Johannes Heimrath

Die Post-Kollaps-Gesellschaft

Wie wir mit viel weniger 
viel besser leben werden -
und wie wir uns heute schon 
darauf vorbereiten können.

 

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2012     335 Seiten

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Jörg Phil Friedrich: Was kommt nach dem Klimawandel? Eine Spekulation.2019.

 

 

 

 

 

 

 

2013:  Die Commonie
Versuchsanordnung für eine Post-Kollaps-Gesellschaft des guten Lebens. 

Mit einem Vorwort von Silke Helfrich. 
200 Seiten, 

 


 

Die Welt nach dem Klimakollaps

Ökologische Gemeingüter, statt letalem Finanzkapitalismus

Von Marko Ferst 

umweltdebatte.de/johannes-heimrath-2013.htm  und Neues Deutschland, 19.8.2013

detopia: für Nicht-Zeitungs-Zwecke hier in der Zeichensetzung leicht geändert.

 

 

Man merkt dem Buch von Johannes Heimrath an – es kommt aus einer anderen geistigen Erfahrungswelt. Mehrere Jahrzehnte wahlverwandtschaftliche Großfamilie fließen ein. Heimrath gibt die kultur-kreative Zeitschrift <Oya> heraus, die über Ökodörfer, sozial-ökologische Bewegung u.a. berichtet. Zuletzt heimisch geworden in der Alternativkommune in Jasedow nahe Usedom, stellt er die Frage nach einer enkel-tauglichen Lebensweise.... - die mit dem herrschenden Wettrennen um wirtschaftliches Wachstum keinesfalls zu erreichen sein dürfte.

Wenn man bedenkt, der globale Ausstoß an Kohlendioxid erhöhte sich seit 1990 um nahezu 50 Prozent auf 34 Mrd. Tonnen im Jahr, dann dürfte klar sein, wir befinden uns unwiderruflich auf einem Weg zu einer Treibhauszeit mit 4 bis 6 Grad globaler Temperaturerhöhung, bei nur schwer kalkulierbaren Folgen für das Wettergeschehen und die Ökosphäre in den einzelnen Weltgegenden. 

Heimrath geht von der These aus, ohne einen Kollaps des westlichen Macht- und Ausbeutungs­systems, des dominierenden westlichen Zivilisationssystems, wird es keinen fundamentalen ökologisch-nachhaltigen Neuanfang geben.

Zu sehr hängen die Menschen in den reichen Ländern an den Segnungen der Konsumgesellschaft und China, Brasilien und andere aufstrebende Nationen wollen aufschließen.

Dabei ist er sich bewußt, die Wahrscheinlichkeit für eine kulturell-gesellschaftliche Alternative ist nur äußerst gering zu veranschlagen, Auswege können kaum in antiquierten -ismen gefunden werden.

Das Parteiensystem ist so von den innergesellschaftlichen Kämpfen absorbiert, teils machtlos, teils mit korrupten Strukturen durchsetzt, dass es als transformierende Kraft auszufallen scheint. 

Ihm ist wichtig, auch der Gleichheit und Brüderlichkeit im Ruf der französischen Revolution die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Er wirbt für eine Gesellschaftsform, des Gemeinsamen, des Füreinanders, der Achtung und des Respekts nicht nur der Menschen untereinander, sondern auch gegenüber der Tier- und Pflanzenwelt und fasst diese Weltsicht unter dem Begriff <Commonie> zusammen. Sie gründet auch auf einer anderen Erfahrungswelt gegenüber dem Eigentum und favorisiert die Gemeingüter, will Empathie als wichtigstes Bildungsziel sehen. 

Als wahrscheinlichstes Szenario im ökologischen Untergang sieht er jedoch, es bilden sich kleine militärisch abgeschirmte Inseln für die reichen Eliten - der Rest wird sich selbst überlassen.

Denkbar wäre auch, es bleiben staatliche Strukturen erhalten und es findet ein endloses Siechtum bei Minimalkonsum statt.

Das in den kommenden Klimakatarakten die Finanzmärkte implodieren werden und dabei große Teile der Realwirtschaft unter sich begraben, ist recht wahrscheinlich.

Heimrath zieht auch Jared Diamonds Buch <Kollaps> heran, der einen Rückfall in einen vor-zivilisatorischen Zustand für möglich hält. Die Radhacke könnte wichtiger werden, als die neueste Computertechnik. 

 

[ Wikipedia Katarakt  Trübung des Auges ]

 


Lesart / Archiv | Beitrag vom 20.01.2013

Weniger besitzen, glücklicher leben

Johannes Heimrath: „Die Post-Kollaps-Gesellschaft“, Scorpio Verlag, 336 Seiten

Von Ursula Rütten  #  URL  DLF zum Buch  

 

 

 

In einem kleinen Dorf im Nordosten Deutschlands verwirklichen ein paar Eingeschworene ihre Vision von einer besseren Zukunft. In seinem Buch „Die Post-Kollaps-Gesellschaft“ gewährt der Aktivist und Dorfbewohner Johannes Heimrath Einblick in seine Idee einer besseren Welt.

14.751 Schläge auf den riesigen Gong. Aufgebockt im Vorhof eines Hauses im sächsischen Pirna. Ein Schlag für einen jeden jener 14.751 Menschen, die hier 1940/41 im Rahmen des Euthanasieprogramms der Nazis ermordet, vergast wurden. 41 Stunden lang, ohne Pause, währte diese außergewöhnliche Zeremonie zum innigen Gedenken und zur Anklage dieses Verbrechens.

Nichts Offizielles, kaum Publikum. Johannes Heimrath wollte sich auf ganz persönliche Weise symbolisch mit den Toten und den Umständen ihres Todes verbunden erweisen. Selbst an die Grenze dessen gelangend, was ihm gerade noch erträglich war, körperlich und seelisch, nach 14.751 Gongschlägen, 41 Stunden lang.

Diese Episode zeigt, um welchen Menschen es sich bei Johannes Heimrath handelt. Wie sehr sein Zugang zur Welt von Empathie genährt ist, wird auch bei der Lektüre seines Buches deutlich: „Die Post-Kollaps-Gesellschaft“ hat er es genannt.

Wer sich von Johannes Heimraths Gedankenfluss mittragen lassen will in die konkrete Utopie eines besseren, „enkeltauglichen“ Lebens, wie er es nennt, jenseits des westlich geprägten globalen Macht- und Ausbeutungsmodells, wer sich hierhin mittragen lassen will, wird sich vor allem auf diesen meditativen, selbstreflektierenden, intrinsisch Anteil nehmenden Menschentypus einlassen müssen und wollen. Auf die durchgängig hervorgehobene existenzielle Grundhaltung dieses Autors zum Leben, zum Miteinander und Füreinander, zu Gleichheit, Freiheit, Brüder- und Schwesterlichkeit, zur „Mehr-als-menschlichen-Gesellschaft auf dieser Planetin Erde“.

Eine Gesellschaft, die vom Herrschaftsanspruch der selbsternannten Ersten Welt und der sogenannten Neuen Welt über den von beiden kolonisierten Rest der Welt ebenso absieht wie vom Primat des Menschen über allen anderen scheinbar niederen Wesen.

Demokratien werden zu „verkappten Feudalgesellschaften“

Cover Johannes Heimrath: "Die Post-Kollaps-Gesellschaft" (Scorpio Verlag) Cover Johannes Heimrath: „Die Post-Kollaps-Gesellschaft“ (Scorpio Verlag) Die Demokratie als die in den Industrienationen mit der höchsten Wertschätzung bedachte gesellschaftliche Organisationsform würde diesem Anspruch einer Mehr-als-menschlichen-Gesellschaft längst nicht mehr gerecht, resümiert Heimrath. Das ist eine Schlüsselstelle seiner umfassenden System- und Gesellschaftskritik. Der möglichen Vorverdächtigung, seine Argumentationskette erschöpfe sich in der moralinsauren Gefühligkeit eines postfeministischen New-Age-Asketen, entgeht Heimrath mit akribisch belegte Daten und Fakten. Und schreibt:

„Die siegreiche Ausprägung des kapitalen Fehlers der letzten Jahrhunderte ist der Kapitalismus. Wer auch nur einigermaßen wach beobachtet, muss zugeben, dass die heutigen ‚Demokratien‘ mit ihrer Parteiendiktatur, ihrem Wirtschafts- und Verbandslobbyismus und ihrer inzwischen klar zutage getretenen Abhängigkeit von einer globalen Finanzelite mehr oder weniger verkappte Feudalgesellschaften sind, in denen sich die Leibeigenschaft in Lohn- und Zinsabhängigkeit umgewandelt hat. Die Freiheit, die mit unendlichen Blutopfern erstritten wurde – sie wird gewährt, solange der feudale Staat sich in seinem Bestand nicht gefährdet sieht.“

Heimraths empathische Grundhaltung beruht nicht nur auf Sinnsuche seit Jugendjahren, sondern auf jahrzehntelanger praktischer Erfahrung und damit auf Arbeit an sich und an einem sehr bewusst entwickelten Lebenskonzept. In Gemeinschaft mit seiner gut fünfzehnköpfigen Wahlfamilie in einem solidarischen Ökonomieprojekt und einem fortwährenden Zuwachs an Gleichgesinnten in ihrem Umfeld. Zurzeit ansässig im Lassaner Winkel in Ostvorpommern.

In seinem Buch über „Die Post-Kollaps-Gesellschaft“ spricht Johannes Heimrath vom Zukunftsmodell einer Communie:

„Wir könnten uns hier sehr gut selbst versorgen. Das Wissen ist da, die Fertigkeiten sind da. Wir haben auch so viel Fläche, dass wir die Menschen, die es betrifft, ohne weiteres ernähren könnten. Wir haben hier das Know-how, wie man ein Feld mit dem Pferd eggt und pflügt. Das wäre alles machbar, wenn wir nicht dazu verdonnert wären, in irgendeiner Form lohnabhängig beschäftigt zu sein oder selbstständig unternehmerisch tätig zu sein, weil alles, was hier existiert, ja in irgendeiner Form an Geld geknüpft ist. Und da dieses Geld nur auf einem auf Wachstum getrimmten Wirtschaftssystem verdient werden kann, sind wir, ob wir wollen oder nicht, diesem Rattenrennen einfach ausgeliefert. Wenn das wegfallen würde, könnten wir auf den Schlag nicht nur uns, sondern weit über uns hinaus Menschen ernähren. Und auch nicht karg, ärmlich, sondern da wär‘ auch mal Hirsch auf der Platte. Man könnte mit einem kleinen Holzkahn, den man sich selber bauen könnte, auf die Peene herausrudern und hätte jeden Tag Zander, Wels, Aal. Das Land hat so viel zu bieten, wenn wir es schaffen würden, uns von dem Geldwert zu befreien. Wenn wir einfach zum Schenken übergehen würden. Quintessenz dieser These war -“

Sehr verkürzt:

„In diesem Gesellschaftssystem sind alle diese Bemühungen fruchtlos. Deswegen lassen wir sie lieber bleiben und denken darüber nach, wie könnte es denn nachher sein? Dieses Nachher bezieht sich auf etwas, was fundamental die Bedingungen, unter denen wir leben, ändert. Das kann ein Umsturz sein, an den ich persönlich nicht glaube. Aber es könnte ein anderweitiger Kollaps sein, an den ich sehr glaube, über das habe ich auch gerade mein Buch ‚Die Post-Kollaps-Gesellschaft‘ geschrieben. Ich gehe eher davon aus, dass wir so lange warten werden, bis sich die Dinge von allein klären, und diese Dinge werden sich einfach auf eine relativ katastrophale Art klären.“

Kein Umsturz also, keine Revolution als Option, einen Wandel einzuleiten. Eher glaubt der Autor an ein Schrecken ohne Ende oder ein langsames Siechtum. Heimrath führt drastisch vor Augen, wie diese beiden vom ihm als wahrscheinlich diagnostizierten Kollaps-Szenarien konkret aussehen würden, wenn so weitergemacht wird wie bisher, in diesem blinden „unrealistischen Optimismus“. Im Klammern an bestehenden Hierarchie- und Machtstrukturen, am Eigentum, an erneuerbare Energie bei unverändertem Konsumverhalten, am Glauben an die Omnipotenz von Wissenschaft und Technik und so weiter.

„Wer sich anpasst und systemkonform verhält, wird es einigermaßen angenehm haben. Das System wird alles tun, um seine Arbeitssklaven ruhig zu stellen.“

Heimraths Ziel ist die Reduktion des Überflusses

Liefert Heimraths Buch über die Post-Kollapsgesellschaft Antworten, wie diese Katastrophenszenarien abzuwenden wären? Nein. Hier wollte kein Werk zur erweiterten Lebenshilfe und Weltrettung vorgelegt werden. Ein solches Ansinnen liegt dem Autor fern.

Aber er will nicht bei der Kritik am Bestehenden verbleiben, sondern durchaus Wege in die Veränderung aufzeigen. Mit seinen Communien stellt er ein Zukunftsmodell vor, das ihm als letztlich einziger Ausweg erscheint. Radikal und kompromisslos, wie es seine Analyse einer verfahrenen Weltlage nahelegt und wie er es immerhin als persönliches Experiment von Vergesellschaftung zu leben versucht.

Das wäre eine Gesellschaftsform, die dem Prinzip der privaten Aneignung vollkommen widerspricht und die abzielen müsste auf eine größtmögliche Reduktion des Überflusses. Das ist mehr als eine Antithese zum Kapitalismus und zur Globalisierung. Und das geht über etliche andere Ansätze hinaus. Denn alternative Modelle wie etwa das urbane Gärtnern oder die Ökodörfer oder die inzwischen weltweite Transition-Town-Initiativen bleiben alle im bestehenden System.

Das Problem, das auch Johannes Heimrath an der Durchsetzbarkeit seiner eigenen Vision zweifeln lässt, ist weniger die Unveränderbarkeit des global herrschenden politischen Systems. Das Problem ist der Mensch, wie er ist, so unzulänglich empathisch und altruistisch. Weswegen er Politik, Ökonomie und gesellschaftliche Verhältnisse so gestaltet, wie sie sind. Daran, am Menschen, ist auch die bislang ausgefeilteste Utopie einer antikapitalistischen Communie gescheitert: der Kommunismus.

 

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