Peter Brügge

Die Anthroposophen

Waldorfschulen, biodynamischer Landbau, Ganzheitsmedizin, Kosmische Heilslehre

1984 Spiegel-Verlag, 1988 bei Rowohlt. 

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2019 Die vielen Welten des Rudolf Steiners 

Audio 2011 dradio 

  

1984    158 (202) Seiten 

Wikipedia.Steiner (1861-1925, 64)

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Kommentar 2019:
deutschlandfunkkultur.de/mehr-als-anthroposophie-die-vielen-welten-des-rudolf-steiner 

2015:  deutschlandfunkkultur.de/rudolf-steiner-anthroposophen-in-der-aegyptischen-wueste 

 

Inhalt   

 

Vorwort  (7)   

 

Dokumentation:  

Anthroposophische Einrichtungen und Organisationen: Informationen und Adressen (159)  

Dach­organisationen (161)  

Waldorf-Pädagogik (164)  

Wirtschaft (184)  

Wissenschaft und Bildung (187)

Medizin (192) 

Landwirtschaft (199) 

Literatur­hinweise (201) 

 

 

Rudolf Steiner,1905 

 

 

1  Rudolf Steiner und die Anthroposophie  (9)   Mit Geometrie und Goethe ins Übersinnliche 

2  Die anthroposophische Bewegung  (17)    Das Gute tun aus Lust am Guten  

3  Anthroposophische Wirtschafts-Gemeinschaften  (47)  «Verfrühte Brüderlichkeit enthält Sprengstoff» 

4  Die Waldorfschulen  (73)    Die Seele des Schülers langsam enträtseln 

5  Heilpädagogik und Medizin der Anthroposophen  (101)   Im Patienten ist die Urzeit noch lebendig 

6  Die biodynamische Landwirtschaft  (125)   Strahlung aus Kosmos und Kompost  

 

Kaum eine Bewegung in Deutschland hat soviel Zulauf wie die der Anthroposophen. Zwei Jahre lang recher­chierte SPIEGEL-Reporter Peter Brügge für dieses Buch, in dem erstmals der Versuch unter­nommen wird, das ganze Spektrum anthroposophischer Tätigkeiten zu beschreiben und die Motive der Anhänger Rudolf Steiners zu untersuchen — kritisch zwar, aber nicht ohne Sympathie. In einer Dokumentation findet der Leser Kurzbeschreibungen der wichtigsten anthro­posophischen Ein­richt­ungen, unter anderem die Anschriften aller Waldorfschulen und Waldorf­kindergärten.  

 

Der Künstler Joseph Beuys und der Schriftsteller Michael Ende sind Anthroposophen, aber auch der Industrielle Peter von Siemens; Anwälte, Ärzte und Professoren bilden die Kerntruppen, doch auch Computer-Techniker und Landwirte machen mit. Sechs Jahrzehnte nach dem Tod Rudolf Steiners, des Begründers der Anthroposophie, versuchen immer mehr Deutsche, die Welt und das eigene Leben in dessen kosmischen Dimensionen zu begreifen und neue Bewußtseins- und Sozialmodelle zu entwickeln.

Peter Brügge beschreibt in diesem Buch, was in den derzeit 80 westdeutschen Waldorfschulen vor sich geht, wie Eltern in enger Zusammenarbeit mit speziell geschulten Lehrern den Kindern die Möglichkeit eines angstfreien Lernens verschaffen; er schildert die Praxis und Probleme der Waldorf-Pädagogik, die nicht in erster Linie Wissen vermitteln, sondern die Persönlichkeit der Schüler zur Entfaltung bringen will.

Nach den anthroposophischen Konzepten von Helfen und Heilen leben Steiner-Anhänger in Dorfgemeinschaften mit Behinderten zusammen und erzielen weit bessere Ergebnisse als beamtete Sozialarbeiter. In den Krankenhäusern sowie den Heilstätten und Pflegeheimen der Bewegung erfahren die Patienten eine intensiv anteilnehmende Betreuung durch vielseitig geschultes Personal — ein scharfer Kontrast zu staatlichen Einrichtungen. Seit 1983 werden in der Universität Witten/Herdecke, der ersten privaten Hochschule in der Bundesrepublik, Medizinstudenten im Sinne Rudolf Steiners ausgebildet.

Vorläufer der grünen Ökologen waren Hunderte von anthroposophischen Landwirten, die ihren Boden chemikalienfrei und nach dem Lauf der Gestirne bestellten. In Landwirt­schaftsgemeinschaften bemühen sich viele um einen Mittelweg zwischen sozialistischem Kollektiv und kapitalistischem Familienbetrieb. In den Städten versuchen anthroposophische "Wirtschafts-Gemeinschaften" nach dem Leitsatz zu leben: Aller Einkommen dient aller Auskommen. Ihre Wunsch­vorstellung ist es, ein neues Verhältnis zu Geld und Kapital zu erreichen und ein von Egoismen entgiftetes Eigentumsrecht zu schaffen. Peter Brügge beschreibt, wie weit ihnen das gelingt.

In einer Zeit, die von der Entwertung aller Werte geprägt scheint, hat ein Ideensystem Konjunktur, das mit Antworten auf alle Sinn- und Schicksalsfragen aufwartet. Wie mysteriös sich Steiners okkultes Welt- und Menschenbild auch darbieten mag, es liefert die Energie für die vielfältigen Handlungsmodelle und sozialen Aktivitäten der anthro­posophischen Bewegung.  

  

 

Vorwort

7

Dies ist das Buch eines Reporters. Es befaßt sich mit den Handlungsweisen und Handlungsmodellen von Anhängern Rudolf Steiners: Von sogenannten Anthroposophen also. Das sind Zeitgenossen, die sich im Gegensatz zur Mehrheit im Besitz von Antworten auf sämtliche Sinn- und Schicksalsfragen ihres Lebens wissen. Das befähigt sie zu unvergleichlich konsequenten Bemühungen um einen gesellschaftlichen Wandel.

Zur Beobachtungsweise des Reporters — freilich nicht nur seiner — gehört es, festzustellen, was geschieht, und zu fragen, warum es geschieht. Anthroposophische Tätigkeiten und Wirksamkeiten in der Gesellschaft weiten sich aus, verändern die Lebenshaltung von Hunderttausenden und werden doch öffentlich kaum wahrgenommen als das, was sie sind.

Soweit nämlich die Öffentlichkeit sie zur Kenntnis nimmt, geschieht dies unter kunstfertiger Aussparung der Frage nach dem Warum. In einer Gesellschaft, die unentwegt nach Motiven sucht und sie jedweder Tatbeschreibung eilfertig beimengt, werden die eigentlichen Beweggründe der Anthroposophen von den Werken der Anthroposophen abgetrennt und aus den Schilderungen ausgeblendet. Meist wird darüber geschwiegen, daß es sie überhaupt gibt.

Eine Erklärung dafür findet sich schnell: Diese Motive sind schwer zu verstehen und noch schwerer zu erklären. Sie führen ins Übersinnliche, Uferlose, in Bereiche, wider die sich die nach wie vor herrschende cartesianische Naturwissenschaft seit Jahrhunderten vorsätzlich abschirmt. Es handelt sich um Motive kosmischen und karmischen Ursprungs. Für Anthroposophen sind sie so real wie für die Beobachter zunächst nur die darin wurzelnden Taten der Anthroposophen es sind: Das Lehren, das Heilen, der andere, organische Umgang mit Boden und Natur und Kapital.

Anthroposophen scheuen allerdings — und das behindert sie im Umgang mit der Öffentlichkeit — die Abwehr­haltungen derer, die sich bei flüchtiger Begegnung mit anthroposophischem Denken ob seiner Befremdlichkeit und Unergründlichkeit ereifern oder erheitern. Dabei gibt es an dem, was Anthroposophen bewegt, vieles, was auch ihnen selbst zunächst — und nicht selten anhaltend — unerklärlich bleibt. Bemerkenswert erscheint das insofern, als Bildungsgrad wie Ausdauer anthroposophisch Engagierter zweifelsfrei weit oberhalb des Durchschnitts eingeordnet werden müssen.

Dies ist das Buch eines Reporters, der zwei Jahre lang unterwegs war, um beides zu begreifen und ohne esoterische Umschweife darzustellen: Die Taten und die Motive; den Vollzug und das sich darin immer wieder abzeichnende Grundmuster einer okkulten Welt- und Lebenserklärung. Anthroposoph ist er dabei nicht geworden, wohl aber ein Steiner-Leser. Denn ehe einer anfängt, von Anthroposophen etwas über ihre Arbeit zu erfahren, tut er gut daran, sich erkundend umzusehen nach Rudolf Steiners Lebenslauf und Lebenswerk. Die Webfäden dieser tätigen Denk-Bewegung gehen samt und sonders von dort aus. Wir werden ihnen in der zu beschreibenden anthroposophischen Praxis, auch in den gesellschaftlichen Eigenarten von Anhängern Steiners in immer neuen Variationen begegnen.

8

München, im April 1984,
Peter Brügge  

 

 

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