art und Weise, wie Lovelock meine "platte" Meinung und Ansicht zu Atomkraft und Klimawandel mit diesem Buch beeinflusst, ist grandios. Verständlich und klar für Nicht-Wissenschaftler liefert er Informationen, die nie dogmatisch oder rechthaberisch klingen. Er bietet ein Plädoyer für einen weitsichtigen Umgang mit unserer verkorksten Klimapolitik, das nach jahrzehntelanger Erfahrung als Wissenschaftler mit seinen 86 Jahren gehört werden sollte. 


Reine Lobbyarbeit - ein unsagbar übles Pamphlet  #  2007 von Jürgen Zillmann 

Dass Windräder in den Augen des Autors nur unästhetische Geldverschwendung sind mag ja noch angehen, aber Atomkraft als einzigen Ausweg aus der Klimakatastrophe, DDT als Segen der Chemieindustrie, und Nitratausbringung auf Ackerböden als Gewässerschutz­maßnahme zu bezeichnen, disqualifiziert den Autor in nicht mehr zu überbietendem Umfang. Ein mieses, durch und durch verlogenes, Machwerk wie dieses habe ich zweifelsohne noch nie gelesen.

Das sich der Autor alle paar Seiten als überzeugter Grüner bezeichnet kann nur dem Zweck dienen, die einzige nicht durch und durch korrupte deutsche Partei zu diskreditieren. Sparen Sie sich die Investition in diesen Schund. #


Klug, aber nicht durchdacht     #   2012 Von  Nathan Never bei Amazon 

Lovelocks Gaia-Hypothese gehört zu den großen und wirkmächtigen Metaphern unserer Zeit - dafür gilt ihm Ruhm und Ehre. Wenn "Gaias Rache" das Testament des steinalten Mannes gewesen sein soll, dann hat er sich leider einen Bärendienst erwiesen. Es ist nichts anderes als die Verifikation des Heideggerschen Diktums: Die Wissenschaft denkt nicht.

Die praxisrelevanten Ideen Lovelocks sind nachdenkenswert, allen voran sein Plädoyer für die friedliche Nutzung der Atomtechnik. Die sei überlebenswichtig, weil das Endlagerproblem und erst recht das Sicherheitsproblem gemessen am zu erwartenden Ausmaß der Klimakatastrophe zu vernachlässigen sei und wir unbedingt den weiteren Ausstoß von Klimagasen verhindern müssten. Diese Argumentation muss diskutiert werden, nach wie vor. Auch Abneigungen dem Biosprit oder den Windparks gegenüber und sogar seine Fürsprache für synthetische Nahrung etc. kann man ernsthaft debattieren.

Wenn er aber von kilometerweiten Sonnensegeln im All phantasiert oder massenweisem Versprühen von sonnenabweisenden Aerosolen in der Stratosphäre und ähnlichen von technikgläubiger Hybris gekennzeichneten Wahnsinnsideen, dann beweist er nur, dass der Naturwissenschaftler das philosophische Problem des Tuns, die Dialektik des Fortschritts, nicht begriffen, noch nicht mal gedacht hat.

Am deutlichsten macht er das, als er das Mobiltelefon und den Computer als "grüne Technik" preist, denn sie verbrauchten nur wenig Energie und wer etwa schwätzt oder surft, der kann nicht Auto fahren, verreisen oder andere energieintensive Tätigkeiten ausführen. Als ob nicht übers Telefon Reisen gebucht, Autos gekauft würden, als ob nicht riesige Kapitalmengen verschoben, als ob nicht Kriege übers Telefon veranlasst werden könnten und worden sind, als ob die moderne Kommunikationstechnik nicht unseren kinetischen Aufwand extrem erhöht hätte ...; als ob nicht ebenjene Flugzeuge oder Autos von Computern gesteuert würden ...

Fazit: Der Wissenschaftler denkt nicht - er klügelt nur aus! "Gaias Rache" ist leider eine, wenn auch typisch britisch und zynisch trocken, ganz im Brusttone der Objektivität, geschriebene, weitestgehend enttäuschende Selbstunterbietung eines großen Wissenschaftlers, auch wenn sie ihn so persönlich wie nirgendwo sonst und als naturliebenden Menschen zeigt.

 

Kommentar zur Rezension:

Im Hinblick auf die gigantomanischen Ideen von der Cambridge Konferenz (Sonnensegel, Aerosole, Extraktion des CO2s aus der Luft, etc.) muss ich zustimmen, dass er hier den Bezug zur Realität verloren hat, obwohl er doch direkt auf den ersten Seiten erwähnt, dass der Mensch nicht zum Verwalten der Erde geeignet (bzw. überhaupt in der Lage) ist. Ich finde auch seine besonders oberflächliche Betrachtungsweise der "zukunftsweisenden" Fusionsenergie bemerkenswert, die doch lediglich eine Geldverschwendung ersten Ranges darstellt (ich erwähne hier mal das erbärmliche ITER Projekt).  



 

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 (Ordner)    www.detopia.de 

James Lovelock (2006) Gaia's Rache - Warum die Erde sich wehrt