Neil Postman

Wir amüsieren uns zu Tode

Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungs­industrie

 

Amusing Ourselves to Death
Public Discourse in the Age of Show Business

 

1985 bei Viking-Penguin, New York 

1985 bei S. Fischer, 1994: 124.000

Neil Postman :  Wir amüsieren uns zu Tode  (1985)  Urteilsbildung .... 

1985   200+7 Seiten 

DNB.Buch  1985-1994

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Problematisch am Fernsehen ist nicht, daß es uns unterhalt­same Themen präsentiert.

Problematisch ist, daß es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert.

Neil Postman 

Inhalt

 Einleitung  (7-8)

   Anmerkungen (199) 

 Literatur  (205)

 

Leseberichte 

 en.wikipedia.Buch 

Wir verblüffen uns zu Tode - Neil Postmans brave new world Revisited
Buch 2014 vom Postmanschüler Lance Strate

Erster Teil  (Vergangenheit und Theorie; deto)

1   Das Medium ist die Metapher  (11)
2   Medien als Epistemologie  (26)
3   Amerika im Zeitalter des Buchdrucks  (44)
4   Leserverstand  (60) 
5   Die Guckguck-Welt  (83)

Zweiter Teil  (Gegenwart und Praxis; deto)

6    Das Zeitalter des Showbusiness  (105)
7    <Und jetzt ...>   (123)
8    Im Wiegeschritt nach Bethlehem   (141)
9    Sie haben die freie Wahl   (154)
10  Unterricht als Unterhaltung   (174)
11  Huxleys Warnung   (189-198)

 

Noch sind die Diskussionen, die Neil Postman mit seiner Streitschrift <Das Verschwinden der Kindheit> ausgelöst hat, nicht verstummt, da kündigt ein neues Buch von ihm neuen, grundsätzlichen Meinungsstreit an. Denn diesmal kritisiert er die allmähliche Zerrüttung der Kultur­tätigkeiten durch den gewerbsmäßigen Illusionismus, das totale Entertainment.

Postmans These lautet, daß die Medien zunehmend nicht nur bestimmen, was wir kennenlernen und erleben, welche Erfahrungen wir sammeln, wie wir Wissen ausbilden, sondern auch, was und wie wir denken, was und wie wir empfinden, ja, was wir von uns selbst und voneinander halten sollen. Zum ersten Mal in der Geschichte gewöhnen die Menschen sich daran, statt der Welt ausschließlich Bilder von ihr ernst zu nehmen.

An die Stelle der Erkenntnis- und Wahr­nehmungs­anstrengung tritt das Zerstreuungs­geschäft. Die Folge davon ist ein Verfall der menschlichen Urteilskraft. In ihm steckt eine unmiß­verständliche Bedrohung: Er macht unmündig oder hält in der Unmündigkeit fest. Und er tastet das gesellschaftliche Fundament der Demokratie an. Wir amüsieren uns zu Tode.  

detopia-2005:

Wohl 1991 sah ich das Buch mit obigen Cover zuerst in einem Potsdamer Buchladen liegen. Inzwischen kenne ich auch die beschriebene Realität. Wir müssen aber heute erweitern, etwa mit Fromm-Funk-Marketing-Charakter 

 

   

Einleitung  

7-8

In banger Erwartung sahen wir dem Jahr 1984 entgegen. Als es kam und die Prophezeiung nicht eintrat, stimmten nachdenkliche Amerikaner verhaltene Loblieder an – auf sich selbst. Die Wurzeln der freiheitlichen Demokratie hatten gehalten. Mochte anderswo der Terror ausgebrochen sein – uns zumindest hatten Orwells Alpträume nicht heimgesucht.

Aber wir hatten vergessen, daß es neben Orwells düsterer Vision eine zweite gegeben hatte – ein wenig älter, nicht ganz so bekannt, ebenso beklemmend: Aldous Huxleys <Schöne neue Welt>. Entgegen einer auch unter Gebildeten weit verbreiteten Ansicht haben Huxley und Orwell keineswegs dasselbe prophezeit. Orwell warnt vor der Unterdrückung durch eine äußere Macht. In Huxleys Vision dagegen bedarf es keines Großen Bruders, um den Menschen ihre Autonomie, ihre Einsichten und ihre Geschichte zu rauben. Er rechnete mit der Möglichkeit, daß die Menschen anfangen, ihre Unterdrückung zu lieben und die Techno­logien anzubeten, die ihre Denkfähigkeit zunichte machen.

Orwell fürchtete diejenigen, die Bücher verbieten. Huxley befürchtete, daß es eines Tages keinen Grund mehr geben könnte, Bücher zu verbieten, weil keiner mehr da ist, der Bücher lesen will. Orwell fürchtete jene, die uns Informationen vorenthalten. Huxley fürchtete jene, die uns mit Informationen so sehr überhäufen, daß wir uns vor ihnen nur in Passivität und Selbstbespiegelung retten können. Orwell befürchtete, daß die Wahrheit vor uns verheimlicht werden könnte. Huxley befürchtete, daß die Wahrheit in einem Meer von Belanglosigkeiten untergehen könnte. Orwell fürchtete die Entstehung einer Trivialkultur, in deren Mittelpunkt Fühlfilme, Rutschiputschi, Zentrifugal­brummball und dergleichen stehen. 

Wie Huxley in <Wiedersehen mit der ›Schönen neuen Welt‹> schreibt, haben die Verfechter der bürgerlichen Freiheiten und die Rationalisten, die stets auf dem Posten sind, wenn es gilt, sich der Tyrannei zu widersetzen, »nicht berücksichtigt, daß das Verlangen des Menschen nach Zerstreuungen fast grenzenlos ist«. In <1984>, so fügt Huxley hinzu, werden die Menschen kontrolliert, indem man ihnen Schmerz zufügt. In <Schöne neue Welt> werden sie dadurch kontrolliert, daß man ihnen Vergnügen zufügt. 

Kurz, Orwell befürchtete, das, was uns verhaßt sei, werde uns zugrunde richten. Huxley befürchtete, das, was wir lieben, werde uns zugrunde richten.

Dieses Buch handelt von der Möglichkeit, daß Huxley und nicht Orwell recht hatte.

8

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Wir amüsieren uns zu Tode  -- Urteilsbildung und Unterhaltungsindustrie -- Von Neil Postman