Gordon Rattray Taylor 

Zukunfts­bewältigung

Wie diese Zukunft zu vermeiden ist

How to Avoid the Future 

Mit einem Gespräch mit Stern 

1975 by Gordon Taylor
1976 by Hoffmann und Campe 
1978 by Rowohlt Taschenbuch

Gordon Rattray Taylor - 1975 - Zukunftsbewältigung  - Wie diese Zukunft zu vermeiden ist - How to Avoid the Future   

1975    358+13 Seiten  (*1911) 

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Ökobuch   1975-Buch 

Taylor-1970   Taylor-1972 

Alfven.69    Löbsack.74    Gruhl.75   Eppler.75    Flechtheim.87 

Lauterburg.98   A.Koestler   H.Kahn 

 

Mit Taylors Buch liegt eine engagierte Untersuchung unserer Industriegesellschaft vor. An Hand des umfangreichen, exakt recherchierten Materials stellt der Autor den Verfall nahezu aller Verhaltens­weisen und Institutionen fest, die gesell­schaftlichen Zusammenhalt bewirken.

Sein Buch zeigt keine nostalgische Sehnsucht nach dem Gestern, sondern appelliert eindringlich dafür, Eigen­nutz und bloßen Sach­verstand als Entscheidungs­kriterien durch Verant­wortungs­gefühl für den Nächsten zu ersetzen. Nur so ist menschen­würdiges Überleben auch in der Zukunft möglich.

Eine völlige Umwertung aller bisher gültigen Wertvorstellungen, zunehmende Gewalttätigkeit, der Verlust einer aufs gesell­schaftliche Ganze gerichteten Moral, eine «Ohne-mich»-Haltung zerstören gesellschaftliche Strukturen. Eigen- oder Gruppen­interessen werden zum einzigen Maßstab des Handelns, lähmen die Gesellschaft als Ganzes und beschwören einen neuen Totalitarismus herauf.

Hier setzt Taylors eindringlicher Appell ein, umzudenken. Obgleich in seinen Prognosen die Skepsis überwiegt, sieht er noch Chancen für ein menschenwürdiges Überleben, allerdings nur in der Überwindung des schieren Eigennutzes durch ein Verant­wortungsgefühl für den Nächsten. Bloßer Sachverstand als Entscheidungs­kriterium muß abgelöst werden durch moralische Wertvorstellungen, die der ganzen Menschheit dienen. 

 

Inhalt

Vorbemerkung (12)

Frank und Ivy in herzlicher Verbundenheit gewidmet

Nachtrag  (359) 

Gespräch mit Stern (365)

Übersetzung: Wolf-Dieter Bach 

Literatur  (361) 

Register (375-381)

Teil 1  Ist die Zukunft schon vergeben?  

1. Möglichkeiten der Zukunft (15)    2. Das Unerwartete sehen  (32)  Szenarios

Teil 2  Die Risse im Inneren 

3. Sozialer Verfall  (49)   4 Verwundbare Welt (69)  5  Flut des Hasses  (85)  6. Was Menschen zusammenhält (107)

Teil 3  Historische Rückblende 

7  Warnendes Beispiel Rom (127)  

Teil 4  Gefahrenmomente 

8. Vom Chaos zur Tyrannei  (143)  9. Unregierbarkeit  (152)  10  Finanzkatastrophen  (171)  11.Elite ohne Charisma (191)

Teil 5  Praktische Probleme 

12. Den Gürtel enger schnallen (211)   13. Drohender Klimawechsel (227)   14.  Mit Energie planen (246)    15.  Kein Platz für Menschen (272)    16.  Hunger (291) 

Teil 6  Vorschläge 

17. Vorschläge zur Gesellschaft (310)  18. Was den einzelnen angeht (325)   19. Perspektiven  (342)

        

 

Vorbemerkung

12-14

 Menschen, die ihren Kopf in den Sand stecken, hat Robert Graves mit witziger Wortschöpfung struthious genannt — vogel­strauß­meierisch, ließe sich deutsch übersetzen. Gern hätte man dazu das entsprechende Substantiv: Arthur Koestler schlug Old Struthonians vor — Ewige Vogelstrauß­meier. Mein Buch richtet sich nicht an Aspiranten dieser Bruderschaft.

Wer Zukunftsgefahren abwenden will, sollte sie zunächst schärfer ins Auge fassen. Zwar ahnen viele Menschen, daß es höchste Zeit ist, Zukunfts­gefahren abzuwenden, aber sie denken lieber nicht daran, solange sie sich einbilden können, es ginge auch so. Schließlich ist es eine Binsenweisheit der Psychologie, daß der eine sich um Probleme herumdrückt, indem er so tut, als gäbe es sie nicht, während der andere sie klug hinweg­argumentiert. Beides führt zu nichts.

Jeder Versuch, Voraussagen auf die Zukunft zu wagen, ist ein gefährliches Spiel. Man sieht es einem noch nach, wenn die Prophezeiung falsch war. Hat man aber recht, dann ist das schon unverzeihlich. Optimismus ist ja so herrlich bequem. Wer seinen Optimismus in Frage gestellt sieht, wird kurzerhand die Berechtigung warnender Einwände in Zweifel ziehen. Mit dem Wort «Untergangs­mache» wischt man alles vom Tisch.

Manche meiner biologischen Erwägungen, die seinerzeit als weit hergeholt abgetan wurden, bestätigen sich mit jedem weiteren Jahr. Die Hunger­katastrophe, die ich vor fünf Jahren kommen sah, ist bereits eingetroffen, und alle, die damals schwarz auf weiß verlauten ließen, wir würden einen Überschuß an Nahrungs­mitteln produzieren, können jetzt schwerlich stolz auf ihre prognostische Bauchlandung sein. «Ja, jetzt haben wir den Hunger», wird allenfalls unwirsch zugegeben, «aber mit ein paar Bestsellern kommt man auch nicht dagegen an.»

Die Zukunft - um es rundheraus zu sagen - wird verdammt hart werden: Mehr Gewalt als seit Menschen­gedenken, mehr soziale Unruhe, mehr Unsicherheit. Das Leben wird ein höheres Maß an Unannehmlichkeiten mit sich bringen, die Enttäuschung wird allgemein wachsen, der Lebensstandard wird sinken. Finanz­katastrophen werden sich häufen, ganze Gesellschafts­schichten sind zum Untergang verdammt.

Es wird Mangel herrschen an Nahrungsmitteln und Rohstoffen; Lärmbelästigung und Umweltverschmutzung sind nicht mehr zu bewältigen. Hungersnöte, Kriege und Bürgerkriege, lösen einander ab. Das Klima wird sich verschlechtern. 

Und all dies wird mit Sicherheit eintreffen, wenn wir nicht ganz entschlossenen Schritte dagegen unternehmen — besser noch gestern als heute.

Es sieht im Augenblick aber gar nicht so aus, als sei Bereitschaft zu solchem Handeln gegeben. Lieber hofft man darauf, es werde da schon einer auf den richtigen Knopf drücken, damit solche Entwicklungen abgewendet oder doch abgemildert werden.

Was ich hierüber geschrieben habe, soll nicht bloß als geballte Ladung oder als Zeitbombe im leeren Raum verpuffen. Es ist das Ergebnis meiner Über­legungen zur Entwicklung der Menschheit während der letzten dreißig Jahre, die ich immer wieder in Veröffentlichungen vorgebracht habe. Ein Manuskript blieb mir allerdings im Schreibtisch liegen, weil kein Verleger zu finden war: <Theorie des sozialen Zusammenbruchs> hätte es heißen sollen — um 1950 hatte ich es geschrieben. Dieses Buch hier ist nun das sechste in einer Reihe, die ich <Der soziale Imperativ> nennen möchte.

Wie die Probleme anzupacken wären, liegt eigentlich klar auf der Hand, ebenso, daß dies mit Unannehmlichkeiten verbunden ist. Auf allen Gebieten, die von den entscheidenden Fragen berührt werden, gibt es Experten, die erleben müssen, daß die jedem Fachmann einsichtigen Notwendigkeiten und Möglichkeiten des Handelns einfach nicht erkannt werden, weil die Regierungen entweder die Fragen nicht verstehen oder die Wählerschaft nicht verärgern wollen oder aber unter dem Einfluß von Interessen­gruppen stehen. 

Wer daran etwas ändern will, muß die öffentliche Meinung wachrütteln. Dazu aber bedarf es eines realistischen Blicks auf die Probleme, und es ist notwendig, ganz deutlich zu machen, welche Folgen es für jeden einzelnen haben wird, wenn er den Kopf in den Sand steckt. 

Hier aber soll jetzt versucht werden, einen abwägenden Blick auf die treibenden Kräfte zu richten, die Anlaß zu großer Besorgnis geben. Die moderne Industrie­gesellschaft kann nicht ihre Aufgaben erfüllen, wenn nicht ein hohes Maß an sozialer Verzahnung der einzelnen Gruppen gegeben ist. Aber diese Verzahnungen sind schon sehr locker geworden.  

In welchem Land das erste Auseinanderbrechen der Sozialstruktur eintreten wird, bleibt der Mutmaßung überlassen. Italien etwa? Ich möchte eher auf Groß­britannien tippen. Denn Großbritannien ist auch das erste Land gewesen, das die Demokratie versucht hat, das mit der Industrial­isierung begann, das Gewerkschaften ins Leben rief — und was immer sich an Erst-Errungenschaften noch nennen ließe. So besteht einiger Grund zu der Annahme, daß es auch auf dem Wege der sozialen Auflösung schon weiter fortgeschritten ist als andere Länder. Und sicherlich gibt es in dieser Hinsicht höchst beunruhigende Anzeichen, auf die noch zurückzukommen sein wird. Mir schienen daher aus Großbritannien stammende Beispiele und Daten besonders geeignet, Zukunfts­perspektiven zu illustrieren — daß ich in England lebe, hat damit weniger zu tun.

13-14

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