Heinz Haber 

 

Stirbt unser blauer Planet?

Die Naturgeschichte

unserer übervölkerten Erde

 

Widmung: Für die fünf Milliarden Kinder,

geboren im letzten Drittel dieses Jahrhunderts

 

Mit 52 Abbildungen

 

1973 in DV-Anstalt
1975 als Rororo-Sachbuch,
(nur) eine Auflage mit 28.000

Heinz Haber :  Stirbt unser blauer Planet ?  (1973)  Naturgeschichte unserer ... Erde 

1973    150 Seiten   (*1913)

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1970-Buch    Umweltbuch 

 

Flechtheim   Huxley   Löbsack-74   Jungk

Lorenz   Taylor   Liebmann-73 

 

Inhalt

Vorwort (7)

 Bildnachweis (154) 

Umschlagbild aufgenommen am 18.11.1967 von dem ATS-3-Satelliten 

 

Verlagstext:

Mit seinem Buch zur gleichnamigen Fernsehserie will Heinz Haber nicht die Reihe apokalyptischer Visionen verlängern. Ihm geht es um sachliche Aufklärung, von der allein eine Änderung unseres selbstzerstörerischen Verhaltens kommen kann.

 

Er zeichnet die Naturgeschichte und Natur­gesetz­lichkeit der Erde nach, deren Teil wir sind, und betrachtet kritisch die Auswirkungen einer naiven Technologie auf das delikate Gleichgewicht ökologischer Systeme. 

Bei aller Bedrohlichkeit der Entwicklung setzt Haber auf das Lernvermögen des Menschen, gibt er ihm eine Zukunft.

«Der Mensch ist als Gattung zu erfolgreich gewesen.» 

Befähigt zur Beherrschung der Naturkräfte, doch ohne Einsicht in ihr Zusammenspiel, hat er eine gefährliche Spirale von Supertechnologie und Bevölkerungszuwachs in Gang gesetzt. 

Der blaue Planet wird die massiven Eingriffe in sein chemisches und biologisches Gefüge überleben, der Mensch vielleicht nicht. 

1    Das ungelöste Problem  (9)

2    Das goldene Gleichgewicht  (18) 

3    Die menschliche Zeitbombe  (29) 

4    Unser täglich Brot  (39) 

5    Keine Rose ohne Dornen  (50) 

6    Das kostbare Luftmeer  (62) 

7    «Alarm» — ein Gramm pro Tonne   (75) 

8    Unser Feind, das Atom  (89) 

9    Mensch und Energie  (102) 

10  «Seid fruchtbar und mehret euch»  (117) 

11  «Der letzte Intelligenztest»  (129) 

12  «Morgen, morgen, nur nicht heute!»   (142)  

 


Fernsehsendung 1974

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Stirbt unser blauer Planet? war der Name einer populärwissenschaftlichen Fernsehsendung, die 1974 im Zweiten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Moderiert wurde sie von dem Physiker und Wissenschaftsjournalist Heinz Haber. Haber beleuchtete in jeder der zwölf Folgen Probleme der menschlichen Gegenwartsgeschichte, die er in seinem ein Jahr zuvor erschienenen, gleichnamigen Buch Stirbt unser blauer Planet? Die Naturgeschichte unserer überbevölkerten Erde veröffentlicht hatte. Darin warnte er vor den Folgen eines unkontrollierten globalen Bevölkerungswachstums und der damit verbundenen, fortschreitenden Umweltverschmutzung und -zerstörung, den Problemen einer ausreichenden Nahrungsmittel- und Energieversorgung auf der Erde und wies auf die Grenzen des technologischen Fortschritts und ökonomischen Wachstums hin. Gleichzeitig beklagte er den mangelnden Handlungswillen der politischen Funktionsträger bei der Bekämpfung dieser Probleme und stellte indirekt die Zukunftsfähigkeit der Menschheit als Erdbewohner in Frage.

Die halbstündige Sendung wurde zunächst am Donnerstag um 16:30 Uhr ausgestrahlt, später erhielt sie einen neuen Programmplatz am Sonntagnachmittag. Alle zwölf Folgen wurden von November 1974 bis April 1975 im gemeinsamen Vormittagsprogramm von ARD und ZDF wiederholt.

 

    

Vorwort      1973 von Heinz Haber  

7-8

In regelmäßigen Abständen von zwei, drei oder fünf Jahren pflege ich die Bücher meiner Lieblingsautoren zum zweiten- oder drittenmal zu lesen: Aldous Huxley, Robert Jungk, Arthur Koestler und Isaac Asimov, um nur einige zu nennen. Der Zufall will es, daß gerade diese Autoren, deren Ideenreichtum mich immer schon fasziniert hat, sich alle in ihren jüngsten Büchern mit der Zukunft der Menschheit und ihrer schweren Problematik befaßt haben. 

So war ich nicht nur erfreut, sondern sogar auch erstaunt, als ein weiterer Lieblingsautor von mir, der amerikanische Novellist James Michener, mit seinem letzten Buch ebenfalls dieses Thema angepackt hat. Von ihm hatte man es eigentlich überhaupt nicht erwartet. Er ist ja der große Verehrer des Pazifik und der Südsee, und von ihm stammen die klassischen Werke <Return to Paradise>, <Sayonara> und <Hawaii> — die große Saga dieser schönen Inselgruppe. 

Sein letztes Buch trägt den Titel <The Quality of Life>, was man nicht einfach mit <Die Qualität des Lebens> übersetzen darf. Besser sollte man sagen: <Das gute Leben.> Michener befürchtet mit Recht, daß die Übervölkerung und die Supertechnik unserer Zeit bald unser gutes Leben zerstören würden. Einige Passagen aus diesem Buch sind so markant, daß ich sie hier ohne jede Auslassung zitieren möchte:

«Ich bin von einem Argument tief beeindruckt, daß nämlich der Mensch, wenn er eine bestimmte Dichte in seiner Bevölkerung erreicht, selbst ein Element der <Verschmutzung> wird. Seine Umwelt muß verderben — gleichgültig, welche Schritte der Mensch auch dagegen unternimmt. Die Abwässer, der Müll, die Luftverschmutzung — der Zwang, immer mehr Straßen und Parkplätze zu bauen, das Bedürfnis nach immer größeren Schulen und Supermärkten, die Erschöpfung der Naturschätze vom Wasser bis zum Molybdän — diese Faktoren vereinen sich, um die natürliche Kulisse, in der der Mensch gedeiht, zu zerstören. ---  Sodann, wenn man noch den Lärm dazuzählt, das physische Gedränge, das ständige Gezerre an den Nerven, der psychische Schock, den wir erleben, wenn immer größere Zahlen von Menschen durch Streiks und soziale Unruhen um ihren Anteil der sich immer weiter vermindernden Naturschätze raufen — wenn man an den Ärger denkt, daß die Müllabfuhr nicht funktioniert und Flugzeuge gekapert werden: dann steht man einer psychologischen Verschmutzung gegenüber, die am Ende das Leben nicht mehr lebenswert macht.»

Ich hätte diese Passage aus dem Buch von Michener nicht zitiert, wenn sie nicht mein Thema so einfach und geschlossen umrissen hätte. Man kann dem eigentlich nichts hinzufügen, und es wäre nach den Werken der genannten Autoren auch gar nicht nötig, noch ein weiteres Buch über das Thema zu schreiben, das allgemein unter den Begriffen <Übervölkerung> und <Umweltverschmutzung> läuft. 

Als Naturwissenschaftler jedoch liegt mir daran, eine Naturgeschichte dieses Phänomens zu schreiben. Dabei möchte ich mich, soweit ich es kann, an die Tradition naturwissenschaftlicher Darstellungen halten — eine Tradition, welche die Dinge möglichst leidenschaftslos beschreibt. 

So kommt es mir in erster Linie darauf an, die Naturgesetzlichkeit meines gewählten Themas zu erläutern. Die zum Teil sehr erschreckenden Tatsachen jedoch zwingen mich immer wieder dazu, zu einzelnen Konsequenzen Stellung zu nehmen. In diesen Punkten freilich wird das vorliegende Manuskript subjektiv, und meine Schlüsse müssen auch mit einem Körnchen Salz entgegengenommen werden. 

Vor der Abfassung dieses Manuskripts bin ich gebeten worden, der Darstellung vielleicht doch eine etwas optimistischere Tendenz zu geben. Für die Aufzählung einer reinen Naturgesetzlichkeit wäre das nicht möglich — denn hier zählen ja nur nachweisbare Fakten. 

Worauf ich hier jedoch anspiele, ist ein persönlicher Rat, den mir mein Kollege und langjähriger Freund Robert Jungk gegeben hatte, als ich ihm von meinen Plänen für dieses Buch zum erstenmal erzählte: «Bitte stelle die Dinge nicht so hoffnungslos dar, wie sie dir jetzt wohl erscheinen. Gib' dem Menschen mit seiner Fähigkeit, auch gewaltige Probleme lösen zu können, doch einen gewissen Kredit.» 

Ich weiß nicht, ob mir die Beschreibung der Naturgesetzlichkeit unseres Themas ausreichend Raum gelassen hat, dem Vorschlag meines Freundes Robert zu folgen. Ich kann nur sagen, daß ich mein Bestes getan habe. 

Wenn ich bei dieser Darstellung schon Subjektivität nicht vermeiden konnte, so wollte ich wenigstens auch ihre Vorzüge nutzen. Bei der Abfassung habe ich immer wieder von der Form der ersten Person Gebrauch gemacht — eigentlich nur deshalb, weil entscheidende Entwicklungsphasen dieses Themas in die Jahrzehnte meiner eigenen Erfahrungen als Wissenschaftler fallen. 

Zusammen mit Robert Jungk wird mancher Leser den Eindruck gewinnen, daß die Dinge vielleicht doch nicht ganz so bedrohlich seien, wie ich sie an vielen Stellen hier dargestellt habe. Andererseits braucht ja auch das vorliegende Manuskript nicht das letzte zu sein, das alles enthält, was ich zu diesem Thema vielleicht noch zu sagen habe.

8

Seefeld in Tirol im Frühjahr 1973, 
Heinz Haber  

 

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