Hannes Schwenger (Herausgeber)

 

Solidarität mit

Rudolf Bahro 

 

Briefe in die DDR 

 

1978 im Rowohlt Taschenbuch Verlag 

Solidarität mit Rudolf Bahro  (1978)   Hannes Schwenger (Hg)   

1978  138 Seiten

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detopia-2009: erster Teil mit zeitgenössischer Diskussion der Alternative-Thesen durch Leute vom Fach. Ewig aktuell.

Umschlag: Rebhuhn, ISBN 3-499-14348-8
Originalausgabe,
rororo aktuell 4348, hg. von Freimut Duve
13.-22.Tausend Juli 1978  


Zu diesem Buch  

Ein Mann schreibt ein Buch, ein Autor gibt Fernsehinterviews: Gefängnishaft. Für lange Zeit von der Außenwelt abgeschlossen, erwartet Rudolf Bahro in der DDR seinen Prozeß. Wahrscheinlich Anklage wegen Spionage. 

Wie oft in der Geschichte staatlicher Gewalt ist dem Abweichler, dem Analytiker der Vorwurf der Spionage für den äußeren Feind gemacht worden.

Rudolf Bahro erfährt am eigenen Leibe, wie ernst die DDR-Regierung seine Gegnerschaft nimmt. Ein Marxist, ein Kommunist — lange Jahre ein Mann der SED — analysiert den Zustand seiner Gesellschaft, seines sozialistischen Staates.

Solidarität mit Rudolf Bahro: Das Bändchen geht nicht nur auf das persönliche Schicksal des Wissenschaftlers ein, der inzwischen im Osten wie im Westen zum Symbol geworden ist — sondern auch auf die Thesen des Rudolf Bahro. 

Deutsche und ausländische Sozialisten und Kommunisten haben Briefe in die DDR geschrieben, an Bahro, an Erich Honecker, aber auch an andere Prozeßbeteiligte:

Otto Schily, Anwalt im Westen Deutschlands, schreibt an den Verteidiger Bahros, seinem unbekannten Kollegen: 

«Es war eine ebenso kurzsichtige wie brutale Entscheidung, mit der die Verhaftung Rudolf Bahros angeordnet wurde. Den Arzt einzusperren, der eine Krankheit diagnostiziert, ist keine erfolgversprechende Methode, die Krankheit loszuwerden. 

Der <Geist der Gerechtigkeit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Menschlichkeit>, der nach Artikel 86 der DDR-Verfassung für deren Einhaltung und Verwirklichung bestimmend sein soll, hat die für die Inhaftierung Bahros verantwortlichen Amtsträger der DDR jedenfalls bei dieser Entscheidung im Stich gelassen.»

Rudi Dutschke hat sich als Adressaten einen anderen Inhaftierten, den Wehrdienstverweigerer Nico Hübner, gewählt: «Wie lange hat es gedauert, bis ein nicht unwesentlicher Teil der Linken sich nicht mehr schämte, von Menschenrechten zu sprechen. Im Lied der Ausgebeuteten und Beleidigten heißt es: <Die Internationale erkämpft das Menschenrecht>.» 

Vorwort von Hannes Schwenger (Hg.) (7)

Autoren-hinweise (136)

 

1. Briefe zu Bahros Thesen

An deutsche Freunde: «Den Marxismus auf den Marxismus anwenden» (11) Lucio Radice:

«Wir müssen das Ganze der Marxschen Klassentheorie überprüfen»  (16) Mihály Vajda

An die Wirtschaftswissenschaftler der DDR «Ein symptomatisches Werk» (24) Wlodzi Brus:

An Wolfgang Abendroth «Die menschliche Herausforderung, der Bahro sich gestellt hat»  (31) Gollwitzer, Helmut

An Wolfgang Harich «Gnade und Ungnade: Angst machen sie beide...» (38) Amery, Carl

«An einen hilflosen Antikapitalisten in der Bundesrepublik — auch an mich selber»  (47) Narr, Wolfgang

 

2. Menschenrechte im Sozialismus  

Peter von Oertzen: «Ihr Urteil über die SPD ist eher kühl»  (59)  (deto: !)

Eduard Buess: «An Bahro werden sich die Geister scheiden»  An Erich Honecker  (65)

Eduard Goldstücker: «Man bleibt bei Charaktermord nicht stehen»  (71)  

Ken Coates: «Wir hatten Dich zum Russell-Tribunal eingeladen»  (76) 

R. Dutschke: «... und geistig Dir nicht den Rücken brechen läßt»  (86) An Nico Hübner

Karl Ludwig: «Ihr lebt in einer anderen Welt» An die UZ  (100)

F. Duve: «Mein Kampf für Ihre Rechte ist Grundlage meines Kampfes gegen Ihre Ziele»  An H. Mies  (107)

 

3. Briefe zu Bahros Haft 

Otto Schily: «Wenden Sie sich an die Öffentlichkeit» An Bahros Verteidiger  (117) 

Tomas Kosta: Brief seines Verlegers  (119) 

Erich Frister: Der Fortschritt braucht Bewegungsfreiheit  (125) 

Erich Fried: «Ich kann keine Briefe an Menschen hinter Gittern schreiben»  (129) 

Luise Rinser: «Euer Vater sprach aus, was Millionen in der DDR denken»  (130)  An Bahros Kinder

Walter Fabian:  «Bahros Freiheit — Freiheit des Andersdenkenden»  (133)   

    

Vorwort des Herausgebers  

7

«Ich kann keine Briefe an Menschen hinter Gittern schreiben, die diese Briefe nicht oder erst nach Jahren bekommen werden», schrieb Erich Fried mir auf die Bitte um einen Beitrag zu diesem Buch. Seit Jürgen Fuchs' <Vernehmungsprotokollen> aus DDR-Haft wissen wir, daß Signale der Solidarität durchaus bis in die Gefängnisse dringen, und sei es nur über den Tisch des Vernehmers. 

Und nicht nur dorthin: Auch für die Freilassung Fuchs' und seiner Freunde haben Briefe und Petitionen eine Rolle gespielt, wie diejenigen inzwischen öffentlich bestätigt haben, über deren Schreibtisch sie — zunächst ohne sichtbare Reaktion — gegangen sind. Ich bin sicher, daß auch die vorliegenden Briefe ihre Adressaten und Mit-Leser in der DDR erreichen werden.

Sie sind zugleich ein Beweis, daß Rudolf Bahros <Alternative> selbst ihre Adressaten erreicht hat. Die Linke, nicht nur in Westeuropa, hat seine Thesen aufgenommen, und zwar so, wie er selber es sich nur wünschen kann: solidarisch und kritisch. Es wird nicht mehr gelingen, ihm das Odium der Spionage anzuhängen. Die Anatomie des real existierenden Sozialismus, die Rudolf Bahro erforscht hat, ist kein Staatsgeheimnis. 

Rudolf Bahros Botschaft richtet sich, wie er im Selbstinterview schreibt, an «die Menschen, die sich kritisch mit der DDR verbunden fühlen». Die Teilnehmer dieses Sammelbands haben dies offensichtlich auf sich bezogen. Sie werden auch von den Verantwortlichen der DDR keine unkritische Antwort erwarten. Nur: Gefängnis ist keine Antwort.

7

Berlin, 1. Mai 1978, Hannes Schwenger  

 

 

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wikipedia  Hannes_Schwenger  *1941 in Meiningen   Jürgen Fuchs bei detopia     wikipedia  Erich_Fried     www.detopia.de     (Ordner)